Seit 15 Jahren mit vier Kindern unterwegs im Oldtimer: die Zapp-Familie im Interview mit den 4-wheel-nomads

Juliane, Mischa und die beiden Töchter Anouk und Sóley sind die 4-wheel-nomads. Die Vier sind seit Juli auf Ihrer Reise von Deuschland durch Ostafrika: 388 Tage – 27 Länder – 4 Personen – 1 Land Rover.

Herman und Candelaria Zapp sind mit ihren vier, auf der Reise geborenen, Kindern Pampa (USA), Tehue (Argentina), Paloma (Canada) und Wallaby (Australia) seit 15 Jahren auf Weltreise. Von Argentinien aus reisen sie in ihrem fast 90 Jahre alten Oldtimer. Aktuell sind die Zapps in Israel.

Die 4-wheel-nomads sind mit den Overlandern in Kontakt gekommen und tauschen regelmäßig aktuelle Informationen zu den Reiseländern aus. Die Zapps haben die letzten 3 Jahre in Afrika verbracht und sind auf dem Weg in Richtung Europa, während die 4-wheel-nomads in Richtung Südafrika unterwegs sind. Viele Overlander-Familien sind auf diese Art miteinander vernetzt – über alle Sprachbarrieren hinweg!

 

Los Zapp. Die Oldtimer-Overlander im Interview

© Familie Zapp

4-wheel-nomads: Gab es einen Auslöser für Eure Entscheidung, auf unbestimmte Zeit zu reisen? Oder war das von vornherein klar?

Die Zapps: Natürlich nicht!!!!!!! Stellt Euch das vor ... das wäre ja unmöglich! Was wäre mit Geld, Familie, Kindern ...? Wir haben immer davon geträumt, einmal Kinder zu haben ... und Kinder während des Reisens zu bekommen, war nicht unser Plan! Wir sind losgefahren und hatten eine sechsmonatige Reise geplant. Und jetzt sind wir schon so lange unterwegs. Aber die Reise hat sich nach und nach verändert, hat auch uns verändert! Wir haben begonnen, Dinge anders zu sehen ... und wir haben uns dabei erlebt, das zu tun, wovon wir immer geträumt haben und gesehen, wie sehr wir das genießen. Wir hatten das Bedürfnis, diesen Traum, dieses Leben an unsere Kinder weiterzugeben und das verwirklichen wir jetzt!

 

4-wheel-nomads: Viele Familien mit kleinen Kindern verzichten auf Camping- oder Overlandreisen, vor allem in Länder abseits der üblichen Touristenpfade. Was sind Eure wichtigsten Beweggründe dafür, dass Ihr das trotzdem macht?

Die Zapps: Wie gesagt, wir wollen diese wundervolle Welt in der wir leben mit unseren Kindern teilen ... die wundervollste Welt des Universums.

 

© Familie Zapp

 

4-wheel-nomads: Trefft Ihr unterwegs viele Overland-Familien? Inwieweit decken sich die Erfahrungen?

Die Zapps: Wir treffen einige, aber nicht so viele, wie wir uns das wünschen würden. Die Erfahrungen sind sehr ähnlich: intensive Zeit mit der Familie erleben, von der Welt lernen, verschiedene Kulturen und Lebensvorstellungen sowie Wege des Zusammenlebens erfahren ...

 

4-wheel-nomads: Ihr lebt ja bereits seit 15 Jahren euren Traum. Wird dieser irgendwann zur Routine wie jeder "Job"?

Die Zapps: Ich kann mich an keine Routine während der vergangenen 15 Jahre erinnern ... Wir haben keinen "Job", sondern leben unseren Traum.

 

4-wheel-nomads: Wie verdient Ihr Euer Geld? Oder habt Ihr einen anderen Weg gefunden Eure Reise zu ermöglichen?

Die Zapps: Wir brauchen nicht viel. Arm ist Derjenige, der denkt, dass er Geld benötigt um etwas zu erreichen. Um Träume zu erfüllen, braucht man Glauben und den Willen, Dinge zu verwirklichen. 

Wenn Du Geld hast, aber nicht den Willen, ist die Chance, große Träume zu verwirklichen, nicht möglich!

 

© Familie Zapp

© Familie Zapp

 

4-wheel-nomads: Ihr habt jetzt drei Jahre Afrika-Overland hinter Euch. Was ist Euer Eindruck vom angeblich schwierigsten Overland-Kontinent? War es manchmal gefährlich?

