Die 4-wheel-nomads vor ihrer Abreise

Bielefeld 2015 © 4-wheel-nomads

Juliane, Mischa und die beiden Töchter Anouk und Sóley sind die 4-wheel-nomads. Die Vier leben auf Spiekeroog und starten von dort im Juli ihre große Afrika-Reise mit dem Land Rover: 388 Tage – 27 Länder – 4 Personen – 1 Land Rover.

 

Gespräch mit Juliane und Mischa von den 4-wheel-nomads

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen eine so große Reise mit der ganzen Familie zu unternehmen?

Wir sind davon überzeugt, dass solche Reisen tief prägen und suchen diese Erfahrungen und Herausforderungen für uns und unsere Familie. Kennengelernt haben wir uns auch auf einer Reise. Das war während eines erlebnispädagogischen Segeltörns auf der »Thor Heyerdahl«, den wir anschließend jahrelang gemeinsam geleitet haben. Nicht nur beruflich, sondern auch privat reisen wir schon immer gerne.

In Australien sind wir beide im Geländewagen quer durch den Kontinent gefahren und haben die Einsamkeit, die großartige Natur, aber auch die Begegnungen mit den Menschen genossen. Ungebunden und frei zu sein, jederzeit Route, Übernachtungsplatz und Aufenthaltsdauer bestimmen zu können – das ist es, was uns seitdem am Reisen und Leben im Geländewagen fasziniert hat.

Immer wieder haben wir am Lagerfeuer gesessen und von einer langen Reise geträumt. Letztlich hatte ich (Juliane) schon »Auszeiterfahrung« mit Work and Travel in Australien und einem Au-Pair-Jahr in North Carolina. Ich (Mischa) hatte hingegen immer ein wenig das Gefühl, etwas verpasst zu haben, weil ich nach dem Abitur die Chance nicht genutzt habe, zu reisen. Es gibt immer Chancen für eine große Reise. Man muss sie nur ergreifen. Und daher haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, eine Langzeitreise in unser Berufsleben zu integrieren. Gerade jetzt sind unsere Kinder in einem spannenden Entdeckeralter - wenn es also einen »richtigen Zeitpunkt« gibt, ist dieser jetzt gekommen.

Australien-Reise 2008 © 4-wheel-nomads

Wo und wie seid ihr bisher zusammen gereist?

Mit dem Großsegler sind wir vor Dänemark, England, Schottland (incl. Äußere Hebriden, Orkney und Shetland), Irland, den Färöer-Inseln, Norwegen und Schweden gesegelt. Auf vier Rädern haben wir Skandinavien, Teneriffa, Portugal, Costa Rica und Australien bereist. Ganz ohne eigenes Gefährt waren wir in New York.

Seit 2011 besitzen wir einen Land Rover, mit dem wir als Familie in Deutschland, Skandinavien, den Pyrenäen und Südfrankreich, den Niederlanden und Osteuropa (Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien) unterwegs waren.

Ende 2014 waren wir alle vier zusammen als NGO-Mitarbeiter für Adigrat Vision in Äthiopien und haben in einem Kindergarten gearbeitet.

Das, was uns auf allen Reisen beeindruckt hat, war die Begegnungen mit den Menschen. Das ist letzendlich das Wichtigste und viele Reise-Kontakte bestehen bis heute.

Ursprünglich hattet ihr eine Lateinamerika-Reise geplant. Warum habt ihr euch jetzt doch für Afrika entschieden?

Unseren Ursprungstraum von einer Afrika-Reise hatten wir zu Gunsten einer Lateinamerika-Reise verworfen, weil uns Afrika politisch und gesundheitlich gesehen zu krisenhaft erschien, um dort als Familie zu reisen. Während der NGO-Zeit in Äthiopien aber hat uns das »Afrika-Virus« endgültig infiziert. Wir haben die Menschen in Afrika als so unterstützend und extrem herzlich erlebt, dass wir uns rundum wohl gefühlt haben. Afrika ist zwar eine große Herausforderung für uns, aber wir sind davon überzeugt, dass wir es schaffen. Wenn man einen Traum hat, sollte man ihn verwirklichen!

Außerdem wollen wir und auch unsere Kinder zurück nach Äthiopien, um unsere Freunde dort zu besuchen. Schwierige oder negative Erfahrungen wird es sicherlich auch auf dieser langen Reise geben, aber aus denen können wir letztendlich nur lernen.

Äthiopien-Reise 2014 © 4-wheel-nomads

Seit wann plant ihr eure Reise?

