4-wheel-nomads: Wow, das ist also Namibia!

Juliane, Mischa und die beiden Töchter Anouk und Sóley sind die 4-wheel-nomads. Die Vier leben auf Spiekeroog und starteten von dort ihre große Afrika-Reise mit dem Land Rover: 388 Tage – 27 Länder – 4 Personen – 1 Land Rover.

 

Wow, das ist also Namibia!

Schon seit langer Zeit haben wir uns auf Namibia gefreut ... Aber, liegt Namibia eigentlich wirklich auf demselben Kontinent wie die Länder, die wir in den letzten Monaten bereist haben? Bereits in Sambia fiel uns auf, dass das Straßenbild sauberer ist und das Leben etwas »geordneter« als in Ostafrika abzulaufen scheint (sicherlich eine zweischneidige Geschichte mit der Ordnung!) Doch dieser Eindruck wird in Namibia getoppt. Gleich nach den ersten paar Kilometern auf der Straße: Fast schon »typisch deutsch«, penibel und akkurat wirken einige Straßen und Städte wie Windhoek oder Swakopmund. Nein, Namibia kann und will vielleicht nicht leugnen, dass es zwischen 1889 und 1915 eine deutsche Kolonie war. Die Häuser aus dieser Zeit werden im Gegensatz zu Bagamoyo reinlich gepflegt und herausgeputzt, die Straßen tragen sowohl deutsche als auch afrikanische Namen und neben eher südafrikanischen und traditionelleren »echt« afrikanischen Speisen wird vielerorts deutsches Essen angeboten. Darüber freuen sich die Kinder ganz besonders. Endlich gibt es wieder Spätzle, Apfelmus, deutsche Bratwurst und so weiter. Aber auch Mischa ist begeistert, denn in Namibia gibt es - neben deutschem Weizenbier - wohl das weltweit beste Fleisch zu wahnsinnig-günstigen Preisen. Die Grillsaison – Entschuldigung! – Braai-Saison ist eröffnet. Und on the road knabbern wir Padkos wie Biltong, das berühmte Trockenfleisch, und Droewors, eine Trockenwurst aus Wild und Rind. Alles sehr lecker!

© 4-wheel-nomads

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Aber zurück zu unserer Reiseroute: Von den Victoria-Fällen bei Livingstone in Sambia fuhren wir weiter in den so genannten Caprivi-Streifen in Namibia, benannt nach dem deutschen Reichskanzler Graf Leo von Caprivi. Bei der »Aufteilung Afrikas« unter den europäischen Kolonialmächten war dieser Streifen ursprünglich dazu gedacht, Deutschland eine Landbrücke nach Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) zu ermöglichen in der Hoffnung die beiden Kolonien einmal zu verbinden. Mittlerweile wird der Caprivi-Streifen offiziell Sambesi-Region genannt.

Wir stoppten bei der N'Kwazi Lodge kurz vor Rundu, direkt am Ufer des Okawango. Seit der tansanisch-sambischen Grenze hatte unsere vordere Kardanwelle komische Zwitscher-Geräusche von sich gegeben (übrigens kein original Land Rover Teil, sondern ein »After Market Teil«). Der Besitzer dieser Lodge ist zufällig selber Land Rover Fahrer und rät uns, nicht mit der defekten Kardanwelle bis nach Windhoek zu fahren. Wir sollten das Teil lieber ausbauen und per Kurier dorthin zum Experten (Propshaft Engineering) schicken ... Genau das machten wir und schon 47 Stunden nach dem Ausbau hielten wir das reparierte Teil in unseren Händen. Um den Aus- und Einbau kümmerten sich Anouk und Mischa.

© 4-wheel-nomads

Die Wartezeit vertrieben wir uns mit einer Bootstour auf dem Sambesi, der hier die Grenze zu Angola markiert. Anschließend gab es bei strömendem Regen einen Braai-Abend mit dem dänischen Journalisten und Weltreisenden Hugo Gaarden. Wieder so eine dieser Zufallsbegegnungen, aus der möglicherweise eine lange Freundschaft entstehen kann. Am kommenden Morgen mussten wir uns aber leider wieder trennen, planen aber schon ein Treffen in Deutschland oder Dänemark im Herbst diesen Jahres.

