Reise-Splitter: Bagamoyo-Blues

Tansania: Bagamoyo

Vom Indischen Ozean her weht eine Gänsehaut-Brise die alten schmerzlichen Geheimnisse dieser Stadt in die Ohren der spärlichen Besucher.

Lebensfetzen aus einer längst vergangenen Zeit als die Weltgeschichte dieser Stadt einen flüchtigen Besuch abstattete, ihr ein wenig koloniales Leben einhauchte

... nur um kurz darauf wieder in eine lähmende Lethargie zu verfallen.

Heute schweben die Verwesungsschwaden der Geschichte und Vergänglichkeit durch diese morbide Schönheit,

vorbei am stinkenden Fischmarkt,

durch die Spanten der am Strand liegenden Holzboote – jahrhundertelange Schiffsbau-Tradition

... vorbei auch am Galgen-Mahnmal.

Das tief orangefarbene Licht der frechen Abendsonne blinzelt durch das fleischlose Gerippe der »German Boma«.

Stadthäuser der arabischen, deutschen und englischen Fremdlinge verfallen,

schon seit Langem erobern sich Bäume mit betörend schwer duftenden Blüten Räume zurück, in denen es einst rauschende Feste gab,  in denen geliebt, getrauert wurde

... nur die schräg in den Angeln hängenden wundervoll geschnitzten Türen lassen noch eine andere Zeit, ein anderes Leben vermuten.

Arabische Sklavenhändler handelten mit dem »schwarzen Gold« Afrikas – Menschen, die ohne Hoffnung auf Rückkehr in ihre Heimat »ihr Herz niederlegten«.

Aber auch sonst waren alle hier: romantisch verirrte deutsche und englische Kolonisten, Abenteurer.

Burton, Speke, Stanley

... selbst Livingston —

allerdings nur mausetot, kurz bevor sein Leichnam nach England verschifft wurde.

Auch Gretchen, »unser geliebtes Kind«,

das nur sechs Tage alt wurde,

damals im Februar 1900 ...

 

 

Mischa, 41 Jahre, reist seit einem halben Jahr mit seiner Familie im Landy durch Ostafrika.