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ReiseführerMoskau

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  • Preis inkl. MwSt.
 
  • Reiseführer Moskau
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  • Versand ab 10 Euro kostenfreiAutor: Johenning, Heike Maria
    ISBN: 978-3-8317-1882-5
    Seitenanzahl: 348
    Auflage: 2., neu bearbeitete und komplett aktualisierte Auflage
    Erscheinungsjahr: 2010

    Ausstattung:
    komplett in Farbe, 16 detaillierte Karten und Stadtteilpläne, Stadtplan als Faltplan zum Herausnehmen, ausführliches Register, Griffmarken, russische Sprachhilfe, strapazierfähige PUR-Bindung
    Format (h x b x t): 18x12

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Russlands Hauptstadt ist heute eine pulsierende asiatisch-europäische 11-Millionen-Metropole. Neben dem bekannten Moskau mit Kreml, Rotem Platz, Tretjakow-Galerie und Neujungfrauenkloster wird in diesem ausführlichen Stadtführer voller Reise-Know-How auch das unbekannte Moskau beleuchtet: Teeclubs, Wohnhausmuseen, Stadtstrände, Galerien und Souvenirgeschäfte für Sowjetnostalgiker. Orte, die bislang in keinem deutschen Moskau-Reiseführer zu finden sind, werden wieder lebendig: Lenins Landsitz, die Revolutionsdruckerei von 1905, das Lomakow-Oldtimer-Museum, ...

    Aus dem Inhalt von CityGuide Moskau:
  • Alle praktischen Reisefragen von A bis Z.
  • Sorgfältige Beschreibung der interessantesten Stadtteile mit ihren Sehenswürdigkeiten.
  • Sieben Stadtrundgänge, Architektur-Schwerpunkt und Ausflüge in die Umgebung.
  • Unterkunftsempfehlungen für jeden Geldbeutel und Geschmack.
  • Die Gastronomie in ihrer ganzen Vielfalt:Restaurants, Cafés, Teeklubs, Bars, Imbiss-Restaurants.
  • Verkehrsmittel von Auto, Bus und Bahn bis Metro und Taxi.
  • Ausführliche Kapitel zu Geschichte, Kunst, Kultur und Architektur.
  • Ausgewählte Adressen zum Shopping:Kaufhäuser, Boutiquen, Galerien, Einkaufspassagen, Kioske.
  • Aktuelle Tipps zum Nachtleben: Bars, Klubs, Discos.
  • 16 detaillierte Karten und Stadtteilpläne, durch das clevere Nummernsystem eng mit dem Text verzahnt.
  • Stadtplan als praktischer Faltplan zum Herausnehmen.
  • Kleine Sprachhilfe Russisch.



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Vier News von Autorin Heike Maria Johenning (Oktober 2011)

1.) Seite 80:
Das Wachsfigurenkabinett gibt es nicht mehr, bzw. in einer abgespeckten, schlecht gemachten Version im Allrussischen Ausstellungszentrum (WWZ) (Seite 262)

2.) Seite 261:
In dem Kartenmaterial zum Friedhof Neujungfrauenkloster sind drei Gräber falsch eingezeichnet: Nadeschda Allilujewa liegt in Gruft 43, Reihe 1, Gogol in Gruft 12, Reihe 2 und Raissa Gorbatschowa in Gruft 26, Reihe 8.

3.) Seite 181:
Die Öffnungszeiten des Lenin-Mausoleums haben sich geändert: Es ist außer montags und freitags von 10-13 Uhr geöffnet.

4.) Seite 83:
Der angesagteste Moskauer Nachtclub ist derzeit "Club Soho Rooms", Sawwinskaja Nabereschnaja 12/8, Metro: Kiewskaja, www.sohorooms.com

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Rezensionen

ekz-Informationsdienst
Rezension vom: 06/10
Der attraktive Reiseführer mit vielen reisepraktischen Informationen für die Metropole Moskau, historische, kulturelle, architektonische oder kulinarische Höhepunkte. Die empfohlenen Rundgänge und Ausflüge zu Sehenswertem sind umfassend beschrieben und gute Detailkarten erleichtern das Zurechtfinden. Im Anhang Literaturtipps, kleine Sprachhilfe, Register und der City-Atlas, als Zugabe ein herausnehmbarer City-Faltplan (1:15.000). Empfehlenswertes Buch vor allem für das individuelle Entdecken.


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In diesem Kapitel tauchen wir ins Herz der russischen Hauptstadt ein. Neben den für eine Metropole wie Moskau unentbehrlichen und daher besonders ausführlichen Orientierungs­hilfen von „A“ wie Ankunft über „S“ wie Stadttouren bis „V“ wie Verkehrsmittel finden sich auf den folgenden Seiten auch alle wichtigen Adressen und Beschreibungen von Restaurants, Hotels, Geschäften, Galerien, Museen, Clubs und Theatern. So lassen sich die Geheimnisse der russischen Hauptstadt individuell entdecken.

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Praktische Reisetipps aus dem Buch

PRAKTISCHE REISETIPPS aus dem Buch 

Ankunft (siehe Reiseführer S. 28)

Flugauskünfte findet man auch auf der Website der Flughäfen. Der Flughafen Scheremetjewo 2 ist telefonisch zu erreichen unter Tel. 2326565, Wnukowo unter Tel. 9375555, Domodedowo unter Tel. 9336666.

Wichtig: Auf der Rückreise sollte man eine lange Vorlaufzeit für alle drei Flughäfen einplanen. Am besten ist man schon 2 Stunden vor Abflug an Ort und Stelle, da Pass- und Sicherheitskontrolle viel Zeit in Anspruch nehmen.

Flughäfen [Umgebungskarte S. 322]

Aktuelle Fahrzeiten aller Airport-Busse findet man unter www.aeroexpress.ru. 30 Kilometer außerhalb der Stadt liegt der größte Moskauer Flughafen Scheremetjewo (http://svo.aero). Er wurde für die Olympischen Spiele 1980 nach dem Vorbild des Flughafens in Hannover gebaut und wird gerade saniert. Bis zur vollständigen Renovierung empfängt das in schummriges Licht getauchte Terminal 2 mit seinen braunen Deckenelementen den Reisenden. Der Geruch von Moskau, ein „Parfüm“ aus Schwarzbrot, Wodka, Rohöl, Seife und Knoblauch, fällt dem Reisenden sofort auf. Die Pass- und Zollkontrolle geht mittlerweile schneller.

Domodedowo (www.domodedovo.ru) ist nach seiner Generalüberholung 2002 Moskaus modernster und bester Flughafen. Pass- und Zollkontrolle sind sehr gut organisiert. Auch die Gepäckabwicklung geht zügig vonstatten. Mehr und mehr internationale Fluglinien bieten Flüge nach Domodedowo an.

Germanwings fliegt den Flughafen Wnukowo (www.vnukovo.ru) an, der ebenfalls modernisiert und seit August 2005 auch durch einen Expresszug mit der Innenstadt verbunden ist.

Auf allen drei Flughäfen kann man in der Ankunftshalle mit der EC- oder Kreditkarte die ersten Rubel abheben. Wechselstuben sind auch noch vorhanden, aber letztlich unnötig.

Von Scheremetjewo in die Stadt

Im Ausgangsbereich des Flughafens wird man sofort von aufdringlichen Taxifahrern belästigt. Mit einem freundlichen „njet, spasibo“ (Nein, danke) sollte man weitergehen und den neuen Aero­expresszug ansteuern, der ab 5 Uhr bis 24 Uhr halbstündlich vom Internationalen Flughafen Scheremetjewo 2 abfährt. 30 Minuten später erreicht man den Weißrussischen Bahnhof/die Metro Belorusskaja. In umgekehrter Richtung fährt der erste Zug um 5.30 Uhr ab Belorusskaja. Nach kurzem Halt an der Metro Sawjolowskaja geht es ohne Zwischenstopp weiter. Der letzte Airport-Express verlässt Belorusskaja um 1 Uhr nachts Richtung Flughafen. Zwischen dem Inlandsflughafen Scheremetjewo 1 und Scheremetjewo 2 sowie Terminal C verkehren kostenlose Shuttle-Busse (ca. 20 Min.)

Organisiert man einen Transfer vom Hotel aus, muss man mit 40 € rechnen, offizielle (gelbe) Taxis dürfen nicht mehr als 60 € kosten, Privatfahrer nehmen um die 30 €. Je besser die Russisch-Kenntnisse, umso niedriger der Preis.

Sollte man einen Mietwagen (siehe Kap. „Autofahren“) gebucht haben, kann man ihn am Flughafen in Empfang nehmen und sich selbst auf den Weg in die Stadt machen. Die Beschilderung ist allerdings auf Russisch.

Von Domodedowo in die Stadt

Eine große Erleichterung ist die Direktverbindung dieses Flughafens in die Innenstadt. Der Airport-Express befindet sich zwar am anderen Ende des Ankunftsbereiches (in der Halle 50 Meter links), ist aber pünktlich und gut organisiert. Für etwa 6 € kauft man ein Ticket am Schalter und hält dann den Strichcode an die Schranke. Der neue, aber dennoch mit hübschen russischen Gardinen ausgestattete Zug fährt fast immer zur vollen und zur halben Stunde in der Zeit von 7–24 Uhr in 40 Min. zur Metrostation Pawelezkaja im Süden der Stadt. Von dort aus ist man überall relativ schnell. Der letzte Zug ab Domodedowo fährt um 24 Uhr. Ab Pawelezkaja fährt der erste Zug um 6 Uhr, der letzte um 24 Uhr Richtung Flughafen.

Taxis machen eigentlich nur dann Sinn, wenn man nachts ankommt (40 € pro Strecke), die Autovermietungen sind gekennzeichnet.

Von Wnukowo in die Stadt

Am Flughafen Wnukowo wurde 2005 ein unterirdischer Bahnhof eingeweiht, von dem aus die Passagiere in nur 35 Minuten ins Zentrum fahren können. Im Stundentakt fährt der Airport-Express täglich ab 7 Uhr bis 1 Uhr nachts (außer um 14 Uhr!) zum Kiewer Bahnhof (kiewskij woksal). Vom Kiewer Bahnhof fährt der letzte Aeroexpress um 24 Uhr, der erste morgens um 7 Uhr. Die modernen Züge ähneln denen, die vom Flughafen Domodedowo abfahren. In einer separaten Abfertigungshalle des Kiewer Bahnhofs können Fluggäste ihr Gepäck aufgeben. Teilweise ist die Bahnfahrt bereits im Ticketpreis enthalten. Erst 2008 ist in Wnukowo ein neues, ultramodernes Terminal fertiggestellt worden.

Bahnhof

Alle Züge aus Westeuropa kommen am Weißrussischen Bahnhof (belorusskij woksal) im Norden der Stadt an. Von diesem Bahnhof aus fuhren 1941 die Rotarmisten in den Krieg gegen Deutschland. Er ist einer von neun Kopfbahnhöfen und steht unter Denkmalschutz. Auch hier gibt es EC-Automaten, an denen man Rubel bekommt. Im Bahnhof befindet sich die Metrostation Belorusskaja. Das Zentrum erreicht man vom Bahnhof aus in wenigen Minuten.

Autofahren (siehe Reiseführer S. 29)

Generell ist davon abzuraten, Moskau mit dem Mietwagen zu erkunden. In der Innenstadt ist man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut beraten. Wenn überhaupt, lohnt sich ein Mietwagen nur für Fahrten in die Umgebung der Stadt. Aber ohne Kenntnisse der kyrillischen Schrift ist es schwierig, sich im Verkehr zurechtzufinden.

Wenn man einen Unfall verursacht oder in einen solchen verwickelt wird, sollte man die Miliz dazu rufen (Notruf: Tel. 02, Notarzt: Tel. 03). Im Übrigen ist es ratsam, einen Unfall der staatlichen Versicherungsgesellschaft Ingosstrach (Tel. 9565555) zu melden.

Sollte man mit dem Auto liegen bleiben, ist die 24-Stunden-Pannenhilfe des Awtomobilnyj Klub Rossii (Tel. 7851010) die beste Anlaufstelle.

Europcar und Avis bieten Mietwagen mit und ohne Fahrer an. Am besten mietet man ein Auto (vorzugsweise nichtrussischer Fabrikation) von Deutschland, der Schweiz oder Österreich aus oder im Voraus in Moskau. Meist gibt es dann bessere Konditionen. Pro Tag muss man mit ca. 60 € rechnen. Vor Ort hilft die Hotelrezeption weiter.

µ Avis, Scheremetjewo und Domodedowo II in der Ankunftshalle, Tel. 6841937, www.avis.com

µ Hertz, Flughafen Domodedowo, Tel. 7758333, Flughafen Scheremetjewo, Tel. 5785646, www.hertz.ru

µ Europcar, Flughafen Domodedowo, Schalter 65 in der Ankunftshalle, Tel./Fax 3636418, www.europcar.ru

Einkaufen und Souvenirs (siehe Reiseführer S. 30)

„Wien ist schon Souvenir, (?) Moskau ist noch lebendig.“

Jewgenij Popow

Antiquitäten

S3 [VI G6] Antiquariat auf der Mjasnizkaja, Mjasnizkaja Uliza 13, Metro: Tschistyje Prudy, Mo.–Sa. 11–20, So. 11–19 Uhr, Tel. 6286757, www.antiqbook13.ru. Die skurril dekorierten Schaufenster lassen nicht erahnen, wie viele Schätze sich hier auftun. Hinter den sowjetischen Theken verbergen sich sehr gut erhaltene, auch ganz aktuelle Second-Hand-Architekturbücher und Bildbände. Russische Klassiker und Geschichtsbücher findet man in dem Regal mit den antiken Büchern. Porzellanfiguren aus der Sowjetzeit, Silberbestecke und Schmuck sind nicht ganz billig. Nach guter alter Sowjetmanier muss man immer erst eine der gelangweilten Verkäuferinnen bitten, das gewünschte Teil in Augenschein nehmen zu dürfen.

S4 [III E6] Antiquariat Bukinist, Bolschaja Nikitskaja Uliza 21/18, Ecke Kalaschnyj Pereulok, Metro: Barrikadnaja, Arbatskaja, Mo.–Sa. 11–19, So. 12–19 Uhr, Tel. 2917509, www.akcia-antique.ru. Eine erstklassige Adresse für Liebhaber russischer Bücher und sowjetischer Porzellanfiguren. Unter 80 € findet man im 1. Stock kein einziges Teil, im Souterrain kann sich das Stöbern lohnen. Eine Erstausgabe von Ilja Ehrenburgs „Julio Jurenito“ hat zwar einige Flecken, kostet aber nur 6 €.

S5 [III E6] Bei den Patriarchenteichen, Bolschoj Kosichinskij Pereulok 7, Metro: Majakowskaja, Di.–Sa. 12–19 Uhr, Tel. 2916468. Meissener Porzellan steht in den zauberhaften Vitrinen neben einem Service der Romanows und echten Fabergé-Preziosen. Möbel, Bilder und Schmuck ergänzen das stilvolle Ambiente. Eine hochkarätige Auswahl für den sublimen Geschmack und das etwas größere Portemonnaie (Fabergé-Monokel für 10.000 €).

S6 [V E7] Galerie des Antiquars, Arbat 20, Metro: Smolenskaja, Di.–Sa. 12–18 Uhr, Tel. 2028983. Von dem eher abweisenden Eingang sollte man sich nicht abschrecken lassen. In diesem in erster Linie auf Möbel vom Ende des 19. Jh. spezialisierten, erstklassigen Antiquariat gibt es außerdem Holzschachteln, Fotoalben und ? Nachthemden aus eben jener Zeit für 50 €.

S7 [D4] Gelos, Auktionshaus, 2. Botkinskij Projesd 2/6, Metro: Dinamo, tägl. 10–19 Uhr, So. bis 17 Uhr, www.gelos.ru, Tel. 9461171. Dass es dieses Antiquariat und Auk­tions­haus bereits seit 1997 gibt, kann man kaum glauben. Die in Vitrinen wild durch­einander gewürfelten Preziosen wirken wie gerade eben eingetroffen. Das Chaos in dem Geschäft außerhalb des Gartenrings steht in krassem Gegensatz zu den perfekt organisierten und professionellen Versteigerungen von hochkarätigen Gemälden, Möbeln und Büchern, die auch per Internethandel und Liveübertragung aus dem Ausland zu ersteigern sind. Auch antike Uhren, Zarenporzellan, Ikonen und Silberwaren von Fabergé mit Zertifikat können auf einer der über 100 Auktionen im Jahr erstanden werden. Die am Tag von 3000 Besuchern angeklickte Webseite erspart müden Beinen die lange Anreise.

S8 [V E7] Uniset Art, Bolschoj Nikolopeskowskij Pereulok 5, Metro: Arbatskaja, Mo.–Sa. 11–19 Uhr, Tel. 2447766. Ausgesuchte Antiquitäten für echte Kenner. Teppiche, Bücher und vor allem schönes Porzellan sind hier museal arrangiert. Eine fünfzig Jahre alte weiße Porzellankanne mit Sowjetstern ist schon für 50 € zu bekommen. Viele Raritäten, freundliches und sachkundiges Personal.

S9 [VI G5] Wischnjowyj Sad (Kirschgarten), Trubnaja Uliza 23/1, Metro: Zwetnoj Bulwar, Mo.–Sa. 11–20, So. 11–18 Uhr, Tel. 6284878, www.antiqbook.ru. Tchechow hätte seine helle Freude an diesem Paradiesgarten gehabt. Vielfältig und bunt ist das Angebot: Bücher aus dem 18.,19. und 20. Jh., alte Karten, Lampen und Glaswaren, liebevoll arrangiert. Zauberhafte Porzellanfigurinen aus den früheren Sowjetrepubliken kosten ab ca. 80 €, der 2008 erschiene Katalog umgerechnet 40 €. Auf der russischen Website gibt es sogar eine Suchfunktion.

Bücher, Karten

S10 [VI F6] Atlas, Kusnezkij Most 9, Metro: Kusnezkij Most, Mo.–Fr. 9–20 Uhr, Sa. 10–18 Uhr, So. 11–17 Uhr, Tel. 9286109. Dieses uralte kleine Kartengeschäft im früheren „kleinen Paris“ von Moskau erfreut den Besucher mit aktuellen russischen Karten aus der ganzen Welt. Für Touristen gibt es auch englische Moskau-Stadtpläne, Reiseführer und schöne neue Abzüge alter Moskau-Karten für wenige Euro. Auch hier herrscht noch das alte Ladenthekenkonzept, aber die Verkäuferinnen sind sehr hilfsbereit.

S11 [VI G6] Biblio-Globus, Mjasnizkaja Uliza 6, Metro: Lubjanka, Mo.–Fr. 10–20, Sa. 11–20, So. 11–19 Uhr, www.biblio-globus.ru. Über drei Etagen verteilt, aber leider sehr unsortiert steht hier ein Buchtitel neben dem anderen. Direkt am Eingang findet man englische und russische Karten und Reiseführer. Ohne eine Verkäuferin zu fragen, wird man in dem Chaos kaum das gewünschte Buch aufspüren. Im Untergeschoss allerdings ist die Auswahl an Bildbänden aus den Bereichen Fotografie, Kunst, Design, Geschichte und Architektur hervorragend. Seit Anfang 2006 gibt es dort auch ein kleines Café und etwas mehr Platz.

S12 [III E6] Bookberry, Nikitskij Bulwar 17, Metro: Arbatskaja, 24 Stunden geöffnet, Tel. 6956679, www.bookberry.ru. Sehr gut sortierte Buchhandelskette mit aktuellen Zeitschriften, Karten und einer riesigen Auswahl an Bildbänden, russischen und ins Russische übersetzten Romanen. Ausgesucht freund­liches Personal, das gut Englisch spricht und sich auskennt. Die Bücher sind hier etwas teurer als im Moskwa Kniga.

S13 [III E7] Dom Knigi, Nowyj Arbat 8, Metro: Arbatskaja, Tel. 2903580, Mo.–Fr. 9–23, Sa./So. 10–23 Uhr, www.mdk-arbat.ru. Die große alte Dame unter den Moskauer Buchhandlungen. In dem zweistöckigen, nicht eben hübschen Plattenbau auf dem Neuen Arbat findet man so gut wie alles, was der russische Buchmarkt hergibt. Vor allem in der Krimiabteilung ist es so voll wie in der Metro zu Stoßzeiten. Dafür hat man eine riesige Auswahl an englischen und russischen Karten und Reiseführern, Architekturbänden, Romanen und sogar antiken Büchern. Im Erdgeschoss gleich am Eingang befindet sich die CD- und DVD-Abteilung, in der es alle bekannten russischen Klassiker als Audio-CDs gibt. Ganz hinten findet man auch alte Moskau-Stiche zu Schnäppchenpreisen!

S14 [VI G6] Inostrannaja Kniga (Das fremdsprachige Buch), Kusnezkij Most 18/7, Metro: Kusnezkij Most, Mo.–Sa. 9–21 Uhr, So. 10–20 Uhr. Der Fremdsprachenableger des Dom Knigi lohnt nicht nur wegen seines einer englischen Buchhandlung nachempfundenen Interieurs, sondern auch wegen des großen Angebotes an englischen und französischen Titeln. Übersetzte russische Romane sind ebenso zu finden wie Kunstbände, Reiseführer und Lehrbuchmaterial. Einen englischen Stadtplan kann man hier kaufen oder in der Kartenhandlung Atlas gegenüber.

S15 [VI G6] Kiosk „Architekt“ (MARCHI-Buchhandlung), Roschdestwenka 9, Metro: Kusnezkij Most, Mo.–Fr. 10–18 Uhr. Auch wenn dieser verstaubte kleine Laden neben der Hochschule für Architektur unscheinbar und chaotisch wirkt, hier findet man ein großes Sortiment, vor allem Fachliteratur, aber auch historische Architekturbücher und vieles mehr. Eine gute Auswahl bieten die fliegenden Händler im Eingang des Moskauer Archiktekturinstitutes nebenan im Erdgeschoss.

S16 [II F8/9] Molodaja Gwardia, Uliza Bolschaja Poljanka 28, Metro: Poljanka, Tel. 7803370, Mo.–Sa. 10–20.30 Uhr, So. 10–19 Uhr, www.bookmg.ru. Alteingesessene, sehr gut sortierte Buchhandlung im Stadtteil Samos­kworetschje mit großer Auswahl an Bildbänden und Karten, russischer und übersetzter Literatur, Architektur- und Kinderbüchern. Hier herrscht aufgrund der zentralen Metro­lage immer Hochbetrieb, ähnlich wie im „Moskwa“ auf der Twerskaja Uliza.

S17 [III F6] Moskwa Kniga, Twerskaja Uliza 8, Metro: Ochotnyj Rjad, Twerskaja, tägl. 10–1 Uhr, Tel. 7978716, www.moscowbooks.ru. Eine Institution und noch immer eine der bestsortierten Buchhandlungen der Stadt und erste Wahl für Touristen, da es hier englische und russische Stadtpläne bis 1 Uhr nachts zu kaufen gibt. Außerdem russische Kunst­bände, Architekturbücher, Romane, Theater­stücke und Kinderbücher. Im Keller befindet sich ein unüberschaubares, aber gut sortiertes Antiquariat. Wenn nur die drangvolle Enge nicht wäre!

µ Projekt OGI, Potapowskij Pereulok 8/12, Metro: Tschistyje Prudy, Tel. 6275366, www.proektogi.ru, tägl. 24 Stunden geöffnet. Die kleine, aber originelle Buchhandlung des OGI gehört zu der schrägen Clubinitiative mit Live-Events und Lesungen. Das Angebot ist aktuell und subversiv. Für wenig Geld kann man auch franzö­sische Undergroundphilosophen und Rari­täten wie Originalaufnahmen von Alexander Vertinsky auf CD finden, aber auch Bildbände und Hörbücher. Alle aktuellen Romane sind ebenfalls zu haben (s. S. 88).

S18 [III E5] Respublica, 1. Twerskaja-Jamskaja 10, Metro: Majakowskaja, 24 Stunden geöffnet. Opulente Bildbände und Bürobedarf aller Art fallen als erstes ins Auge. Aber Moskaus angesagtester Bookstore kann noch mehr: ein Café und ein Minikino (9 Plätze) bieten im oberen Stockwerk Platz für Freaks – hier kann man sich die Filme anschauen, bevor man sie kauft! Die Bücher sowieso. Coole Musik und viel Junggemüse mit Riesensonnenbrillen.

S19 [II G8] Sojus, Uliza Pjatnizkaja 29, Metro: Nowokusnezkaja, Tretjakowskaja, Tel. 5891551, tägl. 10–22 Uhr, www.soyuz.ru. Der erste russische Mediamarkt mitten im Stadtteil Samoskworetschje bietet auf 3000 Quadratmetern 150.000 Titel. Englisch sprechende Verkäufer helfen bei der Suche nach aktuellen russischen und internationalen CDs, MP3s, DVDs und Büchern. Riesige Auswahl an russischer Literatur auf Audio-CDs. Auch englische Taschenbücher. Das Café mit Internetzugang lädt nach einem Besuch in der Tretjakow-Galerie um die Ecke zum Surfen und Verschnaufen ein. Einige russische Filme, auch die in letzter Zeit häufig für das Fernsehen verfilmten Klassiker wie „Der Idiot“ von Dostojewskij oder „Der Meister und Margarita“ gibt es sogar mit englischen „Subtitry“ (das freundliche Personal fragen!) – ein prima Mitbringsel. Kleinere Sojus-Filialen gibt es noch im GUM Ú und im EZ am Strastnoj Bulwar 8, Metro: Puschkinskaja, schon von weitem an dem weißen Schriftzug auf Sowjetrot zu erkennen.

CDs, DVDs

S20 [B7] B7 Gorbuschka, Bagrationowskij Projesd 7/3 im EZ Pavillon B1–036, Metro: Bagrationowskaja, Mo.–Fr. 10–20, Sa./So. 8–20 Uhr, Tel. 7302446. Drei Fabrikhallen mit unendlich vielen CDs, DVDs, Computerspielen etc. Ein Schnäppchenmarkt mit Tradition: Diesen Megastore gab es schon zu Sowjetzeiten.

S21 [VII H6] Mir Kino (Kinowelt), Marosejka Uliza 6/8, Metro: Kitaj-Gorod, Tel. 9247464, Mo.–Fr. 10–21, Sa. 11–21, So. 11–20 Uhr. Eine der bestsortierten Videohandlungen Moskaus, in der es mittlerweile auch fast alle Filme auf DVD gibt. Raritäten wie alte Klassiker, Livemitschnitte von Konzerten oder 3–4 Jahre alte russische Kinofilme, die man sonst nirgendwo mehr findet. Auch auf CD. Ausgesucht freundliches Personal, das sich in dem kleinen, unscheinbaren Laden gut zurechtfindet.

S22 [III F6] Transylvanien, Twerskaja Uliza 6/1, Metro: Ochotnyj Rjad, Tel. 6298786, tägl. 11–22 Uhr, www.transylvania.ru. Im Hinterhof der belebten Twerskaja-Straße liegt dieser Geheimtipp für Musikliebhaber. So schnörkellos und kahl die Einrichtung, so hochkarätig das Angebot, laut Werbung „die beste CD-Auswahl in Europa“. Zu finden sind hier auch Videomitschnitte auf CD oder Kassette von Konzerten europäischer oder amerikanischer Künstler, die in Russland aufgetreten sind, wie etwa „Paul McCartney on Red Square“. Die Verkäufer helfen gern und man darf in jede CD reinhören.

µ SOJUS, Mediamarkt (siehe „Bücher“)

Designer

S23 [III F6] Ekaterina, Uliza Bolschaja Dmitrowka 7/5, Metro: Teatralnaja, tägl. 11–21 Uhr, www.mexa-ekaterina.ru, Tel. 6295266. Schicke Schapkas aus echtem Pelz gibt es schon ab 40 €. Das Design des sperrigen Kopfschmucks ändert sich jährlich – der Kultfaktor bleibt. Vor allem bei den Damen. Und die Winter werden ja auch bei uns immer kälter ...

S24 [I G7] Shapavalova Boutique im GUM, Krasnaja Ploschtschad 3, Metro: Teatralnaja, tägl. 10–22 Uhr, www.gum.ru. Antonia Schapalova hat den Patriotismus in die russische Modewelt gebracht. Auf ihren T-Shirts steht unter großen bunten Matrjoschka-Figuren „Liebe ist russisch“ oder „Fortpflanzung ist gut für ihre Gesundheit“. Als überzeugte Anhängerin des jungen Ablegers der Regierungspartei „Naschi“ (Unser Land) hat sie auch ein Extraplätzchen in prominenter Lage bekommen.

S25 [VI F6] Simachev Boutique & Bar, Stoleschnikow Pereulok 12/2, Metro: Tschechowskaja, Tel. 6295702, sowie LITZ collection, Uliza Petrowka 17/11, Metro: Teatralnaja, Kusnezkij Most, Tel. 9255476; auch im ZUM (Einkaufstempel), Uliza Petrowka 2, Metro: Teatralnaja, Kusnezkij Most, Mo.–Sa. 10–22, So. 11–22 Uhr, Tel. 9337301, www.denissimachev.com. In nur wenigen Jahren hat Denis Simchev Kultstatus erreicht und Europa erobert. In seinem Kubusloft auf dem Trottoir vor der Boutique kann man hier auch als Normalsterblicher bei Kaviarsandwiches und Kristall-Wodka sehen und gesehen-Werden. Ob man sich in dem Terrarium der Moskauer Tussowka (Szene) wohl fühlt, ist eine andere Sache. Allerdings wurde Leonardo di Caprio hier auch schon erspäht!

S26 [V E7] Vassa & Co., Nowyj Arbat 2/5, Metro: Arbatskaja oder Uliuza Semljanoj Wal 33, Metro: Kurskaja im EZ Atrium, Tel. 9701193, www.vassatrend.com. Seit 2000 entwirft die mittlerweile auf den Laufstegen dieser Welt angekommene russische Designerin Vassa hochkarätige, silhouettenbetonte Mode. „Less is more“ ist ihr eher unrussisches Motto. Manchmal mogelt sie doch etwas Ornamentik auf die hochwertigen Stoffe.

Fotografien

Alte Fotografien von Moskau schlummerten viele Jahrzehnte in den Schubladen privater Fotoliebhaber. Das jahrelange Verbot, Gebäude und Straßen zu fotografieren, führte auch dazu, dass sich Touristen kaum ein Bild von der Stadt machen konnten. Nur einige wenige, von der Sowjetregierung lizensierte und immer wieder vervielfältigte Fotos tauchten in den Prospekten auf. Seit der Öffnung der Archive Mitte der 1990er-Jahre sind nun unglaubliche Schätze ans Tageslicht gekommen, die sich perfekt als Souvenirs eignen.

S27 [VII H6] Fotosojus, Uliza Pokrowka 5, Metro: Kitaj-Gorod, Mi.–Fr. 16–20, Sa. 13–17 Uhr, Tel. 6215727, www.photounion.ru. Die Galerie Fotosojus des Moskauer Foto­grafenverbandes verfügt über ein riesiges Archiv und verkauft Klassiker und Gegenwartsfotografien in Schwarz-Weiß. Das Hauptaugenmerk liegt auf Fotografien aus der Sowjetzeit, etwa von Georgij Lipskerow, Arkadij Schejchet oder Boris Ignatowitsch. Die 30 x 40 cm großen Andenken sind erst ab 300 $ zu bekommen, weil diese Abzüge nur in kleiner Auflage entwickelt werden,–wie etwa Alexander Grinbergs unvergessene Fotografien u. a. mit Sergej Ejsenstejn. Für Freunde von Schwarz-Weiß-Bildern aus alten Moskauer Tagen ist die Galerie mit dem konstruktivistischen Logo eine wahre Fundgrube.

S28 [II E9] Fotogalerie Brüder Lumière, Kryms­kij Wal 10 (im Zentralen Haus des Künstlers neben der Neuen Tretjakow-Galerie, Stand A 51, kleiner Eintritt für verschiedene Galerien ist am Eingang zu entrichten), Metro: Park Kultury, Di.–So. 11–19 Uhr, Tel. 2387753, www.lumiere.ru (jetzt auch auf Englisch). Schwarz-Weiß-Fotografien bekannter russischer Fotografen (Boris Ignatowitsch u. a.) aus allen Jahrzehnten des 20. Jh. Moskau-Liebhaber dürfen sich in Natalja Ponomarjewas erstklassigem Archiv umsehen und für ca. 300 € eine 30 x 40 cm große, ungerahmte Fotografie mit historischen und aktuellen Moskau-Motiven erstehen. Eine Ausfuhrgenehmigung ist nicht nötig, da es sich um Nachdrucke handelt. Gibt es eine bessere Art, ein Stück Moskau mit nach Hause zu nehmen?

S29 [II F8] GLAS, Bersenewskaja Uliza 14/5 (auf dem Art-Strelka-Kunstareal), Metro: Kropotkinskaja (dann hinter der Kathedrale über die Brücke, Treppe runter links auf dem Hof), Di.–Sa. 16–20 Uhr und nach Verein­barung, http://glazgallery.com, Tel. 2282927. Seit­dem GLAS, das Mekka für Schwarz-Weiß-Fotografien, aus den beengten Räumen am Haus der Fotografie in die Galerie auf dem Art-Strelka-Kunstareal umgezogen ist, finden unter Maria Burasowas professioneller Leitung auch Ausstellungen statt. Im Archiv sind 3000 Fotografien, u. a. von Igor Muchin, Sergej Borisow oder Wadim Guschin. Ein 30 x 40 cm großes Schwarz-Weiß-Bild kostet je nach Motiv ab 200 €. Von Moskau gibt es unzählige alte und neue Fotografien im Angebot. GLAS ist auch die einzige Galerie in Moskau, in der Originalabzüge des litauischen Fotografen Anastas Sutkus (ab 900 €) zu finden sind. Vintage-Fotografien, Originale aus den 1930er-Jahren, gibt es nur als Abzüge alter Negative. Jedes Bild bekommt ein Zertifikat und wird sorgsam verpackt.

Kerzen

Die filigranen russischen Stabkerzen in verschiedenen Größen und sogar Farben (mit kleinen Haltern) gibt es nur in den Kirchen und Klöstern der Stadt. Die russisch-orthodoxe Kirche hält noch immer das Kerzenmonopol. Teelichter verblassen gegen die sakrale Schönheit der schmalen Kerzen aus echtem Bienenwachs.

Kleidung

S30 [VI F6] Adidas Originals, Kusnezkij Most 6/3, Metro: Kusnezkij Most, Mo.–Sa. 10–21, So. 10–20 Uhr, Tel. 6925214. Adidas kann man doch auch in Deutschland kaufen? Ja und nein. Jedes Land bestellt andere Modelle in Herzogenaurach, sodass man hier Schuhe, Taschen, Jogginganzüge und viele Teile aus der Originals-Serie findet, die es in Deutschland gar nicht gibt. Adidas ist die angesagteste Marke in Moskau. Kein Geschöpf der Nacht geht ohne mindestens einen Fummel mit den drei Kultstreifen aus dem Haus. Adidas forever!

S31 [III F6] Bosco Sports, Twerskaja 4, Metro: Ochotnyj Rjad, Tel. 6203085, oder im GUM Ú, tägl. 10–22 Uhr, www.boscosport.ru. Auch wenn Moskau den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012 nicht bekommen hat, dieses Geschäft wird die geplante nächste Bewerbung auf jeden Fall überleben. Die offizielle olympische Sportbekleidung für Damen, Herren und Kinder eignet sich vor allem mit dem „Russland“ -Logo in kyrillischer Schrift (lateinische Buchstaben gibt es auch!) sehr gut als Mitbringsel. Die Auswahl dieser hochwertigen, leicht ironischen und raffiniert geschnittenen Baumwolljogginganzüge, Jacken, Mützen und Schals (jetzt auch für Bambini) beschränkt sich auf die Farbkombinationen Rot-Weiß und Blau-Weiß, macht aber Lust, 2016 noch einmal vorbeizuschauen.

S32 [außerhalb] Russische Filzstiefel, Schokalskowo Projesd 67/2, Metro: Medwed­kowo, Di.–Fr. 9–19 Uhr, Sa./So. 9–17 Uhr, Tel. 4792589, www.valenok.ru. Die riesige Auswahl an echten russischen Filzstiefeln aus 100 % Schafswolle und wärmenden Überschuhen (ohne Sohlen) in Olga Schawolowas übersichtlich sortiertem Fabrikverkauf der über 100 Jahre alten Bitsewskij-Fabrik entschädigt für die weite Anreise (Endstation der Metrolinie 6). Die Farbpalette reicht von beige über hellgrau bis mausgrau. Die Kultstiefel sind in nahezu allen Größen zu haben und kosten ab 20 €.

S33 [H9] Parischskaja Kommuna Uliza, Koschewnitscheskaja Uliza 7/1, Metro: Pawelezkaja. Auf Wunsch einer einzelnen Dame wird hier das Geheimnis der stiefeltragenden Russinnen gelüftet: Sie kaufen ihre Schuhe in diesem Werksverkaufsraum, sofern sie sich aus finanziellen Gründen nicht in den hoffnungslos überteuerten Geschäften der Innenstadt eindecken können.

S34 [VII H7] Sotschnyj Apelsin, Ljalin Pereulok 22, Metro: Tschkalowskaja, Tel. 9161242, www.sochnyapelsin.ru. Hier kommen Secondhand-Fans auf ihre Kosten. Aus diesem „Korb saftiger Apfelsinen“ nimmt man immer etwas Vitamin C mit nach Hause. Im Übrigen schöpfen auch Kostümbildner von Historienfilmen aus diesem Fundus ...

S35 [I G7] Wologda Linen im Gostinyj Dwor, Uliza Ilinka 4, Metro: Kitaj-Gorod, tägl. 10–20 Uhr, Tel. 2329463, www.linens.ru. Die alte russische Flachsproduktion „Ihrer Majestät“ hat sich bis heute gehalten. Im historischen Zentrum der Stadt kann man hier feinste Bett-und Tischwäsche, aber auch Blusen und Jacken aus edelster Naturfaser finden. Stapelweise Kinderkleidung und „schtory“ (Gardinen mit Sowjetcharme)dürfen auch nicht fehlen. Die traditionellen Muster (Kosakenhemden etc.) wirken zuweilen eher trachtig als modisch.

Kosmetikartikel

S36 [V D7] Etoile, Staryj Arbat 40/2, Metro: Smolenskaja, Mo.-So. 10-22 Uhr, Tel. 2412202, Drogeriebedarf und Kosmetik­artikel westlicher Marken sind in jeder Etoile-Filiale zu finden, die über das ganze Stadt­gebiet verteilt und sehr gut sortiert sind.

S37 [I G7] NE-Nouvelle Etoile (Nowaja Sarja), im Gostinyj Dwor, Uliza Ilinka 4, Metro: Kitaj-Gorod, Ploschtschad Rewoluzii (Filiale Nowyj Arbat 1), tägl. 10–20 Uhr, Tel. 6981269, www.novzar.ru. Der einstige Hoflieferant Henry Brocard erfand 1864 das legendäre Zarenparfum „Krasnaja Moskwa“ („Das rote Moskau“). Seit 2004 erlebt der schwere, süßliche Duft ein Comeback. Dahinter steht ein französisch-russisches Joint Venture namens „Neue Morgenröte“. Der ultimative Moskauduft – auch als Miniatur ein authentisches Souvenir mit Geschichte!

Lebensmittel, Spezialitäten

S38 [III E6] Jelissejew, Twerskaja Uliza 14, Metro: Puschkinskaja. Ein Jugendstil-Eldo­rado mitten im Zentrum, das keine Wünsche offen lässt. Trotzdem zivile Preise.

S39 [VI G6] Supermarkt Sedmoj Kontinent 2, Bolschaja Lubjanka 12, Metro: Lubjanka

S40 [V D7] Supermarkt Sedmoj Kontinent, Arbat 54, Metro: Smolenskaja, 24 Stunden geöffnet. Es gibt eine riesige Auswahl an russischen und importierten Lebensmitteln.

Porzellan

S41 [I G7] GUS-Chrustalnyj, im Gostinyj Dwor, Uliza Ilinka 4, Mo.–Fr. 10–20, Sa./So. 10–18 Uhr, Tel.2325658, www.ghz.ru. In dem kleinen Ort Gus-Chrustalnyj bei Moskau werden die herrlichsten Kristallwaren in Form von Schüsseln, Vasen und Kelchen in irisierenden Farben hergestellt. Ein erschwingliches, hübsches Mitbringsel, das außerdem die Oberarmmuskulatur kräftigt!

