Drei Wochen Regenwetter: Unser zweiter Monat auf Reisen

Nachdem unser erster Monat mit dem Highlight Mont Saint Michel endete, möchten wir nun rüberfahren auf die andere Seite der Bretagne. Da das Wetter doch recht kühl ist, entschließen wir uns, nicht die gesamte Küste entlang zu fahren, sondern ein Stück abzukürzen und einmal quer rüber zu fahren.

Unser erster Stopp ist Dinan, eine wunderschöne kleine Stadt, komplett aus Stein gebaut. Wir kommen erst am späten Nachmittag an und machen in der Abendsonne einen langen Spaziergang in die Stadt hinein und bei Sonnenuntergang wieder zurück. Es ist ein wunderschöner Abend und wir genießen die Sonnenstrahlen sehr – so als würden wir schon ahnen, dass es das letzte Mal für drei Wochen ist, dass wir die Sonne in diesem Ausmaß spüren dürfen! Denn ab jetzt regnet es mit wenigen Unterbrechungen drei Wochen durch!

Die nächsten drei Wochen werden zu einer wachsenden Herausforderung. An der Küste ist es noch soweit ganz schön; Regen und Sonne oder „freundlich“ grauer Himmel wechseln sich ab und wir haben eine tolle Zeit im Baie de Morbihan und auf der Halbinsel Quiberon, wo wir eine fünfstündige Wanderung entlang der Steilküste machen. Aber es regnet fast jeden Tag, selbst wenn zwischendurch die Sonne scheint. Mit dem Regen wird es zunehmend kalt und hier an der Küste ist es außerdem sehr windig. Wir verbringen immer mehr Zeit im Wohnmobil und gehen nur für ganz konkrete Spaziergänge oder Ausflüge raus. Einfach so draußen spielen oder bei offener Tür zwischen Drinnen und Draußen zu leben, das geht nicht mehr.

Wir versuchen es erst noch gelassen zu nehmen, verlassen die Bretagne und fahren durch die Loire-Region (plattes Land mit Millionen von kleinen Flüsschen und Seen durchzogen!) in Richtung Dordogne. Es gibt Tage, da verlassen wir das Wohnmobil nur um einkaufen zu gehen, oder Wäsche zu waschen. Es regnet und regnet und regnet. Wir trinken Unmengen an heißem Kakao, malen mit Nila Bilder und basteln – aber so sehr wir es uns auch gemütlich machen, es wird zunehmend schwierig.

Eine kleine Auszeit bekommen wir in der Dordogne, wo wir einen Freund besuchen und ein paar Tage bei ihm auf dem Gelände stehen. Auch hier regnet es, aber da wir zwischen seinem Haus mit jeder Menge Spielzeug (für Nila das Paradies) und unserem Wohnmobil hin und her wechseln können, fühlt es sich nicht ganz so erdrückend und eingeengt an. Wir bleiben vier Tage in Mussidan und obwohl es wunderschön ist, mal wieder mit Freunden zusammen zu sein, zieht es uns doch weiter. Mittlerweile ist das Ziel eigentlich nur noch: weg vom Regen!

Das Problem mit dem Regen ist nicht nur, dass er uns einschränkt, sondern auch, dass wir immer mehr Schwierigkeiten mit Feuchtigkeit im Wohnmobil haben: nachts beschlagen die Fenster und die Feuchtigkeit sammelt sich in den Ecken, insbesondere in den Schränken. Dort wiederum lagern unsere Klamotten, die die Feuchtigkeit ebenfalls einziehen. Wir müssen regelmäßig auswischen, viel heizen und lüften, damit wir keinen Schimmel bekommen.

Insbesondere im Alkoven ist es schwierig, weil die Heizung, die auf der anderen Seite des Wohnmobils installiert ist, hier kaum noch Power hat und nur wenig warme Luft ankommt. Außerdem ist der Alkoven besonders kalt, weil er ja direkt über der schlecht isolierten Fahrerkabine ist. Die Feuchtigkeit sammelt sich und da die Sonne nicht scheint und es draußen nach wie vor dauerregnet, kriegen wir sie nicht richtig raus. Auf unseren Fahrten sehen wir überschwemmte Felder, fahren über Flüsse die weit über die Ufer getreten sind und Häuser, die durch große Seen komplett von der Straße abgeschnitten sind – nicht nur wir leiden unter dem Wetter!

