Familie Tunk unterwegs. Teil 1. In Italien

Italien. Carrara. © Tunk

Familie Tunk hat der Corona-Pandemie die Stirn geboten und im Sommer ihre einjährige Reise begonnen. Zunächst ging es Richtung Italien. Hier einige Auszüge aus ihrem umfangreichen Reisebericht:

Unsere Reise führte uns zunächst Richtung Süden und wir erreichten durch wunderschöne Bergsträßchen und unzählige Kehren schließlich die Region um Carrara mit seinem weltberühmten Marmor. Überflüssig zu erwähnen, dass wir natürlich eine Besichtigungstour in die Marmorstollen machten- oder? Die Tour brachte uns das Thema „Marmor“ sehr anschaulich näher und ist absolut empfehlenswert. Solche touristischen, und die Reisekasse schmälernden Spots, werden wir immer wieder in unsere Reise einbauen, da wir uns vorgenommen haben, unseren Kindern die Vielfalt der jeweiligen Regionen zu zeigen. Weltbekannte und einzigartige Orte werden nach wie vor von vielen Reisenden angesteuert. Gerade in diesen durch Covid 19 bedingten, und vor allem wirtschaftlich schwierigen Zeiten, verstehen wir das Reisen als aktive Unterstützung: Nicht nur, um ein Stück Normalität zu leben, sondern vor allem auch um vor Ort die Wirtschaft durch unsere ausgegebenen Gelder ein wenig zu unterstützen."

Italien. Carrara. © Tunk

Und weiter ging es Richtung Süden. Da das Baden geografisch bedingt noch nicht wirklich ganz so präsent war, forderten unsere beiden Jüngsten dies zu Recht ein: Wir erreichten den Lago dell` Accesa und fanden einen schilfummantelten See mit einigen Stegen vor, welcher nicht nur ein erloschener Vulkankrater ist, sondern zudem kristallklar und von einer unterirdischen Quelle gespeist wird. Dazu noch Strände wie man Meer, so dass wir ein Farbenspiel erlebten, welches uns stellenweise in die Karibik versetzt hat. Einziger Wermutstropfen war, dass wir ein Wochenende erwischt hatten und somit der Parkplatz gerammelt voll war und wir abseits in Ruhe abwarteten, bis sich die Masse langsam wieder nach Hause bewegte und wir in Ruhe unter hohen Bäumen unseren Stellplatz auswählen konnten. Überflüssig zu erwähnen, dass wir anschließend natürlich das fantastische Wasser ausgiebig genossen, oder?

Lago dell`Accesa © Tunk

Auf unserer Reise ging es immer noch weiter gen Süden und auf dem Weg lag ein (für Italiener zumindest unbedingt empfehlenswerter) Hotspot: Die Thermalquellen von Saturnia: Es geht zu wie auf der Wies`n in München zu deren besten Zeiten: verstopfte Straßen, zugeparkte Parkplätze und massenhaft leicht bekleidete italienische (Groß-) Familien beim Ausflug. War ja klar, dass wir wieder einen Sonntag erwischt hatten: Selbst schuld!

Da wir normalerweise die Menschenmassen meiden, entschieden wir, kurz in das Massenbad einzutauchen: Der Haut wird so ein Bad sicherlich guttun und um ins pralle italienische Leben hautnah einzutauchen, gibt es keine eine bessere Möglichkeit. Kurze Zeit später lagen wir also in einem der natürlichen, nach faulen Eiern stinkenden und dampfenden Naturpools inmitten dem italienischen Dolce Vita. Aber länger als 30 Minuten hält man es dort nicht und wir zogen von dannen.

Thermalquelle von Saturnia © Tunk

Da uns alle fantasieanregenden Orte anziehen, passte unser letzter Zwischenstopp vor dem Erreichen der Ewigen Stadt ganz gut: Bolsena. Diese Stadt hat zweimal in der (Kirchen-) Geschichte Geschichte geschrieben: Zuerst mit der heute heiligen Christina, welche auch Schutzpatronin der Stadt ist. Christina hat um das Jahr 4. Jahrhundert als 11jähriges Mädchen den Drang verspürt, den gerade im entstehenden christlichen Glauben anzunehmen. Alle Versuche ihres Vaters, ihr dies zu verbieten, fruchteten jedoch nicht. Da es ihrem Vater aber derart missfiel, band er ihr einen schweren Stein um den Hals und warf sie in den See. Allerdings überlebte sie diesen Tötungsversuch. Der Vater ließ sie danach jedoch mit Pfeilen beschießen, was schließlich zum Tode des Mädchens führte.