S42 [D7] Imperatorskij Farfor, Kutusowskij Prospekt 9, Metro: Kiewskaja, Tel. 2437502, Mo.–Sa. 10–22 Uhr; Uliza Petrowka 5 (im Einkaufszentrum Berlinskij Dom), Metro: Teatralnaja, Tel. 7751966, www.ipm.ru. In den Filialen der firmeneigenen Geschäfte der seit 1744 existierenden Lomonossow-Manufaktur finden Porzellansammler alles, was das Herz begehrt. Eine Neuauflage der von Bilibin entworfenen Moskau- und St.-Petersburg-Tassen (ca. 33 €) ist ebenso im Angebot wie das weiße, konstruktivistische Malewitsch-Teeservice.

S43 [VI G6] Klimenkoff, im Podium Concept Store, Kusnezkij Most 14, Metro: Kusnezkij Most, tägl. 11.30–24 Uhr, Tel. 6217895, www.klimenkoff.com. Igor Klimenkoff kaufte 2003 eine alte Moskauer Porzellanmanufaktur und stellt seitdem handgemachte Kreationen her, die Sèvres und Meißen in nichts nachstehen. Die teuren Teller und Blumen sind eine Augenweide für Sowjetnostalgiker – Chruschtschow und Gagarin kehren als Vitrinenfigurine zurück.

Souvenirs

S44 [V E7] Arbatskaja Lawitsa, Uliza Arbat 27, Metro: Arbatskaja, Smolenskaja, tägl. 9–21 Uhr, Tel. 2905689. Mehr als 17.000 Souvenirs aus allen Teilen Russlands sind hier im Angebot. Neben Porzellan, Samo­waren und Gschelfiguren ist die Auswahl an bemalten Holzfiguren, Holzschachteln und Matrjoschkas schier unendlich. Auch eine Teekanne oder Salz- und Pfefferstreuer in Matrjoschka-Form sind in diesem alteingesessenen Souvenirgeschäft mit Sowjetflair zu finden.

Ú [I G7] GUM, Krasnaja Ploschtschad 3, Metro: Teatralnaja, Tel. 9215763, tägl. 10–22 Uhr, www.gum.ru. Alle westlichen ­Designer sind in dem traditionsreichen Einkaufstempel am Roten Platz vertreten. Echt russisch ist der „Naschi“-Store der Designerin Antonia Schapalova (siehe „Designer“) und die Bücherkette Sojus. Kleine günstige Cafés findet man in den oberen Stockwerken. Teuer ist der Kaffee im Bosco Café (s. S. 189) mit Blick auf das Lenin-Mausoleum, dafür unvergesslich.

S45 [VII H6] Hauptpostamt, Mjasnizkaja Uliza 26, Metro: Tschistyje Prudy, Mo.–Fr. 8–20 Uhr, Sa.–So. 9–18.30 Uhr, Tel. 9286311. Souvenirs für wenige Cents findet man hier in Form von aktuellen Sondermarken, Briefmarken mit historischen Motiven oder Gedenkmarken jedweder Art im hinteren Teil des riesigen Hauptpostamtes direkt an der Metro. Nicht nur Philatelisten geraten hier ins Schwärmen. Liebhabern von Briefmarken aus der Sowjetzeit oder mit Motiven von Gemälden aus der Tretjakow-Galerie sei der Kiosk an der Basilius-Kathedrale empfohlen.

S46 [K5] Ismajlowo Vernissage, Projektiruemyj Projesd 890, Sirenewy Block 4, Metro: Partisanskaja (früher Ismajlowskij Park) immer der Menge nach, Mi./Sa.–So. 9–18 Uhr (im Winter 16 Uhr), http://moscow-vernisage.com. Auf diesem riesigen Kunst- und Flohmarkt am Moskauer Stadtrand gibt es echte Ikonen. Auch wenn Sie ein Experte sind, kaufen Sie sie nicht. Im Gegensatz zu einer echten russischen Pelzmütze aus Nerz oder Persianer darf man die alten Ikonen in keinem Fall ausführen. Ein Imitat tut es ja vielleicht auch. Bei gebrauchten Vorkriegskameras wird man ebenso fündig wie bei alten Samowaren, Matrjoschkas, Teppichen, Porzellan, Kleidung, Lenin-Büsten, Offiziersmützen, Militärtaschen und Kunsthandwerk. Allerdings sollte man noch ein paar Zahlen lernen, um angemessen feilschen zu können. Da es sich um eine Touristenattraktion erster Güte handelt, sind leider auch Taschendiebe unterwegs.

S47 [II F8] Krasnyj Oktjabr Bonbons, Bersenjewskaja Uliza 14/5, Metro: Kropotkinskaja (dann hinter der Kathedrale über die Bücke, auf der Hälfe die Treppe runter und sofort links), Mo.–Sa. 9–20 Uhr, So. 10–17 Uhr, Tel. 2300049. Der Fabrikverkauf der Kultbonbons aus der Süßwarenfabrik „Roter Oktober“ lohnt in jedem Fall einen Besuch. Zu kaufen gibt es köstliche Schokoladenbonbons und -tafeln mit sehr russischen Motiven: Stalin-Kathedralen, orthodoxe Kirchen, russische Bären oder Schwanensee. Auch die Schokolade mit den matrjoschkagleichen Kindergesichtern ist köstlich, und die Zartbitterschokolade sowieso legendär.

S48 [II G8] Moskauer Kulturstiftung, Pjatnizkaja Uliza 16/2, Metro: Nowokusnezkaja, Tel. 2410081, Mo.–Sa. 10–20 Uhr. Schöne ethnische Mitbringsel und typisch russische Waren zu zivilen Preisen in authentischem Ambiente. Neben russischer Handarbeit gibt es auch Antiquitäten zu kaufen, aber Vorsicht: Meist ist eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich.

S49 [III E5] Novodel, Bolschoj Palaschewskij Pereulok 9/1, Metro: Puschkinskaja, Mo.–Sa. 12–20 Uhr, www.novodel.ru, Tel. 6264538. In der „Galerie für Objektdesign“ findet man Einrichtungsgegenstände, Mützen und Schals, Keramik, Uhren aus alten Schallplatten, Spielwaren etc. mit russischem Design für zivile Preise. Lohnt einen Umweg beim Spaziergang an den Patriarchenteichen.

S50 [II G9] Rot Front, Nowokusnezkij Pereulok 13/15, direkt neben der Fabrik, Metro: Pawelezkaja, Mo.–Sa. 8–20 Uhr, So. 9–17 Uhr, www.rotfront.ru. Der einzige große Konkurrent der Schokoladenfabrik „Roter Oktober“ ist die Fabrik „Rot Front“, deren „Konfety“ (Konfekt) mindestens genauso gut schmecken und die ausgesprochen liebevoll einzeln verpackt sind. Schöne Mitbringsel vom russischen Marktführer, Süßwaren mit verschiedenen, typisch russischen Motiven und eine erstklassige Website.

S51 [V E7] Russkij Promysl, Uliza Arbat 4, Metro: Arbatskaja, tägl. 11–19 Uhr, Tel. 2917076, www.artshop.ru. Matrjoschkas in allen Größen, Uhren russischer Herkunft, Samoware aus Porzellan – hier gibt es eine große Auswahl an Souvenirs. Allerdings sind die Geschäfte auf dem alten Arbat für Touristen mittlerweile recht teuer. Kaviar kann man hier unbesehen kaufen, die beste Adresse ist nach wie vor Jelissejew (siehe „Für Selbstversorger“) auf der Twerskaja. Für Freunde des Schachspiels gibt es ein Brett aus Holz mit Matrjoschka-Schachfiguren für etwa 40 €.

S52 [K5] Russkoje Podworje, Handwerkszentrum/Vernissage Ismajlowo, Projektiruemyj Projesd 890, Metro: Partisanskaja (früher Ismajlowskij Park), Tel. 1667875, tägl. 9–18 Uhr, http://moscow-vernisage.com. In dem großen, an ein Walt Disney-Schloss erinnernden Holzkomplex neben dem Ismaj­lowskij-Markt wird russische Handwerkskunst für Touristen mundgerecht aufbereitet. Kleine nette Geschäfte bieten Matrjoschkas in allen Größen und Farben, Miniaturmalereien aus Palech, blau-weißes Gschelporzellan und Lackschachteln zu moderaten Preisen an. Nicht vorbeigehen sollte man an den winzigen roten Holzeiern, auf denen neben dem Wappen mit dem heiligen Georg das Wort „Moskwa“ steht.

S53 [V D7] Souvenirgrad, Uliza Arbat 43, Metro: Smolenskaja, Tel. 2412921, tägl. 10–20 Uhr, www.artshop.ru. Die „Souvenirstadt“ ist nur eine von unzähligen auf dem Arbat. Allerdings gibt es hier Andenken, die weniger kitschig und übersichtlich arrangiert sind. Die klassischen Matrjoschkas in Kugelschreiberform, als Wodkaflasche oder eben als Puppe in der Puppe mit den Politikerkonterfeis sind zu finden. CCCP-T-Shirts und Kaviar werden die Daheimgebliebenen bestimmt erfreuen.

Sowjet-Nostalgieartikel

S54 [I8] Erste Uhrenfabrik Poljot (1. Tschasowyj Sawod), Marxistskaja Uliza 34 (Eingang in der Nowoselenskaja Uliza), Metro: Proletarskaja, Mo.–Sa. 10–19 Uhr, Tel. 9116725, www.poljot24.de. Seit 1930 produziert die Moskauer Uhrenfabrik Poljot Flug-Chronographen, Armbanduhren (auch mit KGB- oder Art-déco-Design) und Wecker. Weltbekannt und als Trademark Poljot (Flug!) registriert wurde sie 1961, als Jurij Gagarin das Modell „Sturmanskije“ mit ins All nahm. Die relativ kleine „erste Uhr im All“ (mit weißem oder schwarzem Zifferblatt) kann als Neuauflage ab ca. 140 € (Handaufzug) vor Ort gekauft oder zuverlässig und preisgünstig im deutschen Internet bei Julian Kampmann bestellt werden.

S55 [D4] Zweite Uhrenfabrik Slawa (2. Tschasowyi Sawod), Leningradskij Prospekt 8, Metro: Belorusskaja, Mo.–Fr. 10–20 Uhr, Sa./So. 10–18 Uhr. Erstklassige Armbanduhren und Wecker aus der in den 1950er-Jahren gegründeten Slawa-Fabrik. Filigrane Herrenuhren mit Sowjetstern und Jubiläumsuhren zum 50. Jahrestag des Kriegsendes bekommt man ab 300 €. Leider gibt es keine Damenuhren, die hübschen Exemplare der Ruhm-Fabrik (Slawa heißt Ruhm) werden aber durchaus auch von Frauen getragen. In der Eingangsvitrine sind die verschiedenen Editionen und Sammlerstücke aus über 50 Jahren bewegter Firmen- und Landesgeschichte ausgestellt. Geschichte live!

S56 [III D6] Baboushka und das Atelier „Effekt“, Kudrinskaja Ploschtschad 1, Im Stalinhochhaus, Metro: Barrikadnaja, Mo.–Sa. 12–20 Uhr, www.baboushka.ru, Tel. 7402773. Auf der südlichen Seite der Stalin-Kathedrale geht es um die Ecke und ein paar Stufen hinunter zu einer wahren Fundgrube an UdSSR-Nostalgieobjekten wie etwa dem Parfüm „Krasnaja Moskwa“, alten Kaviardosen oder antiquarischen Einzelstücken wie z. B. einem Taschenatlas aus einer Zeit, als viele Städte der ehemaligen Sowjetunion noch ganz andere Namen hatten. Auch Liebhaber von antiquarischem Spielzeug, Secondhand-Kleidern, Hüten und Taschen kommen in diesem plüschig anrührenden Kleinod auf ihre Kosten.

S57 [IV D8] Büro Nachodok, Smolenskij Bulwar 7/9, Tel. 2527697, Mo.–Fr. 11–21, Sa. 12–19, So. 12–20 Uhr, Metro: Smolenskaja, Park Kultury; Malaja Bronnaja 28/2, Seite 1, Metro: Majakowskaja, Tel. 2030417; Malyj Gnesdnikowskij Pereulok 12/27, Metro: Puschkinskaja, Twerskaja, Tel. 6970417; www.buro-nahodok.ru. In diesem „Fundbüro“ wird man auf jeden Fall fündig. Russische Künstler haben original Sowjetwaren zweckentfremdet und z. B. russische Samoware zu Lampen mit bunten Steinen, sowjetische Telefone, alte Kaviardosen und Bügeleisen zu Uhren umfunktioniert. Originalität und Handarbeit haben ihren Preis (ab 40 €).

S58 [III E5] Museumsshop des Museums für Moderne Geschichte Russlands ÷, Twerskaja Uliza 21, Metro: Puschkinskaja, Twerskaja, Di.–So. 10–18 Uhr, Tel. 2991695. Retroposter aus der Sowjetzeit, auch originelle konstruktivistische Poster, Postkarten, Anstecker und andere Memorabilia findet man hier zu nicht ganz kleinen Preisen. Diese Souvenirs sind allerdings auch bei Russen beliebt, CCCP-T-Shirts und Pelzmützen kaufen dagegen nur Touristen.

S59 [I G7] Kiosk an der Basilius-Kathedrale Ü, Warwarka Uliza, Metro: Kitaj-Gorod, tägl. 10–19 Uhr. Dass Nonna Tischler das noch erleben würde ... Das Hotel Rossija, das bis 2006 neben dem Roten Platz stand, wurde in ihrer Anwesenheit dem Erdboden gleichgemacht. Am Fuße der Basilius-Kathedrale, an der jeder Tourist früher oder später vorbeikommt, betreibt sie seit 17 Jahren ihren unscheinbaren, aber nach eigenen Angaben „weltbekannten“ Kiosk und verkauft vor allem alte Briefmarken (auch von Moskau) mit Originalstempeln. Auch Gemälde aus der Tretjakow-Galerie zieren die hübschen Marken. Ausgefallene Exemplare aus kommunistischen Zeiten sowie Jubiläumsmarken, die von den großen Sport- und Weltraumerfolgen der UdSSR zeugen, vertreibt sie zu erschwinglichen Preisen. Ein ganzes Album ist für 25 € zu haben, eine kleine Lenin-Auswahl schon für 5 €.

Spielwaren

S60 [III F6] Skaska (Märchen), Twerskaja Uliza 9, tägl. 10–24 Uhr, Tel. 9842253, www.skazkashop.ru. Bis zur Wiedereröffnung des Detskij Mir an der Lubjanka gibt es in dem derzeit größten Spielwarengeschäft Russlands auch die russischen Versionen von „Scrabble“ oder „Monopoly“. Allerdings achtet der amerikanische Inhaber F.D. Lab darauf, dass hauptsächlich grellbunte US-Plastikspielwaren die interaktiven Verkaufsflächen bevölkern!

µ Rustoys, www.rustoys.ru. Auf dieser Website ist alles zu finden, was es an traditionellem russischem (Holz-) Spielzeug auf dem Markt gibt. Orthodoxe Kirchen zum Basteln, Matrjoschkas zum Selberanmalen (!), kyril­lische Holzbuchstaben, Fingerpuppen und Puzzles. Gezahlt wird mit Kreditkarte, Lieferung weltweit. Die Preise sind okay, aber der Versand ist relativ teuer.

Tee

S62 [III F6] Nadin, Bolschaja Dmitrowka 2, Metro: Teatralnaja, Mo.–Sa. 9–21 Uhr, So. 10–19 Uhr, Tel. 7896481. Vor allem chinesische Teesorten findet man in diesem hübschen Geschäft neben dem Bolschoj Theater und nur ein paar Minuten vom Roten Platz entfernt. Es duftet herrlich, das Personal ist nett und Tee aus den „abtrünnigen“ Sowjetrepubliken ist auch zu bekommen. (siehe Kap. „Teeclubs“)

S63 [VI G6] Teehaus Dom Perlow, Mjasnizkaja 19, Metro: Tschistyje Prudy, Mo.–Fr. 9–21 Uhr, Sa. 10–20 Uhr, Mittagspause 14.30–15 Uhr (!). Eine stilvollere Adresse für den Kauf von Tee gibt es in Moskau nicht. Das geschichtsträchtige, mit chinesischer Ornamentik verzierte Gemäuer an der Mjasnizkaja Uliza hat seine Pforten wieder geöffnet. Nach jahrelanger Restaurierung erstrahlt es jetzt in neuem Glanz.

Elektrizität (siehe Reiseführer S. 45)

Die Netzspannung beträgt 220 Volt. In einigen einfacheren Hotels sind noch alte, sowjetische Schlitzstecker in Gebrauch. Generell sind Hotels allerdings mit europäischen Steckdosen ausgestattet.

Essen und Trinken (siehe Reiseführer S. 45)

„Das Haus beginnt in der Küche und die Küche am Ofen.“ Dem alten russischen Sprichwort kann man entnehmen, dass der isba, der russischen Ofenbank, immer schon eine große Bedeutung zukam. Die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft kommt nicht von ungefähr. Auch die russische datscha war in erster Linie ein Ort des Beisammenseins. In den Sommermonaten wurde hier zudem frisches Obst und Gemüse geerntet und für den Winter eingekocht.

Die Opulenz einer russischen Tafel wird man so schnell nicht vergessen. Um den Wodka-Konsum einigermaßen unbeschadet zu überstehen, sollte man immer stilles (!) Wasser oder Saft parallel dazu trinken. Auch muss man nur das erste Glas austrinken (siehe Exkurs „Wodka“). Bier ist mittlerweile beliebter als Wodka. In teureren Restaurants wird Wein getrunken.

Die russische Küche

Russische Grundnahrungsmittel sind Kartoffeln (kartoschki), Kohl (kapusta), rote Bete (krasnaja swjokla), Knoblauch (tschesnok), Zwiebeln (luka), Eingelegtes (marinowannye), Pilze (griby) aus russischen Wäldern, Getreidebrei (kascha), Sauerrahm (smetana), Magerquark (tworog) sowie Kräuter (seleny), vor allem Dill (ukrop) und Petersilie (perez), und Schwarzbrot (tschornyj chleb).

Russisches Schwarzbrot ist eine echte Delikatesse. Es entspricht am ehesten unserem Roggenvollkornbrot und wird aus Sauerteig gebacken.

In den Moskauer Hotels wird ein internationales Frühstücksbuffet mit Brot, Butter, Kaffee, Marmelade, Wurst und Käse angeboten. Das echt russische Frühstück beinhaltet mindestens eine warme Eierspeise, meist auch bliny (Buchweizenpfannkuchen) und kascha (Brei), die in den großen Hotels ebenfalls mit dazugehören. Das Mittagessen (obed) ist meist reichhaltiger als das Abendessen (uschin). In vielen Restaurants wird mittlerweile Bisnes Lunch angeboten, manchmal in Form eines swedskij stol (Schweden-Tisch = Büfett).

Wie beim abendlichen Dinner auch beginnt das Mittagsmahl mit sakuski. Das sind eingelegte, kalte Vorspeisen wie Hering mit Zwiebeln, Fleisch in Aspik, Rote-Bete-Salat, eingelegte Gurken (ogurzy) und Pilze, Räucherwurst (kolbasa), Lachs (salmon) und Käse (syr). Dazu wird meist russisches Graubrot serviert und Wodka getrunken. Roter (salziger) und teurer schwarzer Kaviar (ikra) werden auch als Vorspeise mit Brot und Butter gereicht oder mit bliny und saurer Sahne, in jedem Fall aber ohne Zitrone, hart gekochte Eier oder Zwiebeln gegessen. Russische Salate sind keinesfalls eine leichte Vorspeise. Meist wird die Gurken-Tomaten-Basis mit Huhn, Schinken, Kartoffeln oder Eiern ergänzt und mit dem obligatorischen, noch immer sehr verbreiteten Majonnaise-Dressing (majonnes) serviert. Wer keinen Dill mag, sollte „bes ukropa“ bestellen.

Russische Suppen sind köstlich und haben eine lange Tradition. (Der Holzlöffel hielt auf der russischen Tafel 400 Jahre vor der Gabel Einzug). Die noch am ehesten unserem Eintopf gleichenden russischen Suppen werden meist auf Fleischbasis hergestellt und mit smetana (saurer Sahne) serviert. Sie sind daher durchaus sättigend. Die Rote-Bete-Rindfleisch-Suppe (borschtsch) ist ebenso beliebt wie die klare Kohl-Gemüse-Suppe (schtschi), die im Sommer aus frischem Kohl und im russischen Winter aus Sauerkraut zubereitet werden kann. Auch die fisch- oder fleischhaltige Gemüsesuppe mit Tomaten, Salz und Limone (soljanka) schmeckt hervorragend.

Sollte man nach den reichhaltigen sakuski und einer Suppe schon gesättigt sein, spart man sich einfach den ohnehin recht opulenten Hauptgang, der ohne Reis (ris) oder Kartoffeln (kartoschki) nicht denkbar ist. Sie sind als Beilage zu Fleisch (mjasa) oder Fisch (ryba) gedacht, die es in vielen Variationen gibt. Als weitere Beilage wird Gemüse (owoschy) angeboten, das sehr lange gekocht wird und ausgelaugt wirkt. Mit Fleisch oder Pilzen (Pilze sind in jeder Variation köstlich!) gefüllte Piroggen (piroschki) eignen sich auch als sakuski, als Beilage oder eben als Hauptgericht. Boeuf Stroganoff ist nichts anderes als Rindergulasch mit saurer oder süßer Senf-Sahne-Sauce, Champignons und Getreidebrei (kascha), das dem russischen Grafen Stroganoff und Freund Peters des Großen vor allem deshalb so gefiel, weil es so bissfreundlich war.

Frikadellen werden irreführenderweise kotlety genannt. Empfehlenswert sind die russischen Ravioli, genannt pelmeni. Das ursprünglich aus China (Dim Sum) stammende Leib- und Magengericht der Russen besteht aus mit Fleisch oder Fisch gefüllten Klößchen in Suppe oder Sauerrahm.

Zum Dessert gibt es eine kleine Auswahl sehr süßer Nachspeisen. Eis (moroschenoje), Piroggen (Hefeteigtaschen mit Obst oder Marmelade), watruschki (Käsetörtchen) oder mit Mohn und anderen Zutaten gefüllte Crêpes (bliny).

Ein nützlicher Link für Freunde der russischen Küche: www.russlandonline.ru/ kulinarisch. Auf Deutsch findet man hier alles Wissenswerte über die russische Kochkunst erstklassig aufbereitet.

Spezialitäten aus dem Kaukasus und Zentralasien

Vor allem die georgische und die usbekische Küche gelten als außerordentlich lecker. Man sollte unbedingt in einem der Restaurants aus den ehemaligen Kaukasus-Republiken speisen. Die Küche der zentralasiatischen Republik Usbekistan mit den bekannten chatschapurij (mit Schafskäse gefüllte Hefeteigbrote) sollte man sich nicht entgehen lassen. Usbekische pelmeni heißen manty und werden im Gegensatz zum russischen Original nicht gekocht, sondern gedämpft und mit Joghurt serviert. Moskau sollte man auch nicht verlassen, ohne vorher den usbekischen plow (Reis mit Hammelfleisch, bekannt als Pilaw-Reisgericht), die orientalische Festspeise schlechthin, und die ursprünglich kaukasischen schaschlyki probiert zu haben. Sie gelten als das Lieblingsgericht der Russen und als Höhepunkt jedes geselligen Beisammenseins, ob am Strand, im Schwimmbad oder daheim.

Teeclubs

Tee (tschaj) hat in Russland eine lange Tradition. Er kam Mitte des 17. Jh. aus China über die Seidenstraße nach Russland. Im altrussischen Sprachgebrauch wurde Tee „gegessen“ und nicht getrunken. Bis zur Revolution 1917 galt Tee als elitäres, teures Getränk, das sich nur Kaufleute und die Entourage des Zaren leisten konnten. Seit Ende der 1990er-Jahre erlebt der Tee eine Art Wiedergeburt. Viele kleine und große Teehäuser bieten eine riesige Auswahl und einen kurzen Moment zum Verschnaufen in der hektischen Großstadt.

Neben großen und kleinen Teezeremonien gibt es noch immer die traditionellen Samoware (samo heißt „selbst“ und warit heißt „kochen“). Man füllt die Tasse zur Hälfte mit dem erhitzten Teekonzentrat aus der oben postierten Kanne und gibt aus dem Kran unten heißes Wasser hinzu. Der Tee wird in Russland meist schwarz getrunken und mit einer Zitronenscheibe serviert. Häufig wird tschaj anstatt mit Zucker mit warenje (Konfitüre) gesüßt.

c64 [III F5] Klub Tschajnoj Kultury (Teekulturclub), Karetnyj Rjad 3/7 (im Eremitage-Garten), Metro: Zwetnoj Bulwar, tägl. 10–24 Uhr, Tel. 6995725, www.chaiclub.ru. Die Meister haben ihr Handwerk gelernt, von hier aus starteten Teeexpeditionen nach China. Auch wenn der Schriftsteller Viktor Pelewin die Eingangskontrolle nicht passieren durfte, sollte man in jedem Fall versuchen, den Türsteher freundlich anzulächeln. Ist man erst mal drin, vergisst man die Welt draußen. Gemütlich und entspannt ist die Atmosphäre, der Tee, vor allem die aktuelle Ernte, unbedingt zu empfehlen. Die Auswahl ist riesig, auch an kleineren Gerichten. Die CD „Magie des Tees“ eignet sich gut als Souvenir!

c65 [VI G6] Schelesnyj Feniks (der Eiserne Phönix), Bolschoj Tscherkasskij Pereulok 2/10 (neben dem Che), Metro: Lubjanka, tägl. 14–24 Uhr, Tel. 6239140, www.clubcha.ru. Hinter der blauen Eisentür neben dem Restaurant Che (zu erkennen an dem großen Konterfei Che Guevaras) geht es am Wachmann vorbei in den etwas plüschigen Teekeller, in dem man sich wie zu Hause fühlen kann, vorausgesetzt, man mag hochflorige Teppiche und Räucherstäbchen. Chinesischer Tee (etwa Pu Err mit Mandarine) erfreut den Gaumen, das zauberhafte Service steht zum Verkauf. In dem Bibliothekszimmer am Eingang kann man in der Stalin-Biografie lesen oder in esoterischen Taschenbüchern auf der Suche nach dem eigenen Karma blättern.

c66 [VII H6] Teeetage – Teebar, Uliza Pokrowka 27/1 im Kulturzentrum Pokrowskije Worota, Metro: Tschistye Prudy, tägl. 11–22 Uhr, Tel. 2255996. Tee an der Bar gibt es hier wirklich. Man kann sich aber auch an einem der vier Tische niederlassen und in einem der Bücher stöbern, die es im angrenzenden Lädchen zu kaufen gibt. Etwas improvisiert, aber famoses Teeeis – die Spezialität des Hauses. Keine Räucherstäbchen, leise Musik. Ein Wohlfühlort.

c67 [III E5] Teehaus Tschajnaja, 1. Twerskaja Jamskaja Uliza 29/1 (Eingang durch den Bogen neben dem China-Restaurant, dann wieder links, hinten links in den Hauseingang und an der orangefarbenen Tür mit dem chinesischen Zeichen klingeln!), Metro: Belorusskaja, Tel. 9673052, tägl. 15–5 Uhr. In diesem Hinterhof in der zugigen Gegend um den Weißrussischen Bahnhof würde man einen so stilvollen, einladenden Ort ganz sicher nicht erwarten. Eine kleine, aber erstklassige Auswahl an Teesorten wird in einem Ambiente serviert, das an den Beginn des vorigen Jahrhunderts erinnert. Die Treppe ist mit chinesische Zeitungen geschmückt, man fühlt sich wie im fernen China. Ein mystischer Ort, weltoffen und angenehm, frei von esoterischer Musik, Rauchschwaden oder sonstigen Dingen, die vom Teetrinken ablenken. Köstliche chinesisch-japanische Appetithäppchen, vor allem die mit Mango-Marmelade sind unbedingt empfehlenswert. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ein bisschen China mitten in Moskau.

c68 [VII H6] Tschaj – Wunder des Himmels, Kriwokolennyj Pereulok 12, Metro: Tschistyje Prudy, tägl. 10–23 Uhr, Tel. 9235359, www.besttea.ru. 200 Sorten Tee in einer Oase der Ruhe. Man darf jeden Tee probieren, auf Wunsch gibt es auch Verkostungen. Chinesisches Porzellan wird hier mit „chinesischem Tee erlesenster Qualität“ und dem Gefühl serviert, direkt aus dem Großstadtstress mitten im Himmel angekommen zu sein.

c69 [III F5] Tschajchona Lounge, Karetnyj Rjad (im Eremitage-Garten, neben der neuen Oper), Metro: Zwetnoj Bulwar, tägl. 12–24 Uhr, Tel. 7826122, www.chaihona.com. Wie in einem großen Zeltlager macht man es sich auf den Kissen gemütlich und trinkt dazu einen der köstlichen Tees. Sträflich wäre es allerdings, die leckeren usbekischen Gerichte nicht zumindest zu probieren. „Demokratische“ Preise und schöne Lounge-Musik mitten in der grünen Lunge Moskaus. Im Winter wird hier Schlittschuh gelaufen ? und der Tee wird auch bei minus 26 Grad serviert!

Restaurantübersicht

Bei der Suche nach dem passenden Restaurant hat der Moskau-Reisende die Qual der Wahl. Zum Überblick sind hier alle in den Stadtrundgängen beschriebenen Restaurants aufgelistet und können in der Übersichtskarte lokalisiert werden.

Feste und Feiertage (siehe Reiseführer S. 49)

Es gibt 11 offizielle Feiertage und eine ganze Reihe weiterer Festtage. An den Feiertagen sind die Museen teilweise oder ganz geschlossen.

µ 1. Januar: Neujahr (Silvesterkonzert im Konservatorium)

µ 6. Januar: Orthodoxes Weihnachtsfest, Geschenke gibt es aber an Neujahr

µ 14. Januar: Orthodoxes Neues Jahr (gefeiert wird am Abend, kein Feiertag)

µ 19. Januar: Epiphanias-Fest (Taufe Christi im Jordan), Weihung des Wassers in Kolomenskoje (kein Feiertag), danach Eintauchen in das Wasser, auch in Eislöcher

µ 23. Februar: Tag der Verteidigung des Mutterlandes

µ 8. März: Internationaler Frauentag, arbeitsfrei, gefeiert wird am Abend des 7. März. Blumen für die Ehefrau, Kolleginnen oder Freundinnen sind ein Muss, ähnelt unserem Muttertag, zu Sowjetzeiten wurden die „Heldinnen der Arbeit“ besonders geehrt.

µ 4. April 2010, 24. April 2011, 8. April 2012: Das russische Osterfest Pascha (Karfreitag ist kein Feiertag)

µ 1. und 2. Mai: Tag der Arbeit. Der 1. Mai ist eher ein unpolitisches Frühlingsfest und endet üblicherweise in den Morgenstunden des 2. Mai im Wodkarausch.

µ 9. Mai: Tag des Sieges über den Faschismus. Ein wichtiger patriotischer Feiertag, Ehrungen, Veteranenmärsche, Kranzniederlegung am Grab des unbekannten Soldaten

µ 12. Juni: Nationalfeiertag, Tag der Unabhängigkeit, Sommerfest mit Feuerwerk, erinnert wird an die Auflösung der Sowjetunion 1991

µ 22. August: Niederschlagung des Staatsstreiches 1993 (Arbeitstag)

µ 5. September: Tag der Stadt Moskau, Karnevalsumzug auf der Twerskaja

µ 4. November: Tag der Nationalen Einheit. Befreiung Moskaus von den polnischen Besatzern 1612 (erstmalig begangen 2005)

µ 12. Dezember: Tag der Verfassung. An diesem Tag fanden 1993 die ersten freien Wahlen nach dem Ende der Sowjetunion statt. Der Feiertag wird nachgeholt, wenn er auf einen Samstag oder Sonntag fällt.

Maslenniza (www.maslenitsa.com) ist die so genannte Butterwoche im Februar, in der man sich wie in katholischen Ländern beim Karneval vor dem langen Fasten bis Ostern noch einmal den leiblichen Genüssen, vowiegend den mit Butter hergestellten blinys, hingibt. Gefeiert wird vor allem auf der Twerskaja Uliza ó und in Kolomenskoje.

Film und Foto (siehe Reiseführer S. 54)

Nach dem jahrzehntelangen Foto- und Filmverbot für Touristen ist es nun fast überall erlaubt, Fotos zu schießen oder zu filmen. In Museen, Kirchen und Klöstern muss man allerdings eine Fotogenehmigung kaufen. Manchmal ist jedoch das Fotografieren in Museen gänzlich verboten oder auch nur der Blitz. Regierungsgebäude, militärische Einrichtungen, Konsulate, Botschaften und Metrostationen dürfen nicht abgelichtet werden, schon gar nicht aus der Luft.

Fotoshops, in denen man Bilder innerhalb von einer Stunde entwickeln lassen und nebenbei im Netz surfen kann, finden sich beinahe an jeder Ecke. Auch jedes nur vorstellbare Ersatzteil oder jeder Filmchip ist in Moskau zu bekommen.

In einem Land, in dem Kontrollen jahrzehntelang an der Tagesordnung waren, ist es wichtig, die Würde des Einzelnen zu respektieren. Will man Einheimische fotografieren, sollte man, wie überall auf der Welt, mit Fingerspitzengefühl vorgehen und gebührenden Abstand wahren. Am besten fragt man vorher („Moschno?“ = „Darf ich?“ reicht schon). Sollte die betreffende Person ablehnen, was durchaus vorkommt, bedankt man sich und geht unverrichteter Dinge weiter. In der Öffentlichkeit lächeln Russen sehr selten. Auch nicht für die Kamera.

Filmverleih (siehe Reiseführer S. 55)

Vor allem außerhalb, aber auch im Stadtzentrum von Moskau gibt es eine Vielzahl von Videotheken mit DVD-Verleih. Allerdings sind russische und ausländische Filme auf DVD generell halb so teuer wie in Deutschland, sodass man sie auch gut in den Geschäften (siehe Kap. „Einkaufen und Souvernirs“) kaufen kann. Dann sollte man allerdings (wenn nötig) nach englischen Untertiteln (subtitry) fragen.

DVD-Verleih

µ Webflix, www.webflix.ru. Für einen akzeptablen Monatsbeitrag wird jede DVD per Kurier zugestellt, Registrierung und Bezahlung im Internet. Eine Auswahl von 5000 DVDs.

µ DVD – Manija, www.dvdmania.ru, Tel. 9783177. Online zu bestellen, DVDs mit Untertiteln in allen Sprachen, mit Bringservice.

µ Staatliche Fremdsprachenbibliothek, Uliza Nikolojamskaja 1, Metro: Taganskaja, Tel. 9153621. Hier kann man sich englischsprachige DVDs nur an Ort und Stelle ansehen, kein Verleih.

Geschäftlich in Moskau (siehe Reiseführer S. 55)

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Russlands. Allein in Moskau sind mehr als 1000 deutsche Unternehmen tätig. Findet man sich früher oder später als deutscher „bisnesmen“ in Moskau wieder, sollte man sich mit der Mentalität der russischen Partner beschäftigen. Am besten schon vor Beginn der Geschäftsreise. Unter www.wiwo.de erfährt man, wie die Hindernisse und Hürden mit russischen Geschäftspartnern zu überwinden sind. Auch der erstklassige Ratgeber für Einsteiger mit dem Titel „Business mit Russland“ (Haupt Verlag, 2005) von den Schweizer Pionieren Walter Denz, Karl Eckstein und Frank Schmieder sei unbedingt empfohlen.

Neben ausländischen, vorzugsweise deutschen Architekten und Bauingenieu­ren sind in Moskau derzeit Buchhalter, Softwareentwickler, Immobilienmakler und Designer besonders gefragt. Große Chancen für Investitionen gibt es in den folgenden Bereichen: KFZ-Zulieferer, Lebensmittelindustrie, Baustoffindustrie und Energiesektor. Wer sich für ein Stellenangebot interessiert, kann sich unter www.job.ru über die Richtlinien für eine russische Bewerbung (Lebenslauf) informieren.

Nützliche Links

µ www.dihk.de – Industrie- und Handelskammer mit der Rubrik „International“

µ www.vdw.ru – Verband der deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation

µ www.ixpos.de – Außenwirtschaftsportal mit Informationen zu Russland

µ www.russia.de – Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation in Deutschland

µ www.diht.de – Broschüre „Leben und Arbeiten in Moskau“, die auch über den DIHT Postfach 1446 in 53004 Bonn zu bestellen ist

Wi-Fi (Wireless Lan) in Moskau

µ Bookafe (s. S. 242)

µ Club Vermel (s. S. 89)

Nützliche Dienstleistungen

µ Sachkundige Sekretärin: Anna Ivox, Uliza Wyborgskaja 16/1, Zone G, Büro 201, info@ivox.ru, www.anna.ivox.ru (Website auch auf Englisch), Tel./Fax 3635600. Einem findigen Briten ist es zu verdanken, dass sich des Russischen unkundige Geschäftsleute einer ganz besonderen Serviceleistung bedienen können, vorausgesetzt, sie sprechen Englisch. In nahezu jeder nur denkbaren Situation hilft Anna Ivox (Anna intelligent voice) weiter. 24 Stunden an 7 Tagen die Woche ist eine der charmanten, perfekt Englisch sprechenden Russinnen in der Telefonzentrale für ihre Kunden da. Sie übernimmt Verhandlungen, organisiert Festivitäten und ruft bei russischen Versicherungen an. Die zweisprachige Sekretärin tritt allerdings nie in Erscheinung, sie wird per Handy oder per E-Mail kontaktiert. Anna Ivox ist jederzeit erreichbar und hilft sofort, auch wenn man nur ein paar Vokabeln sucht. Auch in sehr persönlichen Angelegenheiten kann man sich an Anna wenden. Bezahlt wird über eine Karte, die Einheiten zum Gegenwert von 50, 100 oder 150 € enthält. Schade, dass es den ausgesprochen hilfreichen Service noch nicht auf Deutsch gibt.

µ Mieten einer Datscha: www.moscow-star.com

µ Auto mit Chauffeur: www.carbus.ru, Tel. 7556185, 24 Stunden verfügbar, Transfer zum Flughafen ab 30 €.

Hygiene (siehe Reiseführer S. 56)

Das Trinkwasser sollte in keinem Fall getrunken werden. Selbst zum Zähneputzen ist es besser, abgefülltes Wasser zu verwenden.

Öffentliche Toiletten gibt es zwar, aber man kann sich nicht darauf verlassen, dass man eine findet, wenn man sie braucht. Und wenn, sollte man nicht viel Sauberkeit erwarten. Mittlerweile sind portable Toiletten vor allem im Stadtzentrum fast überall zu finden. Die Vor- und Nachteile der Plastikhäuschen kennt man ja. Notfalls kann man auch in ein Hotel, in ein Restaurant oder zu Mc Donald’s gehen. Das wird generell toleriert. Toilettenpapier wird man so gut wie nirgends finden. Am besten hat man immer zumindest Taschentücher dabei. Das russische „Æ“ steht für Damen, „Ì“ für Herren.

Internetcafés (siehe Reiseführer S. 57)

Neben den privat betriebenen Internetcafés gibt es inzwischen auch die ersten Internetautomaten. Die „Infomats“ oder Multimedia-Automaten sind in einer festen Metallbox an unterschiedlichen Standorten im Stadtzentrum zu finden, beispielsweise im Einkaufszentrum Elektronika an der Metrostation „Uliza 1905 Goda“. 100 weitere Automaten sollen folgen.

é70 [G8] Cafemax 1, Uliza Nowoslobodskaja 3 (im Geschäftszentrum gegenüber dem Metroausgang), Metro: Nowoslobodskaja.

é71 [II G8] Cafemax 2, Uliza Pjatnizkaja 25/1, 24 Stunden geöffnet, Metro: Nowokusnezkaja.

é72 [C11] Cafemax 3, Uliza Akademika Chochlowa 3, Metro: Uniwersitet. Tägl. 24 Stunden geöffnet. Die Cafés der bekannten Cafemax-Kette verfügen über schnelle Server, ruhige Musik, angenehme Räume, kleine Snacks. Das Personal ist freundlich und hilfsbereit. Leider sehr gut besucht.

é73 [II G9] Net City 1, Pawelezkaja Ploschtschad 2/1, Metro: Pawelezkaja.

é74 [I F6] Time Online 1, Maneschnaja Ploschtschad 1 (im Parterre der Einkaufspassage), Metro: Ochotnyj Rjad.

é75 [VII I5] Time Online 2, Komsomolzkaja Ploschtschad 3, Metro: Komsomolskaja. E-Mail-Checken und surfen an einem der fast 70 schnellen Rechner.