Schon am Anfang unserer Beziehung verband uns der Traum des gemeinsamen Reisens. Beim Autokauf vor vier Jahren haben wir mit dem Geländewagen die Wahl getroffen, ein »Leben in einem Auto« führen zu können. Bei ersten kürzeren Reisen mit dem Land Rover hat sich gezeigt, dass uns ein solches Leben auch längerfristig gefallen könnte. Diese spezielle Reise ist dann irgendwie aus Träumen, Überlegungen und Erlebnissen, aus Lagerfeuer-Gedankenfetzen, Berichten anderer Reisender etc. entstanden. Jahrelang war das Planen und Sparen für diese Reise unser »liebstes Hobby«. Auch dies ist Teil der Reise und alleine das Recherchieren, Träumen und letztendlich die konkrete Planung haben uns schon unendlich bereichert.

 

Was erwartet ihr von dieser Reise? Was für Gefühle und Vorstellungen habt ihr?

Ganz viel intensive Familienzeit, aus der wir als Familie insgesamt, aber auch einzeln, »reicher« hervorgehen werden. Als Familie wollen wir ein noch stärkeres Team werden, unsere tiefen Bindungen weiter festigen und dabei die Individualität jedes Einzelnen unterstützen. Aus allen Reisen sind unsere Kinder selbstbewusster, weltoffener und kontaktfreudiger hervorgegangen. Diese Erfahrungen wollen wir intensivieren und - wo wir können - Weltwissen vermitteln. Das sammelt sich beim Reisen am Besten und wie von selbst an.

Toll ist, dass wir darüber hinaus alle zusammen in vielen Situationen gemeinsam lernen, miteinander etwas erleben und Vertrauen stärken. Wir wollen auch wieder Gelegenheit haben, uns neben uns zu stellen und zwanglos unseren Lebensalltag reflektieren zu können.

Wie habt ihr euch auf mögliche Reisekatastrophen vorbereitet?

Krisen sind Teil jeder längeren Reise dieser Art. Vieles kann man nicht wirklich im Voraus planen. Das Germanwings-Unglück hat mal wieder bewusst gemacht, dass uns Katastrophen immer und überall treffen können - nicht nur in Afrika! Generell finden wir, dass unser mediengeprägtes Bild die nicht-westliche (bzw. nicht vom westlichen Massentourismus »beleckte«) Welt zu negativ darstellt. Das Leben »tickt« auch in Afrika, Südamerika und Asien in seinen Grundzügen wie überall. Mit Vorbereitungen - ob medizinisch, durch Vernetzung mit Kontaktpersonen in den einzelnen Ländern oder versicherungstechnisch und rechtlich (Generalbevollmächtigter und Testament) - versuchen wir, Risiken zu minimieren bzw. auf schwierige Situationen vorbereitet zu sein. Krisen bieten aber auch Chancen, aus denen man gestärkt hervorgehen kann. Wo es uns »zu heiß« wird, drehen wir um bzw. versuchen im Vorfeld durch Radio, Internet und »Locals« Reisewege so abzustecken, dass wir Krisenherde jeglicher Art umfahren. Wir haben mehrere »Pläne B«, »C« und »D« und versuchen, alles flexibel zu halten.

 

Was muss vor der Abreise noch dringend erledigt werden?

Wir müssen noch unser Haus ausräumen und sauber machen für die Zwischenmieterin. Was noch ...? Im Prinzip sind es viele Kleinigkeiten, wie Ausrüstung und Informationen, ohne die man aber auch auskommen könnte ... Wir müssen unbedingt die vielen angebotenen Kontakte in den Ländern und mit anderen »Overlandern« strukturieren, da wir uns sehr über diese Angebote freuen und keinen Kontakt auslassen wollen.

 

Euer geplantes Abreisedatum rückt immer näher. Was für Gefühle habt ihr?

In erster Linie Vorfreude ... unendlich viel davon! Ängste? Eigentlich nicht, nur die Hoffnung, dass sich uns gesundheitlich und politisch nichts in den Weg stellt, weil sich gerade ein schmales Fenster für die geplante Reiseregion zu öffnen beginnt.

 

Auch wenn die 388 Tage lange Reise noch vor Euch liegt – denkt ihr schon manchmal wieder an das Leben nach der Reise?

Wir haben gelernt, dass zu langfristiges Planen für uns nicht mehr »passt«. ... Haben wir eigentlich jemals langfristig geplant? ... Bezogen auf eine finanzielle und rechtliche Absicherung schon! ... Sonst haben wir bisher eher viele »Mittelfrist-Pläne« entwickelt.

Sicher werden wir uns durch die Reise und während der Reise weiter entwickelt haben, und wir werden abgleichen müssen, in wie weit das mit unserem bisherigen Umfeld kompatibel ist. Allerdings haben wir auf bisherigen Reisen festgestellt, wie positiv wir vom Leben auf »unserer Insel« erzählen. Wir schätzen sehr, was wir haben, und genießen das große Glück, dieses Leben wieder aufnehmen zu können, weil unser Betrieb die Reisepläne unterstützt und uns dieses Sabbatjahr ermöglicht!

 

Vielen Dank an Juliane und Mischa für das Interview und die Fotos.

Weitere Informationen zu den 4-wheel-nomads und ihrer Reise