Corona-Tagebuch: Jana und Robbe aus New South Wales (Australien)

© Jana Schlägel/Robbe Vulsteke

Wie erleben Menschen weltweit die Corona-Lage? Wir haben Jana und Robbe, unsere Back to the Road-Gefährten, gefragt. Sie leben zur Zeit in Gravensend (Australien). Hier ist ihr Beitrag zur derzeitigen Lage in New South Wales:

Corona. Ein Thema, das wohl weltweit in aller Munde ist. Auch hier in Australien spricht jeder davon. So findet kaum eine Unterhaltung statt, bei der das brisante Thema nicht zur Sprache kommt. 

Die australische Regierung schloss die Grenzen des Landes für den gesamten Tourismus. Somit können zurzeit nur noch australische Bürger und Bewohner bzw. deren engste Familienmitglieder ins Land einreisen. Diese müssen sich allerdings bei Einreise sofort in betreute Quarantäne begeben, um das Risiko der Neuinfektionen zu senken.

Im Landesinneren wurden ebenfalls die Grenzen zu den einzelnen Bundesstaaten geschlossen und die Bürger darum gebeten nicht notwendige Reisen zu unterlassen.

Australien befindet sich zurzeit in Phase 2 des Shutdowns. Bars, Casinos, Diskotheken, Fitnessstudios, Beauty Salons, Kinos, Schwimmbäder, Bibliotheken und viele weitere sogenannte „nicht-essenzielle Dienstleistungen“ mussten schließen. Restaurants dürfen nur noch Gerichte zum Mitnehmen anbieten. Frisöre sind beispielsweise weiterhin geöffnet, müssen sich jedoch an einen Abstand von 4 Quadratmetern pro Person halten. Hochzeiten dürfen nur noch mit 5 Personen stattfinden, Beerdigungen mit maximal 10.

In den meisten Bundesstaaten sind die Schulen weiterhin geöffnet, es ist jedoch den Eltern vorbehalten, ob sie ihr Kind zum Unterricht lassen oder nicht.

Das Haus verlassen darf man nur noch, um zur Arbeit oder Schule zu kommen, um wichtige Einkäufe zu erledigen, um medizinisch notwendige Versorgungen in Anspruch zu nehmen oder um Sport zu betreiben. All dies jedoch höchstens mit zwei Personen oder den Mitgliedern des eigenen Haushaltes. Wer sich nicht daran hält muss eine Geldstrafe in Kauf nehmen. Diese kann vor Gericht bis höchstens 11000 AUD und 6 Monaten Gefängnisstrafe gegeben werden. Die Polizei ist jedoch dazu berechtigt vor Ort bis zu 1000 AUD zu verlangen. 

Robbe und ich leben hier in einem kleinen, circa 300 Seelendorf namens Gravensend, in New South Wales. Dem Bundesstaat, der bislang die meisten Fälle Australiens vorweist. Doch so wirklich beeinflussen tut der Virus unseren Alltag zurzeit noch nicht. Wir arbeiten weiterhin auf der Nussbaumfarm und haben das Glück bei einer australischen Familie mit auf deren alten Bauernhof wohnen zu dürfen. Somit können wir, im Gegensatz zu vielen anderen Backpackern, die durch den Virus ihren Job verloren haben, weiter Geld verdienen und noch eine Zeit lang in Australien bleiben.

Da wir sowieso die meiste Zeit mit unserer Gastfamilie verbringen, nehmen Robbe und ich keinen großen Unterschied zu vorher wahr. Jeder nimmt den Virus hier glücklicherweise ernst und hält sich ans Meiden der meisten sozialen Kontakte. Am Wochenende wird wie üblich das Barbecue gestartet, allerdings jetzt mit etwas mehr Abstand. Ich muss jedoch gestehen, dass das mit dem Abstand bei dem fast dreijährigen Jungen nicht so wirklich funktioniert. Robbe und ich sitzen weiterhin mit ihm im Sandkasten, spielen Fußball im Garten oder füttern gemeinsam die Kühe. Wie wohl bei jeder anderen Familie auch.

Wo wir die Auswirkungen des COVID-19 am meisten spüren, ist wohl bei unserem Einkauf im 50km weit entfernten Moree. Auch hier findet man nur selten Klopapier. Pasta, Mehl und Ketchup sind hier im Moment besonders beliebt und Supermärkte limitieren die Anzahl verschiedener Produkte pro Person. Da wir nur alle 14 Tage unseren Einkauf erledigen, brauchen wir dementsprechend viele Nahrungsmittel. Robbe und ich fühlten uns daher beim letzten Einkauf auch irgendwie schlecht. Wir legten viele Dinge wieder zurück ins Regal und schauten uns nach etwas anderem um, weil es ausschaute, als würden wir gerade Hamstereinkäufe tätigen. Ein richtig komisches Gefühl. 

Was ich allerdings super finde, ist dass die großen Supermarktketten für ältere und beeinträchtigte Personen eine Stunde früher öffnen, damit sich diese vor allen anderen mit Lebensmittel eindecken können.

Wir werden in den kommenden Monaten sehen, was sich alles noch ändern wird und ob die Menschheit dennoch etwas positives aus der noch so schlimmen Lage mitnehmen kann.

Es fühlt sich nämlich irgendwie so an, als ob die Erde uns wachrütteln will…

Vielen Dank Jana und Robbe für euren Bericht aus Australien. Bleibt gesund!