Mit Kindern unterwegs (siehe Reiseführer S. 58)

U76 [VI F4] Obraszow-Puppentheater und -Museum, Sadowaja Samotjotschnaja Uliza 3, Metro: Majakowskaja, Zwetnoj Bulwar, Tel. 6995373, Mo. –So. 11–14.30 und 15.30–19 Uhr (Kassenöffnungszeiten), www.puppet.ru. Sergej Obraszow gründete dieses zauberhafte Puppentheater im Jahr 1931. Einige seiner Produktionen laufen auch heute noch. Es ist das größte seiner Art und gilt als eines der weltbesten. Revolutionär war Obraszows Idee, Themen, die eigentlich nur für Erwachsene interessant sind, auch Kindern zugänglich zu machen. So werden beispielsweise Stücke von Puschkin adaptiert, aber „Das Dschungelbuch“ und der russische Pinocchio „Buratino“ dürfen natürlich nicht fehlen. Auch ohne Rus­sischkenntnisse werden Kinder und Erwachsene von den liebevoll inszenierten Stücken verzaubert. Am besten kauft man die Tickets tagsüber an der Theaterkasse. Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn öffnet das angeschlossene, ausgesprochen sehenswerte Puppentheatermuseum. Von Indien bis Kanada sind alle Länder und deren traditionelle Puppenstile vertreten. Es verwundert nicht, dass unter den 3500 Puppen aus mehr als 60 Ländern auch eine Abordnung der Augsburger Puppenkiste vertreten ist.

µ Theater Praktika, Trjochprudnyj Pereulok 11/1 (Eingang Bolschoj Kosi­chinskij Per.), Metro: Majakowskaja, Tel. 5445545, www.praktikatheatre.ru. Hier finden – manchmal auch in Zusammenarbeit mit dem Moskauer Schattentheater –künstlerisch anspruchsvolle und sehr liebenswerte Produktionen für Kinder („Das Märchen, das noch nicht geschrieben wurde“) und Erwachsene statt, für die Sprachkenntnisse nicht unbedingt erforderlich sind. Im Gegenteil (s. S. 110).

s78 [III D6] Planetarium, Sadowo-Kudrinskaja Uliza 5, www.stardome.ru, Metro: Barrikadnaja. Nach mehrjährigem Umbau des denkmalgeschützten Planetariums erstrahlt nicht nur das Äußere in neuem Glanz. Zwei Observatorien und kosmische Attraktionen laden große und kleine Besucher zum Verweilen ein. Sogar ein virtueller Allspaziergang durch die Milchstraße ist im Land der Kosmonauten möglich. Zum Museumskomplex gehören auch ein Café und eine Parkgarage.

µ Pjat swjosd (5-Sterne-Kino). Neben Kinderbetreuung gibt es hier auch eine kostenlose Fahrt mit der Eisenbahn und ein extra Studio, in dem die Kleinen sich verkleiden und selbst eine Filmkamera bedienen dürfen. Am Ende entsteht ein echter Film (s. S. 62).

U80 [VI G5] Zirkus Nikulin, Zwetnoj Bulwar 13, Metro: Zwetnoj Bulwar, Kassen: Mo.–Fr. 11–14 Uhr, 15–19 Uhr, Sa./So. 11–12.30 und 13.30–19 Uhr, Tel. 6258970, www.circusnikulin.ru. Für kleine Zuschauer ab 3 Jahren und jung gebliebene erwachsene Zirkusfans bietet der weltbekannte, erst 1990 fertig reno­vier­te Moskauer Zirkus ein erstklassiges Programm. Clowns und Trapezkünstler, Tiernummern und Zauberei in der riesigen Zirkusarena, in der 2000 Zuschauer Platz finden, wird man nicht so bald vergessen. Da die Vorstellungen auch tagsüber oft ausgebucht sind, sollte man sich rechtzeitig um Karten kümmern.

s81 [G2] Größtes Riesenrad der Welt im WWZ C, Prospekt Mira (Riesenrad am Eingang unübersehbar), Metro: WDNCH, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sa./So. 10–19 Uhr (Mai–Okt.), Nov.–April nur bis 17 bzw. 18 Uhr, letzter Freitag im Monat geschlossen, Tel. 2837914. Nur für schwindelfreie und schon etwas größere Kinder gibt es hier den schönsten Blick über die Stadt, wenngleich aus gebührender Entfernung.

õ Matrjoschka-Museum

µ Wachsfigurenkabinett (s. S. 81)

Kinos (siehe Reiseführer S. 59)

C83 [V E7] Chudoschestwennyj, Arbatskaja Ploschtschad 14, Metro: Arbatskaja, Tel. 2919624, www.kinoarbat.ru. Die alte Dame unter den Moskauer Kinos. Seit 1909 werden hier Filme gezeigt, heute hauptsächlich aktuelle ausländische Streifen mit russischer Synchronisation. Etwas veraltet wirkt das Interieur, die Hochglanzfotos an den Wänden erinnern an bessere Zeiten, als hier noch Festivalfilme gezeigt wurden.

C84 [H7/8] Illusion, Kotelnitscheskaja Nabereschnaja 1/15, Metro: Taganskaja (dann weiter mit Bus 63), Tel. 9154353. Seit 1966 existiert diese kleine Oase in einer der sieben Stalin-Kathedralen. Hier werden in erster Linie Klassiker (auch sowjetische) gezeigt, französische Filme jeden 3. Montag im Monat um 19.30 Uhr ohne russische Untertitel. Subversiv war das Illusion auch schon in Sowjetzeiten: Hier wurden ausländische Filme gezeigt, die aus ideologischen Gründen in den meisten anderen Kinotheatern verboten waren.

C85 [D6] Kinozentrum, Druschinnikowskaja Uliza 15, Metro: Krasnopresnenskaja, Tel. 2057306, www.kinocenter.ru. Gleich an der Metro liegt dieser moderne Kinopalast, in dem auch abwegige und weniger populäre russische und ausländische meist synchronisierte Filme gezeigt werden. Mehrere kleine und große Säle machen diese Flexibilität möglich. Das weltberühmte Kinomuseum ist derzeit bei den Mosfilm-Studios (s. S. 82) untergebracht, aber nicht öffentlich zugänglich (www.museikino.ru). Online booking möglich!

C86 [III E5] Kodak Kino Mir, Nastassinskij Pereulok 2, Metro: Puschkinskaja, Tel. 6502528, www.kinomax.ru. Sehr amerikanisches Kino mit vielen US-Blockbustern und Popcorn im Angebot. Zentral gelegen.

C87 [IV E9] MDM Kino, Komsomolskij Prospekt 28, Metro: Frunsenskaja, Tel. 7828833, www.mdmkino.ru. Nach der etwas längeren Anreise kann man hier prima entspannen. Viele der 141 Plätze sind puff­niki (Liegeplätze) und Rauchen bei der Vorstellung ist erlaubt. Hier laufen Filme in Originalsprache mit russischen Untertiteln. Der größte Saal hat 24 Stunden geöffnet, auch die kleinen haben Dolby System.

C88 [E4] Mir iskusstwo, Dolgorukowskaja Uliza 33/3, Metro: Nowoslobodskaja. Dieses winzige Kino mit 20 Plätzen bietet private Filmvorführungen an. Eine Woche im Voraus sollte buchen, wer einen der begehrten Sitze ergattern will. Eine Privatvorführung kostet 50 €, unabhängig davon, ob man seine eigene DVD oder einen Film aus dem Repertoire des Kinos auswählt. Allerdings darf man keinen Film mit Obszönitäten, rassistischer Propaganda oder Pornographie mitbringen!

C89 [III D7] Oktjabr, Nowyj Arbat 24, Metro: Arbatskaja, Tel. 5450505, www.karofilm.com. Im Dezember 2005 wurde das Kultkino nach jahrelanger Renovierung fertig gestellt und lohnt einen Besuch. Gute Filme, erstklassige Dolby-Technik, schönes Ambiente in zentraler Lage und das alles unter dem Hammer und der Sichel von einst.

C90 [II H9] Pjat swjosd, Uliza Bachruschina 25, Metro: Pawelezkaja, Tel. 9169169, http://5zvezd.ru. Nur fünf Minuten von der Metro entfernt liegt dieses modern ausgestattete Kino mit 5 großen Sälen, die nach Kinogrößen benannt sind. Ausländische Filme sind meist synchronisiert. Dafür sind die Sessel urgemütlich und das Ambiente sehr nett. Speziell für Kinder bietet dieses Kino eine echte Eisenbahn, Kinderbetreuung und die Möglichkeit, selbst einen Film zu drehen. (siehe “Mit Kindern unterwegs?)

C91 [G4] Pod Kupolom, Olympijskij Prospekt 18/1 (im Renaissance Hotel), Metro: Prospekt Mira, www.domecinema.ru, Tel. 9319873. Unter einer Kuppel am Eingang zum Renaissance Hotel kann man es sich auf einem der 300 Sitze gemütlich machen und (amerikanische) Filme in Originalsprache mit Kopfhörern sehen. Das Repertoire wechselt wöchentlich, leider liegt das Kino etwas weit draußen.

C92 [VII H6] Rolan, Tschistoprudnyj Bulwar 12a, Metro: Tschistyje Prudy, Tel. 9169169, www.5zvezd.ru. Eine Institution unter den Innenstadtkinos. Etwas veraltet wirkt das mit 200 Plätzen ausgestattete „Rolan“ mittlerweile schon, aber es erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Aktuelle Filme werden meist in synchronisierter Fassung gezeigt. Moderne Klassiker sind auch dabei. In selteneren Fällen werden die Filme simultan gedolmetscht ? Ein Vergnügen ganz eigener Art!

C93 [I F7] Romanow Kino, Romanow Pere­- ulok 4, Metro: Biblioteka imeni Lenina, Tel. 6096450, www.romanov-cinema.ru. Ein neues VIP-Kino im Herzen der Stadt bietet für 35 € pro Vorstellung gängige russische und (synchronisierte) internationale Filme für eine erlauchte Klientel, die auch im Kino unter sich sein will. Echtes Wohnzimmerambiente in winzigen Vorführsälen und garantiert keine Popcornnerver. Mit einer Clubkarte kostet jeder Film nur 10 €.

Kunst und Galerien (siehe Reiseführer S. 62)

Kunst

Die Moskauer Kunstszene erlebt seit dem Ende der 1990er-Jahre eine neue Blüte. Russische Künstler suchen Anschluss an die Kunsttrends in aller Welt, die Moskauer Szene zieht mehr und mehr internationale Künstler an. Kunst findet heute nicht mehr nur in Museen, sondern in privaten Palästen oder alten Fabrikgewölben statt. Museen hatten in Russland immer eine andere Funktion als in Westeuropa. Ursprünglich stand die Vermittlung und Ausstellung von Kunst zu päda­gogischen Zwecken und zur Förderung der Allgemeinbildung im Vordergrund. Kunst war ein Angebot, den ästhetischen Geschmack zu schulen. Die Konfiszierung von privatem Kunsteigentum nach der Oktoberrevolution machte die Museen zu „Revolutionsprofiteuren“ (Stefan Zweig).

Moskau weist heute mehr als 90 Museen auf.

Auf internationalen Kunst- und Antiquitätenmessen kaufen russische Interessenten russische Kunst aus dem Ausland zurück. Moskaus neue Oberschicht investiert ihr Geld gern in einem inflationsfreien, aber glamourösen Umfeld und meint, die Kunst als solches identifiziert zu haben. Auktionen bei Sotheby’s und Christie’s verzeichneten in den letzten Jahren Rekordpreise für russische Kunstwerke, offenbar auch für Fälschungen. Der Kunstkritiker Konstantin Akinsha (ART News) deckte 2009 einen Skandal auf: Gefälschte Avantgardekunst überschwemmt seit Mitte der 1990er-Jahre den Weltmarkt.

Der heimische Kunstmarkt wird immer internationaler und findet unter Oligarchen (und deren Gattinnen) viele Förderer. Sehen und gesehen werden spielt dabei eine große Rolle.

Aufsehenerregende Messen wie die „Art Moscow“, „Moscow World Fine Art“, „Moskauer Fotobiennale“ oder die „Moskauer Biennale für zeitgenössische Kunst“ locken auch russische Exilkünstler in die Heimat zurück. Von staatlicher Seite wird fast jede Art von Kunst gefördert und demokratisch toleriert. Die bekanntesten Gegenwartskünstler Oleg Kulik, Vlad Mamschew-Monroe und Vinogradov/Dubosarsky sind gefragter denn je. Sie nehmen sich auch kritischer Themen wie dem Konflikt in Tschetschenien oder der Pressefreiheit an.

Allen voran feiert die Fotokunst ein sensationelles Comeback. Zu Sowjetzeiten war die Fotografie keine anerkannte Kunst, allenfalls eine Dokumentationsform. Schwarz-Weiß-Fotografien aus der Zeit werden hoch gehandelt. Für die heute gefeierten Fotografen wie Alexander Grinberg, Boris Ignatowitsch oder Jewgeni Chaldej kommt der Ruhm zu spät. In ihre Fußstapfen treten jetzt junge Talente, für die es seit 2006 eine erstklassige Anlaufstelle in Moskau gibt: die Rodtschenko School of Photography and Multimedia (www.mdfschool.ru). Wenn das Alexander Michailowitsch Rodtschenko, der große Revolutionär der Fotokunst des 20. Jahrhunderts, noch erlebt hätte...

Ein Streifzug durch die Moskauer Galerien und teilweise spektakulären Ausstellungsräume lohnt in jedem Fall.

Galerien und Ausstellungsräume

-94 [III E6] Art4.Ru, Chlynowskij Tupik 4, Metro: Biblioteka imeni Lenina, Arbatskaja, nur freitags von 11–24 Uhr, Tel. 6601158, www.art4.ru. Igor Markin könnte der neue Pawel Tretjakow werden. 800 Werke russischer Künstler aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts machen sein Privatmuseum zu einem bombastischen Kunsteldorado. Aus der ganzen Welt kauft der 39-jährige Unternehmer russische Kunstwerke „zurück“ (Kabakov) und lässt die Besucher in seinen Räumen darüber abstimmen, von welchem Künstler sie in Zukunft mehr sehen möchten. Im Eintrittspreis inbegriffen sind alkoholische Getränke, Sonnenblumenkerne und Livemusik.

-95 [VI G6] Ekaterina Kulturstiftung, Kusnezkij Most 21/5 (Eingang Bolschaja Lubjanka), Metro: Kusnezkij Most, Lubjanka, Di.–So. 11–20 Uhr, Tel. 2313325. Eine erstklassige Privatsammlung russischer Kunst aus drei Jahrhunderten und liebevoll kuratierte Ausstellungen internationaler Künstler (Robert Wilson, 2007; Andreas Gursky 2008; David Lnych 2009) gibt es hier in einem herrschaftlichen Stadtpalais zu sehen. Das Sammlerehepaar Seminichiny – vor allem aber die Gattin Ekaterina – hat noch viel vor.

-96 [F4] Garage, Uliza Obraszowa 19a, Metro: Sawjolowskaja, dann Bus 12 zwei Stationen, Mo.–Do. 11–21, Fr.–So. 11–22 Uhr, Tel. (499) 6450520, www.garageccc.com. Sie hat geschafft, worauf die russische Kunstwelt 20 Jahre warten musste: Dass der Installationskünstler Ilja Kabakov zurückkehrt nach Moskau. Zusammen mit ihrem Mann, Roman Abramowitsch, hat Daria Schukowa Moskaus größtes Zentrum für Gegenwartskunst gegründet. Und das befindet sich ausgerechnet in der 1927 von Konstantin Melnikow entworfenen Busgarage. Da treffen alte und neue Avantgarde aufeinander. Szenig, spleenig ... und sehr neureich.

-97 [IV E8] Haus der Fotografie, Ostoschenka 16, Metro: Kropotkinskaja, www.mdf.ru. Das Moskauer Mekka der Fotografie wird 2010 wiedereröffnet. Bis dahin finden die Ausstellungen in der „Manege“ am Kreml statt. Die angeschlossene Rodtschenko Schule für Fotografie und Multimedia bietet ein zweijähriges Studium oder Abendkurse an. Deren Fotobibliothek ist Weltklasse, der große Kons­truktivist lebt weiter. Nähere Informationen unter www.mdfschool.ru.

-98 [II F8] Roter Oktober, Baibakow Art Projects, Nabereschnaja Bersenewskaja 6, Metro: Kropotkinskaja, dann über die Brücke bis zur Treppe auf halber Höhe, Di.–So. 11–19 Uhr, Tel. (499) 2303930, http://baibakovartprojects.com. Internationale und russische Künstler bespielen hier die dritte Etage der alten Schokoladenfabrik auf der „Insel ohne Namen“. Maria Baibakowa zeigt zeitgenössische Kunst auch in Form von Installationen in finanzkräftigem Loftumfeld. Der edle Spender ist ihr Vater, Präsident der Aktiengesellschaft „City“.

-99 [III D5] Staatliches Zentrum für moderne Kunst, Soologitscheskaja Uliza 13, Metro: Krasnopresnenskaja, Di.–So. 12–19, Fr. bis 22 Uhr (mit kleinem buchladen und Café), www.ncca.ru. In einem aufwendig sanierten Fabrikgebäude befinden sich helle Ausstellungsräume, in denen moderne Kunst gezeigt wird: Installationen, Skulpturen, Gemälde, vorzugsweise aber Fotografien.

-100 [I7] Winsawod, 4. Syromjatnitscheskij Pereulok 1, Metro: Tschkalowskaja, 15 Minuten zu Fuß, Di.–So. 12–20 Uhr, Tel. 9174646, www.winzavod.ru. Hier schlägt er: der Puls der Stadt. Moskaus aufregendstes Kunstzentrum (mit Schwerpunkt Fotografie) liegt versteckt hinter dem Kursker Bahnhof. In den loftigen Backsteinhallen der alten Weinfabrik logieren die prestigeträchtigsten Galerien für Moderne Kunst, wie etwa Aidan, Gelman oder Photographer.ru, aber auch nette kleine Geschäfte (z.B. für Malereizubehör), eine Buchhandlung und das Café Zurzum. Ein Wohlfühlort!

-101 [II E9] Zentrales Haus des Künstlers, Krymskij Wal 10, Metro: Oktjabrskaja, Park Kultury (dann eine Station mit dem Bus über die Brücke), Di.-So. 11-20 Uhr (Kasse bis 19 Uhr), Tel. (499) 2301782, www.cha.ru. Fast 60 Galerien befinden sich in unmittelbarer Nähe zum schwarzen Quadrat (separater Eingang zur Neuen Tretjakow-Galerie). Gemälde, Porzellan, die Fotogalerie Lumiere (www.lumiere.ru) und aktuelle Ausstellungen lohnen den Besuch.

Lernen und Arbeiten (siehe Reiseführer S. 65)

Sprachschulen

µ Liden & Denz Language Center Moscow, Grusinskij Pereulok 3, Eingang 6, Büro 181, Metro: Belorusskaja, Tel. 2544991, www.russiancourses.com. Russisch lernt man hier in kleinen Gruppen oder im Einzelunterricht. Seit 1992 gibt es diese renommierte Sprachschule, die Mitglied der Russisch-Britischen Handelskammer und des Internationalen Sprachenverbandes ist. Zur Auswahl stehen Integrationskurse mit 20 Einzelstunden pro Woche oder Einzelunterricht mit bis zu 40 Wochenstunden für Anfänger und Fortgeschrittene. Unterbringung in einer Gastfamilie ist möglich. Die Kurspreise für 1 Woche betragen ca. 600 € inklusive Unterkunft. Mindestaufenthalt sind 2 Wochen. Die native speaker unterrichten auch in Unternehmen wie Lufthansa, Siemens oder Crédit Suisse. Hier kann man sich auf die staatliche Prüfung TRKI vorbereitenund das russische Sprachzertifikat erwerben.

µ Internationale Schule für russische Sprache, Philologische Fakultät der Moskauer Lomonossow-Universität, Alexej Ivasenko, Tel. 9393017, 9391984, Fax 9393017, msu.Russian@cs.msu.su. Russischunterricht auf Deutsch erteilt Aleks Mihajlov von der Moskauer Lomonossow-Universität. Tel. 9393017, Fax 9393017, ale@uni.de. Auf der Pinnwand der Joe-List (siehe unten) findet man unter dem Stichwort „Russischunterricht“ weitere Informationen. Auch Anfänger sind herzlich willkommen.

Praktika

µ Praktikumsbörse Osteuropa am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin, Garystr. 55, 14195 Berlin, Tel. 030 83852074, http://praktika.oei.fu-berlin.de. Die bewährte Adresse für Auslandspraktika aller Art in Moskau. Zur Auswahl stehen Praktika bei deutschen Institutionen wie etwa der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Verband der Deutschen Wirtschaft oder der Heinrich-Böll-Stiftung, aber auch bei Radio- und Fernsehsendern etc. Mehr als eine Aufwandsentschädigung von 250 € pro Monat ist nicht vorgesehen. Russisch-Kenntnisse sind notwendig und man sollte sich mindestens fünf Monate im Voraus bewerben. Dafür bekommt man einen erstklassigen Einblick in das Alltags­leben in Moskau.

µ Memorial Deutschland, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin, Tel./Fax 030 83229414, www.memorial.de, info@memorial.de

µ Memorial Russland, Malyj Karetnyj Pereulok 12, Metro: Zwetnoj Bulwar, Tschechowskaja, Tel. 6507883, Fax 6090694, www.memo.ru. Die 1988 auf Initiative von Bürgerrechtlern um Andrej Sacharow gegründete Menschenrechtsorganisation ist heute eine internationale Gesellschaft mit über 80 Verbänden auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und einem Ableger in Deutschland. Memorial widmet sich den Opfern politischer Gewaltherrschaft durch soziale Fürsorge für Gulag-Überlebende, durch historische Aufarbeitung und aktuelle Menschenrechtsaktivitäten. Praktika werden nicht vergütet, die Verpflegung ist aber inbegriffen. Übersetzungsarbeiten setzen gute Russisch-Kenntnisse voraus.

µ DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst), Personalreferat, Kennedyallee 50, 53175 Bonn, www.daad.de, Fax 0228 882444. Drei Monate vor Praktikumsbeginn sollte man sich in Bonn für die ­Außenstelle Moskau bewerben und zu diesem Zweck einen Lebenslauf, ein Passfoto und das letzte Zeugnis einreichen. Das Mindestalter ist 18 Jahre, Abitur oder Fachhochschulreife und gute Englisch- und PC-Kenntnisse werden vorausgesetzt. Auch sollte man die russische Sprache gut beherrschen. Die Praktika dauern 2–6 Monate und werden je nach Tätigkeit vergütet.

µ DAAD Außenstelle Moskau, Leninskij Prospekt 95a, Anfahrt siehe Goethe-Institut (s. S. 12), Tel. 1322429, Fax 1324988, www.daad.ru

µ Deutsches Historisches Institut Moskau (DHI), Nachimowskij Prospekt 51/21, Metro: Profsojusnaja, Tel. (499) 7444562, www.dhi-moskau.de, dhi@dhi-moskau.org. Das erst im 2005 eröffnete Deutsche Historische Institut in Moskau geht zurück auf eine Initiative der Zeit-Stiftung und der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Hallbach-Stiftung. Die Historikerfamilie Mommsen und eine große deutsche Bank haben die Bibliothek mitgesponsert, an deren Aufbau man als Praktikant mitarbeiten kann. Die Historikerkommission bemüht sich vor allem darum, Akten über Deutschland aus der Sowjetzeit zugänglich zu machen. Interessant sind die 4–6-wöchigen Stipendien für Studierende im Fach Geschichte. Reisekosten und Unterbringung inklusive. Außerdem vergibt die Stiftung Forschungsstipendien für Promovierte und Doktoranden im Fach Geschichte.

Studentenorganisation

µ Studentenorganisation AIESEC, Uliza Mitinskaja 26, Büro 457, Metro: Mitino, Tel. 5014390396, www.aiesec.ru

JOE-List

µ Netzwerk für Osteuropa-Experten, www.joe-list.de. Ein deutschsprachiges ­Forum für junge Fachleute, die sich in verschiedenen Disziplinen und in der beruf­lichen Praxis mit Südost-, Ostmittel- und Osteuropa inklusive GUS beschäftigen. Die JOE-List hat mehr als 5000 Mitglieder und ist ein Netzwerk und ein moderiertes Forum. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, über die Mailingliste bekommt man Informationen zu Tagungen, Publikationen, Fördermöglich­keiten für junge Wissenschaftler, Stellenangeboten und Kleinanzeigen.

Copyshop

µ Kopirowalnyj Zentr, Bolschaja Dmitrowka 15, Metro: Ochotnyj Rjad, Tel. 9562611, Mo.–Fr. 9–18 Uhr. Im früheren Zentrum für Marxismus-Leninismus, unschwer zu erkennen an den großen Konterfeis in Marmor über dem Eingang, befindet sich im Erdgeschoss einer der zentralsten (und einer der wenigen) Copyshops der Stadt. Hier gibt es alle Arten von Kopien, auch hochwertige Kopien für Architekturbedarf und anderes. Die Öffnungszeiten sind zwar noch sehr sowjetisch, aber der Service ist erste Klasse.

Bibliotheken

Moskau hat 420 Bibliotheken und Einrichtungen ähnlicher Art. Hier nur zwei der interessantesten:

l102 [I F7] Russische Staatsbibliothek, Uliza Wosdwischenka 3/5, Metro: Biblioteka imeni Lenina, Mo.–Fr. 9–20 Uhr, Sa. 9–19 Uhr, So. und letzter Mo. des Monats geschl., Tel. 6955790, www.rsl.ru. Die besser unter dem Namen Leninbibliothek oder „Leninka“ bekannte Bibliothek ist mit 40 Millionen Büchern eine der größten der Welt und erstreckt sich über ein ganzes Straßenviertel. Das von A. Schtschukow und W. Helfreich entworfene und 1928 bis 1950 erbaute „Gedächtnis der Russen“ wurde stilistisch nach dem Vorbild des schließlich nicht gebauten Palastes der Sowjets ausgerichtet. Die schwarze Marmorstatue von Dostojewskij kam erst 1997 hinzu. Ohne Bibliotheksausweis gelangt man nicht über die Garderoben hinaus, aber durchaus in das „Büchermuseum“ (Eingang 3, G). Einen Gastausweis bekommt man im hinteren, rechts vom Haupteingang gelegenen zweiten Eingang. Dort zieht man eine Nummer und füllt eines der ausliegenden zweisprachigen Antragsformulare aus. Nach Passvorlage wird ein kleines Foto geschossen, für das man 2 € bezahlt. Der Ausweis kann sofort im letzten Zimmer rechts abgeholt werden. Dann geht man zurück zum Haupteingang, legt die Garderobe ab und passiert den Eingang zu den altehrwürdigen Lesesälen. Im größten Lesesaal, der im sowjetklassizistischen Stil entworfen wurde, wird man von einer riesigen Leninstatue begrüßt. Die kleinen grünen Leselampen und die antike Einrichtung wiederholen sich in den anderen Lesesälen. Leider gibt es hier noch immer das Karteikartensystem und fleißige Lieschen, die das Kopieren übernehmen. Der veralteten Logistik vor Ort steht der moderne Internetauftritt der russischen Staatsbibliothek entgegen.

l103 [H8] Russkoje Sarubeschje, Nischnaja Radischewskaja Uliza 2, Metro: Taganskaja, Mo.–Fr. 12–19 Uhr, letzter Mi. des Monats geschl., Tel. 9151030, www.bfrz.ru. Für Russophile ist die von Alexander Solschenizyn 1995 gegründete Bibliothek „Russisches Ausland“ ein Muss. 50.000 Bände, fast ausschließlich russische Bücher, Memoiren, Dokumente, Briefe sowie Audio- und Videotapes russischer Emigranten finden derzeit in der größten unter Kuratel der Stadtverwaltung befindlichen Bibliothek Moskaus Platz. Archivmaterial von Nikolaj Berdajew, Marina Zwetajewa und Fjodor Schaljapin, aber auch das Archiv des Großfürsten Nikolaj Romanow sind nicht nur für Historiker von unschätz­barem Wert. Knapp drei Millionen Russen waren allein vor der Revolution geflohen, weitere Ausreisewellen folgten. Dank Solschenizyns jahrzehntelangem Einsatz wurde in alle Winde zerstreutes russisches Kulturgut in die Heimat zurückgeholt.

Im Notfall (siehe Reiseführer S. 68)

Notfallkliniken

Die Auswahl an erstklassigen, von ausländischen Ärzten geführten Kliniken ist mittlerweile sehr groß. Beim Abschluss einer Reisekrankenversicherung sollte man dennoch darauf achten, dass ein Krankenrücktransport mitversichert ist.

+104 [III E6] European Medical Centre, Spiridonjewskij Pereulok 5, Metro: Puschkinskaja, Tel. 9336655, www.emcmos.ru. Englisch-, deutsch-, französischsprachige Ärzte, zwei OPs, eine Zahnklinik. Ambulanz, Apotheke, Sondertarife für Touristen, Hilfe bei eventuellem Rücktransport, 24 h Ambulanz, direkte Abrechnung mit der Krankenversicherung.

+105 [F9] MedinCenter (in der Poliklinik der Verwaltung des diplomatischen Korps), Dobryninskij per. 4, Metro: Dobryninskaja, Oktja­brskaja, Tel. 2371706, www.medin.ru. Ärztliche Behandlung auf sehr hohem Niveau und relativ preisgünstig, für Ausländer und Russen.

+106 [H5] International SOS Clinic, Grocholskij Pereulok 31 (10. Stock), Metro: Prospekt Mira, Tel. 9375760, 24 Stunden geöffnet, www.internationalsos.com. Deutsche, amerikanische und kanadische Ärzte kümmern sich um die Patienten. CT und anderer west­licher Standard, ein HIV-Test kostet 45 €.

+107 [B10] Praxis der Deutschen Botschaft, Uliza Mosfilmowskaja 56, Metro: Kiewskaja, Universität, Tel. 9399269, Bereitschaftsdienst unter: (7495) 9379500. Hier werden nicht nur Botschaftsangehörige, sondern alle EU-Bürger (auch Schweizer) behandelt. Vorauszahlung, Rückerstattung über die Auslandsreisekrankenversicherung, aber auch normale deutsche Krankenversicherung. Der deutsche Botschaftsarzt rechnet nach deutschen Sätzen ab.

+108 [I7] Deutsche Zahnklinik, Wolotschajewskaja Uliza 2/1, Metro: Ploschtschad Iljitscha (Lefortowo, am Stadtrand) oder Baumanskaja, www.germandentalcenter.ru, Tel. 7374466, 24 Stunden geöffnet außer Sa. 9–15 Uhr, So. geschlossen. Deutsche Zahnärzte arbeiten in dieser Spezialklinik für Implan­tationen, Chirurgie, Laserbehandlung etc.

Deutschsprachige Apotheken

+109 [VI F6] Deutsche Apotheke, Petrowskij Passasch 10 (im ersten Stock), Metro: Teatralnaja, 24 Stunden geöffnet.

+110 [III F6] Farmakon, Twerskaja 2/4, Metro: Ochotnyj Rjad, Tel. 2928770, Mo.–Sa. 8.30–20 Uhr.

Museen (siehe Reiseführer S. 69)

Kunst- und Architekturmuseen

ì [II G8] Alte Tretjakow-Galerie, Lawruschinskij Pereulok 10, Metro: Tretjakowskaja, Di.–So. 10–19.30 Uhr (Kassen schließen um 18.30 Uhr), www.tretyakovgallery.ru, Tel. 9511362, Audioguide empfehlenswert. Die Sammlung Pawel Tretjakows gelangte durch die Verstaatlichung privater Sammlungen zu ihrer heutigen Berühmtheit. Nicht zuletzt aufgrund dieser Konfiszierungen beherbergt die Tretjakow-Galerie heute nahezu 100.000 Exponate, unter anderem die beste Ikonen-Sammlung Russlands.

ï [II E/F9] Neue Tretjakow-Galerie, Uliza Krymskij Wal 10, Metro: Oktjabrskaja, Di.–So. 10–19.30 Uhr, Kassen bis 18.30 Uhr, Tel. 2381378, www.tretyakovgallery.ru. Ein Besuch lohnt in jedem Fall, zumal die Gemälde so bedeutender Avantgarde-Künstler wie Kasimir Malewitsch und Wassilij Kandinsky und Exponate aus dem gesamten 20. Jh. hier zu finden sind.

4 [IV F7] Puschkin-Museum der Bildenden Künste, Uliza Wolchonka 12, Metro: Kropotkinskaja, Di.–So. 10–19 Uhr, Kasse bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr (Kasse bis 20 Uhr), Tel. 6977998. Das Museum für Privatkollektionen (Wolchonka 10) nebenan und die Galerie der europäischen und amerikanischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts (Wolchonka 14) gehören jetzt ebenso zu dem Ensemble, das demnächst von Norman Foster in eine gigantische Museumsstadt umgewandelt wird. Führungen zu reservieren unter Tel. 2037998, www.museum.ru/gmii. Ausnahmslos nichtrussische Kunst aus russischem Privat- und Staatsbesitz wird in dem beeindruckenden klassizistischen Bau und den Annexen ausgestellt. In dem nach Alexander Puschkin benannten Museum von Weltrang sind französische Impressionisten, Niederländer aus dem 17. Jh. und der berühmte Schliemann-Schatz zu bewundern. Das Troja-Gold gilt als die kostbarste „Trophäe“ russischer Beutekunst.

m111 [III E6] Museum des fernen Ostens, Nikitskij Bulwar 12a, Metro: Arbatskaja, Di.–So. 11–19 Uhr, Tel. 2024555. Seit 1918 gibt es dieses Museum, das so bunt ist wie der ferne Osten selbst. Für Ethnofans und Weltenbummler gibt es hier Teppiche aus Kasachstan, Porzellan aus dem Iran, Buddhafiguren aus Tibet, Teetassen aus Japan und Nikolai Röhrichs gemalte, tiefsinnige und farbenfrohe Erinnerungen an seine Reisen in die Mongolei zu bestaunen. Der nur teilweise renovierte Empire-Palast von 1821 mit hohen Decken und Stuckverzierungen hat schon bessere Zeiten gesehen, bietet aber einen interessanten Einblick in das Kunsthandwerk der ehema­ligen asiatischen Sowjetrepubliken.

m112 [VI F5] Museum für Moderne Kunst, Uliza Petrowka 25, Metro: Tschechowskaja, tägl. 12–20 Uhr (Kasse bis 19.15 Uhr), Tel. 6942890, www.mmoma.ru. 1500 Werke russischer und internationaler Künstler aller Fachrichtungen des 20. Jh. finden sich hier mehr oder weniger unsortiert über drei Etagen verteilt. Es ist nicht ganz leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Zwischen vielen unbedeutenden Exponaten tauchen plötzlich absolut hochkarätige Gemälde auf. Malewitsch und die Avantgarde gehen in den Sammlungen unter. Es bleibt zu hoffen, dass die moderne Kunst demnächst einen besseren Standort findet und gänzlich neu arrangiert wird. Im Übrigen wirken Zurab Zeretelis überlebensgroße Bronzefiguren im Hof auf den Besucher eher abschreckend als einladend.

ø [III E5] Museum für Moderne (Foto)-Kunst Jermolowa, Jermolajewskij Pereulok 17, Metro: Majakowskaja, tägl. 12–20 Uhr, Tel. 6942890. Die wechselnden Fotoausstellungen in diesen stil­vollen Räumen der alten Jugendstilvilla an den Patriarchenteichen sind ein echter Genuss. Der Ableger des Museums für Moderne Kunst (s. S. 70) hat mit dem großen Bruder im Grunde nichts gemein. Publikum und Exponate sind jung, international und mondän. Dieses Museum atmet den Hauch der großen weiten Welt.

m113 [I F7] Schtschussew-Architekturmuseum, Wosdwischenka Uliza 5/25, Metro: Biblioteka imeni Lenina, Di.–So. 11–19 Uhr, Mo. geschl., Tel. 6912109, www.muar.ru. Zweieinhalb Millionen Bilddokumente (Stiche, Drucke, Zeichnungen, Skizzen, Blaupausen, Fotografien) schlummern in den Regalen des Moskauer Architekturmuseums. Streng genommen ist es ein Archiv und kein Museum, in dem u. a. 300 Zeichnungen, Grafiken und Gemälde aus der Bremer Kunsthalle lagern, die in den Kriegswirren hierher gebracht wurden. Auch wenn ein ganzer Flügel brachliegt und die neoklassizistische Fassade bröckelt, beherbergt das Museum eine der besten Artefaktsammlungen der Welt wie etwa das Modell eines für Katharina die Große entworfenen Palastes oder Iwan Leonidows mythische Zeichnungen vom Volkskommissariat für Schwerindustrie. Das nach dem Architekten des Moskwa-Hotels benannte Schtschussew-Museum ist fast so etwas wie das architek­tonische Gewissen des Landes. Die Renovierungsarbeiten dauern seit einem Jahrzehnt an. Nur in einem Teil des riesigen Komplexes finden Architekturausstelllungen statt. Im angrenzenden „Ruinenflügel“ (Eingang im Hinterhof) werden avantgardistische und sehenswerte (Foto-)Ausstellungen bzw. Installationen effektvoll in die morbide Szenerie gesetzt.

Zeitreisen – historische Museen

m114 [VI F6] Gulag-Museum, Uliza Petrowka 16, Metro: Kusnezkij Most, Di.–Sa. 11–16 Uhr, Tel. 6217346, www.museum-gulag.narod.ru. Erst im Mai 2005 mit viel Eigeninitiative und Liebe zum Detail errichtetes Museum in Gedenken an Stalins Säuberungsopfer. Bislang nur im ersten Stock zu besichtigen sind Gemälde russischer Gulagopfer, u. a. Bilder von Nikolaj Getman, der 1997 in Washington eine eigene Ausstellung präsentieren durfte, bevor er kurz vor seinem Tod 2005 seine Bilder dem Gulag-Museum vermachte. Ein weiteres Getman-Exponat stellte Solschenizyn zur Verfügung. Eindrücklich ist die raumhohe Karte am Eingang, auf der sämtliche Gulag-Stätten der ehemaligen Sowjetunion nach Größenordnung und Arbeitslagerbezug eingezeichnet sind. Vergangenheitsbewältigung der leisen, eindringlichen Art.

Ö [I F6] Historisches Museum, Krasnaja Ploschtschad 1/2 (Roter Platz), Metro: Teatralnaja, Ochotnyj Rjad, Mi.–Mo. 10–18 Uhr So. 11-20 Uhr, geschl. erster Montag des Monats, Tel. 6923731, www.shm.ru. Das größte russische Nationalmuseum direkt am Roten Platz lohnt einen Besuch, wenn man sich für die Geschichte und die verschiedenen Ethnien der Völker der Sowjetunion von den Anfängen (Steinzeit) bis 1900 interessiert.

m115 [D6] Krasnaja Presnja Museum, Bolschoj Predtetschenskij Pereulok 5, Metro: Krasnopresnenskaja, Di.–Sa. 10–18, So. 10–17 Uhr, geschl. letzter Fr. im Monat. Dieser Ableger des Museums für Moderne Geschichte Russlands ÷ ist nach dem ehemaligen Arbeiterstadtteil jenseits des Gartenrings benannt, in dem es sowohl 1905 als auch 1917 zu radikalen, revolutionären Aufständen kam. In unmittelbarer Nähe liegt das Weiße Haus, der Ort, an dem Russlands Schicksal gleich zweimal besiegelt wurde: 1991 und 1993. Diesen Ereignissen ist die Ausstellung im ersten Stock des reichlich verstaubt wirkenden Museums gewidmet. In der zweiten Etage wird die Revolution von 1905 von mehreren Seiten beleuchtet. Interessant ist die Karte, auf der minutiös markiert ist, wo der Zar in Moskau seine Truppen stationiert hatte. Das etwas dilettantisch wirkende Schaubild der Revolte zeigt vor allem eines: Moskau hatte damals wohl tatsächlich 40 x 40 Kirchen.

? [II H9] Lenins Trauerzug, Koschewnitscheskaja Uliza (direkt neben dem Pawelezker Bahnhof), Metro: Pawelezkaja, Mo.–Fr. 10–18 Uhr. Selbst wenn das Museum nicht geöffnet hat, lohnt ein Besuch für Lenin-Verehrer und Eisenbahnfans. Die in einer mit Klimaanlage versehenen Glasvitrine ausgestellte Dampflokomotive und der Anhänger, mit dem Lenin 1924 von Gorki Leninskije (Lenin-Berge) nach Moskau ins Mausoleum überführt wurde, sind in erstklassigem Zustand und auch durch das geschlossene Fenster gut erkennbar. Den orange-schwarzen Zug ziert die Losung „Auf geht’s, Parteilose, Seite an Seite mit den Kommunisten, tapfer in die Zukunft“ und das in Marmor gemeißelte Zitat am Eingang lautet übersetzt: „Wladimir Iljitsch Lenin ist so unsterblich wie seine Ideen und Taten.“ Autor unbekannt.