Wir haben trotz allem auch sehr viele schöne Momente und wir sehen traumhafte Landschaften: schlafen ganz oben auf einem Weinberg, mit Blick über endlose Weinfelder, auf netten Höfen und Stellplätzen in kleinen, wunderschönen Dörfern. Wir machen schöne Spaziergänge und besuchen Bergerac sowohl als auch diverse süße kleine Dörfer. Und wir möchten ganz definitiv nirgendwo anders sein, als im Wohnmobil! Aber  dennoch nimmt der Regen uns alle mit: Nila kann sich nicht richtig austoben, Nino kann nicht ruhig schlafen, wenn wir den ganzen Tag im Wohnmobil sind und uns allen fehlt einfach die Wärme auf der Haut.

Nach unserem Besuch in der Dordogne fahren wir wieder ans Meer: Wir hoffen, dass das Wetter hinter den Pyrenäen besser ist. Erst verbringen wir zwei Tage in Biarritz und fahren dann nach San Sebastian. Die Vorfreude auf Spanien war groß, weil wir gehofft hatten, hier das gute Wetter zu finden. Leider werden wir aber enttäuscht: Spanien begrüßt uns mit vollen Straßen, Stau und Gehupe – und einem übervollen Stellplatz. Da es der einzige Stellplatz in der Umgebung ist, überrascht das eigentlich nicht; aber wir sind von Frankreich verwöhnt. In Frankreich standen wir stets ruhig, entweder auf Höfen oder auf kleinen Stellplätzen an den idyllischsten Orten, meistens allein oder mit nur einem anderen Wohnmobil.

Im Übrigen stellt es sich als schwerer heraus, als gedacht, an eine spanische Gasflasche zu kommen. Und unsere französische ist leer. Wir benutzen unser deutsches Reserve-Gas und fahren von Tankstelle zu Tankstelle, auf der Suche nach einer spanischen Flasche. Die bekommt man aber nur, wenn man in Spanien lebt. Unsere Recherchen haben zwar ergeben, dass viele Tankwärter einem auch einfach so eine Gasflasche verkaufen, aber wie wir jetzt erfahren müssen, gilt das nicht für das Baskenland. Auf einem kleinen Campingplatz, wo wir ebenfalls nach Gas fragen, erklärt uns der sichtlich bekiffte, nette junge Mann, dass die Basken zu konservativ sind, um soetwas zu machen und dass wir in den Süden Spaniens fahren sollen, um an Gas zu kommen. Puh. Im Übrigen regnet es immer noch.

Als wir abends auf dem hell beleuchteten, relativ lauten Stellplatz im Bett liegen und – mal wieder – dem Regen lauschen, der auf das Dach des Wohnmobils trommelt, entscheiden wir uns spontan, den Atlantik zu verlassen. Der Wetterbericht zeigt für den Rest des Monats nur Regen an: an der gesamten Atlantikküste, egal ob Portugal oder Spanien oder Frankreich. Wir können nicht mehr. Wir brauchen Sonne, wir brauchen ein paar Tage, an denen wir und unser Wohnmobil sich erholen können; und wir entscheiden uns, an das französische Mittelmeer zu fahren und dann die Mittelmeer-Küste runter nach Portugal. Das war eigentlich anders geplant, aber es fühlt sich jetzt gerade genau richtig an.

Am nächsten Tag brechen wir früh auf und fahren zurück nach Frankreich. Wir freuen uns, wieder hier zu sein, kaufen uns ohne Probleme eine neue französische Gasflasche und fahren entlang der Pyrenäen einmal quer durch’s Land Richtung Mittelmeer. Unseren ersten Stopp machen wir in einem kleinen Dorf am Rand der Pyrenäen, auf einem Stellplatz mit Blick auf die Berge. Am Morgen des 13. Novembers, unseres Zwei-Monats-Geburtstags auf Reisen, werden wir von der Sonne geweckt: Nebelschwaden streifen über die Berge und wir haben so ein leises Gefühl davon, dass ab jetzt wieder alles besser wird.