Mit einem wieder spürbar rund laufenden »Nyati« nahmen wir Kurs auf Süd-West und verabredeten uns mit der französischen Overlander-Familie Gueduet, alias Six en Piste, am Meteorite Camp in der Nähe von Grootfontein. Die Franzosen haben fünf Jahre lang in Kapstadt gelebt und reisen nun für knapp zwei Jahre zu sechst in einem Toyota mit einem beeindruckenden Multifunktionsanhänger der Firma Metalian aus Kapstadt. Hier entsteht spontan die Planung für unsere weiteren Reisen: Wir wollen genau so einen Anhänger haben!

Wir verbrachten zwei wundervolle gemeinsame Tage, quatschten bis spät in die Nacht, die Kinder spielten ausgelassen miteinander, sodass wir trotz entgegengesetzter Reise-Richtung ein weiteres Camp gemeinsam aufsuchten. Bei Zum Potjie nahe Otavi genossen wir viel Sonne und frische Oryx-Steaks vom Grill, badeten im Pool und hatten scheinbar den uns verfolgenden Regen endlich hinter uns gelassen. Doch nun trennten sich unsere Wege wieder, denn Six en Piste reisen nach Norden in den Caprivi und wir nach Süden in Richtung Küste.

© 4-wheel-nomads

In einem grandiosen Supermarkt in Otjiwarongo bunkerten wir ordentlich gutes Essen um mehrere Nächte wild campen zu können. Doch schon nach wenigen Kilometern stellten wir fest, dass unsere Lichtmaschine keinen Strom mehr zu produzieren schien. Um uns herum fanden wir keine größeren Orte mit vertrauenswürdigen Werkstätten, sodass wir unseren Kurs ändern und nonstop volle Fahrt auf Windhoek nehmen mussten. Unser Solarpanel leistete einen guten Dienst (zusammen mit Sonne und Doppelbatterieanlage) und erlaubte uns auch ohne Lichtmaschine die 270 km (!) nach Windhoek relativ entspannt zu schaffen. Aber: Das zentral gelegene Backpacker-Hostel war vollkommen ausgebucht; auf unserer bisherigen Reise ein bisher unbekanntes Problem. Wir hatten jedoch auf unserer Reise schon einen Kontakt in Windhoek geknüpft. Um eine gute Werkstatt und möglicherweise auch eine passende Unterkunft zu finden, riefen wir Stefanus van der Merwe an. Der Defender-Overlander aus Windhoek, den wir in der Jungle Junction in Nairobi getroffen hatten, lud uns mit großer Freude und Herzlichkeit zu seinen Eltern ein. Mutter Debbie ist Grundschullehrerin und betreut vormittags eine kleine Spielgruppe im Innenhof ihres Hauses. So entpuppte sich unsere spontane Übernachtungsgelegenheit als wahres Kinderparadies. Da Vater Adriaan – ein echter Land Rover Fan – auf Dienstreise war, überredete uns Debbie, länger zu bleiben und auf seine Rückkehr zu warten. Dann könnten wir gemeinsam nach einer Lösung des technischen Problems mit der Lichtmaschine suchen und das anschließende Wochenende auf der Familien-Farm 110km südwestlich von Windhoek verbringen. So lange durften wir einen ihrer Bakkies für die Stadt benutzen, damit unser Land Rover voller Equipment sicher im Innenhof parken konnte. Bei so viel Herzlichkeit fiel die Entscheidung nicht schwer und wir gaben im Gegenzug unser Bestes, jeden Abend ein Lieblingsessen auf den Tisch zu zaubern. Übrigens: Seit Windhoek funktioniert unsere Lichtmaschine wie durch Zauberhand wieder ... Wir haben das Problem nicht gefunden, besorgten uns aber eine Ersatz-Lichtmaschine, die wir für den Fall der Fälle mit uns führen.

Ganz gemütlich können wir von hier aus die Stadt Windhoek erkunden, shoppen bei Cymot, einem Paradies für Overlander, Angler und sonstige »Bushies«, und lassen unsere Mähnen bändigen. Die deutsch-namibische Friseurin Sonja weiß genaustens darüber Bescheid, was in Deutschland, der Heimat ihrer Ururgroßeltern, passiert – sie kennt sogar die aktuellen Wetterberichte. Diese Vielfalt der Menschen und ihrer Herkunft passt total zu dem unverkennbaren Charme dieses wunderschönen, vielseitigen und kosmopolitischen Landes!

 

Vielen Dank für Text und Fotos an die 4-wheel-nomads.

Weitere Informationen zu den 4-wheel-nomads und ihrer Reise