õ [III E6] Matrjoschka-Museum, Leontjews­­­-kij Pereulok 7/1, Metro: Ochotnyj Rjad, Di.–Fr. 12–18 Uhr, Sa./So. 11–17 Uhr, Tel. 2918718. Die Sammlung umfasst 14.000 Exemplare und zeigt, welche Entwicklungen die russische Bauernpuppe durchgemacht hat. Besonders Kindern bringt das Museum große Freude.

m116 [VII H6] Moskauer Lichtermuseum, Armjanskij Pereulok 3–5/1, Metro: Lubjanka, Tschistyje Prudy, tägl. 11–17 Uhr, www.moscowlights.ru. In einem weiß getünchten Gemäuer eröffnet sich dem Besucher ein wahrer Schatz. Das bereits seit 25 Jahren existierende Museum enthält Exponate zum Thema Elektrizität im weiteren Sinne wie antike Gaslaternen, Straßenuhren und Metro-Schaltpulte von 1940. Auf Originalfotografien ist das in Feuerwerkslicht getauchte Moskau während der Siegesfeiern 1945 zu sehen. Das Museum wird von der russischen Energieindustrie gesponsert. Die eigens für das Museum von der Schokoladenfabrik Roter Oktober angefertigten „Konfety“ bringen nicht nur Kinderaugen zum Leuchten.

m117 [I G6] Museum der Geschichte der Stadt Moskau, Nowaja Ploschtschad 12, Metro: Lubjanka, Di./Do./Sa., So. 10–18 Uhr, Mi./Fr. 11–19 Uhr, letzter Fr. im Monat geschl., www.museum.ru/moscow, Tel. 9248490. Das Moskauer Stadtmuseum ist eines der ältesten Museen der Stadt, untergebracht in einer ehemaligen Kirche. Leider hält es nicht, was es verspricht, auch wenn die eine oder andere Rarität zu finden ist wie z. B. ein kleines Stadtmodell aus Holz (ein großes ist an anderer Stelle zu finden, siehe Kap. „Architektur-Special“). Das Museum für Moderne Geschichte Russlands (s. u.) bietet neben der russischen Geschichte auch bessere Einblicke in die Stadtentwicklung.

m118 [F4] Museum der Streitkräfte, Uliza Sowjetskoj Armii 2, Metro: Nowoslobodskaja (Ausgang Selesnewskaja Uliza, dann am Theater vorbei und 20 Min. zu Fuß), Mi.–So. 10–17 Uhr, Tel. 6816303, www.cmaf.ru. Imposant ist nicht nur das Gebäude. Russlands Militärgeschichte ab 1917 wird hier in atemberaubender Intensität nachvollzogen. Für deutsche Besucher am spannendsten: die 1945 auf dem Berliner Reichstag gehisste Siegesflagge der Roten Armee, der zersägte bronzene Bundesadler, der einst über dem Eingang der Reichskanzlei hing und ein ausgebranntes Modell des Reichstages. Im Shop gibt es harmlose Modellflugzeuge für Kinder. Besser so.

F [B7/8] Museum des Großen Vaterländischen Krieges, auf dem Gelände des Siegesparks (siehe Kap. „Sehenswertes außerhalb des Gartenrings“), Bratjew Fontschenko 10, Metro: Kutusowskaja, Di.–So. 10–17 Uhr, letzter Do. im Monat geschl., Tel. 1424185. Eine Reise in eine düstere Vergangenheit erwartet den Besucher hier. Anhand von thematischen Dioramas werden Schlachten wie etwa der Kampf um Berlin oder Petersburg nachgestellt. Die Ruhmeshalle ist an Sowjetkitsch kaum zu überbieten, aber gerade deshalb sehenswert.

m119 [H8] Museum des Kalten Krieges (ZKP Taganka), 5. Kotelnitscheskij Pereulok 11, Metro: Taganka, tägl. 10–19 Uhr, nur mit Anmeldung unter Tel. 5000554 oder (auf Russisch) online unter http://zkp42.ru (Eintritt ca. 30 €). Hinter den grünen Toren mit dem roten Sowjetstern eröffnet sich das wohl imposanteste Relikt der Moskauer Unterwelt. Auf 7000m² befindet sich hier in 60 Metern Tiefe (Lift) die geheime sowjetische Kommandozentrale aus der Zeit des Kalten Krieges. Alte Kremltelefone, Schreibmaschinen und Leninbüsten sind zu bestaunen. Ein kurzer Film erläutert, wie real ein Dritter Weltkrieg seinerzeit war. In dem schummrigen, morbiden Tunnellabyrinth, das auch als Atombunker konzipiert wurde, hätten 3000 Menschen 90 Tage ohne Hilfe von außen, nicht zuletzt aufgrund der Verbindung zur (hörbaren) Metrolinie, überleben können. Dmitry Glukhovsky mit seinem Roman „Metro 2033“ lässt grüßen! 2006 ersteigerte die Firma Nowik-Service das historische Areal, um es in einen „Cold-War-Vergnügungskomplex“ umzuwandeln. Retro-Café, Nachtclub und Spa (!) lassen noch auf sich warten. Einstweilen bleiben 600 Meter kahle, feuchte Tunnelwände. Auch die Parkettböden von einst sind verschwunden ... Und eine amerikanische Besucherin fragte sich, wo denn Chruschtschows Schlappen sei, mit dem dieser seinerzeit die New Yorker zur Raison rief!?

m120 [I F6] Museum für Archäologie, Manesch­naja Ploschtschad 1a (Manegenplatz), Metro: Ochotnyj Rjad, Di./Do./Sa., So. 10–18 Uhr, Mi./Fr. 11–19 Uhr, geschl. letzter Fr. im Monat, Tel. 2924171. Eines der laut UNESCO besten Archäologiemuseen der Welt befindet sich im geschichtsträchtigen Herzen der Stadt. Neben dem wieder errichteten Moskwa-Hotel steigt man die Stufen hinab und glaubt sich in einer anderen Welt. Pünktlich zum 850. Stadtgeburtstag stießen Bauarbeiter zufällig auf die riesigen Überreste der Woskresenskij-Brücke, die beinahe vollständig und gut erhalten ist. Anhand eines Modells sind die Ausmaße veranschaulicht.

÷ [III E5] Museum für Moderne Geschichte Russlands (früher Revolutionsmuseum), Twerskaja Uliza 21, Metro: Puschkinskaja, Twerskaja, Di.–Sa. 10–18 Uhr, So. 10–17 Uhr, letzter Fr. im Monat geschl., www.sovr.ru, Tel. 6996724. Dieses imposante klassizis­tische Gebäude beherbergt seit 1917 eines der spannendsten Museen der Stadt. In den schön renovierten Räumen taucht man in die bewegte Geschichte Russlands und der Sowjetunion ein.

á [I G7] Palast der Bojaren Romanow, Uliza Warwarka 10, Metro: Kitaj-Gorod, Do.–Mo. 10–17, Mi. 11–18 Uhr, letzter Mo. im Monat geschl., Tel. 2983706, www.shm.ru. Nikita Romanow errichtete das schönste Gebäude auf der Warwarka Uliza im 16. Jh. Als Michail Romanow 1613 zum Zar ernannt wurde, zog die ganze Familie in den Kreml, sodass der Bojarenpalast verwaist blieb. Nikolaus I. renovierte den Familiensitz und machte ihn 1859 der Öffentlichkeit zugänglich.

A [L 8/9] Porzellanmuseum (im Herrensitz Kuskowo), Uliza Junosti 2, Metro: Rjasanskij Prospekt (in Fahrtrichtung vorne aussteigen), weiter mit Bus 133 oder 208 ab der dritten Bushaltestelle rechts (6 Stationen bis zum Haupteingang), Mitte April–September: Mi.–So. 10–18 Uhr (Tickets bis 17 Uhr), Oktober–Mitte April Mi.–So. 10–16 Uhr (Tickets bis 15 Uhr), geschl. letzter Mi. im Monat und an besonders regnerischen Tagen aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit, nur Getränke und Süßigkeiten käuflich zu erwerben, Tel. 3700160 (auch Konzerte), www.kuskovo.ru. Erstklassiges Museum mit Services aus drei Jahrhunderten. Deutsches Meissener- und französisches Sèvres-Porzellan ergänzen die russischen Exponate, unter anderem aus der weltberühmten St. Petersburger Lomonossow-Manufaktur.

m121 [E4] Revolutionsdruckerei von 1905, Lesnaja Uliza 55, Metro: Belorusskaja, Tel. 6995217, tägl. 10–18 Uhr, www.sovr.ru/region/tipog1.shtml. Revolu­tionsgeschichte zum Anfassen bietet der kleine kaukasische „Fruchthändler Kalandadse“, hinter dessen harmloser Ladenfassade und heute mit Plastikobst bestückter Vitrine sich eines der ungewöhnlichsten Museen der Hauptstadt befindet. In den Tagen der ersten russischen Revolution 1905 wurden hier im Kellergewölbe, in das man über eine Holztreppe hinter der Theke gelangte, Flugblätter und die sozialdemokratische Zeitung „Der Arbeiter“ auf einer amerikanischen Druckereimaschine hergestellt. Nach jeweils 30 Minuten in dem geschlossenen Raum bei Kerzenlicht wurde der Sauerstoff knapp, sodass Wachablösung in dem drei Meter tiefen Keller Not tat. Bei Nacht und Nebel arbeiteten die Revolutionäre unter extremen Bedingungen. Tagsüber handelte der furchtlose georgische Händler mit Obst, unter dem nicht nur die Kelleröffnung, sondern auch die Flugblätter problemlos verschwanden. Direkte Kundschaft hatte er nicht, weil er Großhändler belieferte. Kam doch einmal jemand vorbei, setzte sich seine Frau an die Nähmaschine, um die Geräusche der Druckereimaschine zu ersticken. In den beiden Hinter­zimmern führte die 3-köpfige Familie ein bescheidenes Leben. Im Gegensatz zu anderen Revolutionären, die vom Zarenregime verfolgt wurden, blieben Kalandadses revolutionäre Umtriebe ungesühnt. Die Revolutionsdruckerei ist die einzige ihrer Art in Moskau, die nie entdeckt wurde. Das Museum wurde 1923 als Außenstelle des Museums für Moderne Geschichte Russlands eröffnet und zieht seither vorzugsweise Touristen aus Ländern an, die ebenfalls auf eine revolutionäre Vergangenheit zurückblicken.

Ô [I F7] Rüstkammer und Diamantenfond des Kreml, Kreml, Metro: Biblioteka imeni Lenina, Borowizkaja, Einlass Fr.–Mi. 10, 12, 14.30, 16.30 Uhr, Tel. 9214720; Diamantenfonds, Fr.–Mi. 10–13, 14–17 Uhr, Tel. 2292036, www.kremlin.museum.ru

m122 [I7] Wodkamuseum, Samokatnaja Uliza 4, Metro: Plotschschad Ilitscha, dann mit Bus oder Marschrutka 125 Richtung Andronikow-Kloster bis Samokatnaja Uliza (3 Stationen), Mo.–Fr. 11–17 Uhr, Sa. und So. nur angemeldete Führungen, Tel. 3616010, www.nikishin-collections.ru (mit virtueller Museumstour). „Wodka ist Russlands einzige Errungenschaft, die keinem Verfallsprozess ausgesetzt ist“, schreibt Alexander Nikishin, Inhaber des ersten nationalen Wodkamuseums in einem stilecht sanierten Annex der weltgrößten Destillerie „Kristall“. Der auch als Publizist („Wodka und Stalin“, „Die Geschichte des Wodkas“) arbeitende Kurator und Sammler hat spektakuläre Schätze zu bieten: Smirnows Lieblingssofa, echte Molotow-Cocktails, alle nur denkbaren Wodkabehältnisse wie etwa Joghurtbecher, die unter Gorbatschow aufgrund von Flaschenmangel an der Tagesordnung waren und vieles mehr. Dazu gibt es temporäre Ausstellungen, eine erstklassige Website mit Auszügen aus seinen brillant recherchierten Büchern (im Museum zu kaufen) und eine Degustation mit extra Frauenwodka (Likör!).

In Gedenken an ... – Literatur-, Künstler-, Theater-, Musik- und Filmmuseen

Literaturmuseen

U Boris-Pasternak-Wohnhaus, Pawlenko Uliza 3, Peredelkino, Elektritschka vom Kiewer Bahnhof, 30 Minuten bis Peredelkino, dann 15 Minuten zu Fuß, Do.–So. 11–16 Uhr, am letzten Tag des Monats geschlossen, www.avantart.com/russ/peredelkino/1.htm, Tel. 9345175. Eine Pilgerstätte war Boris Pasternaks Wohnhaus in der prominenten Datschensiedlung im Grüngürtel von Moskau schon in den 1960er-Jahren. Seit 1990 kann man die ehemalige Wirkungsstätte des verfemten Schriftstellers auch besichtigen. Sein in Teilen autobiographisches opus magnum „Doktor Schiwago“, für das er 1953 den Literatur-Nobelpreis bekam, vollendete er an seinem Lieblingsplatz auf der Veranda. Der Preis wurde Pasternak aberkannt, seine Liebe zu Peredelkino aber blieb (siehe Kap. „Ausflüge in die Umgebung“).

m123 [III E5] Bulgakow-Wohnhaus, Bolschaja Sadowaja Uliza 10, Metro: Majakowskaja, So.–Do. 13–23 Uhr, Fr./Sa. 13–1 Uhr nachts, Tel. 9700619, Tickets auch online unter www.dombulgakova.ru. In den 1980er-Jahren wurde das Wohnhaus des großen Meisters Michail Bulgakow, der sich mit dem Moskau-Roman schlechthin in das satirische Herz der Russen schrieb, zu einem echten, immer noch mystischen Wallfahrtsort. Unzählige Fans verewigten sich mit Graffiti- Zeichnungen aus „Der Meister und Margarita“ im Treppenhaus dieser einstigen kommunalka (Gemeinschaftswohnung), in der Bulgakow von 1921 bis 1924 lebte. Anfang 2005 eröffneten seine Nachkommen hier ein Museum. Ausgestellt sind Bilder, Fotos, Skulpturen, eine kleine Holzstraßenbahn und andere Habseligkeiten. Skizzen treuer Anhänger schmücken die Wände. Vor allem die umtriebige Katze Behemoth hat es den Fans angetan. Der Besucher kann sich mit ausgelegten Stiften und Blättern ebenfalls unsterblich machen. Täglich ist das Museum Ausgangspunkt zahlreicher Führungen auf Bulgakows Spuren und zu den Schauplätzen seiner Romane. Es gibt Nachtexkursionen per Bus oder zu Fuß von 1–5 Uhr morgens (cool!) oder „Bulgakows Moskau“ jeden Sonntag von 15–19 Uhr. Auch die Patriarchenteiche um die Ecke lohnen einen Abstecher. Dort spielt die Anfangs­szene aus „Der Meister und Margarita“, dem Kultroman, den Bulgakow nicht mehr vollenden konnte, weil er am Ende seines Lebens erblindete.

m124 [F4] Dostojewskij-Wohnhaus, Dostojewskowo Uliza 2, Metro: Nowoslobodskaja, Mi./Fr. 14–19, Do., Sa.,So. 11–18 Uhr, geschl. letzter Tag des Monats, Tel. 6811085, www.museum.ru/m403. Nach einer aufwendigen dreijährigen Renovierung erstrahlt das Wohnhaus der Familie Dostojewskij am nördlichen Stadtrand Moskaus heute in neuem Glanz. Allerdings verbrachte Dostojewskij lediglich seine Kindheit in diesen bescheidenen Räumen, in einem Seitenflügel des früheren Armenkrankenhauses, bevor er 1837 nach St. Petersburg zog. Neben dem authentischen Interieur versetzen auch die zahlreichen Ahnengemälde den Besucher in jene Zeit um 1920, als Fjodor Dostojewskij noch der Sohn des Vaters Michail Dostojewskij war, lange bevor er mit dem eigens in einer Vitrine ausgestellten Füller zu schreiben begann.

ö [III E6] Gorki-Wohnhaus, Malaja Nikitskaja Uliza 6/2, Metro: Arbatskaja, Mi.–So. 11–17.30 Uhr, geschl. letzter Do. im Monat, Tel. 6900535. Als eines der schönsten Beispiele für Moskauer Jugendstil gilt das imposante Wohnhaus, das ausgerechnet Maxim Gorki, dem Antibürgerlichen, zur Verfügung gestellt wurde.

m125 [VI F5] Literaturmuseum, Uliza Petrowka 28, Metro: Tschechowskaja, Mi.–Fr. 14–18, Sa. 11–17 Uhr, geschl. letzter Tag im Monat, Tel. 6237343. Zeitweise wegen Renovierung geschlossen. Das seit 1970 in einem Teil des Hohen Sankt-Peter-Klosters untergebrachte Museum für Bibliophile beherbergt über eine Million mit viel Liebe zum Detail exponierte Einzelstücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert, wie Inkunabeln, persönliche Archive russischer Geistesgrößen, Originaltonaufnahmen, Fotografien und Zeichnungen. Einen besseren Eindruck vom Leben der Schriftsteller und ihrer Zeit bekommt man jedoch in den Wohnhaus-Museen.

m126 [VI G6] Majakowskij-Museum, Mjasnizkaja Uliza 6, Metro: Lubjanka, Mo./Di./Fr.–So. 10–19, Do. 13–20 Uhr, geschl. letzter Fr. im Monat, www.museum.ru/majakovskiy, Tel. 9219387. Von 1919 bis 1930 lebte der subversive Künstler und „Dichter der Revolution“ Wladimir Majakowskij in diesem Gebäude in unmittelbarer Nähe zum KGB. Der konstruktivistische Eingang lockt den Besucher in eine ganz eigene Form von Paralleluniversum, in dem Propagandaplakate, Fotos und Drehbücher vor zersprungenen Spiegeln, alten Stiefeln und zerschlissenen Sesseln des genialen Anarchisten auf sehr eigenwillige Art arrangiert sind. Riesige Metallinstallationen, eine umfangreiche Lyrik-Bibliothek, avantgardistische Kunst und mehrere Totenmasken zeugen von dem großen Pathos und dem latenten Größenwahn des talentierten Dichters, der sich im Alter von 37 Jahren das Leben nahm.

m127 [IV E8] Puschkin-Museum, Pretschistenka Uliza 12/2, Metro: Kropotkinskaja, Di.–So. 10–18 Uhr, geschl. Mo. und letzter Fr. im Monat, www.pushkinmuseum.ru, Tel. 6375674. Das imposante, erst kürzlich renovierte und erweiterte Gebäude im alten Adelsviertel Moskaus wartet mit einer Fülle von Aquarellen, Lithografien und Zeichnungen aus jener Zeit auf, in der Alexander Puschkin lebte. Erstausgaben und andere Originalwerke sind in Glasregalen luftdicht untergebracht. Allerdings sind nur wenige persönliche Reliquien des rebellischen Künstlers ausgestellt. Allein die überlebensgroße Bronzeskulptur am Eingang erinnert an Puschkin als Person.

9 [V D7] Puschkin-Wohnhaus, Arbat Uliza 55, Metro: Smolenskaja, Mi.–So. 10–18 Uhr, Tel. 6375674. In diesem zweigeschossigen, blau-weißen Stadthaus am Arbat verbrachte Alexander Puschkin nur zwei Monate des Jahres 1831. Neben einigen persönlichen Gegenständen, Porträts und Skulpturen, Lithografien und Buchillustrationen findet sich hier auch eine Reihe interessanter Stiche aus jener Zeit.

m128 [VII I7] Sacharow-Museum, Uliza Semljanoj Wal 57, Metro: Kurskaja, Di.–So. 11–19 Uhr, Tel. 6234401, www.sakharov-center.ru. „Frieden, Fortschritt und Menschenrechte – eins ist ohne das andere nicht möglich“, sagte der in der UdSSR verfolgte Physiker und Menschenrechtler Andrej Sacharow 1975 in seiner Nobelpreisrede. Das erst 1996 gegründete, unabhängige Forschungs-Zentrum mit laufenden Ausstellungen und einer eigenen Spezialbibliothek ist ein geradezu mystischer Ort. Nicht zuletzt aufgrund des preisgekrönten Ausstellungskonzeptes scheint Sacharows Geist hier noch lebendig zu sein. Im Obergeschoss unterteilen riesige Trennwände den Raum in vier unterschiedlich große Segmente. Von links nach rechts werden die Abschnitte größer und heller, ein Symbol für Russlands Weg aus der Dunkelheit ins Licht, aus der Unfreiheit in die Freiheit. Fotomaterial, Videos und Schriftstücke in den Regalwänden dokumentieren politische Repression, tota­litäre Vergangenheit und das Leben eines in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Menschen.

5 [IV E8] Tolstoj-Museum, Pretschistenka Uliza 11, Metro: Kropotkinskaja, Di.–So. 10–18 Uhr, geschl. letzter Fr. im Monat, Tel. 2022190. Das Museum zu Ehren des großen Schriftstellers beherbergt persönliche Gegenstände und Aufzeichnungen sowie Gemälde von berühmten Malern. Gelebt hat Tolstoj allerdings nicht hier, sondern in einem geräumigen, sehenswerteren Holzhaus am Park Kultury (s. u.) und in seiner Datscha in Jasnaja Poljana.

6 [IV D8] Tolstoj-Wohnhaus, Uliza Lwa Tolstowo 21, Metro: Park Kultury, April-September Di.–So. 10–17 Uhr, Oktober-März Di.–So. 10–15.30 Uhr, geschl. letzter Fr. im Monat, www.tolstoymuseum.ru, www.yasnayapolyana.ru, Tel. 2469444. Das zu den schönsten Wohnhausmuseen Moskaus zählende Anwesen zeigt das Leben des berühmten Schriftstellers recht plastisch. Sehr empfehlenswert.

ú [III D6] Tschechow-Wohnhaus, Uliza Sadowaja-Kudrinskaja 6, Metro: Barrikadnaja, Di./Do./Sa./So. 11–18, Mi./Fr. 14–20 Uhr, geschl. letzter Tag im Monat, Tel. 2916154. In dem zweistöckigen Kleinod lebte Anton Tschechow von 1886 bis 1890 zusammen mit seiner Familie und seiner Frau Olga Knipper. Das Wohnhaus ist unbedingt sehenswert und versetzt den Besucher in eine andere Zeit.

m129 [G4] Wachsfigurenkabinett, Prospekt Mira 25, Metro: Prospekt Mira, tägl. 11–18.30 Uhr, Tel. 3634610. Peter der Große war es, der die Wachskunst einst aus Europa mitbrachte. 1990 nahm Viktor Afanessow die in der Sowjetzeit unterbrochene Tradition wieder auf. Seit dem Frühjahr 2005 ist die heute 100 Berühmtheiten der russischen Geschichte umfassende Sammlung in einer alten Industriellenvilla würdig untergebracht. Einträchtig stehen dort Stalin und Lenin, Gorbatschow und Jelzin. Auch wenn Berijas mafiöse Aufmachung, Breschnews Riesenaugenbrauen und Tolstojs Rauschebart mit einer gewissen Ironie zu betrachten sind, ist das Kaleidoskop der zum Teil täuschend echt wirkenden russischen Persönlichkeiten unbedingt sehenswert. Der oft gehörte Gruß des Personals „Kommen Sie mal wieder vorbei“ macht hier wirklich Sinn. Leo Trotzki und Sergej Ejsenstejn sind schon in Arbeit. Auch auf Michail Kalaschnikow und seine Kumpanen darf man gespannt sein.

m130 [III E7] Zwetajewa-Wohnhaus, Borisoglebskij Pereulok 6, Metro: Arbatskaja, Mo. und Fr.–So. 12–17 Uhr, Führung auf Englisch möglich, Uhr, Tel. 2023543. Schwer vorstellbar, dass die große russische Lyrikerin Marina Zwetajewa nach ihrer Heimkehr in die „an Wundern reiche Stadt“ Moskau 1939 nicht ein einziges Mal in dieses einladende zweigeschossige Privathaus mit Holzdielen und niedrigen Decken zurückkehrte. Immerhin lebte sie von 1914 bis 1922 mit ihren beiden Kindern in diesen Räumen, bis sie 1922 nach Berlin und später nach Frankreich emigrierte. Viele liebevoll arrangierte Schrift- und Möbelstücke zeugen noch heute von Zwetajewas produktivster Lebensphase vor ihrer Emigration, in der mehr als 11 Bücher entstanden.

Theatermuseen

m131 [II H9] Bachruschin-Theatermuseum, Uliza Bachruschina 31/12, Metro: Pawelezkaja, Mi.–Mo. 12–18 Uhr, geschl. letzter Montag im Monat, Tel. 9534470. Dem Besucher eröffnet sich hinter rotem Backstein ein herrlich überladenes, farbenprächtiges, neogotisches Interieur mit einer Vielzahl von liebevoll arrangierten Plakaten, Bühnenbildern und Modellen aus einer Zeit, als das Theater in Russland noch als Ersatz für die Welt draußen diente, die unveränderlich schien. Einer der größten Opernsänger des 20. Jh., Fjodor Schaljapin, ist gar im Originalton zu hören. Auch Kostüme und andere Reminiszenzen versetzen den Besucher in das vorige Jahrhundert.

m132 [III E6] Stanislawskij-Museum, Leontjewskij Pereulok 6, Metro: Arbatskaja, Ochotnyj Rjad, Do./Sa./So. 11–18, Mi./Fr. 12–19 Uhr, geschl. letzter Do. im Monat, Tel. 6925187, www.museum.ru/M315. Von 1921 bis 1938 lebte in diesem 300 Jahre alten Stadtpalais der Theaterregisseur und Schauspieler Konstantin Stanislawskij, der mit der Gründung des MCHAT-Theaters 1898 die Theaterwelt revolutionierte. Die „Stanislawskij-Methode“ der authentischen Gefühlsvermittlung wird noch heute angewendet. Als Stanislawskij das Haus nicht mehr verlassen konnte, verwandelte er den von antiken Lüstern erleuchteten Ballsaal seines Domizils im ersten Stock in eine Probebühne, auf der heute noch Hauskonzerte gegeben werden. Auch Eugen Onegin hatte hier seinerzeit Premiere. Im Erdgeschoss befindet sich eine einzigartige Requisiten- und Kostümsammlung aus jenen bewegten Zeiten des russischen Theaters zum Ende des 19. Jh.

Musik- und Filmmuseen

m133 [III E5] Glinka-Musikmuseum, Uliza Fadejewa 4, Metro: Majakowskaja, Di.–So. 11–18 Uhr, geschl. letzter Tag im Monat, Tel. 9723237, www.museum.ru/glinka. Alte Balalaikas, Nowgorod-Lauten aus dem 13. Jh. und andere ausgefallene Exponate sind hier zusammen mit über 1000 Musik­instrumenten aus mehr als 40 Ländern versammelt. Sehenswert sind vor allem die Instrumente aus Zentralasien und dem Kaukasus. Auch eine Vielzahl von Partituren, Tondokumenten, Manuskripten und Noten von Sergej Rachmaninow, Sergej Prokofjew und von Michail Glinka sind hier in der Rubrik „Kulturgeschichte der russischen Musik“ zu finden. Der große Komponist Michail Glinka gilt als der Begründer des russischen Nationalismus in der Musik, der viele Anhänger fand. Seine Opern waren eine Synthese aus westlichem Aufbau und russischer Melodie. Die Orchestermusik verband das Traditionelle mit Exotik. Glinka starb 1857 in Berlin. In dem hübschen Konzertsaal, der mit einer deutschen Orgel ausgestattet ist, werden heute Konzerte und Lesungen abgehalten.

m134 [B9] Mosfilm, Mosfilmowskaja Uliza 1, Metro: Uniwersitet, (Trolleybusse 205 und 119 fahren dorthin oder in entgegen gesetzter Richtung zur Metro Kiewskaja), Di.–Fr. 11–16 Uhr, Führungen von 9–16 Uhr. www.mosfilm.ru, www.museikino.ru. Die lange Tradition der Mosfilm-Studios macht diesen Ort zu einem einzigartigen Mekka für Filmfans. Zu Zeiten der Sowjet­union wurden bei Mosfilm etwa 2500 Filme gedreht. Nach einer langen Durststrecke bekam der Staatskonzern in den 1990er-Jahren mit einer neuen Generation von Filmemachern wieder Auftrieb. Vor allem die großen Serienverfilmungen russischer Klassiker für das Fernsehen, die Wladimir Bortko in den vergangenen 4–5 Jahren enorme Popularität verschafften, haben den Mosfilm-Studios einen neuen Boom beschert. Neuerdings werden auch Führungen über das weitläufige Gelände angeboten. Zu sehen gibt es eine der Bühnen, den Kostümfundus, das Museum mit Oldtimern aller Epochen (auch Stalins Staatskarosse), das gesamte Kamera-Equipment, alte Filmposter und eine aus Pappmaschee nachgebaute Straße des alten Moskau, in der noch heute Kostümfilme gedreht werden. Der Abstecher zu den Fimstudios lässt sich gut mit einem Besuch der Sperlingsberge verbinden. Seit Anfang 2006 befindet sich auf dem Gelände auch das Moskauer Filmmuseum, das die Räumlichkeiten im Kinozentrum aufgeben musste. Leider ist das große Filmarchiv bis auf weiteres geschlossen.

m135 [H8] Wyssotzkij-Zentrum, Nischnyj Taganskij Tupik 3, Metro: Taganskaja, Di.–Sa. 11–18 Uhr, Kasse bis 17.30 Uhr, www.visotsky.cea.ru, Tel. 9157578. Jeder kannte ihn, vom LKW-Fahrer bis zum Intellektuellen. Wladmir Wyssotzkijs unendlich traurige Balladen über Desillusionierung, Gefängnis und Armut machten ihn schon zu Lebzeiten zu einer Legende. In den 1970er-Jahren fanden seine Kassetten auf geheimen Pfaden ihren Weg durch die gesamte UdSSR. Als Gitarre spielender Hamlet ging er in die Geschichte des Taganka-Theaters ein. Zu seiner Beerdigung 1980 auf dem Wagankow-Friedhof kamen Zehntausende. Jurij Ljubimow, der Chef des Taganka-Theaters sprach aus, was alle dachten: „Er verkörperte wie kein anderer den Geist unseres Volkes, unseren Schmerz und unsere Freude.“ Das liebevoll mit über 1000 Exponaten bestückte Museumszentrum hinter dem Theater bietet tiefe Einblicke in das reiche Leben des unvergesslichen „Barden“, der auch bei Verfilmungen der Werke von Tschechow und Puschkin mitgewirkt hat. Das Wyssotzkij-Forschungszentrum ist angeschlossen; unter www.kulichki.com/vv/ sind viele seiner Lieder, einige ins Englische übersetzt, abzurufen.

Wissenschafts- und Technikmuseen

M Lomakow-Oldtimer-Museum, Krasnodarskaja Uliza 58 (den hinteren Metro-Ausgang nehmen und die riesige Straße etwa 300 Meter in Richtung Einkaufszentrum Moskwa, Ausgang ?? ??????, laufen), Metro: Ljublino, tägl. 11–19 Uhr, (Führungen angeblich auch nachts möglich, Dmitrij Lomakow erzählt dabei Geschichten über Hitler, Himmler und Stalin, Führungen auf Englisch nur nach vorheriger Anmeldung), www.lomakovka.ru, Tel. 3567995, lomakov@rosmail.ru. Unter den 40 ausgestellten Oldtimern dieses skurillen Privatfuhrparks befinden sich auch „deutsche Schätzchen“ wie etwa der Horch-Roadster von Hermann Göring oder der wohl teuerste Mercedes der Welt (Baujahr 1936), der ausgerechnet Josef Göbbels gehörte.

m136 [IV D9] Metromuseum, Chamowni­tscheskij Wal 36, Metro: Sportiwnaja, Mo. 11–18 Uhr, Di.–Fr. 9–16 Uhr, Tel. 2227309. Direkt in der Metrostation hinter der Holztür rechts am Ausgang befindet sich im dritten Stock das winzige Metromuseum, in dem vor allem die frühe Geschichte des unterirdischen Utopias nachgezeichnet wird. Foto­material dokumentiert die Entwicklungen. Anhand von Modellentwürfen bekommt man einen guten Eindruck von der Art und Weise, wie die Metro gesteuert wird. Das Museum ist etwas veraltet, ein Bild der einzelnen Stationen kann man sich besser auf der hervorragenden, aber nur auf Russisch existierenden Website www.metro.ru oder live bei einer Fahrt durch Moskaus unterirdische Paläste machen.

m137 [H3] Raumfahrtmuseum, 111 Prospekt Mira, Mi.–So.11–19 Uhr, Tel. 6937914, www.museum.ru/M329, Metro: WDNCH, Man sollte den Metro-Ausgang „Allee der Kosmonauten“ nehmen und an der Büste von Jurij Gagarin und anderen verdienten russischen Kosmonauten vorbei flanieren. Der 100 Meter hohe, mehr als vierzig Jahre alte Obelisk aus glänzendem Titan weist den Weg. Am Fuße des Sputnik-Denkmals für die russische Raumfahrt, das eine ins All startende Rakete zeigt, erinnert eine Statue an Konstantin Ziolkowskij, den Vater der russischen Raumfahrt. Im Sockel des Obelisken befindet sich das sehenswerte Raumfahrtmuseum, das sich jetzt, nach der Renovierung 2009, über 8500 m² erstreckt. Neben dem ersten Sputnik-Satelliten und dem ersten Mondgefährt ist es vor allem das begehbare Modell der Orbitalstation „Mir“ im Maßstab 1:1, das den Besucher staunen macht. Im Flugsimulator kann man sogar das Andocken an die „Mir“ üben ... (vielleicht etwas spät, aber die ISS ist sicher ähnlich kons­truiert!). Die Beschriftung ist leider nur auf Russisch. Und dann gibt es auch noch viel Interaktives, Fotodokumentationen, kosmische Kunst und Borschtsch aus der Tube!

Wer Lust auf mehr bekommen hat, kann sich noch im Privathaus des großen russischen Raumschiffkonstrukteurs Sergej Kowaljow, wenige Gehminuten entfernt, umsehen. Dort hängen noch Originalkonstruktionspläne. Auch das Kreml-Telefon ist gut erhalten. Das Wohnhausmuseum kann nur im Rahmen einer Führung Mi./Do./Sa und So. jeweils um 11, 12, 14 und 15 Uhr besichtigt werden.

Musikszene und Nachtleben (siehe Reiseführer S. 83)

„Moskau ist ein Abgrund hedonistischer Lust.“

Iwan Turgenjew

Clubs und Bars

Eine der dankenswertesten neuen Errungenschaften, die der „wind of change“ im Zuge der Perestrojka nach Moskau gebracht hat, ist eine riesige heterogene und ausgesprochen schrille Club- und Barszene. Und das in einer Stadt, in der es vor 1991 nur wenige Cafés und Diskotheken gab und man abends oft in den eigenen vier Wänden saß! Die neue Freiheit, die hier gemeint ist, führt heute unweigerlich dazu, dass man die Qual der Wahl hat. Selbst für Moskowiter ist es nicht leicht, am Ball zu bleiben und aus mehr als 100 Clubs den richtigen zu finden. Gerade hat man sich an ein Club-Konzept gewöhnt, da lassen sich die Veranstalter schon wieder etwas Neues einfallen. Das Angebot reicht von elitären „pathetischen“ (pafosnye) Tanzclubs bis hin zu Kulturcafés mit „demokratischen“, will heißen akzeptablen Preisen, von Rock- und Popmusik über Jazz bis hin zu russischer Live-Musik. Auch Tanzen auf dem Wasser ist möglich. Informieren kann man sich im Internet (s. Kap. „Moskau im Internet“)

Aus dem Westen gekommen ist auch das Prinzip „face control“. Ob Zutritt zu der jeweiligen Lokalität gewährt wird, hängt von der Gunst des Türstehers ab. Am besten bucht man einen Tisch oder fährt in einer Limousine vor. High heels sind ein Muss! Im Notfall sollte man sich lautstark auf Englisch, Französisch oder Deutsch unterhalten. Das gilt als „hip“, sodass sich die Pforte dann meist wie von selbst öffnet. Vor Mitternacht ist übrigens kaum jemand unterwegs. Das Gros der Nachtschwärmer tanzt bis zur ersten Metro um 5 Uhr morgens.

:138 [II G8] Apschu, Klimentowskij Pereulok 10/1, Tel. 9539944, Metro:Tretjakowskaja, www.apshu.ru, 24 Stunden geöffnet. Angesagtes Clubrestaurant, wie so oft in Moskau in einer unscheinbaren Kellerlocation, zu der bis vor einiger Zeit nur Insider einen eigenen Schlüssel besaßen. Jetzt gehört der Ort den 30- bis 40-jährigen Intellektuellengeschöpfen, die sich rund um die Uhr für „demokra­tische“ Preise an exzellenten russischen Gerichten, klassischen Cocktails und leckeren Salaten in gemütlichem Wohnzimmerambiente erfreuen. Angedeutete blinde Fenster, Bücherregale in verschachtelten Trennwänden und Kachelfußböden sollen an das Fischerdorf Apschuziens im fernen Lettland, der Heimat der Inhaberin, erinnern. Die Live-Musik ist ebenso hip wie ausschweifendes Tanzen nach Mitternacht. Zu diesem Zweck werden die Tische zur Seite geräumt.

:139 [VI F5] Artefaq Club, Restaurant und Galerie, Bolschaja Dmitrowka 32 (durch den Bogen), Metro: Tschechowskaja, Twerskaja, meist ab 21 Uhr, Tel. 6503971, www.artefaq.ru. Mochito und Pelmeny, Bodyart-Abende und Rockkonzerte, Mittwochsjazz und Kinovorführungen, Sommerterrasse und 80er-Jahre-Disco ... Hier kennt das Moskauer Nachtleben keine Grenzen! Ein echtes Lieblingsplätzchen über mehrere Etagen, nette Leute und gute Stimmung die ganze Nacht.

:140 [VII H6] Bar wrednych priwytschek (Bar der schlechten Angewohnheiten), Uliza Mjasnizkaja 26A, im Hinterhof, Metro: Tschistye Prudy, Tel.7487986, www.barvp.ru. Ab Mittag ist man in diesem für Moskau typischen Bar-Restaurant willkommen. Abends legt ein DJ auf. Bis vor kurzem war die Bar der Fallschirmspringertreffpunkt in Moskau und nur Mitgliedern vorbehalten. Die Atmosphäre ist schummrig-gemütlich. Spätestens seitdem hier eine Szene für den Film „Wächter der Nacht“ gedreht wurde, ist diese Bar stadtbekannt. Leckere kleine russische Gerichte zu zivilen Preisen. Ein Ort zum Abhängen.

:141 [III E6] Bar’d Kafe, Bolschaja Nikitskaja Uliza 22 (mit dem Fahrstuhl in den 2.Stock), Metro: Arbatskaja, Tel. 6919388 (Ticketverkauf tägl. 12–22 Uhr), Einlass ab 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr, www.gnezdogluharya.ru (gnesdoglucharija ist das Auerhahnnest). Aus Wladimir Wyssotzkijs Erben scheinen Nobelbarden geworden zu sein. Fast jeden Abend finden sich in dem einem Gartenzelt nachempfundenen Saal mit Lichterketten unter der Decke und künstlichen Sonnenblumen als Dekoration Live-Konzerte statt. ­Bulat Okudschawa lebt weiter, der Spirit jener 1960er-Jahre wird munter vermarktet. Jedes Konzert gibt es nach der Darbietung vor Ort auf CD zu kaufen. Erinnerungsabende und neue Kompositionen mit viel (russischem) Text und eher begleitender Gitarrenmusik von Wladimir Oksikowskij oder Andrej Kutschumow erfreuen Russen und Touristen gleichermaßen, vor allem aber jene, die sich an die Zeiten des leisen Aufruhrs noch erinnern können.

:142 [VII H6] Bilingua, Kriwokolennyj Pereulok 10/5, Metro: Tschistyje Prudy, 24 Stunden, Tel. 9239660, www.bilinguaclub.ru. Junge Intellektuelle fühlen sich wohl in diesem inspirierenden Club, in dem man russischen Dichtern und Schriftstellern lauschen, in neuen und vergriffenen Büchern schmökern und für zivile Preise Snacks und Getränke bestellen kann. Über zwei offene Ebenen auf kleiner Grundfläche erstreckt sich ein gemütliches Fleckchen, das man garantiert mit einem Buch in der Tasche wieder verlässt. Nebenan befindet sich ein Tanzclub, der Live-Konzerte im Programm hat.

