Haireinspaziert in den Bücherwald - Teil 2

Guten Morgen an diesem schönen Freitag im SpätSommer!

Hier folgt der zweite Teil unserer Sammlung von Buchhandlungen mit besonderen und schönen Namen. Auch dieser Text ist Lesenswert, zumindest aber doch Lesbar. Wer den ersten Teil verpasst hat, sollte ihn zuerst lesen und zwar hier: Haireinspaziert, Du Leseratte!

 

Keineswegs zu Ende gebracht war beim letzten Mal die Vermessung der buchhändlerischen Tierwelt, denn der Buchfink hat gefiederte Artgenossen, darunter der flinke Kolibri (oder, je nach Lesart, oder auch Lesensart: CoLibri) und die Eule. Die Eule, gerade wenn sie so nachdenklich in ihren Eulenspiegel blickt, ist seit jeher ein Symbol der Weisheit. Bei den Wikingern nahm ein anderer Vogel diese Rolle ein, der Rabe. Odin, entgegen dem ruppigen Wikingerklischee, hatte immer gleich zwei dabei. Ansonsten helfen auf dem Weg zur Weisheit vor allem Bücherliebe und Leselust.

Was die Habitate dieser Arten betrifft, verspricht der Bücherwald (Adresse: Pappelallee) dem ornithologisch Interessierten Erfolg. Manche Tiere bevorzugen die Nähe zum Wasser, etwa bei den Seeseiten oder auf dem Büchermeer.

Auf diesem Meer treibt es dahin, im Gegenlicht, das Konstanzer Bücherschiff, dieser Wunderkasten der profunden Bildung, in dem sich alles für den wahren Buchgenuss findet, ob belle et triste oder Littera et cetera.

Ja, ja, da muss man schon mal den lateinischen Wortschatz aktivieren. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Für unsere alten Meister dagegen war das Lateinische noch ganz geläufig, also etwa Marx, Proust, Tucholsky oder Büchner und natürlich der unvermeidliche Goethe. Gerade Goethe war jemand, der, immer auf der Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit, nicht nur den feinen Ausdruck, sondern auch das leibliche Wohl zu schätzen wusste. Er ging gerne mal in eine Wein-Lese-Handlung, genoss in einer Buchkantine hin und wieder Buch und Tee und ließ den Abend in einem gemütlichen Buchlokal ausklingen. Vielleicht war es ja auch ein Hexenbuchladen, der ihn zu seinem Faust inspiriert hat, aber das ist nicht sicher überliefert. Jedenfalls war er gerne Mittendrin statt nur dabei, immer hinein ins volle Leben.

Da war schon wieder ein Wortspiel versteckt, und bevor wir uns hier um Kopf und Kragen reden, und der Text zu maKULaTUR wird, ist es Zeit zum Schluss zu kommen. In diesem Sinne, Glückauf, und immer daran denken, der Trend geht zum Zweitbuch!

 

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Epilog: Ein Lesetraum

Ich gehe an einem Haus vorbei. Ein Seitenblick durch das Fenster nach innen, da liegt er, der Lesesaal: Darin steht ein Tisch mit einer Schatulle, daneben eine Pusteblume. Ich steige durch das Fenster, öffne die Schatulle und sehe es vor mir, das Kunterbuch. Mir fällt es wie Schuppen von den Augen: Das Buch ist der Eingang in das geschichten*reich, in den Siebten Himmel der Bibliophilen, ins Nimmerland des ewigen Bücherfrühlings. Dort gibt es eine Buchhandlung, die heißt einfach nur: Die Buchhandlung.