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Mit dem Velo durch die Welt
Eine zehnjährige Radtour quer durch alle Kontinente
Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen, sagt der Volksmund. Wenn zwei zehn Jahre als Rad-Nomaden unterwegs sind, 160000 Kilometer zurücklegen und 58 Länder in 5 Kontinenten bereisen, können sie ein Buch schreiben, möchte man ergänzen. Und tatsächlich haben die deutsche Biologin Dorothee Krezmar und der Schweizer Elektromonteur und Velogeschäftleiter Kurt Beutler ihre Erfahrungen auf dieser Odyssee im Buchform festgehalten. Wobei anzumerken ist, dass das Werk wohl in erster Linie für die Autoren selbst geschrieben wurde, um Erinnerungen zu bewahren. Erst in zweiter Linie richtet sich das Buch auch an eine interessierte Leserschaft, die dank den Aufzeichnungen zum Teil hautnah an dem Abenteuer teilhaben kann.
Dass es ein Abenteuer war, wird sehr deutlich, auch wenn die Autoren bewusst darauf verzichten, ihre zehnjährige Rad-Weltreise als heroische Tat hinzustellen. Sie schildern vielmehr in einfacher Sprache ihre Eindrücke und Gefühle. So heißt es etwa zu Neuseeland, wo sie 2004 im sechsten Jahr ihrer Tour eintrafen und wo sie den 100 000. Kilometer ihrer Reise feierten: „Neuseeland kam uns sehr klein vor. Doch schon bald mussten wie einsehen, dass wir die Grösse dieses Landes unterschätzt hatten. Die drei Monate, die wir hier verbrachten, reichten nicht, um ganz in den Norden und ganz in den Süden zu fahren, obwohl wir fast 5000 Kilometer auf diesen zwei Inseln zurücklegten.“
Ebenso undramatisch schildert die heute 50-jährige Krezmar einen Selbstunfall, den sie bei Wellington auf einer Mountainbike-Strecke erlebte: „Das letzte Stück führte über einen schönen, schmalen Single-Track (Fussweg), rechts die Felswand und links der Abgrund. Mit meinen Vordertaschen streifte ich den Fels, kam ins Schlenkern und stürzte mit vollbepacktem Rad etwa zehn Meter die Böschung hinunter. Zum Glück landete ich weich auf Dornenbüschen.“ Dass die Sache aber letztlich doch nicht ganz glimpflich ablief, erfährt der Leser kurz darauf: „Ich hatte viele Kratzer von den Dornen abbekommen und eine tiefe Schnittwunde am Unterschenkel. Nach einem grossen Kraftakt hatten wir alles wieder auf den Weg hinauf befördert, und ich musste noch 50 Kilometer bis zur nächsten Krankenstation fahren, wo die Wunde gesäubert und versorgt wurde.“
Alles in allem, so betonen die Autoren, habe die Rad-Weltreise aber unter einem günstigen Stern gestanden. Das hat wohl auch mit dem Naturell der beiden Velofreaks zu tun, die zuvor bereits in Südamerika Erfahrungen mit Radreisen gesammelt hatten. Sie zogen offensichtlich ohne grosse Bedenken und ohne Vorurteile in die Welt hinaus und waren bemüht, keine unnötigen Risiken einzugehen. Entsprechend positiv klingt auch ihr Fazit: „Auf unserer Odyssee lernten wir eine sehr viel bessere Welt kennen als die von den Medien gekennzeichnete.“
Diese optimistische Note darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beiden etliche Herausforderungen und einiges an Unbilden auf sich zu nehmen hatten. Eine im Buch enthaltene Statistik spricht Bände: 37 Pässe über 4000 Meter, davon 5 über 5000 Meter, waren zu überwinden. 20 Bremsklötze, 70 Reifen, 51 Schläuche, 50 Ketten, 4 Vorder- und 6 Hinterradnaben und 17 Felgen wurden gebraucht – von den 33 durchgesessenen Radlerhosen ganz zu schweigen. Und weil sie mit dem Zelt unterwegs waren, kostete jeder Tag im Durchschnitt umgerechnet nur gerade 5 Euro pro Person. |
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