Endlich angekommen: Unser dritter Monat auf Reisen

Nach zwei Monaten unterwegs haben wir so langsam das Gefühl, dass wir endlich auf dieser Reise ankommen. Der ewige Regen liegt endlich hinter und es geht nun in die wunderschönen Pyrenäen. An einem Tag fahren wir durch die Sonne immer tiefer in die Berge hinein – und finden uns auf einmal in einer Schneelandschaft wieder! Um uns herum liegen gute 15 Zentimeter Neuschnee und glitzern in der Sonne! Nila ist natürlich völlig begeistert und wir bauen sofort einen Schneemann und kugeln uns im Schnee. Da die Sonne scheint, ist es trotzdem warm draußen und wir haben einen wirklich wunderschönen Tag.

Später fahren wir wieder ein Stück aus den Bergen raus und lassen den Schnee hinter uns. Die Pyrenäen gefallen uns unglaublich gut und wir sind jeden Tag dankbar für unsere Entscheidung, unsere Pläne über den Haufen geworfen zu haben und nun Richtung Mittelmeer unterwegs zu sein, anstatt die Atlantikküste runterzufahren.

Obwohl wir 4,5 Tonnen wiegen und 8 Meter lang sind, kommen wir sehr gut durch die Berge, beziehungsweise am Fuße der Berge entlang. Wir bleiben eine ganze Weile in dem kleinen Ort Duilhac und unternehmen wunderschöne Wanderungen zu alten Burgen und kleinen Wasserfällen. Endlich haben wir das Gefühl, an einem Ort bleiben zu wollen und nicht immer nur weiter und weiter zu müssen, um dem Regen zu entkommen. Denn geregnet hat es jetzt schon seit Tagen nicht mehr. Wir drosseln unser Tempo, bleiben meistens drei Nächte an einem Ort, bevor wir 50-100 Kilometer weiterfahren. Nach zehn Tagen sind wir das erste Mal am Mittelmeer und lassen die warme Abendsonne in unsere Gesichter strahlen.

Endlich fahren wir alle ein paar Gänge runter, endlich haben wir das Gefühl, angekommen zu sein. Einfach im Moment sein – nicht mehr permanent am nächsten Ziel zu sein. Wir bleiben lange an der spanischen Grenze, fahren mal rüber nach Spanien und dann wieder zurück, spazieren auf den Spuren von Walter Benjamin durch Port Bou, fahren ein Stückchen in die Berge, um nochmal wandern zu gehen, und dann wieder zurück ans Meer, um einfach im Sand zu spielen. Als wir die Grenze an der Küste zurück Richtung Frankreich passieren, werden wir zum ersten Mal von der Grenzpolizei gestoppt und müssen uns ausweisen. Zum Glück habe ich die Pässe griffbereit und der freundliche Polizist winkt uns auch direkt durch. Für Nila ist das natürlich trotzdem ein sehr aufregender Moment und sie spielt noch den ganzen restlichen Tag Grenzkontrolle.

Spanien empfängt uns dieses Mal auch viel netter als beim letzten Mal: In dem kleinen Ort Peralada grüßen uns alle Menschen freundlich, wuscheln Nila durch die Haare und der Bäcker schenkt ihr bei jedem Besuch ein veganes Croissant. Wir verlieben uns ein bisschen in das nette Dorf, ziehen aber trotzdem nach einigen Tagen weiter. Die Costa Brava entlang geht es weiter südlich. Wir bleiben bei unserem Tempo und verbringen immer drei Nächte an einem Ort. Das erlaubt uns, die Orte viel besser auf uns wirken lassen, Zeit zum Durchatmen zu haben, in Ruhe zu arbeiten und auch tatsächlich zum ersten Mal einfach mit einem Buch in der Sonne zu sitzen. Schön!

Die Costa Brava mit den Steilküsten, orangenen Felsen und klarem Wasser gefällt uns unglaublich gut. Allerdings sind wir froh, im Winter hier zu sein, denn im Sommer ist hier der Teufel los und auf den Campingplätzen (die jetzt alle geschlossen sind) sind pro Platz bis zu 4000 Menschen. Und es liegt ein Campingplatz neben dem nächsten, mehr oder weniger die ganze Küste entlang. Jetzt im Dezember ist es hier ruhig und schön und man kann die Strandpromenaden fast ganz allein genießen.

