Gwen und Patrick: Die Ruhe kommt mit Routine und Konservenglas

Unser Reise-Gefährten Gwen und Patrick sind unterwegs, von Freiburg um die Welt: 2 Jahre  239 Tage – über 78.016 Kilometer – 1 Paar – 5 Euro am Tag – immer die Erde berühren. 

 

Die Ruhe kommt mit Routine und Konservenglas

Ich sitze in einem kleinen Häuschen am Atitlan See in Guatemala. Vor mir liegen Landkarten, Bücher, Zettel, Krimskrams der sich so angesammelt hat – spätestens seit wir neben zwei Rucksäcken auch einen VW-Bus füllen dürfen. Bruno schläft in der anderen Ecke unterm Moskitonetz. Irgendwas Kleines bewegt sich zwischen den Büchern.

Wahrscheinlich eine Ameise.

In dem Haus dürfen wir für ein paar Wochen wohnen, so lange machen wir wieder einmal Freiwilligenarbeit. Das mit dem Arbeiten beschränkt sich allerdings auf die Vormittage. Es ist Regenzeit, der Regen trommelt heftig aufs Wellblechdach. So gegen Nachmittag kommt jeden Tag das warme Nass von oben und dauert auch gerne mal bis in die Morgenstunden.

Wieder bewegt sich etwas zwischen den Büchern.

Wahrscheinlich ein Käfer.

Ich bin vertieft in eine Nicaragua-Karte. Sobald die Regenzeit aufhört, wollen wir wieder weiterziehen. El Salvador, Honduras, Nicaragua ... mal sehen. Aber erst einmal wird es die nächsten sechs Wochen noch jeden Tag regnen. Es bleibt viel Zeit die Karte anzusehen.

Wieder etwas Schwarzes zwischen den Zetteln, keine dreißig Zentimeter neben mir. Ich sehe es im Augenwinkel. Es ist etwas mit einem Stachel ... Ein Skorpion.

Ich stehe besser mal auf.

Schnell!

Mittlerweile bin ich einigermaßen trainiert im »Konservenglas-übern-Skorpion-stülpen«.

Das war nicht immer so. Aber die Routine bringt die Ruhe. Es ist (keine Übertreibung) der 8te seiner Gattung, den wir in diesem Monat aus unserem Zimmer fischen. Mit jedem Skorpion wird es einfacher.

Beim ersten hab ich mir noch ordentlich einen abgezittert und ne gefühlte gute halbe Stunde immer wieder angesetzt, bevor ich ihn im Marmeladenglas hatte. In Mexiko wurde Gwen von einem gestochen. Im 8ten Monat schwanger. Aber das ist eine andere Geschichte. Schrecken, Schmerz und das Kopfweh wollen wir uns hier ersparen. Klar, man könnte ihn auch mit dem Besenstil zermörsern, aber: kein gutes Karma! Unsere Skorpione landen lebend im angrenzenden Regenwäldchen. Anfangs noch samt Marmeladenglas, jetzt ohne. Die Gläser gehen uns langsam aus.

Lusiano unser guatemaltekischer Nachbarjunge macht das anders. Erst letzte Woche hat er zwei lebende Skorpione und eine Schwarze Witwe vorbeigebracht. Als Heimat-und Sachkundeuntericht für uns »Gringos«. Den armen Skorpionen hat er die Stachel abgezwickt und sie sich dann über Arme und Gesicht krabbeln lassen. Die Schwarze Witwe allerdings hatte er, einmal darf man raten, im Marmeladenglas. Seit ein paar Tagen schon. Schlechtes Karma, hab ich ihm gesagt. Er ist 13 Jahre alt, das gehört hier wohl zum Großwerden dazu. Bruno bekommt von alledem wenig mit, schläft seelenruhig unterm Moskitonetz.

Guatemalas Atitlan See, mit seinen prächtigen Vulkanbergen ist ein atemberaubendes Schauspiel, aber man sollte sich vorher die Schuhe ausschütteln, bevor man sich das ansehen will ...

 

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