Aus dem Reisearchiv: Die Entdeckung von Waecicu

Waecicu-Beach © Gunda Urban

Wer hat sich nicht schon einmal weg gewünscht auf eine einsame Insel mitten im Nirgendwo? Unser Verlagsgründer Peter Rump reiste 1984 nach Flores, um festzustellen, dass es davon unzählige gibt. Er fand keine Lieblingsinsel, aber seine Lieblingsbucht „Waecicu“ im Westen von Flores.

Gunda und ich hatten zwei Jahre lang immer wieder Sumbawa und Komodo erkundet, jetzt fehlte noch Flores, um den Reiseführer „Komodo, Sumbawa und Flores“ fertig zu stellen.Die Ankunft war abenteuerlich. Es gab in Labuan Bajo, dem Westhafen der Insel, keinen Landungssteg und wir mussten auf Einbäume umsteigen, um an Land zu gelangen. Gar nicht so einfach mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken. Wir schafften es ohne unfreiwilliges Bad ans Ufer zu gelangen.

Noch etwas orientierungslos, wurden wir von zwei jungen Männern angesprochen. Sie hätten ein Boot und würden uns damit zum perfekten Strand bringen. Völlig planlos und überrumpelt stiegen wir in ihr kleines Motorboot. 15 Minuten später verschlug es uns die Sprache, wir schipperten in eine perfekte Bucht, ein ca. zwei Kilometer langer, menschenleerer, schneeweißer Sandstrand, eingerahmt von Hügelrücken, lag vor uns. Das Wasser glasklar mit Korallenbänken, die fast an den Wassersaum reichten. Der perfekte Beach: Waecicu.

Waecicu-Bucht © Nasser und Suhaili, unsere beiden Guides, kamen aus Lombok, um in Labuan Bajo Verwandte zu besuchen. Sie würden am liebsten den Beach kaufen, erklärten sie, und wenn wir Lust hätten, könnten sie uns gerne mehr von der Gegend zeigen, insbesondere die vielen, kleinen unbewohnten Inseln. Sie brachten uns erst einmal zurück ins Örtchen, wir suchten uns eine Unterkunft und verabredeten uns für den nächsten Tag.

Am nächsten Morgen holte uns Nasser frühzeitig ab und brachte uns zu einem etwas größeren Boot mit einem sehr jungen Kapitän. Radjo kam aus Sulawesi und war Fischer. Mit ihm wollten wir gute Tauchgründe und unbewohnte Inseln entdecken. Radjo kannte sich in dem Inselreich zwischen Komodo und Flores anscheinend aus und wir steuerten eine kleine Insel an, gesäumt von rosa Sand. Einen rosafarbenen Beach hatten wir noch nie gesehen. Der Strand lag voller Muscheln und echt viel Plastikzeug aus der ganzen Welt.  Allerdings hauptsächlich viele Flipflops. Damit hätte man mehrere Schuhgeschäfte bzw. viele Marktstände bestücken können. Nach einigen Tauchgängen durch herrliche Unterwassergärten mit unzähligen Korallenfischen, ging es weiter. Wir entdeckten Inseln mit schwarzen, weißen, gelben und grauen Stränden. Auf einigen lebten Ziegen, auf anderen nur Vögel. Aber überall gab es intakte Korallengärten zu bestaunen. 

Kapitän Radjo © Gunda Urban

An einem weiteren Tauchplatz auf offener See, stoppte Radjo den Motor, Nasser schmiss den Anker über Bord und weg war er. Wir staunten nicht schlecht als der Anker samt Seil Richtung Grund sank. Leider war das Seil nicht am Schiff befestigt. Einen schweren Anker aus 5 Meter Tiefe zu bergen, war gar so nicht einfach. Nach mehreren Versuchen begnügten wir uns nach dem Tau zu tauchen. Daran konnten die Freizeitseeleute den Anker schließlich hochziehen und professionell festknoten. 

Weiter ging es. Zur nächsten Insel, zu neuen Tauchgängen. Mittags machten wir irgendwo Feuer und grillten frische Fische, die Radjo mitgebracht hatte.

Wir verbrachten die Tage auf dem Meer, liefen bei Sonnenuntergang in unsere neue Heimat, die Waecicu-Bucht ein. Der Strand wurde unser Bett, über uns der atemberaubende Himmel mit Milliarden von Sternen. Morgens begrüßten uns kleine Einsiedlerkrebse, die über den Sand huschten. Haut und Haare bekamen eine Salzkruste. Außer einem Sarong, Badesachen und Schlafmatte, brauchten wir nichts. Unsere feste Unterkunft hatten wir am ersten Tag zu Gunsten unseres Robinson Crusoe Leben aufgegeben.

Jeden Abend spektakuläre Sonnenuntergänge © Gunda Urban

Was dann begann, war eine aufregende Reihe von Abenteuern, die wir mit unserer Crew erlebten.

In den nächsten Stories werde ich euch einige davon berichten.