Weihnachtsstimmung kommt bei uns auch mit viel Mühe noch nicht so richtig auf: Zwar haben wir Nila einen Adventskalender gebastelt und feiern auch den ersten Adventssonntag mit Lebkuchen und einer Weihnachtsgeschichte, aber die Sonne und die warmen Temperaturen um die 20°C sorgen doch dafür, dass wir uns einfach immer mehr in Urlaubs-Stimmung, anstatt in Weihnachts-Stimmung befinden. Was wir an Weihnachten machen, das wissen wir auch nicht und verschieben das Thema auch immer wieder.

Stattdessen fahren wir weiter südlich und verlassen irgendwann Katalonien. Wir sind jetzt bei Valencia und verbringen hier weiterhin wunderschöne Tage am Strand. Zwei Nächte verbringen wir auf einer Düne und parken auf dem harten Sand … nun ja, fast hartem Sand, denn bei der Ankunft bleiben wir erstmal stecken und kommen nur mit der Hilfe anderer Camper wieder frei. Später helfen wir selbst noch einigen andern Vans und Wohnmobilen aus dem Sand – einmal vier Stunden lang am späten Abend. Erst nachts um 1 Uhr kommt Johann irgendwann wieder rein und erzählt mir aufgeregt von den letzten vier Stunden im Sand.

So erleben wir unsere kleinen Abenteuer auf unserer Reise, die ansonsten bisher angenehm ruhig verläuft. Wir sind froh, dass jetzt, nach drei Monaten, alles rund läuft, wir unsere Routinen gefunden haben und uns einen Alltag auf Reisen geschaffen haben. Die Kinder schlafen gut, sind gut drauf und verstehen sich gut, wir sind (meistens) entspannt, finden Zeit für uns, jeder für sich und für uns als Paar, haben viel schöne Zeit alle gemeinsam und sind gut darin geworden, die Bedürfnisse der anderen hier auf der Reise besser wahrzunehmen und uns danach zu richten. Ja, wir sind irgendwie richtig angekommen.

Zum Ende unseres dritten Monats lernen wir auch ENDLICH andere „Vanlifer“ kennen. Bisher haben wir zwar auch andere Leute kennengelernt, aber dann immer nur Franzosen und mit den französischen Kindern konnte Nila immer nur bedingt gut spielen (bei ihr geht sehr viel Spiel über die Sprache – da alles kommentiert werden muss, bzw. in Rollenspiele eingebettet wird). Jetzt lernen wir zum ersten Mal andere Deutsche kennen, die genau wie wir eine längere Reise machen bzw. ganz im Wohnmobil leben. Endlich können wir uns mal gründlich austauschen, viele Fragen loswerden und Antworten bekommen; und Nila kann endlich mal wieder so richtig spielen! Sie spielt fast drei Tage durch, dann kann sie nicht mehr und bekommt Fieber und wir fahren erstmal an einen ruhigen Stellplatz, wo sie sich erholen kann. Aber diese drei Tage taten ihr richtig gut – und uns tat es auch gut, uns einfach mal auszutauschen, mit Menschen die die gleichen Erfahrungen machen wie wir und die die gleichen Themen beschäftigen.

Trotzdem fahren wir dann, als Nila Fieber bekommt, erstmal wieder allein weiter. Nach so einer intensiven Zeit braucht es dann auch wieder Erholung und Zeit für uns … auch das haben wir jetzt gelernt.

Die Pläne für unseren vierten Monat – und für unsere gesamte Reise – haben sich auch schon wieder geändert. Schon länger ist ja klar, dass wir auf jeden Fall 1 ½ Jahre unterwegs sein werden, anstatt nur ein Jahr, und außerdem werden wir jetzt noch nicht runter nach Portugal fahren. Am Atlantik ist es kälter und regnerischer als hier am Mittelmeer und weil wir nach unseren zwei Monaten im Regen immer noch sehr sensibel auf Regen reagieren, haben wir uns entschieden, bis zum Frühjahr am Mittelmeer zu bleiben, erst dann geht es rüber nach Portugal und dann im Frühsommer irgendwann über Italien nach Slowenien etc. Aber bis dahin ist ja noch sehr viel Zeit und es kann noch zehn Mal alles anders kommen. Wir gehen mit dem Flow und lassen uns überraschen, was diese Reise noch so mit sich bringt.