:143 [H9] City Space Bar, im Swisshotel, Kosmodamianskaja Nabereschnaja 52/6, Metro: Pawelezkaja, Tel. 7879800, tägl. 17–3 Uhr. Im 34. Stock des im Oktober 2005 eröffneten Swisshotel Krasnyje Holmy hat man einen atemberaubenden Blick aus den riesigen, schräg nach unten abfallenden Fenstern. Bei einem leckeren Cocktail oder auch nur einem kleinen Kaffee sieht man auf die Moskwa und die unzähligen Lichter der am eindrucksvollsten beleuchteten Stadt Europas nach Paris. Die Hemmschwelle am Hoteleingang ist ungleich höher als die in der Krasnyj Bar und nur der erste Fahrstuhl vorne links fährt überhaupt in den obersten Stock. Die Trüffelcremesuppe mit Portwein ist übrigens sehr teuer, aber, wie alles in diesem exquisiten Ambiente, ihren Preis wert.

:144 [III E5] Club na Brestskoj, 2. Brestskaja Uliza 6 (Eingang in der 1. Brestskaja Uliza), Metro: Belorusskaja, Majakowskaja, tägl. 12 Uhr bis zum letzten Gast, Tel. 2000936. Wer sich für Architektur und Design interessiert, sollte sich tagsüber das 15 mal 15 Meter große Stadtmodell von Moskau im zweiten Stock desselben Gebäudes ansehen und sich dann in dem Restaurant des Keller-Clubs an weißen Tischdecken unter Stofflampenschirmen kulinarisch verwöhnen lassen. Abends verwandelt sich der ausgefallen designte Club, in dem Orientteppiche auf dem Betonfußboden liegen, in eine hippe Tanzlocation mit face control. Experimentelle Rockkonzerte russischer und ausländischer Bands, französische Tanzdarbietungen oder burjatische Sänger – hier muss man mit allem rechnen. Auch Jewgenij Grischkowez mit seiner Band erweist dem Club dann und wann die Ehre. Architekten, Journalisten und Künstler, aber auch Studenten treffen sich hier. Mittlerweile etwas schickimicki ...

:145 [VII G6] Club XIII, Mjasnizkaja 13, Metro: Tschistyje Prudy, Tel. 9253550. Face control wird in dieser herrschaftlichen, klassizistischen Villa, die einstmals der Familie Rjabuschinskij gehörte, groß geschrieben. Am Seiteneingang rechts treffen sich die schönen und reichen Nachteulen der Stadt, um in schummrig-abgefahrenem Palastinterieur abzutanzen oder einen sündhaft teuren Cocktail in einem der roten Sessel bei Clubmusik zu schlürfen. Dieser Club hat auch New Yorker Clubbern noch etwas zu bieten.

:146 [III F6] FAQ Café, Gasetnyj Pereulok 9/2, Metro: Ochotnyj Rjad, tägl. 12–6 Uhr, Tel. 2290827, http://faqcafe.ru. Studentisches Publikum bevölkert diesen Kellerclub mit mehreren Räumen, der ursprünglich auch ein Café war. Weltmusik, House und Jazz sowie Discomusik. Demokratische Preise in zentraler Lage, alternativ und angesagt, eine Institution, ähnlich wie das Apschu. Am Wochenende legt ein DJ auf, zum Tanzen ist es leider zu eng. Dafür kann man hier stundenlang sitzen, auch in den kleinen Zweier­nischen, die in halber Raumhöhe den Blick auf die sympathische Szenerie freigeben.

:147 [III F6] Gogol, Stoleschnikow Pereulok 11/1 (im Innenhof), Metro: Kusnezkij Most, 24 Stunden, www.gogolclubs.ru, Tel. 2028833. Vor allem abends geht in dem schummrigen Gewölbekeller die Post ab. Live-Musik in verrauchten Nischen, in denen man auch unbemerkt die Plastikblumen in Wodka ertränken kann, wenn man mehr als 100 Gramm bestellt hat. Zivile Preise und studentisches Publikum mitten in der Innenstadt. Auf den Barhockern am Eingang tummeln sich die Biertrinker, weiter hinten und im Zelt wird auch Wein getrunken. Dort ist es auch gemütlicher.

:148 [I H7] Kitajskij Ljotschik Dschao Da (Chinesischer Flieger Dschao Da), Lubjanskij Projesd 25/1, Metro: Kitaj-Gorod, Tel. 6232896, 24 Stunden, www.jao-da.ru. Eher anarchistisch als dekadent ist die Atmos­phäre in diesem verrauchten, relativ kleinen Keller-Club mit Restaurant, in dem sich zu jeder Tageszeit vor allem junge Studenten, Hippies und Musik-Freaks aufhalten. Die Konzerte sind immer ausverkauft. Internationale Gruppen, aber auch skurrile russische Bands wie „Markscheider Kunst“ (Latin-Combo aus St. Petersburg) oder „Noschdlja Frau Müller“ (Ein Messer für Frau Müller) treten hier auf. Tuchfühlung ist erlaubt und durchaus erwünscht. Nach den Konzerten kann es schon mal vorkommen, dass die Band das Publikum auf einen Drink einlädt.

:149 [C7] Krasnyj Bar (Rote Bar), Nab. Tarasa Schewtschenko 23, Metro: Kutusowskaja, tägl. 18–3 Uhr. Kasimir Malewitsch hätte nicht nur an dem Logo mit dem roten Quadrat seine helle Freude gehabt. Aus dem 27. Stock hat man einen herrlichen Blick über die Stadt. Dazu gibt es gemütliche Clubsessel und hochpreisige Cocktails. Alles erstrahlt in der Farbe, die auch heute noch unzählige Sterne in der russischen Hauptstadt ziert und die für Russen ein Symbol für Vitalität und Lebensfreude ist.

:150 [H7] Kult, Jauskaja Uliza 5, Metro: Taganskaja, Kitaj-Gorod, So.–Mi. 12–24, Do.–Sa. 12–6 Uhr, Tel. 9175706, So.–Do. Avantgarde-Filme ab 21 Uhr, www.cultclub.ru. In mehreren Räumen kann man im Sitzen oder auch schon mal im Liegen auf einem der Teppiche der Chill-Out-Musik lauschen. Erstklassige DJs legen hier auf, nur zum Tanzen eignet sich der Club nicht. Dafür gibt es leckere Cocktails und interessante Leute, mit denen man durchaus in Kontakt kommen kann. Ein Club für vorher und nachher.

:151 [H8] Le Club, Bolschaja Radischewskaja Uliza 21 (im Taganka-Theater), Metro: Taganskaja, Tel. 9151042. Im besten Jazz-Club Moskaus kann man nicht nur russische Live-Musik, sondern auch internationale Stars bewundern. Igor Butman und seine Big Band spielen hier auch von Zeit zu Zeit. Ein Restaurant und eine Bar gehören wie so oft in Moskau auch dazu. Nettes Ambiente.

:152 [VI G6] Masterskaja, Club und Theater, Teatralnyj Projesd 3/3, Metro: Ochotnyj Rjad, Teatralnaja (durch den Bogen, Aufgang hinten links), tägl. 12–6 Uhr, Tel. 6256836, www.mstrsk.ru. Seit 2009 gibt es ein Leben nach Projekt OGI – experimentelle Unternehmungen jeder Art, Popkonzerte, Cabaret, Violinenklänge, Theaterstücke, Spieleabende, Installationen! In prekärer Lubjanka-Nähe – wo der Geheimdienst residiert – rockt hier der Untergund. Man spürt den Geist des neuen Jahrtausends und fühlt den Puls der Stadt.

:153 [III E7] Podmoskowje, Malyj Kislowskij Pereulok 6, Metro: Arbatskaja, tägl. 10–6 Uhr, Tel. 2919132, www.podclub.ru. In einem lang gezogenen, aber sehr einladenden Gewölbekeller ist dieser angenehme Szeneclub mit interessantem russischem Publikum ohne Allüren untergebracht. Bei guter Loungemusik oder Live-Konzerten wird man freundlich-locker bewirtet mit Snacks, Suppen und Getränken. Im Winter kann es auch mal ein Apfelsinengrog sein oder eben der obligatorische Wodka. Die Auswahl ist zwar klein, aber die Gurke am Wodkaglas hat Herz und das zählt. Face control.

:154 [VII H7] Projekt OGI, Potapowskij Pereulok 8/12, Metro: Tschistyje Prudy, Tel. 6275366, www.proektogi.ru. Das Stammhaus der innovativen Club-Initiative mit integrierter Buchhandlung liegt versteckt im Hinterhof hinter einer großen Eisentür. Der verwinkelte Keller mit mehreren Räumen ist immer verraucht und dunkel, aber er ist Kult. Biblio­phile, Musikfreaks, Künstler und Journalisten mittleren Alters vergnügen sich hier bei leckeren kleinen russischen Gerichten und exzellenten Musikdarbietungen. Russische Bands oder Alleinunterhalter wie Psoj Korolenko ziehen noch zehn Jahre nach Eröffnung die Moskauer Bohèmiens in Scharen an. „Demokratische“ Preise.

:155 [II F8] Raj (Paradies bzw. Himmel), Bolotnaja Nabereschnaja 9, Metro: Kropotkinskaja (dann die Brücke hinter der Christ-Erlöser-Kathedrale bis zur Insel –halbe Höhe – überqueren, Treppe runter und über das alte Fabrikgelände), Tel. 7671

:156 [II E9] Rosa Wetrow (Rose Winde), Discoschiff (teplochod), Fr. und Sa. um 24 Uhr ab Krymskij Most (Krimbrücke), Metro: Park Kultury, Tel. 7785210, www.oteplohodah.ru. Fünf Stunden wird getanzt, bis das Schiff den Marinskij-Park erreicht. Von der Metro Marino kann man dann im Morgengrauen zurück ins Zentrum fahren.

:157 [VII H7] Sapasnik (Art Garbage), Starosadskij Pereulok 5/6, Metro: Kitaj-Gorod, Tel. 6288745, 24 Stunden, www.art-garbage.ru. Für laue Sommerabende ist dieser lauschige Innenhof unbedingt zu empfehlen. Unter großen Bäumen sitzt man gemütlich draußen an Bistrotischen und lauscht der Musik, die entweder von DJs oder live dargeboten wird. Junges Publikum, auch Künstler, die in dem dazugehörigen, wenig ansprechenden Clubraum kleine Ausstellungen organisieren.

:158 [I H7] Sorry, Babuschka, Slawjanskaja Ploschtschad 2/1, Metro: Kitaj-Gorod, Tel. 7846969, Mo.–Mi. 12–24 Uhr, Do.–So. 12–6 Uhr. Alles andere als großmütterlich verschnarcht ist dieser neue Trash-Club im Souterrain des Zebra-Square-Restaurants. Retrokonzerte und 1980er-Jahre-Partys in schummrigem Ambiente mit Zebrafellsesseln und moderaten Preisen. Auch an Stand-up-Comedy-Abenden kann man sich einfach bei einem Drink entspannen. Die Wände des relativ großen Szene-Clubs schmücken laszive alte Tanten, die mit den typisch russischen Babuschkas so gut wie nichts gemeinsam haben. Zum Business Lunch gibt es Hausmannskost. Das Logo ziert eine Oma auf Krücken – Sorry, Babuschka!

:159 [VII H6] Tema, Potapowskij Pereulok 5/2, Metro: Tschistyje Prudy, 24 Stunden, Tel. 9242720. Erschwingliche Cocktails in lo­ckerer Lounge-Bar-Atmosphäre mit Tanz. „Frozen Margarita“ gibt es für 5 €, „Long Island Ice Tea“ für 6 €. Einer der wenigen wirklich zwanglosen Clubs, in dem man in rauchiger Billardatmosphäre stundenlang abhängen und so tun kann, als würde man den Barkeeper seit Jahren kennen.

:160 [F9] Totschka, Leninskij Prospekt 6, Metro: Oktjabrskaja, tägl. 18 Uhr bis zum letzten Gast, Tel. 7377666. Für die Freunde der „Russendisco“ gibt es hier das russische Original. Seriöse, tanzbare russische Rockmusik kann man live erleben und der „Ostalgia“ in lockerem Umfeld frönen. Das Programm entnimmt man der Tagespresse. Erschwingliche Preise, guter Service.

:161 [II G7] Vermel, Rauschskaja Nabereschnaja 4/5 (Eingang durch den Bogen), Metro: Nowokusnezkaja, Tretjakowskaja, Mo.–Fr. 12–5 Uhr, Sa./So. 18–6 Uhr, Tel. 9593303, www.vermel.ru. In einem anheimelnden Gewölbekeller in unmittelbarer Kreml-Ufer-Nähe liegt dieser Club, in dem man ohne weiteres in entspannter Stimmung eine Nacht durchtanzen kann. Dafür sorgt schon DJ Leila, die so gute Musik auflegt, dass der viel beschworene „letzte Gast“ manchmal partout nicht gehen will. Für kleine Snacks sitzt man im angrenzenden Café, leider bei etwas zu hellem Licht. Studentisches, aber auch älteres Publikum tanzt zu Hits der 1980er- und 1990er-Jahre. Hoher Sowjetnostalgiefaktor!

:162 [IV E9] Vodkabar, Uliza Lwa Tolstowo 18b, Metro: Park Kultury, www.vodkabar.ru, Tel. 2469669. Auch wenn mit dem Klischee des dem Wodka verfallenen Russen gespielt wird, ist diese ausgefallene Bar in einer alten Seidenfabrik einen Abstecher wert. Nicht nur Expats werden die Anspielungen auf vergangene Zeiten in Form von riesigen Lüstern mit Sowjetstern, vergilbten Prawdaaufdrucken auf den Servietten und Cocktails wie „BMW“ (Baileys, Malibu, Whisky) oder „Neuer Russe“ (Blue Curacao, Grenadine, Wodka) lieben. Echtes Metropolen-Feeling mit Restaurant, Bar und Lounge für über 500 Sowjetnostal­giker, die gern auch zu Konzerten kommen.

:163 [H10] Zona (Gefängnis, Zone), Leninskaja Sloboda 19/2, Metro: Awtosawodskaja, Mo., Di., Mi., Do., So. 23–6 Uhr, Fr./Sa. 22–8 Uhr, Tel. 6756975, www.zonaclub.ru. Nichts für schwache Nerven! Wer den ewig langen Fußweg durch das Industriegebiet am Stadtrand nicht scheut, steht plötzlich vor einem fünfstöckigen Mehrfamilienhaus und staunt nicht schlecht. Alles andere als gesittet geht es hinter der klassizistischen Fassade zu. Über mehrere Ebenen erstreckt sich ein morbider GULAG, in dem die Kellner Sträflingskleidung tragen, die Twentysomethings hinter Gitterstäben speisen und unter der Tanzfläche weiße Mäuse ihr Unwesen treiben. Dazu läuft House-Musik, live oder vom Band.

Oper, Ballett, Musicals und klassische Konzerte

Die Theatersaison beginnt in Moskau erst Ende September und geht nur bis Anfang Juni. Die einzelnen Stücke kommen meist nur einmal im Monat zur Aufführung, die Opernhäuser und Theater sind ausnahmslos Repertoiretheater.

Alle Vorstellungen fangen schon um 19 Uhr an. Neben der Ticketreservierung via Internet (siehe Kap. „Moskau im Internet“) ist die Kartenvorbestellung an der Hotelrezeption die einfachste Möglichkeit. Günstiger ist es, tagsüber zum Theater zu fahren und die Tickets dort zu kaufen. Auch an den Theaterkiosken, die über die ganze Stadt verteilt und in der Metro zu finden sind, kann man Theater- und Konzertkarten bekommen. Als letzte Möglichkeit kann man ca. eine Stunde vor Vorstellungsbeginn auf dem Schwarzmarkt vor dem Theater so gut wie immer noch eine Karte kaufen, allerdings zu höheren Preisen (Datum des Tickets überprüfen!). Die Agentur Kontramarka (10.30–20 Uhr tägl.) hat ein kleines Büro in der Malaja Dmitrowka Uliza 1 am Ausgang der Teatralnaja Metro, gegenüber vom Bolschoj-Theater. Dort kann man auch kurzfristig Tickets bekommen, zahlt jedoch einen Aufpreis.

Ballett und Oper

: [VI F6] Bolschoj-Theater, Teatralnaja Ploschtschad 1, Metro: Teatralnaja, Tel. 2920050, www.bolshoi.ru. Unter www.bolshoi.org findet man Kritiken zu allen Aufführungen, auch auf Englisch. Das Bolschoj-Theater gilt nach wie vor als die beste Theaterbühne Russlands. Bei den Operninszenierungen hat das St. Petersburger Mariinskij-Theater dem ehrwürdigen Haus den Rang abgelaufen. Bis zur geplanten Wiedereröffnung 2011 oder 2012 finden vorübergehend alle Aufführungen entweder im Kremlpalast Ê (früher Kongresspalast, Eingang Kutawja-Turm) oder in dem prachtvollen, klassizistischen Neubau mit 900 Plätzen namens „Neue Szene“ (bessere Akustik) neben dem Bolschoj-Theater statt. Karten für alle Ballettdarbietungen gibt es an der weiterhin geöffneten Tageskasse (tägl. 11–14 und 15–19 Uhr) neben dem Bolschoj-Theater, an den anderen Theaterkiosken der Stadt oder im Internet.

U165 [III E6] Helikon-Oper, Bolschaja Nikitskaja Uliza 19/16, Metro: Biblioteka imeni Lenina, Tel. 6956584, www.helikon.ru, Online- Tickets nur über www.kassir.ru. Dieses kleine Opernhaus mit nur 250 Plätzen macht immer wieder von sich reden. Im Ballsaal des ehemaligen Palastes der Fürstin Schachowskaja werden seit 1991 skandalumwehte, manchmal etwas klamaukige, auch ironische Inszenierungen wie etwa die „Kaffee-Kantate“ von Bach dargeboten. Dazu wird Kaffee serviert. Dmitrij Bertman hat es geschafft, auch international Anerkennung zu finden. Verdis „Nabucco“ zeigte er 2004 in Paris. Im Repertoire sind mehr als 50 Aufführungen. Seit 2006 wird die Oper saniert, die Aufführungen finden in der Helikon Oper am Arbat, Nowyj Arbat 11 [V E7], statt. Auf dem englischen Teil der Website kann man sogar online Tickets bestellen.

U166 [VI F5] Musiktheater Stanislawskij-Dan­tschenko, Bolschaja Dmitrowka 17, Metro: Ochotnyj Rjad, Tickets tägl. 11.30–19 Uhr, www.stanislavskymusic.ru, Tel. 6292835. Solange das Bolschoj-Theater noch geschlossen hat, kann man sich hier russisches Ballett oder eine russische Oper in ebenfalls sehr stilvollem Ambiente ansehen. Auch der gute alte „Schwanensee“ ist noch im Programm. Nemirowitsch-Dan­tschenko gründete das Musiktheater zu Beginn des 20 Jh. 1939 engagierte er eine Ballerina des Bolschoj-Theaters, die sogar Stanislawskijs Theaterdogmen übernahm. Die Opern „Jewgenij Onegin“ und „La Bohème“ sind sehr zu empfehlen.

U167 [III F5] Neue Oper, Karetnyj Rjad 3 (im Eremitage-Garten), Metro: Tschechowskaja, Tel. 6940868 (Kartenvorbestellung bis 19 Uhr, auch auf Englisch), www.novayaopera.ru. Seltene, meist nichtrussische und eher weniger bekannte Opern erfreuen hier das Herz eines jeden Opernfans. Die Inszenierungen sind modern, innovativ und spannend. Auch „O Mozart! Mozart ?“ in Anlehnung an die Oper „Mozart und Salieri“ von Rimsky-Korsakow ist noch im Programm. Ebenso „Der Dämon“ von Rubinstein und „La Traviata“ von Giuseppe Verdi. Website auch auf Englisch.

Musical

D168 [IV E9] Mamma Mia!, Moskauer Palast der Jugend MDM, Komsomolskij Prospekt 28, Metro: Frunsenskaja. Nach dem Musical „Cats“ ist hier seit 2006 das Abba- Musical „Mamma Mia!“ zu sehen.

Klassische Konzerte

Neben den Aufführungen in den renommierten Sälen der Stadt wird das Konzertprogramm im Sommer um eine interessante Facette erweitert. Meist dienstags und donnerstags abends finden auf den alten Landsitzen außerhalb von Moskau klassische Kammerkonzerte statt. Dazu gehören Archangelskoje, Kuskowo, Zarizyno und sogar der Ostankino-Palast. Informationen darüber findet man in der „Moscow Times“ oder im Internet (siehe Kap. „Moskau im Internet“).

D169 [H9] Internationales Haus der Musik, Kosmodamianskaja Nabereschnaja 52, Metro: Pawelezkaja, Tel. 7301011, www.mmdm.ru. Der imposante Neubau aus dem Jahr 2003 beherbergt einen großen Saal mit fast 2000 Sitzplätzen und perfekter Akustik. Das Boheme Jazz Festival findet hier statt sowie viele große Popkonzerte. Auch Max Raabe ist hier schon aufgetreten. Allerdings fehlt die spezielle Patina, das Konservatorium ist viel russischer und natürlich traditionsreicher.

ô [III E/F6] Moskauer Konservatorium, Bolschaja Nikitskaja Uliza 13, Metro: Arbatskaja, Tickets Mo.–Fr. 11–18 Uhr unter Tel. 6299401, www.mosconsv.ru. Her­vorragende Darbietungen, eine einmalige Akustik und eine über 100-jährige Tradition locken Klassikfans in Scharen hierher. Die Porträtgalerie mit den besten Komponisten des Erdballs und die erstklassigen Solisten auf der Bühne lassen den Besucher die unbequemen Sitze vergessen. Seit dem Ende der Renovierung im Sommer 2007 erstrahlt das geschichtsträchtige Haus in neuem Glanz. Es ist nach wie vor schwer, Karten zu bekommen. Am besten versucht man es an der Tageskasse.

D170 [III E5] Tschaikowsky-Konzertsaal, Triumfalnaja Ploschtschad 4/31, Metro: Majakowskaja, Tel. 2993681. Der ellipsenförmige, ebenfalls hervorragende Konzertsaal in Moskau ist immer ausverkauft. Die Akustik könnte besser sein, aber die mit 7800 Pfeifen ausgestattete Orgel ist sehr imposant. Am besten eignet sich der ehrwürdige Kuppelsaal, den Wsewolod Meyerhold einstmals als Theater konzipiert hatte, für Tanz- und Ballettdarbietungen.

Öffnungszeiten (siehe Reiseführer S. 92)

µ Geschäfte im Zentrum: Mo.–Sa. 9–21 Uhr, So. 8–19 Uhr

µ Banken: Mo.–Fr. 10–17 Uhr

µ Museen und Galerien: Ab 10 oder 11 Uhr bis 17 oder 18 Uhr. Bitte beachten: Der letzte Einlass ist oft eine Stunde vor Kassenschluss. Alle Museen haben sonntags geöffnet. Dafür ist an einem anderen Tag der Woche, meist am Montag, Ruhetag. Auch an den Feier­tagen haben viele Moskauer Museen geschlossen.

µ Kirchen: Orthodoxe Messen werden Mo.–Sa. um 8, 9 und 10 Uhr abgehalten, sonntags und an Feiertagen um 7 und um 10 Uhr. Die Messen dauern in der Regel zwei bis drei Stunden.

Orientierung (siehe Reiseführer S. 93)

Vom Kreml É ausgehend, hat sich die Stadt in konzentrischen Kreisen entwickelt. Umgeben die Kreml-Mauern den Stadtkern, legt sich der 9 Kilometer lange Boulevardring um die ehemaligen Befestigungsmauern der „weißen Stadt“. Allerdings ist der malerische Boulevardring nur ein Halbkreis, der im Süden von der Moskwa begrenzt wird. Ein „Boulevard“ ist in Moskau streng genommen weder eine Straße noch ein Platz, sondern beides. Die Namen der Boulevards stammen von Kirchen und Klöstern, die es heute nicht mehr gibt.

Der nächste, für Touristen noch relevante konzentrische Kreis ist der Gartenring, der die so genannte „Erdstadt“ und damit das historische Stadtzentrum umschließt. Das Stadtgebiet innerhalb des heute zehnspurigen Gartenrings hat für den Moskau-Besucher die interessantesten Sehenswürdigkeiten zu bieten. Den Ring säumen Adelspalais, Hochhäuser der Sowjetzeit und neue Büropaläste. Der Gartenringbus mit dem russischen Buchstaben ú fährt den gesamten Ring entlang und eröffnet interessante Sichtachsen. Das Alter des Trolleybusses erlaubt nur ein gemächliches Dahinfließen und eignet sich daher für Touristen.

Neben dem Kreml und dem Roten Platz als Zentrum sind die sieben Stalin-Kathedralen (siehe Exkurs) ebenfalls eine Orientierungshilfe. Mit Ausnahme der außerhalb des Gartenrings liegenden Universität, sind die anderen 6 Zuckerbäckerbauten, die sich fast alle auf Höhe des Gartenrings befinden, schon von weitem zu sehen.

Neuerdings werden viele Straßenschilder und einige Metrostationen auch auf Englisch ausgewiesen. Dabei fällt eine andere Umschrift auf. Vor allem die Endung -aya oder -kaya divergiert von der deutschen Umschrift -aja und -kaja. In den Metrostationen hängen bei den Kassen Fahrpläne mit russischen und englischen Stationsnamen. Ist man aber mit der Rolltreppe am Bahnsteig angekommen, findet man meist nur noch kyrillische Angaben. Dann helfen entweder freundliche Moskowiter oder der Metroplan im Zug weiter. Im Übrigen wird jede Station sowohl bei Ankunft als auch bei Abfahrt des Zuges durchgesagt. Oft geht die Ansage leider im Lärm unter. Bei der Auswahl des richtigen Ausgangs vergleicht man am besten wieder die ersten drei Buchstaben, die man sich von Adressen und Stationen merken sollte.

Post (siehe Reiseführer S. 94)

DHL bietet einen erstklassigen, aber auch relativ teuren Paketservice an. Unter www.dhl.ru kann man einen Kurier bestellen. Unter der Gesamtrufnummer 9561000 kann man Auskünfte einholen und kostenlos einen Kurier anfordern. An folgenden Stellen werden die Sendungen direkt von einem DHL-Express-Zentrum entgegengenommen:

µ 1. Twerskaja Jamskaja Uliza 11, Metro: Majakowskaja, Belorusskaja, Mo.–Fr. 8-24 Uhr, Sa./So. 10–16 Uhr, Tel. 9561000

µ Nowinskij Bulwar 31, Metro: Barrikadnaja, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Tel. 9561000

Die DHL-Service-Center sind in Hotels:

µ Hotel Marriott Aurora, Uliza Petrowka 11/20, Metro: Teatralnaja, Mo.–Fr. 8–13, 13.30–17, 17.30–21 Uhr, Sa.–So. 8–13, 13.30–17, 17.30–20 Uhr, Tel. 9561000

oder in einem der großen Postämter. Dort kann man auch alle anderen Service-Leistungen der russischen Staatspost erhalten, wie auch in vielen kleinen über die Stadt verstreuten Poststellen (ïî÷òà):

µ Zentrales Telegrafenamt, Twerskaja Uliza 7, Metro: Ochotnyj Rjad, Mo.–Fr. 10–13.30, 14-19 Uhr, Tel. 9561000

µ Hauptpostamt, Mjasnizkaja Uliza 26, Metro: Tschistyje Prudy, Mo.–Fr. 8–19 Uhr, Sa. 8–18 Uhr, So. 9–18 Uhr, Tel. 9561000

Die russische Post hat ihren Ruf in den letzten Jahren verbessert, sodass sogar Postkarten und Päckchen innerhalb von einer Woche, manchmal aber auch erst nach drei Wochen in Deutschland ankommen. Der Service ist deutlich billiger als alle DHL-Dienste.

Briefmarken (marki) gibt es in Postämtern, schneller geht es an den Hotelrezeptionen und an Zeitungskiosken. Die Briefkästen für Post ins Ausland sind blau, alle anderen rot. Faxe und Telegramme kann man ebenfalls in den Postämtern versenden.

American Express offeriert verlässliche Postlagerdienste und Kurierdienste. Sollte man Post nach Moskau schicken wollen, ist es sinnvoller, einen privaten Service zu nutzen. Die Adresse muss in umgekehrter Reihenfolge (erst Ort mit PLZ, dann Straße, dann Name) in kyrillischen Lettern auf dem Umschlag notiert sein.

Lesben und Schwule (siehe Reiseführer S. 95)

Auch wenn man noch wenige schwule oder lesbische Paare im Stadtbild sieht, so ist die Toleranz ihnen gegenüber in den letzten Jahren erheblich größer geworden. Offen ausgelebt wird Homosexualität aber nicht, bis in die 1990er-Jahre war sie noch illegal.

In der „Moscow Times“ stehen spezielle Adressen, Bars, Clubs und Veranstaltungen. Auch im Internet unter www.gay.ru/english ist einiges zu finden. Das einschlägige russische Monatsblatt heißt KWIR und wird auch im Netz unter www.kvir.ru veröffentlicht. Gay-Nächte finden meist sonntags statt.

:171 [III F6] 12 Wolt, Twerskaja Uliza 12/2, Metro: Puschkinskaja, tägl. 18–6 Uhr, Tel. 9332815, www.12voltclub.ru. Angeblich der beste Gay-Pub in Moskau. Marc Almond wurde hier auch schon gesichtet. „Zimmer mit schummrigem Licht“ und kleine Sofaecken für ein Chill-out der Extraklasse.

:172 [VI G6] Basa, Miljutinskij Pereulok 6, Metro: Lubjanka, tägl. 20–6 Uhr, Tel. 6273193. Hinter dem Schild „Business Class-Audit“ geht es durch den Bogen und dann hinten links in den Keller. Der Lieblingsort der Moskauer Gay-Bohème mit einer erstklassigen Vorspeisenkarte und günstigen Drinks. Gays aus kreativen Berufen und viel fürs Auge.

:173 [A2] Dyke-cafe, Pochodnyj Prospekt 4/1, Metro: Tuschinskaja, Tel. 7595944. In diesem mittelalterlichen Schloss finden einmal die Woche Dyke-Partys statt. R’n’B-Musik und eng tanzende Frauenpaare locken nicht nur Lesben hierher.

`174 [III E5] Majakowka Spa, Oruschejnyj Pereulok 13/2, Metro: Majakowskaja, tägl. 17–6 Uhr, Tel. 2500083, www.mayakovka.com. Um Mitternacht kann man sich in dem dunklen Labyrinth (mit Darkroom) dieses erstklassigen, europäisch ausgestatteten Sauna- und Fitnessclubs (für Schwule) mit Jacuzzi und Hammam schon mal verirren. Donnerstags ab 22.30 Uhr gibt es eine Aquarellparty. Körperfarben mitbringen!

:175 [VII G6] Propaganda, Bolschoj Slatoustinskij Pereulok 7, Metro: Kitaj-Gorod, Tel. 9233494, www.propagandamoscow.com. Eine der besten Discos der Stadt veranstaltet meist donnerstags spezielle Happenings für Schwule und Lesben. Am besten erkundigt man sich auf der Website nach dem jeweiligen Event. Kurz nach Mitternacht werden die Stühle und Tische abgebaut und dann geht es los. Die Enge ist der Kontaktaufnahme in jedem Fall förderlich.

:176 [H5] Termas, Sadowaja-Spasskaja 18/1, Metro: Krasnyje Worota, Mi./Do. und So. 19–4 Uhr, Sa. 19–6 Uhr, Tel. 9956675, www.termas.gayly.ru. In dieser netten, zentralen Gay-Sauna kann man sich erst an der Bar in Stimmung bringen und dann in den Fluten des Riesenschwimmbads mit Gegenstromanlage versinken. Dazu gibt es noch ein Solarium und viele kleine Kabinen ?

2005 eröffnete das erste Schwulengeschäft in Moskau, das nur drei Warengruppen zur Auswahl anbietet: Bücher über berühmte Schwule, Filme und Slips. Und dann gibt es noch schnuckelige Verkäufer. Das Geschäft liegt direkt gegenüber dem Rathaus.

S177 [VI F6] Indigo, Uliza Petrowka 17/2 (siehe Sassada), Metro: Ochotnyj Rjad, tägl. 10–22 Uhr, Tel. 7830055, www.shop.gay.ru/indigo.html

Reinigung (siehe Reiseführer S. 98)

µ Supermarkt Sedmoj Kontinent, Alter Arbat 54/2 Metro: Smolenskaja (s. S. 37)

µ Supermarkt Sedmoj Kontinent 2, Uliza Bolschaja Lubjanka 12/1, Metro: Kusnezkij Most. Wäsche abgeben und beim nächsten Einkauf wieder abholen. Praktisch und gut. Der Service wird auch in anderen großen Supermärkten angeboten (s. S. 37).

Sicherheit (siehe Reiseführer S. 98)

In der Kriminalitätsstatistik belegen bei den registrierten Straftaten Berlin, Rom und Paris im europäischen Vergleich die vordersten Plätze. Moskau liegt noch hinter Wien, Stockholm und Madrid!

Typisch russische Gefahren lauern da, wo sie der Reisende nicht unbedingt erwartet. Für Ausländer ist beispielsweise die Mafia das geringste Problem. Es handelt sich in erster Linie um Verbrechen in spezifischen Milieus. Der Straßenverkehr hingegen stellt eine echte Gefahr für Moskau-Reisende dar. Rote Ampeln und Zebrastreifen haben für Russen in gepanzerten Limousinen keine Bedeutung. Aber auch der Moskauer Autofahrer an sich nimmt Fußgänger so gut wie gar nicht wahr. Falls die Ampel auf Rot umspringt, bevor man die andere Straßenseite erreicht hat, sollte man sich unbedingt sputen.

Im Winter und vor allem bei Tauwetter sollte man außerdem auf Eiszapfenwarnungen auf den Gehsteigen achten. Angeblich soll es bald Laserkanonen geben, die der akuten Gefahr vorbeugen.

Bevorzugt Frauen werden zu späterer Stunde an den Metroausgängen nach ihren Papieren gefragt. Die Miliz hat in Russland das Recht, ohne erkennbaren Grund nach dem Ausweis zu fragen, wählt dabei aber oft Frauen aus. Im Fall des Falles sollte man Geduld bewahren.

Hat man Dokumente oder die Geldbörse verloren, muss man sich an das jeweilige Konsulat bzw. an die Botschaft des Heimatlandes wenden. Vorher kann man noch das Fundbüro kontaktieren, wenn einem das Missgeschick in einem öffentlichen Transportmittel widerfahren ist: Tel. 9238753 (Bus, Tram), Tel. 2222085 (Metro), Tel. 2334225 (Taxi).

Mit einer Videokamera ausgerüstete SOS-Säulen in über 100 Stationen der Moskauer Metro sorgen seit 2006 dafür, dass sich Touristen zu jeder Tages- und Nachtzeit zu helfen wissen, wenn es zu Übergriffen kommt oder ärztliche Hilfe benötigt wird. Außerdem sind die mit einem elektronischen Stadtplan ausstaffierten Polizisten auch gern bei der Suche nach Straßennamen zu Diensten.

Sport und Erholung (siehe Reiseführer S. 98)

„Berlin, Paris, London, das sind doch alles Kurorte im Vergleich zu Moskau.“

Christine Hamel

Banjas (russische Sauna)

o178 [VII H7] Istobka Russkaja Banja (und Shop), Pewtschewskij Pereulok 6, Metro: Kitaj-Gorod, tägl. 24 Std., Tel. 7756075, www.expedicia.ru. Angeschlossen an das Restaurant Expedizija (s. S. 251) ist diese kleine 3-Personen-Banja, in der es den klassischen Dampfraum, aber auch neueste Spa-Technik gibt. Man kann zwischen verschiedenen wjenki (Büscheln) wählen und es sich bei einer Schaum- oder Honigmassage und Kräutertee aus dem Altaigebirge gemütlich machen, um der Großstadthektik für zwei Stunden zu entfliehen.

o179 [D6] Krasnopresnenskije Banji, Stoljarnyj Pereulok 7, Metro: Uliza 1905 Goda, Mi.–Mo. 8–20 Uhr, Di. 12–20 Uhr, Tel. 2535306 (für Männer), Tel. 2538690 (für Frauen). Die modernste, größte und teuerste Banja der Stadt, 1980 für die Olympischen Spiele erbaut. Es gibt die klassische Sauna, den russischen Dampfraum und ein riesiges Bad mit Wasserfällen und Massageduschen. Hier tummeln sich Stars und Sternchen ?

o180 [VI F6] Sandunowskaja Banja, Neglinnaja Uliza 14/Sandunowskij Pereulok 1, Metro: Kusnezkij Most, Mi.–Mo. 8–22 Uhr (Kasse nur bis 20 Uhr), www.sanduny.ru, Tel. 9254631. Moskaus opulenteste Banja, benannt nach ihrem ersten Besitzer Sandunow. Architektonisch ist die Banja eine Mischung aus Barock, Gotik und maurischem Stil. Griechische Säulen und 5 Meter hohe Öfen in einem Badehaus, das fast 2000 Besucher pro Tag aufnimmt. Schon im 19. Jahrhundert, aller Vermutung nach im VIP-Bereich des viel pompöseren Männerabteils, verlustierten sich in dieser Luxusbanja unweit des Kreml Alexander Puschkin, Fjodor Schaljapin und Sergej Ejsenstejn, der sogar einige Szenen aus seinem Film „Panzerkreuzer Potemkin“ hier spielen ließ. Zu dem Zweck wurde der Swimmingpool in das Schwarze Meer verwandelt!

Ballonfahrten

µ Airclub Avgur, Uliza Stepana Schutowa 4/1, Metro: Tekstilschtschiki, Tel. 3591065. Für 350 € zu dritt bietet dieser Airclub eine 40- minütige Ballonfahrt ab dem Kloster Neu-Jerusalem an. Die Flüge finden früh am Morgen oder abends gegen 18 Uhr statt. Ein Auto begleitet den Ballon und fährt die Gäste zurück.

Fitness und Yoga

`181 [II G8] BKS Iyengar Yoga Zentrum, Pjatnizkaja Uliza 43/5, Metro: Nowokusnezkaja, tägl. 10–18 Uhr Yoga-Kurse, Tel. 9536410, www.yoga.ru. Moskaus größtes und seriösestes Yoga-Zentrum bietet seit 1987 Hatha-Yoga-Kurse auch auf Englisch an, eine Sitzung kostet etwa 7 €, die Monatskarte 40 €. Die Website ist auf Russisch, aber einen kleinen Einruck bekommt man trotzdem.

`182 [D4] Planet Fitness, Uliza Prawdy 21/2, Metro: Belorusskaja, Mo.–Fr. 7–24 Uhr, Sa./So. 9–22 Uhr, www.fitness.ru, Tel. 9334599. In dem ehemaligen Prawda-Gebäude im Stadtzentrum befindet sich heute dieser moderne Fitnessclub mit europäischem Standard, einem 25-Meter-Becken, Sauna, Gym und Solarium. Ein Kurs in Step Aerobic, Karate oder Yoga rundet das Programm ab. Eine Jahresmitgliedschaft kostet 1200 €, Tageskarten sind günstiger. Die Filialen sind am Stadtrand, mit Ausnahme des Clubs in der Malaja Dmitrowka 6 im Lenkom-Theater (Metro: Puschkinskaja), der sogar 24 Stunden geöffnet hat.

Fußball

Fußball erfreut sich in Russland größter Beliebtheit, und das nicht erst seit dem Einzug der russischen Nationalmannschaft ins Halbfinale der Fußballeuropameisterschaft 2008. Der Erstligist „Spartak Moskau“, von Lukoil gesponsert und neunmaliger Russland-Champion, ist im Luschniki Sportpalast zu sehen:

`183 [D9] Luschniki, Luschnezkaja Nab. 24, Metro: Worobjowy Gory, Kartenverkauf tägl. 11–18 Uhr (oder an Metrokiosken). Die Spiele beginnen um 18 Uhr! Tel. 7859717, www.luzhniki.ru

Golfen

µ Le Meridien Moscow Country Club, Nakhabino, Kransnogorsky District (außerhalb), Tel. 6265911, www.lemeridien.de. Zum Freizeitangebot des in einem schönen Birkenwald gelegenen Hotels Le Meridien gehört der einzige 18-Loch-Golfplatz Russlands, der von Robert Trent Jones entworfen wurde. Angeschlossen ist Russlands größter Sportclub mit zahlreichen Innen- und Außenan­lagen. Der Country Club befindet sich auf ­einem 120 ha großen Gelände in ruhiger und sicherer Lage, etwa 45 Minuten vom Kreml entfernt.