Die Zapps: Wir waren so fasziniert!!!!!! Wir wollten nur ein Jahr lang reisen ... aber es war so wundervoll!!! Wir waren niemals in Gefahr! ... Ja, natürlich waren da einige Herausforderungen "on the road", die wir auf uns genommen haben um letztendlich noch mehr Spaß haben zu können.

 

4-wheel-nomads: Ihr seid gerade durch die Sinai-Halbinsel gefahren, für die es ausdrücklich Sicherheitswarnungen gibt. Wie waren Eure Erfahrungen? Wie geht ihr mit dem Reisen in diese und andere angespannte Regionen um?

Die Zapps: Das Rote Meer!!!!! Was für ein Ort!!!! Das Mekka des Tauchens und Schnorchelns! Wir waren dort fast einen Monat lang und alleine die Idee direkt am Meer zu campen, morgens aufzuwachen, den Schnorchel zu nehmen und in die faszinierende Welt der Korallen und Billionen bunter Fische einzutauchen ... das ließ uns einfach alle schlechten Nachrichten vergessen! Wir haben in der Zeit nur wundervolle Momente gehabt und eigentlich nichts Unangenehmes gesehen oder erlebt. Abgesehen von den vielen Militär- und Polizeicheckpoints, die wir nicht so sehr mochten.

 

© Familie Zapp

 

4-wheel-nomads: Nochmal zurück zum Thema "Overlanding und Kinder". Wie meint Ihr, beeinflusst diese lange Reise Eure Kinder?

Die Zapps: Charles Darwin hat gesagt, dass es nicht die Stärksten oder besonders Intelligenten sind, die überleben werden, sondern die, die sich am besten anpassen können. Und ich denke, diese Kinder lernen sehr intensiv sich anzupassen. Darüber hinaus ist es so wichtig, eine offene Person zu werden ... und an die Verwirklichung von Träumen zu glauben.

 

4-wheel-nomads: Unterrichtet Ihr Eure Kinder selbst oder "besuchen" sie eine "Fernschule"?

Die Zapps: Die Kinder nehmen an einem Programm aus Argentinien teil.

 

© Familie Zapp

 

4-wheel-nomads: Ist für Euch - nach dem Abstand, den Ihr von der "Gesellschaft", dem "normalen Leben" bekommen habt - eine Rückkehr überhaupt vorstellbar? Oder plant Ihr gar nicht zurückzukehren und weiter zu reisen? Werdet Ihr die Kinder dann auf ein Internat schicken?

Die Zapps: Ein Internat klingt schrecklich für uns! Dort wird Familienzeit als nicht so wichtig angesehen! ... Aber, klar, da sind die wichtigen Qualifikationen! Warum ist es eigentlich heutzutage wichtiger eine Karriere zu machen, anstatt Familie zu haben und Träume zu verwirklichen? Wenn andere Menschen unseren Sohn Pampa fragen, was er einmal werden will, wenn er erwachsen ist, sagt er "Glücklich!" Wie viele Kinder trauen sich heutzutage zu träumen? Wie viele Kinder trauen sich heutzutage, sie selbst zu sein? Warum ist es so wichtig zu wissen, wovon wir leben werden, anstatt für das, was wir leben wollen?

 

4-wheel-nomads: Habt Ihr auf Euren Reisen bereits einen "Ort" gefunden, an dem Ihr Euch vorstellen könnt vielleicht doch einmal wieder "sesshaft" zu werden?

Die Zapps: Natürlich werden wir zurück gehen! Wir sind ganz normale Menschen! Die Veränderung in uns bringt uns nicht dazu, uns außerhalb der Gesellschaft zu fühlen! ... Als Reisender lernst Du intensiv, Dich anzupassen. Und alle Menschen können sich anpassen! Wir werden wohl nicht in einem Büro arbeiten, aber wir wollen zurück gehen! Der beste Ort ist der, an dem Deine Familie lebt ... und Candes und meine Familien leben in Argentinien!

 

© Familie Zapp

 

Vielen Dank für das Interview an die Zapps und die 4-wheel-nomads!

Die Zapps haben übrigens ein Buch über den ersten Teil ihrer Reise geschrieben: "Spark your Dream". Eine Rezension findet Ihr auf der Seite der 4-wheel-nomads: Simply one of the best travel books ever!