Everything now — Von Russland nach Georgien

Die Brücken von Sankt Petersburg bei Nacht © everything-now

Wir sind beide etwas aufgeregt als wir im Bus von Tallinn Richtung russischer Grenze sitzen. Jeder von uns hat seine Vorstellungen und Bilder über dieses unfassbar große und uns doch sehr fremde Land im Kopf. Wir sind gespannt und hoffen zumindest einen kleinen Einblick in das wahre russische Leben erhalten zu können.

Unsere Route führt uns vom prachtvollen Sankt Petersburg , mit Zwischenstation in Velikiy Novgorod, in das beeindruckende Moskau. Beide Städte haben ihr ganz eigenes Flair und auch, wenn wir oft danach gefragt wurden, fällt es uns schwer, hier einen Favoriten zu nennen.  Zufälligerweise kommen wir mitten in der Zeit der Fußballweltmeisterschaft an. Dies beschert uns einerseits das Glück, in kürzester Zeit vielen netten und interessanten Menschen aus aller Welt zu begegnen. Der etwas leidliche Nebeneffekt ist anderseits, dass es überall viel voller ist als üblich und es vor Sicherheitssperren und  -schleusen nur so wimmelt.

Nur eine der vielen eindrucksvollen U-Bahnstationen, die sich unter Moskaus Straßen verbergen © everything-now

Bevor es weiter Richtung Süden geht, machen wir uns auf den Weg nach Nikola-Lenivets, einem Nationalpark der besonders für seine Landschaftsarchitektur bekannt ist und nur drei Stunden von Moskau entfernt liegt. Wir werden hier mit großem Erstaunen, Interesse und russischer Gastfreundlichkeit begrüßt. Scheinbar verirren sich hier tatsächlich eher selten Nicht-Russische Touristen. Es ist ein schönes, weitläufiges Naturschutzgebiet, dass wir mit dem Fahrrad entspannt eigenmächtig erkunden können. Spätestens hier wünschen wir uns, russisch gelernt zu haben. Es spricht quasi niemand Englisch und wir würden zu gern die vielen Begegnungen mit den Menschen vertiefen und mehr über ihr Leben erfahren.  Die Stadt Kaluga an der Oka gilt als „Wiege der Kosmonautik“ © everything-now

Unser Plan ist, von Russland die Grenze im Norden Georgiens zu passieren, was nur über eine einzige Straße möglich ist – den legendären Military Highway. Auf unserem Weg dorthin passieren wir die Region Nord-Ossetiens bzw. auch Gebiete wie Tschetschenien, Ignutschien usw., die immer noch sensible Zonen sind. Sehr unbequem sind auf diesem Weg die damit einhergehenden und selbst für unsere bisherige Russlanderfahrung häufigen Kontrollen durch das Militär. Schon ein leicht seltsames Gefühl. Zu unserem Glück lernen wir kurz vor unserer Ausreise einen jungen Russen kennen, der perfektes Englisch spricht, und mit uns gemeinsam über die Grenze geht. Somit können wir zumindest hier die Sprachbarriere erfolgreich überwinden, denn ein russisches  Ausreiseverfahren ist nicht minder streng als das Einreiseverfahren, wie wir lernen. Und dank Mikhael erfahren wir auch noch das ein und andere über die russische Kultur.

Kurz nach der russischen Grenze auf dem Weg durch das Kazbegi-Gebirge © everything-now

Georgien gewinnt von der ersten Sekunde an unser Herz. Der Military Highway ist eine einzige Pracht für das Auge und Tiflis sprudelt vor positiver Energie und Lebensfreude.

Wir genießen unsere Zeit hier in vollen Zügen und nutzen dabei Tiflis neben der Erkundung der Stadt auch immer wieder als Ausgangspunkt, um für mehrere Tage nach Swanetien oder Telavi  loszuziehen, zu wandern und alles zu erkunden. Neben der Schönheit der Natur sind wir auch direkt der georgischen Küche verfallen. Diese ist so abwechslungsreich und raffiniert, dass es eine Freude ist, täglich neue Leckereien und Gerichte zu entdecken. Nachdem es hier für uns einfach ist, Visa für unsere weiteren Etappen in den Iran und nach China zu beantragen, fällt es uns entsprechend leicht, hier ein paar Tage länger als geplant zu bleiben, ohne dass uns langweilig wird.

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