µ The Moscow City Golf Club, Dowschenka Uliza 1 (außerhalb), Tel. 1478330, www.mcgc.chat.ru. Zwei Naturseen machen diesen landschaftlich schönen, mittelschweren 9-Loch-Golfplatz zu einem echten Naherholungsgebiet. Der 1987 gegründete Golf-Club in Stadtnähe steht auch Nicht-Mitgliedern für ca. 60 € Green Fee zur Verfügung.

Inline-Skaten, Fahrradfahren, Joggen

Inline-Skaten ist in, Fahrradfahren (inklusive Mountainbiken) auch, aber nur in den Außenbezirken. Am Luschnezkaja-Ufer (Nab.) wurden Fahrradwege angelegt. Im unmittelbaren Stadtzentrum ist beides wegen des Verkehrs leider zu gefährlich.

µ Metro: Kropotkinskaja. Entlang der Kremljowskaja Nabereschnaja muss man zwar Autolärm in Kauf nehmen, rauscht aber am Kreml vorbei mit Blick auf die kleine Stadtinsel gegenüber und die Schokoladenfabrik Krasnyj Oktjabr. Ein MP3-Player macht den Trip zu einem Fest!

µ Metro: Park Pobedy. Der Siegespark ist ein weitläufiges, asphaltiertes und geradezu erstklassiges Terrain. Direkt am Metro-Ausgang kann es losgehen. Hier sind viele Profis unterwegs, das Terrain ist die Top-Adresse für Inline-Skater in Moskau. Bei schönem Wetter hat man von der kleinen Anhöhe einen herr­lichen Blick auf die Stadt.

µ Metro: WDNCH. Am Allrussischen Ausstellungszentrum im Norden Moskaus gibt es neben den idealtypischen, architektonisch zum Teil sehr ausgefallenen Repräsentanzpavillons der damaligen Sowjetrepubliken auch goldene Springbrunnen, weite asphaltierte Spazierwege und ein Riesenrad, in dem man zwischendurch verschnaufen kann. Leider muss man die zum Teil gruselige Konservenmusik auf dem gesamten Gelände in Kauf nehmen.

Schlittschuhlaufen

Unter freiem Himmel

Schlittschuhlaufen erfreut sich bei den Russen großer Beliebtheit. Zwischen –8 und –1 Grad ist die ideale Temperatur für die offenen Eisbahnen. Außerdem gibt es hochmoderne Eishallen, in denen Diskomusik auch mal bis 5 Uhr morgens läuft.

`184 [III F5] Ermitage-Garten, Metro: Zwetnoj Bulwar, tägl. 11–21 Uhr. Diese kleine, aber feine Eisbahn zieht junge Russen in Scharen an. Bei Glühwein und verrückter Musik dreht man seine Runden. Schlittschuhe können geliehen werden.

ð [II E9] Gorki-Park, Krymskij Wal 9, Metro: Park Kultury, besser ist der Gartenringtrolleybus (hält vor dem Eingang), Tel. 2371266, tägl. 10–22 Uhr. In dem geschichtsträchtigen und riesigen Gorki-Park werden drei Eisbahnen und sämtliche Fußwege eigens zu diesem Vergnügen im Winter geflutet, sodass man ein riesiges Terrain zur Verfügung hat. Für 2 € pro Stunde und ein Pfand (Geldsumme oder Pass) kann man seine Bahnen ziehen. Das Eis lässt zu wünschen übrig, aber die Disco am Abend ist unschlagbar.

K [K 5] Ismajlowskij-Park, Narodnyj Prospekt 17, Metro: Partisanskaja, tägl. 14–20 Uhr, Sa./So. ab 11 Uhr. Eine neue Schlittschuhbahn hat erst 2005 im Ismaj­lowskij-Park ihre Pforten geöffnet. Für eine Stunde kosten ein paar Schlittschuhe nicht mehr als 2 €. Die Eisbahn verfügt über einen Umkleideraum und wird nach Einbruch der Dunkelheit gut beleuchtet. Zu peppiger Musik kann man in Ruhe seine Runden drehen.

`185 [VI F5] Le Futur, Petrowka 26/9 (durch den Bogen in den Hinterhof, dann links, dann rechts), Metro: Kusnezkij Most, Mo.–Fr. 12–23 Uhr, Sa./So. 10–24 Uhr, www.superkatok.ru. Diese kleine, hübsche VIP-Eisbahn im Herzen der Stadt hieß früher nach dem dortigen Tennisclub „Dynamo“. Im Angebot sind fetzige Musik (abends mit DJ), köstliche Döner Kebab für 3 € und Schlittschuhe zum Ausleihen. VIP-Schuhe kosten 6 € pro Stunde, normale 3 €. Ein kleines, beheiztes Zeltcafé lässt die gefrorenen Gliedmaßen wieder auftauen.

`186 [VII H6] Tschistyje Prudy, Metro: Tschistyje Prudy. Die stadtbekannte Eisbahn liegt mitten in der Stadt und wird auch von Fußgängern frequentiert. Freier Eintritt, aber leider kein Schlittschuhverleih.

In der Halle

ð [II E9] Gorki-Park, (im Luna-Park, links neben dem Eingang zum Gorki-Park), Krymskij Wal 9, Metro: Oktjabrskaja, tägl. 12–23 Uhr, Tel. 2370704, www.ruskatok.ru. Die Eishalle am Gorki-Park ist schon älter, aber für Anfänger sehr nett. Allerdings sollte man dann lieber noch ein bisschen warten und gleich über die vereisten Wege im Park unter weitem Winterhimmel direkt seine Bahnen ziehen.

`187 [V D7] Jewropejskij Shopping Center, Kiewskaja Ploschtschad 1, Metro: Kiewskaja, So.–Do. 10–1.30 Uhr, Fr. und Sa. 11.30–6 Uhr morgens. Im obersten Stock des neuen Einskaufszentrums kann man mit Blick auf die spektakuläre Skyline Moskaus bei Tag und vor allem bei Nacht Schlittschuhlaufen. Kufenverleih vor Ort. Zentral und unvergesslich.

Schwimmen

`188 [IV E8] Tschajka (Die Möwe), Turtschaninow Pereulok 3/1, Metro: Park Kultury, Mo.–Sa. 7–22.30, So. 8.30–19.30 Uhr, Tel. (499) 2461344, www.chayka-sport.ru. Ohne ein ärztliches Attest (Abhorchen und Fußinspektion!) für 3 € (dauert etwa 20 Minuten, ist jederzeit zu bekommen) bleibt der Zutritt zu Moskaus berühmtestem Freiluftschwimmbad verwehrt. Zu jeder Jahreszeit ziehen die Schwimmer hier ihre strikt abgetrennten Bahnen. Bei Dunkelheit aufgrund der Dunstschwaden ein mystischer Ort. Nicht umsonst spielt auch eine Szene des russischen Science-Fiction Blockbusters „Nachtwächter“ hier. Im Winter steigen heiße Wolken in den Himmel, sodass man seine Mitschwimmer kaum erkennt. Mitten im Zentrum ist diese ungemein beliebte, 25 Grad warme Oase selbst dann eine herrliche Abwechslung, wenn es auf die (alberne) Bademütze regnet oder schneit. Auch die kleine Snackbar mit Pilz- und Salat-Köstlichkeiten ist unbedingt zu empfehlen. Neben dem Schwimmbecken sind die sechs offenen und/oder überdachten Tennisplätze. (tägl. 7–23 Uhr, eine Stunde kostet etwa 7 €)

Strände

Drei Moskauer Strände liegen in relativer Stadtnähe und sind gut zu erreichen. ­Allerdings ist Moskau nicht die Karibik und auch der angekündigte Sandstrand manchmal nur eine grüne Wiese mit sandigen Ausläufern. Da kommt dann auch das von den Russen so geliebte Picknick zum Einsatz. Am Wochenende fühlt man sich an den Ausläufern der Moskwa zuweilen wie in Rimini in der Hochsaison. Das Bad in der Menge muss man mögen. Aber schwimmen ist immer möglich.

Serebrjannyj Bor („Silberwald“) ist Moskau bekanntester Strand. Vor allem die Strände 2 und 3 erfreuen sich großer Beliebtheit. Es gibt weniger ansehnliche öffentliche Abschnitte, einen kostenlosen Nudistenstrand und einen privaten Teil, an dem Liegen und Sonnenschirme zu haben sind. Beachvolleyball, Bootsverleih, Tennisplatz und die typisch russischen schaschlyki (Schaschlik-Spieße) runden das Urlaubsfeeling ab.

`189 Serebrjannyj Bor Strand Nr. 2, Metro: Poleschajewskaja, dann Trolleybus 20, 21 oder 56. Wer die Gesichtskontrolle passiert hat, darf sich für etwas mehr Eintrittsgeld in zwei Szenelokalitäten vergnügen, die direkt am See zu finden sind.

Am Pljasch uletaj (der „Flieg-davon-Strand“) ist man unter sich. Ohne Sonnebrille und Adidas-Badeanzug fühlt man sich schnell ausgeschlossen. Dann hilft nur noch ein sündhaft teurer Cocktail, ein Bad im Pool oder frisches Sushi in den Loungesesseln.

`190 Serebrjannyj Bor Strand Nr. 3 (durchfragen!), Tel. 5181075, Metro: Poleschajewskaja. Der neue Hotspot Pljasch Nomer 1 ist noch malerischer und hipper. Unter grünen Bäumen liegt man dort lässig in einem Liegestuhl oder in der großen Lounge unter Strohdach bei DJ-Musik und Cocktails. Eine Stadt im Wald, kein Wald in der Stadt. Flanieren erlaubt, wer will da noch schwimmen?

`191 [A5] Serebrjannyj Bor Strand Nr. 4 (durch­fragen!), Tel. 5857451, Metro: Poleschajewskaja.

Sprache (siehe Reiseführer S. 104)

Neben Russisch sprechen vor allem jüngere Russen und Russinnen unter 30 auch Englisch, manchmal sogar Deutsch. Auch in Hotels wird so gut wie immer Englisch gesprochen. Ein Moskau-Aufenthalt wird in jedem Fall interessanter, stressfreier und aufschlussreicher, wenn man zumindest das kyrillische Alphabet kennt (siehe „Benutzungshinweise“) und Straßennamen und Metrostationen entziffern kann. Die ersten drei Buchstaben einer Straße oder einer Station sollte man sich aber unbedingt einprägen, um nicht ständig auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Ein paar Wörter Russisch werden als Zeichen des Respekts und der Höflichkeit sehr geschätzt. Die „Kleine Sprachhilfe Russisch“ im Anhang enthält die wichtigsten Wörter, um im Land einigermaßen zurecht zu kommen.

Stadttouren (siehe Reiseführer S. 104)

Vor allem für Reisende, die der russischen Sprache nicht mächtig sind, bieten sich organisierte Stadtführungen an. Mittlerweile ist die Auswahl, vor allem an Themenausflügen, ziemlich groß. Die Touren können problemlos per Fax oder im Internet gebucht werden, die Kommunikation läuft auf Englisch.

µ Architekturführungen Mplus, Peter Knoch (Architekt), Tel. 007 (aus D) 9035366324, www.mplus-moskau.com, mplus@gmx.net.Deutsche Architekturführungen in Moskau, etwa zu Themen wie „Gebaute Utopien der Stalinzeit“ oder „Moskau – Boomtown der Jahrhundertwende“, aber auch individuell zusammengestellte (siehe Kap. „Architektur-Special“).

µ Capital Tours, Ilinka Uliza 4/6, Metro: Kitaj-Gorod, Tel. 2322442, Fax 2342717, tägl. 10–18 Uhr, www.capitaltours.ru. In unmittelbarer Nähe zum Roten Platz liegt dieser Veranstalter, der nicht nur 3-stündige Stadtrundfahrten (um 10.30 und um 14.30 Uhr), sondern auch Ausflüge zu den Sperlings­bergen oder in die Tretjakow-Galerie in englischer Sprache anbietet. Buchung per Telefon oder online am besten 2 Tage im Voraus, Bezahlung mit Kredit­karte oder in Rubel.

µ Kultpochod, Krementschugskaja Uliza 9, Metro: Park Pobedy, Tel. 2580816, Mo.–Fr. 11–19 Uhr, www.cultpohod.ru. Dieses Unternehmen bietet eine große Auswahl an Thementouren. Auch in deutscher Sprache kann man sich auf die Spuren von Sergej Ejsen­stejns Filmen machen oder sich mit einer ehemaligen ZK-Karosse durch das Moskau der 1920er-Jahre kutschieren lassen. Das ­alles hat seinen Preis. Man sollte sich unbedingt mit der meist sehr beschäftigten Dame verbinden lassen, die gut Englisch spricht!

µ Moskultprog, http://moskultprog.ru. Hier findet man aktuelle Termine und Informationen zu den verschiedensten Themenspaziergängen, die der beliebte Historiker Sergej Nikitin veranstaltet. Neuerdings gibt es auch Architekturführungen per Fahrrad – bei Nacht. Das Moskau von Dostojewskij oder Tschechow, von Tju­tschew oder Ejsenstejn hat er ebenso im Repertoire wie das Gelände des Fahrzeugherstellers SIL. Die Spaziergänge und Seminare finden meist am Wochenende statt und beginnen an einer bestimmten Metrostation. Leider nur auf Russisch.

i192 [VI G6] Moscow City Bureau of Excursions, Uliza Roschdestwenka 5/7, Metro: Kusnezkij Most, www.moscowapartments.net, Tel. 6238953. Touren für des Russischen mächtige Interessenten. Im Zentrum und gut zu erreichen.

µ Moskwa kotoroj njet, über die Website http://moskva.kotoroy.net erfährt man von den kostenlosen, geführten Spaziergängen durch Moskau. „Das Moskau, das es nicht mehr gibt“ (das ist die Übersetzung) ist eine Bürgervereinigung von Architekten und Stadthistorikern (NGO, Nichtregierungsorganisation, mit amerikanischer Unterstützung), die herrliche Themen anbieten („Moskauer Jugendstil“) und entlang alter russischer Herrensitze flanieren. Russischkenntnisse sind ein Muss!

µ Patriarschij Dom Tours, Wspolnyj Pereulok 6, Metr: Majakowskaja, Tel./Fax 7950927, Mo.–Fr. 9–18 Uhr, alanskaya@co.ru, www.toursinrussia.com. Sehr professionell organisiertes, junges Team eines amerikanisch-russischen Joint Ventures, das alle beliebten Führungen durch Moskau anbietet, aber auch Themenexkursionen wie „Das jüdische Moskau“, „Auf Tolstojs Spuren“ oder eine Exkursion nach Sergijew Possad. Touren auf Deutsch oder Englisch, zu vereinbaren mit Nina Semjonowa unter Tel. 5418080.

µ Travel Agency Three Whales, Tel. 4208441, Oleg Alexandrow, www.threewhales.ru. Für Military Fans bietet dieser russische Veranstalter ein besonderes Highlight an. Nach dem Besuch des weltgrößten Panzermuseums (3000 Panzer, „Maus“ und „Adam“ sind auch vertreten) 60 Kilometer außerhalb von Moskau, auf dem Militärstützpunkt Kubinka, hat man die Möglichkeit, wahlweise in einem ausgemusterten Rote-Armee-Panzer oder in einem deutschen Modell aus dem Zweiten Weltkrieg Platz zu nehmen und sich durch das Gelände fahren zu lassen. Der Ausflug dauert fünf Stunden. Transfer von und nach Moskau, Mittagessen in Stalins früherer Kommandozentrale (georgische Küche) und der Einsatz eines Dolmetschers sind inbegriffen. Das alles ist im Internet mit einem Formular zu buchen. Für die Erteilung einer Genehmigung ist eine Vorlaufzeit von mind. zwei Wochen, bzw. eine Woche (für einen Aufpreis von 30 €) nötig. Krieg spielen hat seinen Preis: je nach Panzerart kostet der „Kalte Krieg“ ab 150 € pro Person.

Friedliche Pilgertouren durch Moskaus Kirchen und Klöster, Ikonenwalk, Geschichte der Romanows und Orthodoxie in Moskau organisieren:

µ Radonesch Pilgerbüro, Pretschistenka Uliza 28, Metro: Kropotkinskaja, Mo.–Sa. 10–18 Uhr

µ Sankt-Georg-Kirche, Sadownitscheskaja Uliza 6, Metro: Nowokusnezkaja, Mo.–Sa. 10–19 Uhr, So. 11–14 Uhr

Telefon (siehe Reiseführer S. 106)

Ortsgespräche innerhalb Moskaus sind kostenlos (Vorwahl siehe Kasten „Reisetipp“) Internationale Telefonate sind nur direkt aus dem Hotelzimmer teuer. Von fast jedem öffentlichen Automaten und auch aus dem Hotelzimmer telefoniert man sehr günstig (vor allem am Wochenende und nach 20 Uhr) mit den an Metro-Schaltern, in Postämtern, am Flughafen oder an Zeitungskiosken zu kaufenden Telefonkarten mit Code (nicht mit Chip). Man wählt die dort angegebene Moskauer Nummer und gibt dann den meist freizurubbelnden Code ein. Nach der obligatorischen 8 wartet man auf ein Freizeichen und wählt dann 10–49 (8 und 10 soll evtl. bald ersetzt werden durch 0 und 00) für Deutschland, 10–41 für die Schweiz und 10–43 für Österreich plus die gewünschte Vorwahl ohne die Null (vom Handy aus 0049). Für ein Ferngespräch braucht man mindestens 100 Einheiten. Die benutzerfreundlichen Telefonkarten gibt es mit 50, 100, 120, 200, 400 und 1000 Einheiten. Wichtig: Sobald der Gesprächspartner am anderen Ende zu hören ist, die Taste mit dem Sprechsymbol drücken. Andernfalls hört der Angerufene nichts.

Münzfernsprecher (Taxophone) sterben im Handy-Zeitalter langsam aus. Man kann dort ohnehin nur Ortsgespräche führen.

Sollte man eine bestimmte Moskauer Rufnummer suchen, helfen die Gelben Seiten weiter. Diese sind im Internet zu finden unter www.yellowpages.ru. Die Auskunft unter der Rufnummer 09 hat zwar eine charmante Stimme, versteht aber kein Wort Englisch oder Deutsch.

Günstige Tarife für Ferngespräche von Deutschland nach Moskau sind im Internet zu finden. Nur um die 5 Cents zahlt man mit der günstigen Vorwahl 01015. Es kann allerdings ein Echo in der Leitung sein.

Telefonieren mit dem eigenen Handy ist sehr teuer. Die beiden größten Moskauer Anbieter MTS und B-Line, in die aus dem deutschen Netz umgeleitet wird, kassieren stattliche 5 € für eine Minute nach Deutschland. SMS kosten nur wenige Cents, www.24mobile.de informiert über Roamingkosten. Bleibt man länger in Moskau, lohnt sich der Kauf eines Handys (mobilnik), bzw. der Kauf einer russischen Prepaid-Karte. Diese Karten bekommt man an vielen Kiosken, in Supermärkten, Banken oder in den Läden der Anbieter bei Euroset, Twerskaja Uliza 17. Im Unterschied zu den deutschen Prepaid-Karten haben die russischen eine begrenzte Laufzeit. Im Light-Tarif des Netzbetreibers Megafon zum Beispiel können Prepaid-Karten mit 5, 10, 20 oder 50 Einheiten für entsprechend 5, 20, 50 oder 150 Tage erworben werden. Nach dem Ablauf der Karte wird die Nummer blockiert, der verbliebene Geldbetrag wird aber 30 Tage lang nicht gelöscht und kann mittels einer Verlängerungskarte aktiviert werden.

Last, but not least: Das Zentrale Telegrafenamt auf der Twerskaja Uliza (7) hat 24 Stunden geöffnet. Von hier aus kann man für zivile Preise in die ganze Welt telefonieren, muss aber ein Pfand hinterlegen. Mit eigenem Laptop macht Skype am meisten Sinn. Und Wireless LAN gibt es fast überall in Moskau.

Theater (siehe Reiseführer S. 107)

U193 [C7] Fomenko Studio Theater, Kutusowskij Prospekt 30/32, Metro: Kutusowskaja (dann Richtung Flussufer), Kasse: tägl. 12–21 Uhr, Pause: 15–15.30 Uhr, Tel. (499) 2491136, www.fomenko.theatre.ru. Das Lieblingstheater der Moskowiter logiert seit 2008 in einem spektakulären Neubau von Sergej Gnedowski. Die Skyline von Moskau City im Blick, ist Pjotr Fomenko der Zukunft um einige Schritte voraus, selbst wenn er „Krieg und Frieden“ inszeniert. Neuerdings wagt er sich auch an Eugène Ionesco: „Die Nashörner“ in einer Inszenierung, die Aufsehen erregt und voller Absurditäten ist – ganz wie der Moskauer Alltag.

U194 [III F5] Lenkom Theater, Malaja Dmitrowka 6, Metro: Puschkinskaja, (Kasse tägl. 10–15, 17–19 Uhr), www.lenkom.ru, Tel. 6990708. In den 1970er- und 1980er-Jahren war das Lenkom in der alten Kaufmannsvilla eines der besten Theater der Stadt. Mark Sacharow modernisierte das Schauspiel mit neuen Techniken wie Laser oder Rockelementen. Vor allem die Bühnenbilder von Oleg Schejnzis lohnen einen Besuch. Auch ohne Russischkenntnisse lässt sich „Miss Julie“ verstehen, oder Gogols „Die Heirat“, Tschechows „Die Möwe“ leider nicht.

ò [III F6] MCHAT (Moskauer Künstlertheater) imeni Tschechowa, Kamergerskij Pereulok 3, Metro: Teatralnaja, Mo.–Fr. 12–15 Uhr, 16–19.30 Uhr, Sa./So. 10–15 Uhr, 16–18.30 Uhr (Kasse), www.art.theatre.ru, Tel. 62926748, Tschechows tragikomische Stücke kamen vor rund 100 Jahren in der Inszenierung von Stanislawskij hier erstmalig auf die Bühne. Auch heute unter der Leitung von Oleg ­Tabakow macht das Theater seinem Namen noch alle Ehre – „Die Möwe“ ist fast dauerhaft im Einsatz. Neben russischen Klassikern (vom American Studio auf Englisch!) werden aber auch internationale Stücke in russischer Sprache aufgeführt, wie etwa „Kopenhagen“ von dem britischen Autor Michael Frayn oder „König Lear“. Eine neue Generation von New-Drama-Autoren sorgt für Furore und lockt junges Publikum scharenweise an. Der Regisseur Kirill Serebrennikow inszeniert die Zeitgeiststücke „Terrorismus“ und „Opfer spielen“ der Brüder Presnjakow, die auch in New York bejubelt wurden. Und es darf auch ruhig politisch zugehen.

U195 [III E5] Theater Praktika, Trjochprudnyj Pereulok 11/1, www.praktikatheatre.ru, Tel. 5445545. Nur von der Größe her ist dieses neue Theater eine „Probebühne“. Inszeniert werden in erster Linie hochkarätige und anspruchsvolle Stücke der New-Drama- Generation. Sorokins „Kapital“ ist sehenswert. In dem Stück „Die Himmelsbewohner“ verlieren sich ein Oligarch, ein Model und ein Fernsehstar in der Welt des allgegenwärtigen Kommunikationszwangs. Experimentell und innovativ ? und noch ganz am Anfang.

U196 [G4] Satirikon, Scheremetjewskaja 8, Metro: Marina Roschtscha (Kino Havana), Tel. 6897844 (Kasse), tägl. 11–15, 16–20 Uhr (Kasse), www.satirikon.ru. Auch wenn dieses außerordentlich beliebte Theater nach einem Komödianten aus der Sowjetzeit benannt wurde, werden hier in erster Linie Dramen inszeniert. Das Durchschnittsalter der Schauspieler liegt bei 30 Jahren. In den 1990er-Jahren erregte das Theater mit einer bombastisch teuren Umsetzung der „Dreigroschenoper“ die Gemüter. Das Zwei-Mann-Stück „Kosmetik des Bösen“ nach der gleichnamigen Vorlage von Amélie Nothomb reißt das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Dabei handelt es sich um eine Koproduktion mit dem Puschkin-Theater und Konstantin Rajkin in der Hauptrolle. Er gilt als einer der besten Schauspieler und Regisseure des Landes.

U197 [VII H6] Sowremennik, Tschistoprudnyj Bulwar 19a, Metro: Tschistyje Prudy, Tel. 9216473 (Kasse), tägl. 12–15, 16–19 Uhr (Kasse), www.sovremennik.ru. Das Mitte der 1950er-Jahre von Absolventen der MCHAT-Schule gegründete „zeitgenössische“ Theater bringt neben Platonow und Serebrjannikow auch Jasmina Reza auf die Bühne. Während Gogols „Der Mantel“ im 19. Jahrhundert spielt, ist „Die nackte Pionierin“ in der Stalin-Ära angesiedelt.

U198 [III E5] Teatr.doc, Trjochprudnyj Pereulok 11–13/1 rechter Durchgang, Metro: Majakowskaja, Twerskaja, www.teatrdoc.ru, (Tel. in der Tagespresse, variiert je nach Stück!). Das kleine Kellertheater revolutioniert die Moskauer Theaterszene. Das Besondere an den textlastigen Inszenierungen ist die Art, wie die Stücke generiert werden. Potenzielle Autoren werden in bestimmte Milieus geschickt und zeichnen auf, was in den Köpfen der Menschen vorgeht. Die Authentizität und die spannende Aufbereitung von Zeitgeistthemen wie spirituelle Sinnsuche, Gewalterfahrung und Vereinzelung hat dieses Theater zur Keimzelle des New Drama gemacht. Für Iwan Wyrypaews umjubelte Stücke „Sauerstoff“ und „Dasein–2“, deren Aufführungen manchmal ins Praktika-Theater verlegt werden, sind allerdings unbedingt (gute) Russischkenntnisse erforderlich.

Trinkgeld (siehe Reiseführer S. 110)

Trinkgeld ist inbegriffen, in teuren Lokalitäten rechnet man mit 10% extra.

Uhrzeit (siehe Reiseführer S. 110)

Die Moskauer Zeit liegt zwei Stunden vor der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ + 2 Stunden). Wie in Europa gilt von Ende März bis Oktober die Sommerzeit, sodass sich der Zeitunterschied auch dann nicht ändert.

Unterkunft (siehe Reiseführer S. 110)

Die Hotellandschaft ist die Achillesferse der Moskauer Tourismusindustrie. Die Stadt hat viel zu wenig Hotels, vor allem in den unteren Preiskategorien. Viele 3-Sterne-Hotels (auch das Hotel Rossija) sind in jüngster Zeit abgerissen worden.

In den Häusern der oberen Preisklasse findet man europäische Standards, aber oft zu überhöhten Preisen.

Wenn man die horrend teuren, meist von Geschäftsleuten frequentierten Hotels im Stadtzentrum nicht buchen möchte, findet man sich zwangsläufig am Stadtrand wieder. Das ist allerdings kein Problem, sofern das Hotel an einer Metrostation liegt. Von dort aus ist man in 20 Minuten am Roten Platz. Da das Frühstück meist im Zimmerpreis nicht inbegriffen ist, kann man morgens auch in einen der zahlreichen Coffeeshops gehen.

Hotelbuchungen über ein Reisebüro oder im Internet sind generell günstiger.

Nach dem Einchecken verbleibt der Pass einige Tage an der Rezeption, bis die Registrierung auf der Einreisekarte vorgenommen wurde. Man erhält einen Beleg (sprawka), den man als Ausweisersatz bei sich trägt. Die Visitenkarte mit der Adresse des Hotels auf Russisch und Englisch sollte man ebenfalls immer mitnehmen, um dem Taxifahrer notfalls zeigen zu können, wohin man gefahren werden möchte.

Hotels

Ab 350 Euro

h199 [VI G6] Ararat Park Hyatt €€€€, Neglinnaja Uliza 4, Metro: Teatralnaja, Tel. 7831234, www.moscow.park.hyatt.com. Die unschlagbare Lage hinter dem Bolschoj-Theater mitten im Zentrum wird nur noch überboten von der atemberaubenden Dachterrasse, auf der man im Sommer den schönsten Blick auf Moskau erleben kann. Relativ große, geschmackvoll eingerichtete Zimmer, erst­klassiger Service und ein Fitness center mit Dampfbad machen dieses Hotel zu einer Luxus-Oase. Bei ausländischen Geschäftsleuten ist das Hotel sehr beliebt. Das teure Restaurant „Ararat“ im Erdgeschoss gilt als das beste armenische Speiselokal der Stadt.

h200 [II G7] Baltschug Kempinski €€€€, Bal­tschug Uliza 1, Metro: Tretjakowskaja, Nowokusnezkaja, Tel. 2356500, www.kempinski-moscow.com. Hinter der luxuriösen Fassade aus dem Jahr 1898 verbirgt sich eines der ältesten Moskauer Luxus-Hotels mit Schwimmbad, Restaurants und einem Kremlblick, den man nicht noch einmal findet. Auch Rainer Maria Rilke wusste bei seiner Russlandreise im Jahr 1900 die Aussicht über die Moskwa auf den Kreml zu schätzen. Ob es damals schon das erstklassige Continental Breakfast gab? In den 1990er-Jahren wurde das gediegene Baltschug Kempinski im alten Stil rekonstruiert und wieder in Betrieb genommen. Die Zimmer sind geräumig, der Service ist und hat Klasse.

h201 [I F6] Hotel National €€€€, Mochowaja 15/1, Metro: Teatralnaja, Tel. 2587000, www.national.ru. Das legendäre, heute zur Meridien-Kette gehörende Hotel National wurde 1903 nach Entwürfen des bekannten russischen Architekten Alexander Iwanow im eklektischen Stil gebaut. 1918, als Moskau wieder Hauptstadt wurde, hieß das elegante Luxus-Hotel „1. Haus der Sowjets“. Hier wurden die Mitglieder der bolschewistischen Regierung einschließlich W. I. Lenin, der in der Suite Nummer 107 wohnte, untergebracht. Seit 1995 erstrahlt das zur Kette „Leading Hotel of the World“ gehörende Luxushotel in neuem Glanz, jedes Zimmer ist individuell eingerichtet. Die schallverglasten Fenster lassen kaum Verkehrslärm durch und die Lage ist erstklassig.

h202 [III F6] Ritz-Carlton (O2-Lounge auf dem Dach), Twerskaja 3, Metro: Ochotnyj Rjad, Tel. 2258888, www.ritzcarlton.com. Opulent, aber modern präsentiert sich das neue Luxushotel am Roten Platz. In den oberen Etagen blickt man über die Dächer des Hotel National auf die Basilius-Kathedrale. In der gläsernen O2-Lounge trifft man im Sommer alte Bekannte. Der Sylter Gastronom Herbert Seckler hat dort im Sommer zeitweise einen „Sansibar“-Ableger eingerichtet. VIP-Alarm mit Strandkörben und Wasabi-Nüssen!

h203 [V D7] Ukraina Hotel, Kutusowskij Prospekt 2/1, Metro: Kiewskaja, Tel. 2215555, www.ukraina-hotel.ru. In einer der Stalin-Kathedralen zu wohnen, hat seinen Reiz. Und der Blick aus den Fenstern über die Moskwa ist herrlich. Das erst 2009 sanierte und jetzt unter Radisson Royal als 5-Sterne-Hotel firmierende Ukraina liegt zwar etwas weiter vom Zentrum entfernt, ist aber per Bus, Metro und mit dem Taxi bestens zu erreichen. Und es ist eine Legende ...

Ab 250 Euro

h204 [VI F6] Aquarell Hotel €€€, Stoleschnikow Pereulok 12/3 im Hinterhof, Metro: Puschkinskaja, www.hotelakvarel.ru, Tel. 5029430. Dieses freundliche, ruhige und sehr zentrale Hotel in guter Shoppinglage besticht durch das moderne Interieur. Das Haus ist ganz neu. Die Zimmer sind individuell gestaltet, aber in jedem Raum gibt es ein King-Size-Bett und eine Dusche. Keine Badewannen! Aquarell­farben geben dem ganzen Hotel eine warme Atmosphäre. Ein echter Tipp!

h205 [VI F6] Budapest €€, Petrowskije Linii 2/18, Metro: Kusnezkij Most, Tel. 9211060, Fax 9215290, www.hotel-budapest.ru. Das 1876 erbaute Mittelklassehotel im Herzen der Stadt verströmt tatsächlich alt-ungarischen bzw. kaiserlich-königlichen Charme. Ein renoviertes, geräumiges Doppelzimmer in Moskaus ältestem Hotel kostet unter der Woche 200 €, am Wochenende gibt es 20 % Ermäßigung. Fru?hstu?ck ist inklusive. Die unmittelbare Kreml-Nähe, das freundliche Personal und die ruhige Lage entschädigen fu?r das rustikale Mobiliar, das man allerdings auch in Hotels höherer Kategorien vorfinden kann.

h206 [III E6] Courtyard Marriott €€€, Wosnesenskij Pereulok 7, Metro: Aleksandrowskij Sad, www.courtyardmoscow.com, Tel. 9813300. Für Fans klassischer Musik ist dieses ganz neue, sehr schöne Hotel mit einem großen Glasinnenhof die ideale Bleibe. Das Konservatorium und die Helikon-Oper befinden sich gleich nebenan und auch der Kreml ist nur 10 Minuten zu Fuß entfernt. Im Herzen der Stadt schläft man ruhig und gemütlich in einem der 210 dezent eingerichteten Zimmer, die zum Teil einen sehr schönen Blick auf den Kreml freigeben. LAN-Anschluss, Fitnessraum und ein traumhaftes, mediterranes Frühstücksbuffet sind im Preis inbegriffen.

h207 [IV E8] Kebur Palace Hotel €€€, Ostoschenka Uliza 32, Metro: Park Kultury, Kropotkinskaja, Tel. 7339070, www. keburpalace.ru. Im teuersten Stadtviertel Moskaus entstand 2003 dieses angenehm ruhige Mittelklassehotel mit 40 Zimmern und einem kleinen Swimmingpool. Das reichhaltige Fru?hstu?cksbuffet wird von dem zum Hotel gehörenden erstklassigen georgischen Restaurant Ås zubereitet und um georgische Köstlichkeiten ergänzt. Weitere Annehmlichkeiten sind die (typisch russischen) Hausschuhe fu?r jeden Gast und ein kostenloser Shuttlebus fu?r An- und Abreise.

h208 [VI G6] Savoy €€€(€), Uliza Roschdestwenka 3, Metro: Kusnezkij Most, Tel. 6208500, www.savoy.ru. Nach einjähriger Renovierung hat das Viersternehotel in zentraler Lage wieder eröffnet. Die 67 Zimmer wurden generalüberholt, und auch das Jugendstilrestaurant erstrahlt in altem, neuem Glanz. Schöner Pool!

h209 [II G9] Tatjana €€€, Stremjannyj Pereulok 11, Metro: Pawelezkaja, Tel. 7250254, www.hotel-tatiana.ru. Dieses noch neue, hübsch um einen Innenhof angelegte Vier-Sterne-Hotel liegt 10 Gehminuten von der Metrostation Pawelezkaja, an der die Direktzüge vom Flughafen Domodedowo ankommen. Die Zimmer sind relativ klein, aber sehr ruhig. Mit der Metro ist man in 15 Minuten im Zentrum. Internet steht im charmanten Petit Café zur Verfügung. 250 € kostet ein DZ, das Frühstück ist inklusive.

Ab 150 Euro

h210 [V D7] Arbat €€, Plotnikow Pereulok 12, Metro: Arbatskaja, Smolenskaja, Tel. 2712801, www.president-hotel.ru/arbat. Das Arbat-Hotel ist in seiner Kategorie eines der modernsten und angenehmsten in Moskau. Einige Zimmer sind erst kürzlich renoviert worden und ca. 40 € teurer, aber auch die älteren wirken sehr einladend, ruhig und schön. Die zentrale Lage in Fußweite zum Arbat, der schöne Wintergarten und die freundliche Atmosphäre machen das Hotel zu einem Geheimtipp. Im Übrigen sieht man aus einigen Zimmern die Stalin-Kathedrale, in der das Außenministerium untergebracht ist.

h211 [G10] Danilowskaja €€, Bolschoj Starodanilowskij Pereulok 5, Metro: Tulskaja, Tel. 9540503, www.danilovsky.ru/hotel. Eine Ikone, eine Bibel und ein Bild von Patriarch Alexej findet man in jedem der spartanischen Zimmer in dem von außen abweisend wirkenden, zum Danilow-Kloster gehörenden Anbau. Ein kleiner Swimmingpool, ein sehr gutes Restaurant, eine Banja, ein Internet-Café und der extrem freundliche Service machen diese heiligen Hallen zu einer ruhigen Oase außerhalb des Gartenrings. In 10 Minuten ist man an der Metrostation und von dort in 15 Minuten im Zentrum.

h212 [VII H6] Mamaison Pokrovka Suite Hotel, Pokrowka Uliza 40/2, Tel. 2295757, Metro: Tschistye Prudy, www.pokrovka-moscow.com. Ein guter Tipp ist dieses 2009 eröffnete Suite Hotel mit Spa und Schwimmbad. Großzügige Zimmer mit kleiner Küche und schönem Design. das alles ab 200 € pro Nacht in ruhiger, zentraler Lage mit weltstädtischem Flair. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

h213 [III E6] Marco Polo Presnja (€)€€, Spiridonjewskij Pereulok 9, Metro: Puschkinskaja, Tel. 2443631, www.presnja.ru. Das Hotel ist schon in die Jahre gekommen, aber teilweise renoviert. Die Zimmer sind ruhig, die Fenster mit Gardinen verhangen und daher etwas düster. Auch der Teppichboden hat schon bessere Zeiten gesehen. Dafür ist man in unmittelbarer Nähe zu allen Bulgakow-Stätten und den zauberhaften Patriarchenteichen. Freund­liches Personal, Whirlpool und Heimtrainer. Auch Internet in den Zimmern.

h214 [II G8] Medea €€, Pjatnizkij Pereulok 1/4, Metro: Nowokusnezkaja, Tel. 2324898, www.medea-hotel.ru. Dieses von Grund auf sanierte ehemalige Kaufmannshaus liegt wenige Schritte von der Tretjakow-Galerie entfernt, der Kreml ist in 15 Minuten zu Fuß zu erreichen. Für russische Verhältnisse sehr progressiv ist, dass es in jedem Zimmer eine kleine Kochnische gibt. 200 € für ein Doppelzimmer in ruhiger Seitenstraßenlage sind daher gerechtfertigt. Das Personal ist nett und freundlich, Frühstück inklusive.

h215 [D4] Sowetskij €€, Leningradskij Prospekt 32/2, Metro: Dinamo, Tel. 9602000, www.sovietsky.ru. In den etwas veralteten Zimmern mit Ostblockcharme kann man gut logieren und sich an den schweren Vorhängen, den hohen Decken und der gemütlichen Atmosphäre alter Pracht erfreuen. Im Erdgeschoss befindet sich das legendäre Jar-Restaurant (s. S. 215), das erstklassige russische Küche zu europäischen Preisen bietet.

Bis 150 Euro

h216 [V D7] Belgrad (€)€, Uliza Smolenskaja 8, Metro: Smolenskaja, www.hotel-belgrad.ru, Tel. 2481643. Ein einfaches, aber angenehmes Drei-Sterne-Hotel, in dem es sowohl Zimmer mit renovierten Bädern (130 € im Doppelzimmer) als auch ohne eingenes Bad (90 €) gibt. Die Einrichtung ist plüschig. In wenigen Minuten ist man zu Fuß auf dem Arbat oder an der Moskwa. Auch die Metro ist nebenan. Das Frühstücksbuffet ist exklusive, sodass man auch im Kofehaus um die Ecke nett frühstücken kann. Die Zimmer sind größtenteils zum Hinterhof gelegen und daher ruhig, obwohl das Hotel direkt am Gartenring liegt.

h217 [D 10] Korston Hotel, Uliza Kosygina 15, Metro: Leninskij Prospekt, Tel. 9398000, www.korston.ru. Von dem schmucklosen Plattenbau hat man einen herrlichen Blick über die Dächer der Stadt. Die Zimmer sind renoviert, einfach, aber nett eingerichtet. Für Nachteulen gibt es Frühstück von 7 bis 17 Uhr. Von dem Kasino unten darf man sich nicht abschrecken lassen. Es wird ohnehin wohl bald verschwinden. Leider muss man bis zur Metro weit laufen, kann aber auch mit dem Trolleybus Nr. 7 dorthin fahren.

Hostels

Ì218 [II H9] Osorkowskaja Hotel, Osorkowskaja Nab. 50/2, Metro: Pawelezkaja, Tel. 9519753, www.cct.ru. Ein kleines, gemütliches Hotel in Samoskworetschje (Tretjakow) mit Laminatböden und extra-großen Betten in den Zimmern. In der Nähe der Metro Pawelezkaja, von der aus der Flughafenexpress Richtung Domodedowo abfährt.

