Everything-now — Von Kirgistan über Kasachstan nach China

„Die Märchenschlucht nahe des Issykul mit seinen eindrucksvollen roten Felsformationen.“ © everything_now

Auf der Seidenstraße von Kirgistan über Kasachstan nach China, Teil 2

Über die letzten schmalen, holprigen Serpentinen führt uns die Fahrt von fast 5000 Höhenmetern Stück für Stück nach unten. Mit einem leicht wehmütigen letzten Blick auf die wilde Schönheit des Pamirs verlassen wir Tadschikistan. Kaum haben wir die Grenze nach Kirgisistan passiert, finden wir uns in einer Umgebung wieder, die so ganz anders daherkommt als alles, was wir die letzten Wochen erlebt haben. Die Fahrten führen uns kilometerlang auf asphaltierten Straßen an Feldern und grünen Wiesen vorbei. Frei grasende Pferde, Ziegen- und Schafsherden prägen das Landschaftsbild. Die kirgisische Natur begeistert uns mit ihrer oft überraschend wechselnden Vielfalt von Anfang an - befindet man sich gerade noch in einer Schlucht roter Felsformationen, findet man sich nur ein Stück weiter an einem See wieder, der einen an das Mittelmeer erinnert. So erkunden wir trampend und mit den beliebten Minibussen die vielen, unterschiedlichen Gegenden des Landes.

„Das Tölök Tal nahe des Kalmak Passes.“ © everything_now

Auf mehrtägigen Wanderungen und zum Teil auch per Pferd, die uns durch herrliche Gebirgszüge führen, dürfen wir in Kirgisistan auch Einblicke in das Leben der Nomaden werfen. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass dies heute nicht mehr der übliche Lebensraum der Nomaden ist, sondern nur für die Saison im Sommer und Herbst betrieben wird, um Reisende zu beherbergen und ihnen die Ursprünglichkeit Kirgistans zu zeigen. Wir freuen uns, an diesen Orten den Menschen, der Natur und anderen Reisenden näher zu kommen und auch in die ältere Kultur des Landes ein kleines Stück einzutauchen. Neben den bunten Märkten in den Dörfern kann man vor allem in den alten Yurten noch am allerbesten das Handwerkskönnen bestaunen – von Hand gewebte Bänder, gefilzte Teppiche, gesteppte Sitzkissen, gedrehte Kordeln u.v.m.

„Eine einzeln verbliebene Jurte am Son-Kul See zum Saisonende.“ © everything_now „Marktleben in Karakol.“ © everything_now

„Auf 3920 m dem Gipfel des Ala-Kul Passes.“ © everything_now

Eigentlich sah unser Reiseplan vor, in nur wenigen Wochen durch China und von dort recht zügig in Richtung Südostasien zu reisen. Nachdem wir von Kasachstan aus mit dem Zug im Westen Chinas, in der Region Xinjiang ankamen und schon eine kurze Zeit im Land unterwegs waren, spürten wir sehr schnell, dass wir hier gern etwas mehr Zeit verbringen wollten. Vielleicht aus dem Grund, weil wir uns vorher keine konrekte Vorstellung von diesem Land gemacht haben. Wir sind unerwartet von der unglaublichen Landschaft, dem Essen, der diversen Kultur und vielem mehr begeistert und fasziniert. Da unser Visum einen längeren Aufenthalt glücklicherweise zulässt, beschließen wir, unserer Neugier und Intuition einmal mehr zu folgen und nehmen uns die Zeit, mehr von dem großen Reich der Mitte zu erleben. Uns persönlich beeindruckt und prägt die Zeit, die wir in den autonomen tibetischen Regionen verbringen, im Nachgang betrachtet, wohl am stärksten. Hier hält es uns auch am Längsten.

„Betende buddhistische Pilger im Kloster Labrang.“ © everything_now

„Das tibetische Kloster Nanwu-Si in Kangding.“ © everything_now

„Goldene Buddha-Statue auf einem Hügel der Klosteranlage Yarchen Gar in Garze.“ © everything_now

China, das sind viele verschiedene Welten zugleich, die sich nur schwer fassen lassen. All die Erfahrungen und Begegnungen hier empfinden wir als eine große Bereicherung – sind aber zugleich auch oft darüber schockiert, in welchen Dimensionen und in welcher Dynamik sich das Leben hier abspielt. Es ist das eine, Informationen aus Büchern und Medien zu haben, aber etwas ganz anderes, sich inmitten des Ganzen zu befinden. Seitdem wir unterwegs sind, passiert letztlich in China genau das, was wir als unseren Antrieb zu reisen bezeichnen würden - aus der eigenen Erfahrung heraus die Dinge verstehen und sich sein eigenes Bild zu machen. So waren wir fast drei Monate in China und das ist für uns einmal mehr der Beweis, wieviel Überraschung in einer Reise stecken kann, wenn man das Glück hat, sich den Freiraum nehmen und das Unterwegs-Sein in Zeit und Raum flexibel gestalten zu können. Je länger wir unterwegs sind, empfinden wir das als größtes Geschenk.

BACK TO THE ROAD mit Stephanie & Dominique von Everything_now

„Eine Künstlerin der chinesischen Oper in Chengdu, Sichuan.“ © everything_now

„Die berühmte Karstlandschaft von Putao mit Blick auf dem Fluss Yulong.“ © everything_now