Der Anfang: Wir kaufen dann mal ein Wohnmobil

Nachdem wir im Winter 2018 spontan aus einem Scherz heraus entschieden hatten, dass wir mit einem Wohnmobil durch Europa reisen wollen, war klar – offensichtlich – dass wir ein Wohnmobil brauchen. Allerdings hatten wir alle absolut keine Ahnung, was es überhaupt für Wohnmobile gibt, was sowas kostet, worauf man achten sollte und so weiter und so fort. Aber unsere Stimmung war stets prima und wir dachten uns, dass es so kompliziert nicht sein kann. Nach einigen Recherchen auf Ebay Kleinanzeigen sahen wir die Fotos von einem 4,5 Tonnen schweren, 8 Meter langen Eura Mobil von 2001.

Das sah gut aus! Sehr viel Platz, von innen gut erhalten und renoviert, zwei große Betten, große Küche … „Das nehmen wir!“, sagte ich gleich. Zufälligerweise stand es in der Nähe von Johanns Eltern bei Kiel, und da unser kleiner Nino jeden Tag auf die Welt kommen konnte, fragten wir sie, ob sie das Mobil für uns angucken können. Das lief bis hierher ja alles easy! Ein paar Tage später kauften wir unsere alte Ella, ohne sie jemals selbst gesehen zu haben – ja ohne jemals überhaupt einen Fuß in irgendein Wohnmobil gesetzt zu haben. Achso, und einen Führerschein für einen 4,5 Tonner hatte natürlich auch niemand von uns. Es war ja erst Mai und es sollte ja erst Ende August losgehen; war ja noch Zeit. Aber nachdem der Kaufvertrag unterschrieben war, meldete sich Johann dann doch lieber auch direkt für die Fahrschule an. Sollte klargehen, wurde ihm da gesagt, und er machte von jetzt an jeden Morgen von 6 Uhr bis 10 Uhr Theorie.

Da Nino nun tatsächlich auf die Welt kam, fragten wir Johanns Eltern ob sie unser neues Zuhause für uns in die Werkstatt zu einem ausführlichen Durchcheck bringen konnten. Kaum war das Traummobil in der Werkstatt, klingelte auch schon das Telefon: Einige Reparaturen standen an und die Werkstatt ging davon aus, Anfang August fertig zu sein. Prima, passt in den Zeitplan, etwas Geld ist ja auch noch da, so dass wir die Reparaturen auch zahlen konnten. Den Führerschein würde Johann bis dahin vermutlich noch nicht haben, aber dafür würden wir schon eine Lösung finden.

Wir suchten uns Untermieter, fingen an zu planen und zu packen und blieben optimistisch. Johann machte die Theorie-Prüfung und meldete sich für die Praxis-Prüfung an. Termin: 13. August! Ups, das wird knapp. Durchfallen ist da nicht erlaubt, sonst kommen wir nicht rechtzeitig los! Wird schon gutgehen. Mitte Juli riefen wir mal bei der Werkstatt an, um zu hören, wie es so läuft. Naja, Anfang August sollten klappen, obwohl die falschen Ersatzteile geliefert wurden. Beim zweiten Anruf kam ein Notfall dazwischen. Wird wohl eher Mitte August. Kein Problem, dann hat Johann immerhin schon den Führerschein. Teurer als gedacht wird es auch. Egal, kriegen wir schon hin.

Am Freitag, dem 13. August schaffte Johann mit Ach und Krach und einer Menge Glück die Führerschein-Prüfung. Es war nicht mehr Zeit, als für die Mindestanzahl der Pflichtstunden, um sich an den 16-Tonner LKW zu gewöhnen (kleinere Fahrzeuge standen gerade nicht zur Verfügung). Der Fahrlehrer sagte zwar, dass er ihn hätte durchfallen lassen, aber es zählt ja nur das Wort des Prüfers. Ein Glück! So, jetzt konnte es losgehen. Dachten wir…

Am Ende fuhren Nila, Nino und Rosa am 31. August mit dem Zug nach Kiel und Johann fuhr mit einem Lieferwagen unser Gepäck hinterher. Das Wohnmobil war immer noch in Kiel in der Werkstatt, zum Datum der Fertigstellung mochte der Werkstattleiter jetzt nichts Konkretes mehr sagen, zum finalen Preis auch nicht. Puh. Naja, was blieb uns anderes übrig, als uns einfach in Kiel eine schöne Zeit zu machen. Nachdem wir dann nochmal ein paar Tage woanders an der Ostsee Urlaub machten, waren fast zwei Wochen vergangen: Es war der 12. September, als die Werkstatt endlich anrief und sagte, dass wir das Wohnmobil holen konnten. Zum ersten Mal sollten wir es jetzt endlich sehen! Johann fuhr zur Werkstatt und wir anderen standen auf der Straße, um unser Zuhause willkommen zu heißen, als Johann eine Stunde später um die Ecke fuhr: Es war ein Moment, den wir wohl niemals vergessen werden! Da kam sie endlich: unsere alte Ella in die wir unser gesamtes Geld gesteckt hatten, auf die wir soooo lange gewartet hatten, in der wir von nun an wohnen wollten – und die wir jetzt zum ersten Mal betreten würden!

Am nächsten Tag fuhren wir los! Ja, wir hatten KEINE Ahnung, wie unser Wohnmobil funktioniert, wie groß unser Wassertank war, wie die Heizung angeht, wie lange unsere Batterien hielten, wie gut erhalten die Matratzen waren. Nichts. Wir saugten am 12. September einmal durch und wischten die Schränke aus, packten am 13. alles so schnell wie möglich ein und fuhren am späten Nachmittag los: Die erste Nacht wollten wir am Meer verbringen! Hauptsache los!

Ein bisschen verrückt? Vielleicht ja, aber ohne ein bisschen verrückt zu sein, macht das Leben definitiv sehr viel weniger Spaß! Und wir hatten am Ende dank unserer Verrücktheit ein geräumiges, wunderschönes Wohnmobil, in das wir uns alle vom ersten Moment an verliebten – und das seitdem unser wunderschönes, fahrendes Zuhause ist. Haben wir irgendwas bereut? Keine Sekunde! Es war Liebe auf den ersten Blick und es bleibt Liebe!

Und wie wird es nun weitergehen?

Für mindestens 12 Monate wollen wir nun durch Europa reisen – zunächst mal immer entlang der Küste, angefangen an der deutschen Nordsee, dann Holland, Belgien, Frankreich. Dann Spanien und Portugal. Wir wollen mit dem Westen Europas anfangen, denn hier wissen wir, wie die Dinge laufen und können uns verständigen (mit Französisch und Englisch). 2020 wollen wir uns dann den Osten vornehmen: Slowenien, Kroatien, Albanien, Rumänien … da wir zum einen noch nie mit einem Wohnmobil unterwegs waren und zum anderen zwei kleine Kinder an Bord haben, möchten wir uns langsam an das Abenteuer herantasten.

Wir freuen uns drauf, hier regelmäßig zu teilen, wie es läuft – mit Baby und Kleinkind, mit uns und unserem Abenteuer! Wir nehmen euch mit zu unseren Reisezielen, erzählen euch, wo wir nachts stehen, wie wir unseren Alltag gestalten und was für Learnings wir mitnehmen!