Ì219 [B9] Sojus Ministerstwa Oborony, Uniwersitetskij Pr. 12, Metro: Kiewskaja, dann Trolleybus 17, 34, Tel. 1476004. In der Nähe der deutschen Botschaft (weit draußen) liegt dieses Hotel für Angehörige des Verteidigungsministeriums. Ostblockcharme auch für Normalsterbliche, inklusive einer Portion Adrenalin.

Wohnungen, Privatunterkunft, Bed and Breakfast

µ Schöne, sichere und komfortable 1-Zimmer-Wohnungen ab 80 € (je länger der Aufenthalt, desto günstiger) pro Nacht mit Wäsche, Telefon, Putzfrau, Kabel-TV und Internet mitten im Stadtzentrum (in ruhiger Lage) vermietet Rimma Arsumanjan, Tel. (von Moskau aus) 89166106893, (von Deutschland aus) 0079166106893. Besser per E-Mail: rimma64@gmail.com.

µ Schöne, gepflegte, mit neuem Mobiliar eingerichtete Wohnungen im Zentrum findet man mit Fotos im Internet unter www.moscow-comfort.com.

µ Die Expatshochburg „Rosinka“ bietet Reihenhäuschen mit Vorgarten und Seeblick. Näheres unter www.rosinka.ru.

Verhaltenstipps (siehe Reiseführer S. 116)

Gastfreundschaft

Die Gastfreundschaft der Russen ist legendär. Eine Einladung bei Freunden dauert meist bis spät in die Nacht. Als Gast bringt man Blumen (in ungerader Zahl) oder Konfekt mit und in Privatwohnungen zieht man die Schuhe aus. Die vom Gastgeber angebotenen Hausschuhe (tapotschki) sind für Ausländer gewöhnungsbedürftig. Serviert werden ein Vier-Gänge-Menü und Unmengen Wodka (siehe Exkurs „Wodka“).

Über unerwartet intime Gespräche bei Tisch sollte man sich nicht wundern. Es ist ein Zeichen des Vertrauens und des Respekts dem Gast gegenüber. Erwartet wird aber, dass man sich ebenfalls öffnet und Persönliches wie etwa das eigene Gehalt preisgibt oder die aktuelle politische Lage kommentiert.

Mit negativen Äußerungen über das eigene Heimatland sollte man sich zurückhalten. Auch Russen verhalten sich sehr loyal ihrem Land gegenüber.

Pünktlichkeit

Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit haben für Russen eine andere Bedeutung als für Westeuropäer. Eines der Lieblingswörter ist sejtschas, übersetzt mit „gleich“ oder „jetzt“. Das kann allerdings auch erst in ein bis zwei Stunden sein.

Das Wort remont ist noch heute oft an Rolltreppen oder vor Geschäften zu finden. Damit kann eine halbstündige vorübergehende Schließung aufgrund von Reparaturarbeiten oder eine vierjährige Großbaustelle gemeint sein. Wsjo budet heißt so viel wie „Das wird schon!“ und stammt noch aus einer Zeit, als Warten und Geduld den Lebensrhythmus bestimmten.

Schlangestehen

Geduld brauchte man auch in Sowjetzeiten, als das Schlangestehen zum Alltag gehörte. Der Durchschnittsrusse verbrachte 10–15 % seines Lebens beim Schlangestehen nach Brot, Kartoffeln, Babynahrung, Genehmigungen, Wodka und bei Arztbesuchen. Auch in den Gemeinschaftswohnungen verbrachte man viel Zeit damit, entweder auf den freien Herd oder die freie Toilette zu warten. Erreichte ein Russe das Alter von 70 Jahren, hatte er 5, vielleicht auch 10 Jahre seines Lebens in der Schlange gestanden. Aus dieser leidvollen Erfahrung heraus verwundert es nicht, dass Russen heute noch geübte Schlangesteher sind. Zwar gibt es nur noch selten die Gelegenheit, aber wenn, sollte man gewappnet sein. Stellt man sich beispielsweise in die Schlange an der Theaterkasse, sollte man sich nicht wundern, wenn plötzlich drei Babuschkas hereinschneien und sich ostentativ vordrängeln. In Wahrheit hatten sie ihren Platz nur kurzzeitig jemand anderem in der Schlange „übereignet“, um noch Einkäufe zu tätigen. Diskussionen sind zwecklos.

Freundlichkeit

Direkter Blickkontakt wird von Russen noch immer als überheblich und aufdringlich empfunden. Daran sollte man sich auch halten. Ruppig bis feindlich wirken die Moskowiter zunächst in fast jeder Interaktion.

Am Telefon meldet man sich mit einem unfreundlichen „Ja?“, aufgelegt wird ohne „Tschüss“ zu sagen.

Die fehlende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft im Alltag hat im Kern jedoch nichts Feindliches. Der gleiche Drachen, der abweisend behauptet, keine Reservierung erhalten zu haben, wird sich schließlich doch alle Mühe geben, dem hilflosen Ausländer beizustehen. Vor allem Deutsche haben einen ungeahnten Bonus in Russland. Die harte Schale vor allem der älteren Russen zu durchbrechen, verlangt eine gewisse Eigeninitiative und die Bereitschaft, sich auf der zwischenmenschlichen Ebene anzunähern. Auch ein Lächeln kann weiterhelfen.

Das Händeschütteln unter Geschäftsleuten ist eine neuere Entwicklung. Unter Freunden begrüßt man sich traditionell mit zwei, meistens drei Wangenküssen. Die Initiative liegt stets beim Gastgeber. Der Mann überlässt den Impuls zum Händeschütteln der Frau. Sonst nickt man nur kurz.

Heute wird schnell, allerdings nicht offiziell, sondern im Gespräch zum „Du“ übergegangen. Man nennt sich dann beim Vornamen, bleibt aber beim „Sie“. Vor allem Ältere siezt man weiter, auch wenn man selbst von ihnen geduzt wird.

Aberglaube

Weit verbreitet ist der Aberglaube. Man sollte beispielsweise nie über einer Türschwelle die Hände schütteln oder den anderen in den Arm nehmen. Wenn man versehentlich auf den Fuß eines anderen tritt, sollte man sich nicht wundern, wenn dieser sich auf die selbe Art und Weise revanchiert.

Platzregen

Die spontan einsetzenden Regenfälle sind ein Moskauer Phänomen. Nach jedem Wolkenbruch, der länger als eine halbe Stunde dauert, versinkt die Stadt im Regenwasser. Daran ist eine russische Besonderheit Schuld: Es gibt in der Moskauer Kanalisation Abwasserrohre und eigene Regenwasserleitungen. Das ist zwar ökologisch sinnvoll, aber platzaufwendig. Es gibt kaum Spielraum unter der Erde, um größere Rohre zu verlegen. Man sollte es wie die meisten Moskowiter mit Humor nehmen und barfuß nach Hause waten! In den Zeitungen sieht man immer wieder Bilder von völlig durchnässten Moskowitern mit dem Schirm in der einen und den Schuhen in der anderen Hand.

Verkehrsmittel (siehe Reiseführer S. 119)

Metro

9 Millionen Passagiere am Tag können nicht irren. Die Metro ist noch immer das schnellste, effektivste und eindrucksvollste Verkehrsmittel der Stadt. Ab 5.30 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts versieht die Metro so gut wie störungsfrei ihren Dienst.

Von außen sind die architektonisch auffallenden Metroeingänge nicht zu übersehen. Spätestens wenn man das große rote „M“ erblickt, weiß man, hier geht es in die Unterwelt von Moskau. Die Eingänge sind markiert mit dem Wort âõîä. Geht man versehentlich in den Ausgang (âûõîä), wird man von den Massen zur Seite gedrängt. Bis zu den Rolltreppen stößt man gar nicht erst vor.

Schwarzfahren ist quasi unmöglich. Neben den Schranken ist eine Babuschka postiert, die sofort, wenn eine der Absperrungen piept, unangenehme Fragen stellt. Daher sollte man vorher an einer der Kassen ein Papierticket mit Magnetstreifen (billet) für eine (odin) Fahrt oder mehrere (10 – desjat, 20 – dwadzat, 30 tridzat oder 60 – schestdesjat) Fahrten kaufen. Tageskarten gibt es nicht. Am besten kauft man gleich mehrere Fahrten, sonst steht man jedes Mal wieder in der Schlange. Das Ticket hält man vor das Lesegerät. Je nach Automat wird es auch noch ein- oder durchgezogen. Es wird angezeigt, wie viele Fahrten noch verbleiben. Die Schranke öffnet sich. Ist man zu schnell (oder zu langsam), fährt einem eine Eisenbarriere zwischen die Beine. Daher Vorsicht! Mit einem Ticket kann man so lange fahren, bis man wieder ans Tageslicht kommt.

An den Eingängen findet man einen Metroplan, auf dem die 11 Linien in verschiedenen Farben eingezeichnet sind. Die Rolltreppen bewegen sich vor allem zu Stoßzeiten (7–10, 18–20 Uhr) mit erhöhtem Tempo und können aufgrund ihrer enormen Länge manchmal Schwindelgefühle verursachen. „Links gehen, rechts stehen“ ist die Devise. Es macht Sinn, sich festzuhalten.

Dann auf dem Bahnsteig angekommen, muss man sich für eine der beiden Richtungen entscheiden. Dabei hilft es durchaus, wenn man sich die ersten drei kyrillischen Buchstaben des gewünschten Zieles gemerkt hat. Dann muss man auf den randvoll beschriebenen Schildern allerdings erst mal die Station finden oder notfalls einen Passanten fragen. Die Moskowiter sind zwar kurz angebunden, aber sie helfen gern.

An der gewünschten Station angekommen, folgt man dem Schild âûõîä â ãîðîä (Ausgang). Davon kann es aber auch zwei Schilder geben, je nachdem wie viele Ausgänge die Station hat. Auf dem Schild sind aber immer auch Straßennamen und sogar Sehenswürdigkeiten (nur auf Russisch) markiert. Dann sollte man eventuell eine junge Russin fragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Englisch versteht, ist sehr groß. Falls das Ziel noch nicht erreicht ist und man umsteigen muss, wird aus dem Urlaub eine echte Abenteuerreise. Ein und dieselbe Metrostation hat nämlich, je nachdem von welcher Linie aus man sie erreicht, mehrere Namen. Auf dem Plan sind diese Stationen miteinander verbunden dargestellt. Man muss wissen, wie die Station der anderen Linie heißt, die man sucht. Einen (russisch-) englischen Metroplan sollte man sich vorher aus dem Internet unter www.mosmetro.ru herunterladen oder aber kaufen (siehe Kap. „Einkaufen“). In den Waggons sind die Stationen neuerdings auch auf Englisch ausgeschildert.

Das blau unterlegte Schild ïåðåõîä (Übergang) wird jetzt überlebenswichtig. Damit sind die Übergänge zu den anderen Linien gemeint. Auf dem Schild ist zumindest die Farbe der gewünschten Linie zu erkennen. Man folgt dem Menschenstrom, es geht Treppen rauf, Treppen runter und durch lange, kahle Gänge, bis man schließlich – man wähnt sich aufgrund der zurückgelegten Distanz schon fast in Omsk – auf dem nächsten Bahnsteig angekommen ist.

Hat man sich für einen der beiden Bahnsteige entschieden, wartet man selten länger als eine Minute, bis der nächste Zug kommt. Eventuell zählt man dann die Stationen oder lauscht der Durchsage. Die Stationsnamen werden angesagt. Sollte man nicht mehr weiter wissen, helfen auch die unten an jeder Rolltreppe in kleinen Aufsichtskabinen wachenden Damen in Berufskleidung. Nur ein freundliches Lächeln sollte man nicht erwarten. Die unterirdische Hektik ist befremdlich. Die digitalen Tafeln auf den Bahnsteigen zeigen die Uhrzeit an und die Sekunden, die vergangen sind, seit der letzte Zug abgefahren ist.

Die verschiedenen Ausgänge einer Station liegen manchmal 500 bis 700 Meter auseinander, sodass man möglicherweise über der Erde einen großen Umweg gehen muss, um das Ziel zu erreichen. Das passiert aber auch Moskowitern. Dem Ärgernis, dass zwei Stationen zweier gänzlich unterschiedlicher ­Linien dieselben Namen tragen (Arbatskaja, Smolenskaja) ohne dass es einen Übergang oder eine Umsteigemöglichkeit gibt (!), wird vielleicht demnächst abgeholfen. An der Station Kitaj-Gorod heißt es ebenfalls: Aufpassen! Die orangefarbene und die lilafarbene Linie sind leicht zu verwechseln.

Gefährlich ist das unterirdische Labyrinth nicht. Allerdings wirken die Menschenmassen etwas erdrückend. Wenn man bedenkt, dass hier am Tag so viele Menschen aufeinander treffen wie in der New Yorker und der Londoner Metro zusammen, lässt sich auch die drangvolle Enge in den Waggons erklären. Kann man keinen Sitzplatz ergattern, sollte man sich gut festhalten. Die Züge rasen mit bis zu 70 km/h durch die Unterwelt.

Die geheime Kreml-Metro

Seit dem ersten Spatenstich ranken sich unzählige Legenden um die Moskauer Metro. Das spannendste Geheimnis ist allerdings gelüftet. Die Existenz einer geheimen Kreml-Metro gilt als bewiesen. Die „Metro 2“ besteht aus drei Linien, die sternförmig vom Kreml É in drei verschiedene Richtungen abzweigen. Die erste führt vom Kreml über die Leninbibliothek, den Smolensker Platz, die Sperlingsberge und die Bunkerstadt Ramenki über das Olympische Dorf zum Flughafen Wnukowo und ist 27 km lang. Die zweite geheime Linie ist 25 km lang und verbindet den Kreml mit der ehemaligen KGB-Zentrale Lubjanka und den Militärstützpunkt „Balaschicha“ in der Siedlung „Sarja“. Die dritte Trasse ist sage und schreibe 60 km lang und ermöglichte den Bolschewiki eine gefahrlose Direktfahrt in das Erholungszentrum „Bor“!

Nach unbestätigten Berichten befindet sich der Eingang zur geheimen Kreml-Metro hinter einer nicht gekennzeichneten Tür der Station „Borowizkaja“ ...

Spazierfahrt im Untergrund

Auch für den des Russischen nicht mächtigen Reisenden lohnt eine Fahrt durch das unterirdische Palast-Labyrinth. Es empfiehlt sich eine Fahrt mit der braunen Ringlinie, die praktischerweise alle Bahnhöfe der Stadt miteinander verbindet. Man kann an derselben Station aussteigen, an der man eingestiegen ist. Experimentierfreudigere starten an der Station Komsomolskaja, fahren mit der (braunen) Ringlinie bis Kiewskaja, wechseln dort in die (dunkelblaue) Arbatlinie (die Station heißt ebenfalls Kiewskaja), fahren weiter bis Ploschtschad Rewoluzii, gehen dort zur Plattform der Station Teatralnaja und fahren mit der (grünen) Linie bis zur Station Majakowskaja. Man braucht etwa drei Stunden, wenn man an jeder Station kurz aussteigt. Am besten fährt man in den Abendstunden oder am Wochenende, wenn weniger Betrieb ist. Aussteigen sollte man unterwegs an den folgenden sehenswerten Stationen.

µ Komsomolskaja: Benannt ist die Station nach dem 1918 gegründeten kommunistischen Jugendverband „Komsomol“. Die erst 1952 erbaute Station gilt als die prachtvollste des gesamten Netzes: In der „Ruhmeshalle“ für den Sieg der Sowjetarmee im 2. Weltkrieg befinden sich Mosaike zu historischen Themen wie der Einnahme des Reichtages in Berlin. Die Siegesparade auf dem Roten Platz wurde allerdings retouchiert, die Konterfeis von Berija und Stalin Mitte der 1950er-Jahre entfernt. Jedes Mosaik besteht aus ca. 300.000 Einzelteilen. Auf den Kapitellen der 72 achteckigen Marmorsäulen sind kleine Rundbögen, die die in warmes Kronleuchterlicht getauchte Halle stützen. Über der Erde treffen sich an dieser Station drei große Bahnhöfe.

µ Belorusskaja: Die Mosaike im Zwischengeschoss zeigen das idyllische Leben in Weißrussland. Ein früher vorhandenes Partisanendenkmal musste dem neuen Metro-Eingang weichen.

µ Nowoslobodskaja: 30 beleuchtete Buntglasscheiben mit Motiven aus der russischen Gobelin-Kunst geben der Station eine sakrale Atmosphäre.

µ Prospekt Mira: Hinter Säulen aus schwerem, weißem Marmor zeigen Wandreliefs sowjetische Bauern, denen ihre Arbeit sichtlich Freude macht.

µ Kiewskaja: Am Kiewer Bahnhof treffen sich drei Metrostationen. Die Arkaden in der Station sind ebenso riesig wie die Mosaiken, die die Freundschaft der Ukraine mit Russland betonen. Thematisiert wird auch die Befreiung Kiews von den deutschen Besatzern im Jahre 1941.

µ Majakowskaja: Sollte man im Zuge der Stadterkundung an dieser Station „vorbeikommen“, lohnt es sich unbedingt, sich beide Plattformen anzusehen. Im historischen Teil der Station wurden 1941 die Feierlichkeiten zum 24. Jahrestag der Oktoberrevolution gefeiert, und nicht wie sonst im Großen Theater. Das war zu gefährlich, denn die Deutsche Wehrmacht stand vor Moskau. Die Metro diente in den Kriegsjahren auch als Luftschutzbunker, wobei Mütter und Kinder in den Stationen bleiben durften. Den Männern blieben die Tunnel als Zuflucht. In den Mosaiken der „Majakowskaja“ wird die Geschichte der ruhmreichen sowjetischen Raumfahrt geschildert. Die Station wurde auf der New Yorker Weltausstellung 1938 mit dem Großen Preis für Architektur ausgezeichnet. Auch der erst im November 2005 fertig gestellte Ausgang an der Twerskaja ist sehr sehenswert. In der beliebten Mosaiktechnik wird hier dem großen revolutionären Dichter Majakowskij mit Zitaten aus seinen Werken gehuldigt.

Busse, Trolleybusse, Straßenbahnen und Marschrutka

Busse, Trolleybusse und Straßenbahnen sind nichts für schwache Nerven. Mühsam bahnen sich die großen alten Gefährte den Weg durch den Großstadtdschungel. Und doch überbrückt man mit ihnen große Distanzen, die man sonst womöglich laufen müsste. Immerhin liegen die Metrostationen in Moskau sehr weit auseinander. Als Tourist sollte man mindestens einmal mit einem dieser fast schon nostalgischen Verkehrsmittel eine längere Strecke fahren. Besseres Sightseeing gibt es kaum. Schön ist die Trolleybuslinie 2, die am Kreml É vorbeifährt und am Siegespark F endet. Auch die Trolleys 5 und 15 eignen sich hervorragend für eine Fahrt entlang des Boulevardrings, wobei die Linie 15 von der Metro Puschkinskaja bis zum Neujungfrauenkloster fährt.

Den Trolleybus mit dem Buchstaben ú sollte man sich merken. Er fährt den gesamten Gartenring ab und bietet einen ganz anderen, sehr interessanten Eindruck von Moskaus Urbanität. Die Trolleybushaltestellen sind mit weißen Schildern, die unscheinbar in der Oberleitung hängen, markiert. Busse und Trams halten an deutlich sichtbaren, überdachten Haltestellen.

Für jede Fahrt muss ein Ticket (billet) beim Fahrer oder an den Metrokassen gekauft und dann entwertet werden. Busse neueren Datums haben automatische Passierschranken und einen durchgestrichenen Hasen vorne an der Windschutzscheibe. Schwarzfahren heißt auf Russisch „als Hase fahren“ und das soll in den neuen Bussen nun nicht mehr möglich sein!

Seit der drastischen Preiserhöhung Anfang 2005 sind die Busse, Trolleys und Trams zwar nicht mehr so überfüllt wie lange Jahre zuvor, aber Sitzplätze sind immer schwer zu ergattern. Zuverlässiger sind die Verkehrsmittel auch nicht geworden. Es kann durchaus vorkommen, dass man bei minus 15 Grad eine halbe Stunde auf den völlig überalterten Trolleybus wartet, der fünf Minuten später von der Oberleitung springt.

Wenn die Wartezeit zu lang wird, sollte man in einen der ebenfalls an den öffentlichen Haltestellen meist nur außerhalb des Gartenrings anhaltenden Minibusse (Marschrutka) einsteigen. Sie sind genau so teuer und halten dort, wo man hin möchte. Man öffnet die Tür und sucht sich einen Platz. Das Ziel sagt man laut und reicht dann das Geld in die Hand eines weiter vorn sitzenden Mitfahrers, der es dem Fahrer übergibt. Das Wechselgeld kommt (erstaunlicherweise) postwendend und vollzählig zurück. Diese ­Minibusse gibt es vor allem in den Außenbezirken Moskaus, noch eher selten in der Innenstadt. Sie sind ein echter Glücksfall für ein Verkehrssystem, das über der Erde noch immer bestenfalls Dritte-Welt-Niveau hat.

Taxis

Die offiziellen gelben Taxis mit dem weiß-schwarzen Schriftzug sind leicht zu finden. Die freien Taxis haben ein grünes Licht hinter der Windschutzscheibe. Die Haltestellen sind mit dem Schild „T“ gekennzeichnet, man kann die Wagen aber auch aus dem Verkehr winken.

Die Taxameter werden nicht immer eingeschaltet, man muss als Tourist ohne Russischkenntnisse damit rechnen, überhöhte Preise zu zahlen. Hilfreich ist, wenn man sich das Ziel im Hotel auf Russisch auf einen Zettel hat schreiben lassen. Mehr als 8 € sollte keine Fahrt in der Innenstadt kosten. Taxis direkt vor dem Hotel sollte man meiden und lieber ein paar Schritte laufen.

Wer auf der Straße die Hand hebt, kann damit rechnen, dass auch Privatfahrzeuge anhalten. Viele Russen bieten diesen Service für einen kleinen Nebenverdienst an. Wenn man kein Russisch spricht, sollte man es lieber lassen. Ansonsten ist dieser private Chauffeurdienst eine gute Alternative und nahezu sicher. Nur wenn zwei Personen im Auto sitzen, sollte man nicht einsteigen.

Im Voraus buchen kann man ein Taxi bei der offiziellen Taxizentrale unter der Telefonnummer 9255117 (www.taxi.ru). Allerdings muss man etwa eine Stunde vor der gewünschten Abfahrtzeit anrufen. 24 Stunden Service. Taxi Global (www.taxiglobal.ru) bietet unter der Telefonnummer 5052052 Flughafentransfers für ca. 25 € an.

Elektritschkas

Früher oder später findet sich beinahe jeder Tourist in einem der hoffnungslos veralteten Vorortzüge, den Elektritschkas wieder, die Moskau mit dem Rest des nicht gerade kleinen Einzugsgebietes der Metropole verbinden. Die Größe der Waggons steht natürlich in direktem Zusammenhang zu den in Russland grundsätzlich auf Breitspur fahrenden Zügen. Und doch herrscht dort meist drangvolle Enge, da entweder die Pendler oder die Wochenendausflügler diese völlig antiquierten, musealen Züge für relativ wenig Geld benutzen. Meist gibt es keine bessere Verbindung in bestimmte, auch touristische Regionen.

Allerdings hat mittlerweile ein hypermodernes Passiersystem Einzug gehalten, an dessen Computer man den Code des erstandenen, winzigen und leicht zu verlierenden Tickets halten muss, um vom Bahnsteig herunter zu gelangen.

Sollte man einen der unbequemen Pritschenplätze ergattert haben, lohnt es sich nicht, etwaige Lektüre aus der Tasche zu holen. Sobald der Zug den Bahnhof verlassen hat, bieten die ersten fliegenden Händler ihre Waren in den Waggons feil. Dazu hält jeder einzelne einen ungefähr zehnminütigen, lautstarken Monolog über das günstig zu erstehende Gut, das er in seinen Händen hält. Das kann ein Putzschwamm sein, ein Leuchtstift oder eine Tafel Schokolade. Der Passagier hat keine Chance auf besinnliches Gleiten durch russische Weiten und die meist sehr schöne Landschaft. Neben dem Zuglärm ist auch die Temperatur in den Waggons ein Problem für zart besaitete Gemüter. Entweder ist es viel zu heiß oder viel zu kalt.

Die Elektritschkas sind ein typisch russisches Phänomen und ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Mindestens einmal sollte man eine dieser eigentüm­lichen Zeitreisen unternehmen, und sei es nur für einen kurzen Ausflug nach Peredelkino zu Boris Pasternak.

Motorboote und Minikreuzfahrten

Ein ganzer neuer Blick auf die Stadt bietet sich von der Flussseite aus. Da die Moskwa direkt durch die Innenstadt fließt, ist ein kleiner zweistündiger Ausflug auf dem Wasser bei schönem Wetter absolut lohnenswert. Die zweistöckigen Motorboote verkehren von Mai bis Oktober, Tickets sind am Anleger zu kaufen oder online unter www.cck-ship.ru. Informationen zu Discoschiffen (teplochod) im Internet unter www.oteplohodah.ru, siehe Rosa Wetrow (s. S. 88).

Es gibt mehrere Strecken. Die beliebteste Route führt vom Danilow-Kloster oder, stadtnäher, von der Nowospasskij-Brücke im Südosten der Stadt oder ab Bolschoj Krasnocholmykij Most bis zum Kiewer Bahnhof im Westen, mit Zwischenstopps an folgenden Punkten:

µ Bolschoj Ustinskij Most (Metro: Kitaj-Gorod, Moskworezkaja Nab. in Kitaj-Gorod)

µ Bolschoj Kamennyj Most (Metro: Kropotkinskaja, Bersenewskaja Nab. unweit der Patriarchenbrücke an der Christ-Erlöser-Kathedrale bzw. am Grauen Haus)

µ Krymskij Most (Metro: Park Kultury, Höhe Gorki-Park, aber auf der anderen Uferseite)

µ Puschkinskaja Nab. (Metro: Frunsenskaja, dann über die Fußgängerbrücke ans andere Ufer, Höhe Neskutschnyj Sad)

µ Luschnezkaja Nab. (Metro: Worobjowy Gory)

µ Worobjowskaja Nab. (Metro: Worobjowy Gory)

µ Luschnezkaja Nab. (Metro: Sportiwnaja, 15 Min. zu Fuß zum Neujungfrauenkloster)

µ Ukraina Hotel (s. S. 114)

µ Moscow City

Es geht vorbei an alten Klöstern und Stadtschlössern, am Kremlpalast, am Peter-der-Große-Denkmal, an der wieder aufgebauten Christ-Erlöser-Kathedrale. Für 9 € kann man in beide Richtungen nur einen Teilabschnitt oder bis zur jeweiligen Endhaltestelle fahren.

µ Mo.–Fr. 9–20, Sa./So. 10–18 Uhr, Discoschiffe ab Mitternacht!

Auch außerhalb des Innenstadtbereiches, allerdings nur am Wochenende, gibt es drei interessante Strecken.

µ Marino – Kolomenskoje

µ Troize – Lykowo – Serebrjannyj Bor

µ Petschatniki – Park Kultury (Gorki-Park)

Die erste Tour bietet sich vor allem im Sommer im Anschluss an die Besichtigung des ehemaligen Sommersitzes der Zaren, Kolomenskoje, im Süden Moskaus an. Man kann bis zum Park Kultury schippern und ist wieder in der Innenstadt.

Sessellift

Der erst vor einigen Jahren konstruierte Sessellift in den Sperlingsbergen bringt den Besucher von der einmaligen Aussichtsplattform an der Moskauer Staatlichen Universität (Metro: Uniwersitet, von dort mit dem Bus, Marschrutka oder zu Fuß) hinunter zum Flussufer Worobjows­kaja Nabereschnaja bzw. umgekehrt. Der Ausblick auf die Metropole ist im Winter wie im Sommer einzigartig, vor allem die Skyline und das Luschniki-Stadion sind sehenswert. Im Winter wird hier Ski gefahren.

Unten am Flussufer Worobjowskaja Nabereschnaja angekommen, kann man mit dem Motorboot/Ausflugsdampfer durch die ganze Stadt, am Kreml und anderen Sehenswürdigkeiten vorbei bis zum Nowospasskij-Kloster (Kloster des Neuen Erlösers) fahren oder mit der Metro Worobjowy Gory (10 Min. zu Fuß) über die Station Park Kultury zurück in die Innenstadt (Metro: Ochotnyj Rjad, Biblioteka imeni Lenina u. a.).

Vorseite: ÁÀÍÊÎÌÀÒ – Bank­automaten füllen die Reisekasse

Auch wenn die Einkaufspaläste aus dem Boden schießen: Moskauer Kioske sind unsterblich

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Die Matrjoschka

Kein Tourist verlässt Moskau, ohne mindestens eine Version des beliebtesten russischen Souvenirs im Koffer zu haben. Die russische Schachtelpuppe aus Holz mit dem unaussprechlichen Namen gehört zu Russland wie der Wodka oder der Samowar. Der Begriff matrjoschka kommt von dem russischen Wort matuschka (Mutter) und symbolisiert Fruchtbarkeit, Mutterschaft und im weiteren Sinn Mütterchen Russland. Sie ist eine Kreuzung aus einem klassischen russischen Osterei und einer japanischen kahlköpfigen Puppe, die sich aus insgesamt fünf ineinander gesteckten kleinen Figuren zusammensetzt.

Im Künstlerdorf Abramzewo außerhalb von Moskau erblickte die Matrjoschka 1890 das Licht der Welt. Ein Maler und ein Drechsler erfanden ein russisches Bauernmädchen bekleidet mit einem Sarafan, der russischen Frauentracht aus einem ärmellosen Oberteil und einer weiten Bluse. Spielzeug war seinerzeit eine Art Kulturgut, das große Kreativität erforderte und erlaubte. Auch heute noch werden die meisten Ma­trjoschkas von Hand gefertigt. Dabei spielt die Wahl des Holzes eine große Rolle. Am besten eignet sich weiches Linden- oder Birkenholz. Als Erstes wird die kleinste Puppe geschnitzt, dann die anderen. Die eigentliche Kunst liegt aber in der Be­malung. Je hochwertiger ein Satz von Matrjoschkas ist, desto weniger unterscheiden sich die großen Puppen von den kleinen.

Nach der Pariser Weltausstellung 1900 begann der Siegeszug der kleinen Bauernpuppe. Die Produktion wurde in die alte Klosterstadt Sergijew Possad Q, wenige Kilometer von Abramzewo entfernt, verlegt. Die Bolschewiken verboten die Produktion, da sie ihren künstlerischen und ideologischen Grundsätzen widersprach.

Seit den 1990er-Jahren erscheinen alle nur denkbaren Figuren aus der modernen, globalisierten Welt plötzlich auf der erst 100 Jahre alten Puppe in der Puppe, die sogar bis zu 50 kleine Figuren enthalten kann. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Politikermatrjoschkas von Lenin bis Putin, amerikanische Baseballstars, Harry-Potter-Figuren oder die „Islamisten-Matrjoschka“ mit Hussein, Arafat und Bin Laden. Bald soll es eine Kosmonautenmatrjoschka mit Jurij Gagarin als Konterfei geben. Und Barack Obama ist in der Moskauer Touristenmeile am Alten Arbat auch schon gesichtet worden ?

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Konfety, russisches Konfekt, ist ein beliebtes Mitbringsel für die Naschkatzen zu Hause

Figurinen aus Sowjetporzellan sind heute echte Sammlerstücke

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Sowjetnostalgie

„Die nostalgische Erinnerung an das Sowjetreich hat nicht nur etwas mit politischer Macht und geografischer Größe zu tun. Es geht auch um eine Art Proustscher Nostalgie, eine wehmütige Erinnerung an bestimmte Produkte, Gerüche oder Lebensumstände, die es heute nicht mehr gibt.“ (Karen Schachnasarow)

In seinem 2008 angelaufenen Film „Das verschwundene Imperium“ erzählt der Regisseur eine Dreiecksgeschichte von jungen Erwachsenen, die 1974 an der Moskauer Hochschule studieren. Das Besondere an dem Film ist die detailgetreue Ausstattung mit Sowjetrequisiten.

Die spürbare Nostalgiewelle erfasst weite Bereiche der Alltagskultur. Seit Anfang 2005 strahlt der Kanal „Nostalgija“ (www.nostalgiatv.ru) ganztägig Nachrichten und Unterhaltungssendungen aus den 1970er- und 1980er-Jahren aus. Die seinerzeit streng zensierten „Wremja“- Aufzeichnungen sind auch dabei. „Retro-TV“ hat sich auf alte Sowjetfilme und -serien spezialisiert. Auch Berichte über den Weltraumflug Gagarins oder die Beerdigung Breschnews werden gern gesehen.

Einer der marktführenden russischen Radiosender in Moskau, „Russkoje Radio“, spielt ausschließlich sowjetische Pop- und Discomusik. Die Hits der Gorbatschow-Zeit gibt es live in den Clubs „Schiguli“ (www.zhiguli.net) und „Konzert“ (www.koncert.su).

Vor zwei Jahren eröffnete in Moskau das erste „Spielautomatenmuseum“ mit ausschließlich sowjetischen, teilweise schon elektronischen Unterhaltungs-, Flipper- und Videospielen. Liebevoll restauriert erfreuen sich die zwischen 1970 und 1990 als „Abfallprodukt der Rüstungsbetriebe“ hergestellten Konsolen heute noch größter Beliebtheit, waren sie doch seinerzeit sehr hilfreich bei jeder Art von Weltenflucht ... Wenn überhaupt, setzen sich die Fossilien nur mit vor Ort erhältlichen Kopeken in Bewegung (http://15kop.ru)!

Die Website www.76-82.ru heißt im Untertitel „Enzyklopädie unserer Kindheit“. Gesammelt werden hier Erinnerungen. Zwischen 1976 und 1982 geborene junge Erwachsene, die letzte Generation der noch vom Kommunismus sozialisierten Kids, können hier alte Freunde suchen, aber auch Spielzeug und Kleidung aus jener Zeit kaufen. So kehrt ein verloren geglaubtes Lebensgefühl per Internet zurück.

Auch als Tourist kann man dieses Phänomen erfahren. An jeder Ecke gibt es Devotionalien zu kaufen, Metrostationen aus der Zeit huldigen der alten Ideologie. Sowjetisches Kantinenessen findet man plötzlich wieder in zahlreichen Res­taurants („Zentralnyj“, s. S. 220, „Spezbufet Nomer 7“, s. S. 206).

Einen spannenden Überblick über die „Schätze aus der Welt des sowjetischen Atlantis“ bietet im Internet die Web­site www.madeinussr.com. Anhand von Sowjetporzellan, Postkarten oder Kinderbüchern offenbart sich ein Universum, in dem die Fülle jener Zeit über dem Mangel rangiert, der den Alltag bestimmte.

Das Nostalgiephänomen scheint sich nicht aus dem Wunsch zu speisen, das alte System zurückholen zu wollen. Auch wenn 2009 erstmals nach 18 Jahren wieder Panzer über den Roten Platz fuhren (Wladimir Putin hatte diese demonstrative Zurschaustellung russischer Großmachtambitionen angeordnet.). Im Grunde geht es weniger um Ideologie als um Erinnerungen an eine vermeintlich unbeschwerte Jugend.

Karen Schachnasarow ist davon überzeugt, dass man sich „an das sowjetische Imperium noch nach Jahrhunderten erinnern wird, so wie an Troja. Man wird seine Denkmäler erforschen und seine Legenden entschlüsseln wollen“.

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Elektrizität (siehe Reiseführer S. 45), Essen und Trinken

Zutaten für 4 Personen:

5–6 mittelgroße (gekochte) Kartoffeln, 2 Handvoll Sauerkraut, 2 Salzgurken, 3–4 EL Zuckererbsen, 100 g mageres Kochfleisch oder Kochwurst, 3 EL Mayonnaise, 1 EL saure Sahne, Dill, Petersilie, Pfeffer und Salz

Aus diesen Ingredienzen lässt sich eine der beliebten russischen Vorspeisen (sakuska) zaubern. Die Majonnaise wird erst kurz vor dem Verzehr hinzugegeben. Dazu ein kleines Gläschen Wodka. Hmhm, wkussno (lecker)!

Moskauer Salat

Essen und Trinken (siehe Reiseführer S. 45)

In den oberen Etagen des GUM gibt es kulinarische Vielfalt für den kleinen Geldbeutel

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Die russische Ausführung unserer „Pommes-Bude“

Die Zeichen und Farben bedeuten:

R1 laufende Nummer

[I F7] Nummer der Detailkarte und Planquadrat

€ preiswertes Restaurant

€€ gehobenes Niveau

€€€ exklusiv und hochpreisig

rot vorwiegend russische Küche

grün internationale und russische Küche

blau exotische Küche

R223 [I F7] Eat & Talk €–€€ S. 192

R226 [I G6] Pelmeschka € S. 192

R230 [II G9] Oblomow €€–€€€ S. 203

R231 [II F8] Ris i Ryba €–€€ S. 206

R232 [II G8 ] Sad €€ S. 206

R234 [E10] Sky Lounge €€€ S. 206

R235 [II F8] Spezbufet Nomer 7 €–€€ S. 206

R239 [III E6] Architekt €€€ S. 214

R243 [D4] Jar €€–€€€ S. 215

R245 [III F6] Ketama €–€€ S. 215

R247 [III F6] Makikafe €€ S. 215

R251 [III E6] Puschkin €€–€€€ S. 216

R254 [III E6] Schan-Schak €–€€ S. 217

R255 [III E5] Schokolad €€€ S. 217

R256 [III E6] Stanislawskowo 2 €–€€ S. 217

R259 [III F5] Tram €–€€ S. 220

R262 [III D6] Zentralnyj Restaurant € S. 220

R263 [III D6] ZDL €€–€€€ S. 220

R264 [IV E8] Correa’s €€ S. 228

R267 [IV D9] Lutsch €€€ S. 229

R268 [IV E8] Tifliskij €–€€ S. 229

R269 [IV E8] Vertinsky €€€ S. 229

R270 [V D7] Bosfor €€ S. 236

R273 [V E7] Schiguli €–€€ S. 236

R274 [V D7] Tinkoff €€ S. 236

R275 [V E7] Uvaga €–€€ S. 236

R276 [V D7] Wostotschnyj Kwartal €€ S. 236

R278 [VI F6] Baraschka €€–€€€ S. 242

R282 [VI G6] Jagannath € S. 243

R283 [VI F5] Kafe Galereja €€€ S. 243

R286 [VI G5] Ogni €–€€ S. 246

R288 [VII H6] Avocado €–€€ S. 250

R292 [VI H5] Coconclub €€€ S. 250

R295 [VII H7] Expedizija €€ S. 251

R296 [VII H6] Kafe Cibo e Vino €€ S. 251

R297 [VII H6] Nostalgie €€€ S. 251

R298 [VII H6] Petrow Wodkin €€ S. 253

R299 [VII G6] PirOGI € S. 254

R300 [VII H6] Schangschung €€ S. 254

R301 [VII H6] Schatjor €€–€€€ S. 254

R302 [VII H6] Schon Lon €€ S. 254

R304 [VII H6] Thai Thai €€ S. 254

Wodka

Schon im Jahr 988 wurde der Großfürst Wladimir von Kiew mit folgendem Ausspruch zitiert: „Trinken ist das wichtigste Vergnügen der Russen. Wir können nicht anders.“ Das Abstinenzgebot im Islam soll ihn letztlich bewogen haben, den orthodoxen Glauben als Staatsreligion zu wählen.

Seit dem 15. Jh. wird in Russland jenes vierzigprozentige Gebräu aus Weizen, manchmal auch aus Roggen destilliert, das das Schicksal der Russen nachhaltig bestimmen sollte: der Wodka, abgeleitet von dem Wort „woda“ (Wasser). In der Anfangszeit wurde das „Wässerchen“ mit Ölen aromatisiert, um den Beigeschmack der Verunreinigungen zu beseitigen, auch wenn Wodka „nicht schmecken, sondern wirken“ soll.

