Landcruising Adventure im Interview mit den 4-wheel-nomads

© Landcruising Adventure

Juliane, Mischa und die beiden Töchter Anouk und Sóley sind die 4-wheel-nomads. Die Vier leben auf Spiekeroog und starten von dort im Juli ihre große Afrika-Reise mit dem Land Rover: 388 Tage – 27 Länder – 4 Personen – 1 Land Rover.

Karin-Marijke Vis und Coen Wubbels von Landcruising Adventure sind seit 12 Jahren unterwegs und leben schon lange ihren Overland-Traum. Auf der Overland Reunion 2015 konnten Mischa und Juliane die Beiden interviewen.

 

Interview mit Karin-Marijke Vis und Coen Wubbels von "Landcruising Adventure"

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Was war der ausschlaggebenden Grund, Euer damaliges Leben hinter Euch zu lassen und auf diese Art und Weise loszureisen?

Als wir in unseren 30ern waren, standen wir beide am Scheideweg. Unsere Leben hatten Wendungen genommen, die wir nicht erwartet hatten (bezogen auf Beziehungen, Arbeit und Gesundheit) und es war Zeit für eine drastische Veränderung. Als wir uns ungefähr acht Monate kannten und einander nur während der Wochenenden sehen konnten weil wir 200 Kilometer voneinander entfernt wohnten, entschied Coen einen Traum zu verwirklichen, den er schon viele Jahre mit sich herumtrug: um Welt zu reisen. Er fragte mich, ob ich mich ihm anschließen würde. Die Entscheidung war leicht und ich sagte "Ja". Es war eine Erleichterung all unseren Besitz zu verkaufen, alles aufzugeben was wir hatten und eine neue Phase unseres Lebens zu beginnen.

 

Ab wann oder wodurch habt Ihr Euch entschieden, auf unbestimmte Zeit weiter zu reisen, oder war das von vorneherein klar?

Wir haben darüber nie nachgedacht und trotzdem würden wir nicht sagen, dass unsere Reise auf unbegrenzte Zeit dauern wird. Die Zeit wird es zeigen. Unsere anfängliche Aussage von zwei Jahren Reisedauer haben wir nur gemacht, um den Menschen um uns etwas zu geben, an dem sie sich festhalten können. Es stützte sich auf keinen Inhalt. Wir hatten keine anderen Pläne als nach Asien zu fahren. Wir fuhren los mit einer Europakarte und einem Reiseführer über Griechenland und wir waren recht unbedarft bezogen darauf, welches Land danach kommen würde.

Als wir nach ungefähr drei Jahren Thailand erreicht hatten, kamen wir zu dem Entschluss wir dass wir diese Art zu leben mögen und wollten sie beibehalten. Das forderte ein wenig Nachdenken weil wir bisher auf low-budget von unseren Ersparnissen lebten. Um weiter reisen zu können benötigten wir eine Einkommensquelle. Wir arbeiteten hart an unserem Schreiben und unserer Fotografie um dieses finanzielle Hindernis aus dem Weg zu räumen, womit wir auch Erfolg hatten.

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Inzwischen habt Ihr Europa, Asien und Südamerika bereist. In Südamerika seid Ihr inzwischen seit 6 Jahren unterwegs ... dadurch wurdet Ihr bekannt als die langsamsten Overlander überhaupt. Bleibt Ihr in Südamerika, oder werdet Ihr bald in Richtung eines anderen Kontinents aufbrechen?

Wir werden auf diesem Kontinent noch für ein paar weitere Monate bleiben und uns auf Gegenden in Venezuela und Kolumbien konzentrieren die wir bisher noch nicht gesehen haben. Wir wissen aber, dass wir anschließend unser Auto zu einem neuen Ort verschiffen werden, aber wohin wissen wir derzeit noch nicht. Es gibt viele Optionen und derzeit wägen wir die Vor- und Nachteile von diesen ab. Wir haben gelernt dass im Allgemeinen alles irgendwie klappt. Wenn Du offen für diese Art Lifestyle bist, wirst Du feststellen, dass Du Menschen aus einem bestimmten Grund triffst. Dies kann ein wichtiger Teil in unserem Entscheidungsprozess für unser nächstes Ziel sein.