Die frühen Christen waren sehr beeindruckt von dem Willen und der Gläubigkeit des Mädchens. Nachdem viele Menschen zum Grabe der Christina pilgerten, wurde sie heiliggesprochen. Archäologen fanden im Grab die Überreste eines Mädchens, das vom Sterbealter her passen würde und bestätigten auch die Altersbestimmung … doch alles nur eine Legende?"

Legende der hlg. Christina © Tunk

Rom, die Ewige Stadt. Nein, wir werden hier nicht versuchen, Rom zu erfassen, zu kategorisieren oder eine „Top-Ten-Liste“ zu erstellen. Zum Thema Rom sind ganze Bibliotheken geschrieben worden. Wir werden es daher bei einigen persönlichen Eindrücken belassen.

Da wir für die Klassen unserer Kids immer wieder kurze Videobotschaften erstellen, wählten wir dazu die Spanische Treppe, die, bedingt durch Corona, gähnend leer war. In der angrenzenden Prachtstraße Via Condotti treffen wieder einmal, wie an vielen Orten in der Welt, die Gegensätze von arm und reich schonungslos aufeinander: Während die sehr gut situierte Geschäftsfrau aus dem Prada-Shop Smartphone benutzend herausschlendert, kämpft wenige Meter in einer Seitenstraße eine Obdachlose um ihr nacktes Überleben.

Rom 1 © Tunk

Durch einen glücklichen Zufall, um nicht das Wort „göttlich“ zu benutzen, sahen wir, dass Papst Franziskus am nächsten Tag eine öffentliche Audienz, ohne die ansonsten mehrere Monate im Voraus nötige Anmeldung, abhalten sollte. Na, da versuchten wir doch einen Platz zu ergattern und am nächsten Morgen saßen wir inmitten von mehreren hundert Gläubigen. Nicht nur, dass Papst Franziskus 8 m von uns entfernt saß, nein, bei seinem Bad in der Menge ging er zielgerichtet auf den in erster Reihe stehenden Moritz zu und legte ihm seine Hand auf den Kopf! Auch ohne tief im katholischen Glauben verankert zu sein, was das und die anschließende Audienz sehr berührend.

Rom 2 © Tunk

Nach mehreren Tagen und deutlich länger als erwartet und geplant, verließen wir Rom und es ging über Rocca di Papa und das schöne Palestrina in die Abbruzzen, genauer gesagt in den Parco Nazionale d`Abruzzo Lazio e Molise.

In dieser herrlichen Natur wollten wir gerne einige schöne Wanderungen unternehmen und hofften, vielleicht Zeichen von hier vorkommenden Braunbären zu erhaschen. Das dies aber gleich in der ersten Nacht geschah, hatten wir uns natürlich nicht träumen lassen. An der linken Bergflanke von uns schien Braunbär Nr. 1 sein Revier zu haben und Braunbär Nr. 2 rechts von uns, denn wir wurden Zeuge von immer wieder lautstarken Versuchen, diese Reviere zu markieren und verbal zu verteidigen. Für uns mittendrin natürlich ein geniales und abenteuerliches Unterfangen, denn so hatten wir diese großen Säuger wenigstens schon einmal gehört.

Abruzzen im Schnee © Tunk

„Zuhause“, d.h. im Gecko, wird natürlich immer wieder für die Schule gearbeitet, Wäsche gewaschen, die Homepage gepflegt, Rechnungen überwiesen, Kleinigkeiten instandgesetzt – und der weitere Verlauf unserer Reise geplant, denn es ist für uns nun der richtige Zeitpunkt, um Italien zu verlassen und Griechenland anzusteuern. Warum? Nun, da gibt es mehrere Gründe: Das Wetter ist auf jeden Fall ausschlaggebend, die weitere Küste (Amalfiküste) gilt zwar als wunderschön und sehr pittoresk, jedoch auch als sehr schmal. Und schmal sind wir nun wirklich nicht.

Weiter hätten wir die Möglichkeit, zwei sehr liebe Freunde von uns in Hellas zu treffen und da die Kinder nun auch viel Lust auf Sonne, Strand, Meer und Baden haben, steht die Entscheidung fest und die Fähre wird dank moderner Smartphone-Technik für die nächsten Tage von Bari aus gebucht. Wir freuen uns!

Wir wünschen Familie Tunk weiterhin eine aufregende und interessante Reise. Und wir wünschen ihnen natürlich auch, dass sie gesund bleiben und ihre Reise wie geplant fortsetzen können.

Familie Tunk bei BACK TO THE ROAD