Zu jener Zeit brauchte das Moskauer Fürstentum neue Einnahmequellen zur Finanzierung des Militärs, der Verwaltung und der Residenz. Da bot sich eine Branntweinpacht geradezu an. Iwan IV. der Schreckliche plante Mitte des 16. Jh. Kriege und Eroberungen und beschloss, das „Fenster nach Europa“ mit dieser Pacht zu finanzieren. Bei der Eroberung von Kasan stieß er auf „Kabaken“, einfache Schänken, in denen Bauern und Städter niederer Herkunft Wodka tranken. Vom Ende des 18. Jh. bis zur Antialkoholkampagne unter Gorbatschow machte der Anteil der Spirituosensteuer fast ein Drittel der Staatseinnahmen aus. Auch unter Stalin hielt „die Verstrickung des Staates in die Zwangsalkoholisierung der Bevölkerung“ (Sonja Margolina) an. Im Krieg gegen Hitler-Deutschland ordnete Stalin eine Tagesration von „100 Gramm“ für jeden Frontsoldaten an. Wodka wird heute noch im Gramm bemessen (z. B. auf Speisekarten). Auch unter den Kommunisten war die Trunkenheit an Feiertagen legitim. Aufgrund des Mangels an Gebrauchsgütern und Freizeitangeboten kam es in weiten Bevölkerungsteilen zu einer wahren Flucht in den Alkohol. Auch wenn sich der Rausch der Russen auf ihr Gemüt meist besänftigend auswirkt, so sind die Folgen wie Apathie, Disziplinlosigkeit und Gesundheitsschädlichkeit für das Land auch heute noch fatal.

Unter Gorbatschow (auch Mineralsekretär genannt) blühte der Handel mit Samogon, mit Selbstgebranntem, der aus Zucker und Spiritus in der heimischen Küche destilliert wurde. Jelzin schaffte schließlich das staatliche Alkoholmonopol ab. Heute erlebt die Wodkaproduktion eine echte Renaissance. Die beste und größte Wodka-Brennerei ist nach wie vor die Kristall-Brennerei in Moskau, deren Produktion und Geschichte im angrenzenden Wodkamuseum (s. S. 78) zu bestaunen sind (Degustation inklusive!).

Seit dem 1. Januar 2006 gelten neue Verkaufsbeschränkungen: Zwischen 23 und 8 Uhr morgens ist der Verkauf von Wodka nicht mehr erlaubt. Auch das Konsumieren von Alkohol in der Öffentlichkeit, ist im Dezember 2005 offiziell verboten worden.

Wer nach Moskau reist, sollte einige Wodkaregeln kennen. Die Russen trinken Wodka pur in großen Wassergläsern, aber nur das erste Glas muss ausgetrunken werden. Ab dem zweiten darf man nippen! Es gilt als unhöflich, allein zu trinken. Wodkagläser werden immer kollektiv gehoben. Etwas befremdlich mutet die Sitte an, dass sich die Zuprostenden nicht in die Augen sehen. Trinksprüche hingegen sind von großer Wichtigkeit, auch von Ausländern wird ein Toast erwartet. Die Anzahl der anwesenden Trinkenden bestimmt die Zahl der Trinksprüche. Mehr dürfen es sein, weniger nicht. „Sa sdorowie“ („auf die Gesundheit“) ist der selten gewordene Klassiker. „Na sdarowje“ heißt „guten Appetit“!) Häufiger hört man „Sa nas“ („auf uns“), „Sa druschbu“ („auf die Freundschaft“) oder „Sa snakomstwa“ („auf das Kennenlernen“).

Eventuell ist für weniger trinkfeste Gemüter besser die völlige Abstinenz geboten, die dann allerdings mit der Einnahme starker Medikamente erklärt werden muss. Schon im russischen Volksmund heißt es: „Was für den Russen gesund ist, bringt den Deutschen um.“

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Filmverleih, Geschäftlich in Moskau

Junge Moskauer in ungewohnter Spiegelperspektive

Diese öffentliche Münztoilette bietet ihren Service auf ökobiologischer Basis

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Hygiene (siehe Reiseführer S. 56)

Cinemanijaki – die russischen Cineasten

„Eine erhebende Illusion ist mir lieber als tausend niedrige Wahrheiten“, heißt es bei Puschkin. Die Lust an der filmischen ­Illusion ist in Moskau derzeit so groß wie lange nicht.

Während der großen Blüte des sowjetischen Kinos nach der Oktoberrevolution in den 1920er-Jahren verhalfen Regisseure wie Sergej Ejsenstejn und in den 1960er-Jahren Andrej Tarkowskij und Leonid Gaidai dem russischen Film zu Weltruhm.

1929, fünf Jahre nach Lenins Tod, setzte die Eiszeit der sowjetischen Kunst ein. In den 1930er-Jahren ließ Stalin Auftragsfilme fabrizieren und engte die Kreativität der Filmschaffenden massiv ein. Er rief die Behörde Goskino ins Leben, die als einzige Institution das Recht hatte, Filme zu finanzieren und zu vertreiben. Die Produktion von Kinofilmen galten als Massenkunst mit hoher Publizität. Die Literatur wurde nicht in demselben Maße gegängelt wie der Film. Ein Buch konnte man notfalls verschweigen, einen Film nicht.

Filme wie „Moskau glaubt den Tränen nicht“ von Wladimir Menschow aus dem Jahr 1979 durften später dennoch gezeigt werden. Erst 1986, auf einem Kongress der sowjetischen Filmemacher in Moskau, wurde Goskino entmachtet. In den verbleibenden fünf Jahren bis zum Ende des kommunistischen Regimes kamen 250 bis dato verbotene Filme in die Kinos. Die 1990er-Jahre waren schwierig, es fehlte das Geld für neue Produktionen. Ein Glücksfall wurde der neue Mosfilm-Direktor Karen Schachnasarow, der die Filmrechte alter Filme an das Fernsehen verkaufte und damit für Einnahmen sorgte. Einzelne Filme wie Nikita Michalkows „Die Sonne, die uns täuscht“ lenkten die Aufmerksamkeit des Westens wieder auf Russland.

Im neuen Jahrtausend hat sich das russische Kino stark verändert. 2001 eroberte der Film „Moskau“ von Alexander Seldowitsch die Herzen der Moskowiter und fing das hedonistische Lebensgefühl einer ganzen Generation ein. Nach dem großen Erfolg von Alexander Sokurows ästhetisch neuem und hochwertigem Kostümfilm „Russian Ark“ meldete sich das russische Kino auch im Westen zurück. Mit dem Nachfolger „Vater und Sohn“, der das in Russland besonders schwierige Vater-und-Sohn-Thema variiert, konnte Sokurow die Filmkritik in Cannes überzeugen. „Die Rückkehr“ von Andrej Swjaginzew gewann auf dem Filmfestival in Venedig 2003 den Goldenen Löwen. Die Verfilmung von Boris Akunins Krimi „Der Tote im Salonwagen“ wurde zum Kassenschlager des Jahres 2005. Ebenfalls von Michalkow ist der 2007 Oscar prämierte Film „12“, in dem eine zwölfköpfige Jury über einen tschetschenischen Teenager richtet.

Literaturverfilmungen boomen. Das russische Publikum zeigt großes Interesse an heimischen Filmen. Das mag auch an Blockbustern wie dem U-Bootdrama „72 Meter“ von Wladimir Chotinenko und Kriegsfilmen wie „9 Kompanien“ von Jurij Korotkow liegen. Der internationale Blockbuster russischer Provenienz ist eine Serie von Science-Fiction-Horror-Filmen: „Nachtwächter“ und „Tagwächter“ von Timur Bekmambetow. Die literarischen Vorlagen stammen aus der Feder des Schriftstellers Sergej Lukjanenko.

Selbst das Autorenkino von Regisseuren mit kleinem Budget erlebt ein ungeahntes Comeback. Das tiefsinnige Existentialistendrama „Staub“ von Sergej Loban und der Kasachstan-Film „Das wilde Land“ von M. Kalatosischwili lockten das Publikum scharenweise in die Filmtheater.

Konkurrenz hat das Kino in Russland ausgerechnet vom Fernsehen zu befürchten. Der Regisseur Wladimir Bortko lehrt das Kino mit seinen hervorragend gemachten Serienproduktionen der großen russischen Klassiker wie „Der Idiot“ von Fjodor Dostojewskij und „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow das Fürchten. Nach der Verfilmung von Alexander Solschenizyns einzigem Roman „Im ersten Kreis“, kommt jetzt auch „Anna Karenina“ ins Fernsehen. Amerikas Filmindustrie hat den Trend erkannt. Monumental Pictures verfilmt das Romanepos „Krieg und Frieden“, mit russischen Regisseuren und Schauspielern – und in russischer Sprache.

Der teuerste russische Film aller Zeiten heißt „Die bewohnte Insel“ (F. Bondartschuk, 2008) und versteht sich als kosmische Reise durch eine Diktatur. Vorlage war der Science-Fiction-Roman gleichen Titels von den Brüdern Strugazki.

Russische Fernsehfilme werden ebenso wie Kinofilme noch immer in den inzwischen modernisierten Mosfilm–Studios („Mollywood“, s. S. 82) gedreht.

Und doch beherrschen ausländische, zumeist amerikanische Filme noch immer das Angebot. Immer häufiger gibt es jetzt auch Untertitel (subtitry) statt nerviger Synchronstimmen (dublirowannyj), auch wenn die Streifen nicht mehr nur mit einer Stimme für alle Personen synchronisiert werden, sondern mit mehreren.

Alte russische Streifen sind auf der Leinwand selten zu sehen, dafür aber auf DVD zu kaufen.

Aktuelle Filme gibt es schon nach wenigen Tagen auf DVD im Handel.

Für cinemanijaki (Cineasten) gibt es die größte Auswahl an russischen und ausländischen Filmen während des Internationalen Moskauer Filmfestes (www.moscowfilmfestival.ru) das mittlerweile in einer Liga mit Cannes und Venedig spielt. Es findet immer im Juni oder Juli statt. Dann ist die Welt für zwei Wochen zu Gast in Moskau. 2009 brillierte Pawel Lungins Film „Zar“ mit P. Mamonow als Iwan dem Schrecklichen. Starke Bilder und extreme Charaktere – typisch russisch eben.

In Konstantin Melnikows spektakulärer „Garage“ treffen alte und neue Avantgarde aufeinander

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Winsawod ist in nur wenigen Monaten Moskaus neues Kunstmekka geworden

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„Wir laden Sie zur Arbeit ein“ – konstruktivistisches Plakat mit Jobangeboten

µ Feuerwehr (poscharnaja ochrana): 01

µ Polizei (milizija): 02

µ Unfallwagen (skoraja pomoschtsch): 03

µ Notruf auf Englisch: 9379911

Vom deutschen Mobiltelefon müssen die Ziffern 7495 vorweg gewählt werden!

Notrufnummern

Im Notfall (siehe Reiseführer S. 68)

Mythos KGB

1917 gründete Felix Dserschinskij die früheste Vorgängerorganisation des KGB (Komitee für Staatssicherheit), die tscheka (All-Russisches außerordentliches Kommissariat gegen Konterrevolution und Sabotage). Das NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) wurde schon unter Dserschinskij eingerichtet, gewann aber erst unter Lawrentin Berija nach 1926 an Bedeutung. Der KGB entstand 1954 aus Abteilungen des Innenministe­riums und des Inlandsgeheimdienstes NKWD. Nach dem Putschversuch vom August 1991, in den der damalige KGB-Vorsitzende Wladimir Krjutschow verwickelt war, wurde die Behörde am 6. November 1991 aufgelöst.

Der KGB war in mehrere Hauptverwaltungen unterteilt. Seine Aufgaben umfassten Inlands- und Auslandsspionage, Kontrolle und Liquidation von Regimegegnern und Bewachung der Partei- und Staatsführung. Im Gegensatz zu seinen amerikanischen und britischen Pendants FBI und MI6 verließ sich der KGB auf Human Intelligence, auf durch eigene Agenten erhaltene, aber eben leicht zu manipulierende Erkenntnisse. Die westlichen Geheimdienste setzten auf das Abfangen und Decodieren von Funksprüchen. Der KGB erwies sich als langlebiger als die Kommunistische Partei.

Schon Iwan der Schreckliche und Katharina die Große unterhielten eine eigene Geheimpolizei. Unter Katharina befand sie sich da, wo sie heute noch ihren Hauptsitz hat: am Lubjanka-Platz. Die Lubjanka ist das 1897 für eine russische Versicherung gebaute, sehr abweisend wirkende Haupt­gebäude, in dem auch Lawrentin Berija und Jurij Andropow einst residierten. Im Keller des gelben Monumentalbaus befanden sich, wie jeder Moskowiter weiß, die berüchtigten Gefängnisse des KGB. Den Lubjanka-Platz schmückte Felix Dserschinskijs Denkmal, das 1991 als Zeichen für das Ende des Regimes demontiert wurde. Heute befinden sich der Grenzschutz und ein Teil der Verwaltung in der riesigen, festungsähnlichen Zentrale. In dem grauen Gebäude links residiert eine der Nachfolgeorganisationen des KGB, der FSB. Für Russen ist die Lubjanka der Inbegriff der Unterdrückung, sie würdigen das Gebäude keines Blickes. Auf Nicht-Russen übt es eine eher unheimliche Anziehung aus, galt der KGB doch als das Epizentrum im „Reich des Bösen“.

Seit 1991 sind der FSB (Föderaler Sicherheitsdienst) für Inlandsspionage und SVR (Russischer Auslandsaufklärungsdienst) für Auslandsspionage die Nachfolgeorganisationen des KGB. Der SVR ist nicht an der Lubjanka, sondern im Großraum Moskau untergebracht. Wladimir Putin war nach 16 Jahren im Dienst des KGB von 1998 bis 1999 selbst Chef des Föderalen Sicherheitsdienstes, dem heute Alexander Bortnikow vorsteht.

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Der Putz ist ab: Auf dem Lubjanka-Platz wird die Neujahrsdekoration abgebaut

Exponate mit Geschichte im besten Wodkamuseum Russlands

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Museumsbabuschkas

Eine besondere, aussterbende Spezies Mensch ist die russische Museumsbabuschka in den typisch russischen Wohnhausmuseen. Es handelt sich um einen Frauentypus in den besten Jahren, meist um eine echte babuschka (Oma), die mit Argusaugen darüber wacht, dass der Besucher keinem noch so kleinen, liebevoll drapierten Bleistift auf dem Schreibtisch der betreffenden hoch verehrten russischen Geistesgröße zu nahe kommt. Sie achtet penibel darauf, dass jeder am Eingang Schlappen (tapotschki) über die Straßenschuhe zieht und den Mantel ordnungsgemäß an der Garderobe abgibt.

Mit strengem Blick überreicht sie dem Besucher in abgehalfterte Plastikfolien gezwängte russische oder wahlweise englische Texte mit meist viel zu weit führenden Erläuterungen. Fortan weicht sie dem Besucher keinen Millimeter mehr von den Fersen, wobei dieser immer wieder gemustert und behelligt wird mit ausnehmend patriotischen Sätzen wie: „Er war ein großer Intellektueller“ – natürlich auf Russisch. In Sowjetzeiten wohl angesehen und gut bezahlt, hat sich die zum adeligen Inventar zu gehören scheinende Museumsangestellte ihre Hingabe zum russischen Kulturerbe bewahrt.

Kultur war Staatsangelegenheit, aber immer auch reglementiert. Sobald der Besucher etwas Unvorhergesehenes versucht, z. B. die Freundin vor einer der Vitrinen zu küssen, schnappt die Falle zu. „Hier darf nicht geküsst werden“, raunt es ernst aus dem Off. An der Schattenfrau ist auch äußerlich die Zeit vorbeigegangen, trägt sie doch immer noch mit Vorliebe hellgraue Filzstrickjacken und eine leicht missglückte Hochsteckfrisur. In der Hand die unvermeidliche Lektüre, in die sie sich aber nur ungern vertieft. Es könnte ja etwas Unvorhergesehenes passieren.

Kauft man schließlich kein Andenken, wird man mit einem latent schnippischen „Do swidanja“ und mit dem Gefühl verabschiedet, die heilige Stätte nicht richtig gewürdigt und den berühmten Dichter oder Denker bei seinem Mittagsschlaf gestört zu haben. Ein „Wsewo Dobrowo“ (Alles Gute) bedeutet dem Besucher, dass er eher angenehm aufgefallen ist. Überboten wird der Gruß nur noch von „Prichodite jescho ras“ (Kommen Sie mal wieder). Aber auch im Anschluss daran wird man dem dogmatischen „Vergessen Sie nicht, die Tür zu schließen“ nicht entkommen. Die Sowjetunion lässt noch einmal grüßen, bevor man schlagartig mit dem Schließen der Eingangstür in das Moskau von heute katapultiert wird, in dem es kein beklemmendes Lebensgefühl und keinen Big Brother mehr gibt, sondern die Freiheit der großen weiten Welt.

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Museumsbabuschkas

Babuschkas auf Posten

Jurij Gagarin, der erste Mensch im Weltall, als russischer „Supermen“

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Musikszene und Nachtleben

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Restaurant und Bar Lutsch in der alten Elektrofabrik

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Blick von der Terrasse der O2-Lounge des Ritz-Carlton Hotels (s. S. 192)

Die neuen Zaren

Vorbei die Zeiten, als der Slogan „Ohne Prada bist du ein Loser“ noch an jeder Ecke in Moskau zu sehen war. Aber auch wenn die Zahl der in Moskau lebenden Milliardäre auf 27 geschrumpft ist, gibt es keine neue Bescheidenheit. Viele der Oligarchen, die von der Privatisierung der Staatsbetriebe in den 1990er-Jahren profitiert haben, und andere „Bisnesmeny“ zählen zumindest zu den 70.000 Millionären. Die Klientel der alljährlich stattfindenden „Millionaire Fair“ (www.­millionairefair.ru) schreckt auch vor dem Kauf eines Hubschraubers für 1,5 Millionen oder einer Südseeinsel für 10 Millionen Dollar nicht zurück.

Auf internationalen Kunstmessen treten neuerdings betuchte russische Käufer als Sammler auf. Sie bringen gern ihre eigenen Sachverständigen mit. Auch die Moskauer „World Fine Art Fair“ erfreut sich großer Beliebtheit unter den „Nuworischi“, die Moderne Kunst ist ein Tummelplatz für „Neureiche“ geworden. Vernissagen sind genauso beliebt wie Charity-Veranstaltungen. Zum „Ball der Liebe“ im nun vollendeten Lustschloss Zaryzino im Süden der Metropole kommen nur „Swetskije Ludi“ („Leute von Welt“), wobei das Wort „Swet“ im Russischen auch „Schein“ und „Licht“ bedeuten kann. Die „Goldene Zeit“ trägt so mancher geschmeidig am Handgelenk. Ein Unikat dieser Uhrenmarke mit der russischen Flagge auf dem Zifferblatt kostet ab 10.000 Euro.

Die Großzügigkeit russischer Zaren gepaart mit russischem Nationalstolz stellte der Geschäftsmann Viktor Vekselberg eindrücklich unter Beweis, als er bei Sotheby’s die zweitgrößte Sammlung von Fabergé-Kostbarkeiten weltweit (nach dem Kreml) ersteigerte und nun der Öffentlichkeit präsentiert (http://fsv.ru).

Neues Geld hat auch der guten alten Datscha einen Imagewechsel verpasst. Sie heißt jetzt „Cottage“, sofern sie an der „Rubljowka“, der „Straße zur Glückseligkeit“ liegt. Das ist der Titel des lakonischen Dokumentarfilms von Irene Langemann, in dem auch die Nachfahren der Romanows porträtiert werden.

Einen guten Einblick in die beschriebene Welt kann man sich in Barvicha Village und dem dazugehörenden Barvikha Hotel & Spa (www.barvikhahotel.com, Metro: Molodjoschnaja, dann Marschrutka 101) an der „Rubelstraße“ verschaffen. Anatoly Komm, Russlands einziger Sternekoch, sorgt dafür, dass sich jeder wie ein Zar fühlen darf. Am besten fährt man in einem „Hummer“ vor, dem Lieblingsauto der neuen Russen.

Oksana Robskis Bücher über ihr Leben an der Seite eines reichen Firmenbosses in dieser Glitzerwelt finden reißenden Absatz. Die Autorin unterscheidet zwischen reichen und ganz reichen Russen. Es gebe bereits eine Mittelschicht, aber „nur in Moskau, nicht in Russland.“

Der Kreml im Stadtmittelpunkt, die Moskwa und ihre Brücken sind hervorragende Orientierungspunkte

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Die Hauptstadt und der Kaukasus

Der Kaukasus ist ein rund 1200 km langes und 200 km breites, zum Großteil vergletschertes Hochgebirge zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer, das zur Sowjetunion gehörte. Man unterscheidet die südkaukasischen, selbstständigen Republiken Georgien, Armenien und Aserbaidschan von den noch heute der Russischen Föderation angeschlossenen, nach Unabhängigkeit strebenden Landstrichen im Nordwesten bzw. Norden wie beispielsweise auch Tschetschenien.

Als Katharina die Große Ende des 18. Jh. beschloss, das russische Imperium nach Süden auszuweiten, lebten im Kaukasusgebiet rund 200 autonome Völker. Einige standen auf Seiten der Georgier, andere sympathisierten mit dem Iran oder der Türkei. In Tschetschenien stieß die russische Armee auf ein stolzes, islamisch geprägtes Bergvolk, das sich dem fremden Regime nicht unterwerfen wollte. Im 19. Jh. wollte Russland um jeden Preis den Zugang zu den Seewegen im Süden behalten und das britische Vorstoßen in die Region abwenden. 30 Jahre lang kam es auf beiden Seiten immer wieder zu Übergriffen.

1917 gründeten die Völker des Nordkaukasus eine unabhängige Republik, die 1920 von den Sowjets unterworfen wurde. Stalin rächte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges für die Aufstände der Tschetschenen während der deutschen Invasion. Er ließ eine halbe Million Tschetschenen nach Zentralasien deportieren und teilte das Territorium über alle ethnischen Grenzen hinweg auf.

Nationale Separatisten erklärten Tschetschenien 1992 für unabhängig und bildeten einen Staatenbund vom Kaspischen bis zum Schwarzen Meer, der sich allerdings als wenig dauerhaft erwies. Zeitgleich kamen von der arabischen Halbinsel radikale Moslems ins Land. Boris Jelzin versuchte zuerst vergeblich zu vermitteln und schickte dann 1994 eine Militärstreitmacht nach Tschetschenien. 1996 wurde die russische Armee zurückgedrängt, die Rebellen gewannen wieder die Oberhand. Der im August unterzeichnete Waffenstillstand hielt nur bis 1999, als es im September zu einer zweiten großen Invasion der russischen Armee kam.

Im selben Jahr wurden auf die Moskauer Metro mehrere Anschläge verübt, bei denen fast 200 Menschen starben. Auch wenn die Herkunft der Attentäter nicht geklärt werden konnte, gingen die Anschläge offiziell auf das Konto der Rebellen. Ein Übergriff der Tschetschenen auf die Nachbarrepublik Dagestan wurde vom russischen Militär mit verstärkten Angriffen beantwortet.

Einen traurigen Höhepunkt fand der bis heute anhaltende Konflikt 2002, als tschetschenische Rebellen das Musicaltheater an der Dubrowka („Nord-Ost“) in Moskau stürmten und 800 Geiseln nahmen. Als russische Truppen die Täter überwältigten und giftige Gase in das Innere sprühten, wurden auch viele unschuldige Russen verletzt. Unter den Rebellen fand man zu Selbstmordattentäterinnen ausgebildete tschetschenische Frauen, so genannte „schwarze Witwen“ (gestorbener Soldaten). Die Bilanz waren 120 Tote, unzählige Verletzte und ein nationales Trauma, das nur noch von der Tragödie in Beslan (Republik Nord-Ossetien), dem russischen Pendant zum 11. September, in den Schatten gestellt wurde. Der Überfall auf eine Schule forderte 339 Menschenleben. Moskau reagierte mit der Ankündigung von Präventivschlägen und dem Bemühen, die Separatisten als „Zelle“ des internationalen Terrorismus darzustellen. Im Juli 2006 wurde der ­islamische Fundamentalist und tschetschenische Separatistenführer Schamil Bassajew bei einer „Spezialoperation“ getötet. Der „russische Bin Laden“ (so der russische Außenminister Sergej Iwanow) war auch ein Sinnbild für die verfehlte Politik Russlands im Kauskasus.

Im August 2008 kam es in Georgien zu einem bewaffneten militärischen Konflikt mit den Republiken Südossetien und Abchasien, die Russland unterstützte und schließlich als unabhängige Staaten anerkannte. In Georgien wurde seinerzeit mit aktiver Hilfe aus den am kaspischen Öl interessierten USA ein Regime eingesetzt, das den Anschluss an die NATO anstrebt und sich aus Moskaus Fängen befreien will. Das Land kontrolliert auch den Durchgang vom Kaspischen zum Schwarzen Meer und damit den wichtigsten westlichen Exportkorridor für das zentralasiatische Öl und Erdgas. Die Entdeckung neuer Erdölvorkommen am Kaspischen Meer hat den Wettlauf zwischen Russland und den USA erneut angeheizt. Moskau unterstützt Armenien gegen das reiche Aserbaidschan, das zunehmend unter westlichen Einfluss gerät.

Das Ansehen der in Moskau lebenden Kaukasusvölker, „Schwarze“ (tschornye) genannt, vor allem aber der Tschetschenen, hat mit den Jahren sehr gelitten. Sie werden offiziell und inoffiziell diskriminiert. Im Oktober 2006 ordnete Wladimir Putin überraschend die Abschaffung der Einwanderungsquote für Georgier an, nachdem in Georgien vier russische Offiziere verhaftet wurden. In Russland leben etwa eine Million Georgier. Der seit 200 Jahren schwelende Kaukasus-Konflikt scheint weit davon enfernt, gelöst zu werden.

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Demonstranten fordern ein Ende des Tschetschenienkrieges

European Space-Tourist, Reiseveranstalter, Büchelstr. 87, 53227 Bonn, Tel. 0228 4100960, Fax 4100986, www.european-space-tourist.com. Dieses deutsche Weltraumreisebüro bietet Tourismus bis an die Grenzen des Machbaren an. Astronautentraining in der Zentrifuge oder im Tieftauchbecken und Schwerelosigkeits­erfahrungen. Zehn Interessenten werden in einer vierstrahligen, innen vollständig leeren MIG 23 zum Preis von 8000 € 30–40 Minuten geflogen. Gestartet wird von April bis September auf dem Flughafen Schukowskij unweit von Moskau. Beim so genannten Parabelflug werden 20–30 Sekunden lang Schwerelosigkeit und eine ungefähre Flughöhe von 28 Kilometern erreicht.

Kosmonaut für einen Tag

Die Banja

Das russische Dampfbad ist eine Institu­tion, die es im Mutterland von Väterchen Frost schon im 12. Jh. gegeben hat. In der Sowjetzeit ersetzte die meist von Männern besuchte Banja das Café, die Kneipe und den Club als Ort des zwanglosen Zusammenkommens oder der abzuwickelnden Geschäfte. Allerdings von jeher mit Geschlechtertrennung, die es bis heute noch gibt. Anders als von westlichen Touristen oft vermutet, ist die Banja kein Ort des Lasters.

Die Banja, das russische Bad, hat eine Temperatur von ca. 60–80 °C und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Traditionell wird sich darin mit einem feuchten, am Eingang gekauften Birkenreisigbündel (wjenik) „geschlagen“ (Quästen). Für das Quästen wird frisches Birkenreisig samt Laub zusammen gebunden. Mit diesem Büschel wird während der zweiten Schwitz­phase die Haut von der Fußsohle aufwärts über die Beine, die Brust bis zu den Schultern leicht geschlagen. Dem traditionellen Quästen, bei dem sich das Aroma der Blätter entfaltet, werden nach Überlieferung magische und belebende Kräfte zugeschrieben. Das Birkenreisig durchdringt dabei die dünne, isolierende Luftschicht über der Haut. Dadurch wird zusätzliche Hitze herangeführt.

Das Herzstück der Banja ist die Schwitzkammer, in der man zunächst nicht länger als 6–7 Minuten verweilen sollte. Danach geht es ins Tauchbecken und dann auf die Liege. Etwa zwei Stunden dauert ein durchschnittlicher Banjabesuch. Banjagänger philosophieren gern über die Wissenschaft des Wasserdampfes und die Wunder der Birkenruten. Für Russen ist die Banja eine Art Kirche. Natürlich darf in der Kirche kein Alkohol getrunken werden! Aber es herrscht auch kein andächtiges Schweigen, wenngleich die großen Themen, Probleme und Fehltritte erst erörtert werden, wenn man nackt und gereinigt auf den Ruheliegen angekommen ist. Die Banja – eine Art russischer Beichtstuhl. „S ljochkim parom“ ist der klassische Spruch, den man hört, bevor man im Dampfbad verschwindet. Übersetzt etwa: „Möge dich der Dampf erleichtern.“

Ein Laken, in das man sich einwickelt, gibt es gratis. Badeschlappen und Handtücher sollte man mitbringen, an den auszuleihenden Utensilien nagt meist der Zahn der Zeit. In einigen Banjas, vor allem aber auf Flohmärkten, werden noch immer die pilzförmigen, dunkelgrünen Waldschratmützen aus Filz feilgeboten, mit denen die Russen ihren Kopf vor der mörderischen Hitze schützen. Fotoapparat bereithalten!

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„BADEN VERBOTEN“

ReiseTIPP

Vorwahlchaos

Nach der Ländervorwahl 007 folgt für Moskau die Vorwahl 495 oder (in sehr seltenen Fällen) die 499. In diesem Cityguide wird nur die 499 zusätzlich angegeben. Steht nichts dabei, ist die 495 richtig. Will man von einer Zone in die andere telefonieren, muss zusätzlich die 8 plus Vorwahl gewählt werden. Innerhalb der 499-Zone wird die 499 mitgewählt!

Literaturtipp

„Handy global – mit dem Handy im Ausland“

Der Ratgeber aus der Reihe PRAXIS für die richtige und kostensparende Nutzung des Handys auf Reisen:

o fremde Netzstandards o Kosten sparen beim Roaming o SMS, MMS und E-Mail aus dem Ausland o Wap und Internet o Reiseinfos mobil o Hintergrundwissen und Kauf­beratung o wichtige Handy­funk­tio­nen clever einsetzen o das passende Zubehör ...

Reise Know-How Verlag, Bielefeld

New Drama oder der zensurfreie Raum

Über achtzig Schauspielhäuser allein in Moskau zeugen davon, dass das Theater unabhängig von allen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen des Landes immer eine große Bedeutung hatte. Schließlich waren es die Russen, die vor 100 Jahren den Beruf des Regisseurs überhaupt erst erfunden haben, bis dato gab es nur den Stückeschreiber, der auch inszenierte. Theater- wie Konzertbesuche waren und sind für die Moskowiter eine Selbstverständlichkeit, das Bedürfnis nach einer Flucht in einen beinahe zensurfreien Raum.

Auf der Bühne hat es auch in politisch brisanten Zeiten selten Zensur gegeben. Heute genießt das Theater relative Narrenfreiheit. Dieses Phänomen macht sich gerade eine neue Generation von Autoren zunutze, die nach einer gewissen Orientierungslosigkeit in den 1990er-Jahren seit 2000 für einen regelrechten Theaterboom sorgt. Neue, junge Talente schreiben über Angst, Gewalt, soziale Entfremdung und sogar Politik. „New Drama“ ist kein Gegengewicht zum klassischen Theater Stanislawskijs, sondern dessen Weiterführung und Inspirationsquelle.

Iwan Wyrypajew ist eine der schillerndsten Figuren des russischen New Drama. In dem als „Theater des Internetzeitalters“ gepriesenen Theater.doc sprach er mit seinem Stück „Sauerstoff“ vor allem den jungen Russen aus der Seele. Mit seiner spirituellen, auch stark religiösen Sinnsuche, dem allgemeinen Ringen nach Sauerstoff, lockte er sogar die Neuen Russen ins Theater. („Man muss die Luft atmen, die man hat. Man braucht ja Sauerstoff“). Der umjubelte Star gründete jüngst sogar die „Bewegung Sauerstoff“, drehte einen Film („Euphorie“) und schreibt neue Stücke („Erklärung“, „Juli“).

Das Besondere an Theater.doc ist die Art, wie die Texte generiert werden: Die Autoren werden mit Tonbändern in bestimmte Milieus geschickt und zeichnen auf, was in den Köpfen der Menschen vorgeht. Die hohe Authentizität, die schon Stanislawskij propagierte, hat dem Kellertheater regelrechten Kultstatus verliehen. „Sauerstoff“ wird auch in Europa gespielt und wurde ins Englische und Deutsche übersetzt.

Politische Underground-Stücke der Brüder Presnjakow, der nach Anton Tschechow bekanntesten Dramaturgen Russlands, werden ebenso gezeigt wie Zeitgeiststücke von Wassilij Sigarjew, Jewgenij Grischkowez, Wladimir Pankow oder den Brüdern Durnenkow. Anders als in den 1990er-Jahren finden sich heute auch Sponsoren aus der Wirtschaft, die die jungen Theater unterstützen. War es früher oft so, dass die Ideen aus dem Westen nach Russland kamen, dort verfremdet und/ oder verändert und dann gegen den Westen gerichtet wurden, kommt heute – nicht nur – im Theater das Licht aus dem Osten. Ex oriente lux.

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Das experimentelle Theater „Praktika“

Das Ukraina Hotel im sowjet­russischem Ambiente. Allmählich bieten die renovierten Zimmer auch internationalen Komfort.

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¸ Karte Seite 112

Preiskategorien

In der folgenden Aufstellung bedeuten die Preiskategorien (pro Nacht und Doppelzimmer):

€€€€ ab 350 €

€€€ ab 250 €

€€ ab 150 €

bis 150 €

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Straßenhändler, Babuschkas und kleine Kinder werden in den Straßen Moskaus rar

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Stilvoll und selbstbewusst: russische Damen

Metroplan s. vordere Umschlagklappe

Viele Stationen gleichen einem Kunstmuseum wie hier die Station Komsomolskaja

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Die Metro: Utopia unter der Erde

„Moskau hat nicht nur eine Metro und unterirdische Einkaufszentren. Es gibt auch noch ein anderes unterirdisches Moskau, von dem nur wenige wissen: Umschlagplätze, Depots, Verteidigungsstützpunkte, Bunker und Tunnel. Und dann gibt es noch die Moskauer Unterwelt ?“ (Roj Medwedew)

Moskaus unterirdisches Utopia sollte einst eine Art „Anti-Paris“ werden. Die Schönheit von Paris fand sich an der Oberfläche, in Palästen und Boulevards. Moskaus „Paläste für das Volk“ sollten aus der Erde wachsen. Schon 1901 war zum ersten Mal ein Projekt erarbeitet worden, aber es gab Bedenken von Archäologen wegen der schlechten Bodenverhältnisse, des sandigen Untergrundes und der Gefährdung historischer Bauwerke. Auch die russisch-orthodoxe Kirche bangte um ihre Besitzungen. Im Übrigen bedeutete für sie der Begriff „Untergrund“ ein Synonym für „Unterwelt“. Viele europäische Weltstädte hatten beim Bau einer Untergrundbahn mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. In Berlin war es der hohe Grundwasserspiegel, in London die komplexe Kanalisation, in Paris und Madrid waren es die Fundamente alter Gemäuer. Und doch fuhr in London schon 1863 die erste Metro, fünf Jahre später in New York. 1902 wurde die erste U-Bahn in Berlin in Betrieb genommen.

Erst dreißig Jahre später, 1931, fasste das ZK in Moskau den Beschluss, eine Metro zu bauen. Aber schon ein Jahr später ging es dann los. Die Bauarbeiten begannen mit vorsintflutlichen Gerätschaften, bis dampfbetriebene Bohrmaschinen aus England importiert werden konnten. Getreu der Losung: „Es gibt keine Festungen, die die Bolschewiki nicht nehmen können!“ ging der Ausbau dann in rasendem Tempo vonstatten. Schon 1935 konnte die erste Linie mit 13 Stationen ihren Betrieb aufnehmen.

Und der Rest der Welt kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ausgerechnet die Bolschewiki hatten die schönste, schnellste, sicherste und luxuriöseste Metro der Welt geschaffen, für deren Gestaltung eigens Architekturwettbewerbe ausgeschrieben worden waren. Noch heute ist an den unterschiedlichen Stationen zu sehen, dass sich Traditionalisten und Konstruktivisten in Moskau Konkurrenz machten. Die Moskauer Metro wurde zu einem Symbol für die Leistungsfähigkeit des sowjetischen Staats, die palastartigen Stationen sollten eine Art Kirchenersatz sein. In der Tat ähnelt die Moskauer Unterwelt einer Ansammlung von einzigartigen Palästen. Zum Teil wurde Marmor aus der gesprengten Erlöser-Kathedrale verwendet, aber auch aus dem Ural, dem Altai-Gebirge und dem Kaukasus eingeflogen. Unmengen von Granit, Stuck und anderen aufwendigen Materialien ließen die Metros der anderen Städte verblassen. Metallverkleidungen wie in Prag waren verpönt. Lebensgroße Statuen, Mosaiken aus 300.000 Einzelteilen und riesige Kristalllüster machen die Metro zu einem mystischen, fast surrealen Ort. Das Beste war für das Volk gerade gut genug, war doch die Welt über der Erde alles andere als ­einfach. Das Ideal einer sozialistischen Stadt sollte fortan unter der Erde zu finden sein. Hier gab es keinen Platzmangel, keine Schlaglöcher und keine schmuddeligen Hinterhöfe.

Die Metro hatte in Moskau immer Propagandafunktion. Selbst nach Kriegsausbruch wurde ihr Ausbau fortgesetzt, um Stärke zu demonstrieren. Bis 1955 trug die Metro den Namen des Volkskommissars für Verkehr „Lazar-M.-Kaganowitsch-Metro“, Stalins rechter Hand, der auch „Stalins Schattenmann“ genannt wurde. Noch bis 1994 hieß sie Lenin-Metro. Nach dem Ende der Sowjetunion wurden auch einige ideologisch besetzte Stationen um­getauft: „Lubjanka“ hieß bis 1991 „Dscherschinskaja“ (nach dem Ex KGB-Chef), „Ochotnyj Rjad“ hieß „Prospekt Marxa“. Die Metrostation Kropotkinskaja (nach dem Anarchisten Pjotr Kropotkin) trug bis 1957 den Namen „Palast der Sowjets“. Sie sollte der unterirdische Eingang des gigantischen Palastes werden.

Im Laufe der Jahre musste die Metro dem gestiegenen Passagieraufkommen ihren Tribut zollen. Auf einen Kilometer Bahnstrecke kommen in Moskau heute 33.000 Bewohner. Zum Vergleich: in New York sind es ungefähr 20.000, in London 10.000 und in Paris 6.000. Der Ausbau machte mehr Umsteigebahnhöfe, eine Ringlinie und ein größeres Netz nötig. Heute sind die Glühlampen in den pompösen Leuchtern der Stationen meist durch Fluoreszenzröhren ersetzt, Kassettendecken einfacher Halogenbeleuchtung gewichen. Auch die hoffnungslos veralteten, dunkelgrünen Wagons sowjetischer Produktion trüben das Bild der unterirdischen Tempelanlagen. Musiker, ­denen keiner zuhört, in Glaskästen gezwängte Metrofrauen (die im Falle eines Falles die Rolltreppe anhalten können) und schummrige Verbindungsgänge offenbaren auch Schattenseiten des Utopia.

In dem 250 km langen Netz werden tagtäglich 9 Millionen Passagiere befördert, zu Stoßzeiten im 75- oder 85-Sekundentakt. Und der Superlative nicht genug: die heute schon 170 Stationen umfassende Metro wächst weiter. Die neue Station „Park Pobedy“ ist mit 120 Metern die tiefstgelegene U-Bahn-Plattform weltweit, die Fahrt auf der Rolltreppe dauert ganze vier Minuten. Das gesamte Metronetz war von Beginn an auch als gigantischer Luftschutzbunker konzipiert worden. Daher die enorme Tiefe.Die Moskauer Metro war und ist ein Pionierwerk der Moderne, auch und gerade weil das Zeitmaß, dem sie die Passagiere unterwirft, unbarmherzig ist.

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EXTRATIPP

Metromuseum

Metro-Fans sei das kleine, aber feine Metromuseum (s. S. 83) empfohlen, in dem es vor allem um die Geschichte der Moskauer Untergrundbahn geht.

Die Motorboote auf der Moskwa ermöglichen eine entspannte Minikreuzfahrt durchs Moskauer Zentrum

030mo Abb.: hj

LeseTIPP

Lesetipp

„Es gibt Städte, die sind wie eine Cremetorte. Es gibt Städte, die sind wie eine Pizza. Andere sind wie Sushi. Bei Moskau denke ich immer an eine Napoleontorte (Anm.: Torte mit Milch-Vanillecreme und Wodka in Blätterteig). Erstens, weil eine Person diesen Namens Moskau beinahe mit einem Bissen verschlungen hätte. Und zweitens, weil das Gewebe unserer Stadt aus wunderschönen Schichten besteht. Wenn man sich Moskau nicht stillos und hastig auf einmal in den Mund stopft, sondern langsam auf der Zunge zergehen lässt, geht der Schmauß nie zu Ende...“

Boris Akunin, Schriftsteller (siehe Kap. „Literaturtipps“)

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