 

Ihr lebt ja bereits seit 12 Jahren einen Traum ... wird dieser irgendwann zur Routine wie jeder "Job"? Wie erhält man ihn "traumhaft"?

Ja und nein. Zweifellos ist während der Anfangsphase - die sich über ein paar Jahre ausdehnen kann - alles neu und spannend (und/oder unheimlich). Ich erinnere mich an einige Nervenkitzel. Es gibt viele "Erste Male" in dieser Anfangsphase des Reisens. Natürlich kann das nicht für immer so weiter gehen und ich denke, dass es das ist warum viele Leute entweder nach ein oder zwei Jahren nach Hause zurückkehren oder ein Gleichgewicht zwischen mehreren Monaten auf Reisen und mehreren Monaten zuhause finden. Das macht absolut Sinn.

 In dieser Hinsicht bin ich zufrieden dass wir arbeiten müssen. Unsere Arbeit hilft uns, oder zwingt uns irgendwie aus unserer Comfort Zone herauszukommen. Anstatt die x-te historische Kirche oder das x-te Goldmuseum oder Reis und Bohnen in Kolumbien nachdem wir das gleiche schon in Peru und Ecuador gegessen haben zu übergehen, hilft uns das Schreiben über genau diese Themen darüber zu reflektieren wo wir sind. "Hey, warte. Wir denken, dass wir wissen worum es hier geht, aber tun wir das wirklich!?". Um darüber schreiben zu können, müssen wir etwas tiefer gehen. In vielen Fällen wird so das Interesse wieder entfacht und ebenso die Freude am Reisen und Entdecken.

Aus genau demselben Grund hat sich unsere Fotografie und unser Schreiben weiter entwickelt. Während wir zunächst darauf fokussierten über unsere Reise in 4-Wheel Magazinen zu schreiben, schreiben wir inzwischen auch für Reise- und Gourmet-Magazine. Genauso wie im "normalen Leben" müssen wir aufpassen nicht einzuschlafen und mit dem Strom schwimmen. Um das Leben interessant und erfüllend zu gestalten muss man sich regelmäßig fragen: "Will ich das immer noch machen?" Wenn die Antwort "Nein!" ist, ist es Zeit für eine Veränderung.

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Ist für Euch - nach dem Abstand, den Ihr von der "Gesellschaft", dem "normalen Leben" bekommen habt - eine Rückkehr überhaupt vorstellbar? Oder plant Ihr nicht zurückzukehren?

Wir haben für ein Jahr in Surinam gelebt (2011 bis 2012) weil wir eine Pause brauchten. Es war ein gutes Jahr, in dem das regelmäßige soziale Leben (Teil einer lebendigen Gruppe zu sein, an lokalen Offroad-Events teilzunehmen, Abende mit neuen Freunden verbringen) eine wichtige Rolle spielte. Nach diesem Jahr waren wir wieder bereit los zu reisen. Es könnte genauso gut sein dass wir so etwas wieder tun werden. Ich weiß derzeit nicht wo oder wann, da wir derzeit die Zeit "on the road" viel zu sehr lieben.

In die Niederlande für einen unbegrenzten Zeitraum zurückzukehren ist derzeit kein Thema. Und da wir es sinnlos finden über die Zukunft zu sprechen, lassen wir das Thema einfach links liegen.

 

Habt Ihr auf Euren Reisen bereits einen "Ort" gefunden, an dem Ihr Euch vorstellen könnt vielleicht doch einmal wieder "sesshaft" zu werden?

Es gab ein paar Orte, die uns besonders gefallen haben: Hanoi in Vietnam, Süd-Brasilien und Zentral Argentinien. Als wir dort waren, hatten wir das Gefühl, dass wir dort leben könnten aber waren noch nicht bereit uns niederzulassen. Ob wir jemals zurückkehren, für immer "on the road" bleiben oder uns irgendwo anders niederlassen - wer weiß das schon?! Die Zeit wird es zeigen.

 

 

Vielen Dank für das Interview an Mischa und Juliane sowie Karin-Marijke und Coen.