Das „Internationale Jahr der Indigenen Sprachen“ hat begonnen

Nordargentinien/Bolivien © machaon-lights

In der Reihe Kauderwelsch haben Minderheitensprachen und indigene Sprachen schon immer einen festen Platz. Seit Jahrzehnten werben wir dafür, sich vor jeder Reise zumindest ein paar Brocken in der Landessprache anzueignen und  Menschen auf Augenhöhe entgegenzugehen. Nun unterstützt uns (endlich! ;-) ) auch die UNESCO dabei.

Die UNESCO eröffnet am 28. Januar in Paris das „Internationale Jahr der Indigenen Sprachen“ (IYIL).

Was machen wir eigentlich mit unserer Sprache? Wir definieren unsere Identität. Wir verstehen unsere Geschichte und Kultur. Wir lernen, verwirklichen unsere Menschenrechte und nehmen teil am gesellschaftlichen Leben. Sprache lässt Menschen ihre Kultur, ihre Bräuche und ihre Erinnerungen bewahren. Mittels Sprache planen Menschen auch ihre Zukunft. Die Wahrung der Menschenrechte, demokratische Prozesse, Friedensarbeit und nachhaltige Entwicklung sind ohne Sprache überhaupt nicht denkbar. Die Sprache ist nicht nur Grundlage jeder menschlichen Kultur, sondern auch DAS Werkzeug der gesellschaftlichen Entwicklung.

Gleichwohl sind von den etwa 7000 Sprachen, die aktuell auf der Erde gesprochen werden, ca. 2500 in Gefahr.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Indigene Sprachen sind immer wieder unterdrückt oder gar verboten worden. Generationen von Kindern wurden gezwungen, in der Schule die offizielle Landessprache zu benutzen und nicht die eigene. Wie viele Sprachen schon ausgestorben sind oder ausgerottet wurden, lässt sich nur schätzen.

Gleichzeitig schrumpfen die Distanzen auf dem Erdball. Digitalisierung und Globalisierung beschleunigen die Entwicklung hin zu wenigen Verkehrssprachen, die weltweit verstanden werden.

Indonesien, Java © Wayan Rump

Jede Sprache hat ihre einzigartigen Denkweisen, Sichtweisen und Ausdrucksweisen. Diese Vielfalt zu schützen und zu erhalten, ist ein wichtiges Anliegen der UNESCO. Mit verschiedenen Fördermaßnahmen soll das Bewusstsein für indigene Sprachen und Kulturen gefördert werden. Sprecher dieser Sprachen sollen die Wertschätzung erfahren und empfinden, die lange gefehlt hat. Sie sollen mit Stolz auf ihre Kultur und Sprache schauen und sie als Schatz begreifen.

https://www.iyil.org/

Dabei geht es nicht nur akademisch-trocken zur Sache, sondern es wird sogar zu Sprachen-Partys aufgerufen. Über den gesamten Planeten verteilt finden Veranstaltungen statt, welche die indigenen Sprachen in den Mittelpunkt stellen und voller Stolz gefeiert werden. Es gibt Lesungen, Theater, Musik, Oral History, traditionelle Geschichten werden erzählt und Einblicke in die indigene Kultur gegeben. Einige begeisterte Rückmeldungen von Teilnehmern veröffentlicht die UNESCO auf ihrer Seite:

https://www.iyil.org/testimonials.html

Ein weiteres wunderschönes Projekt ist die Plattform für unübersetzbare Wörter aus indigenen und „kleinen“ Sprachen: http://www.untranslatable.org/

Unsere Sprachführer-Reihe „Kauderwelsch“ hat viele sogenannte kleinere Sprachen im Programm – indigene Sprachen und andere Minderheitensprachen. Es lohnt sich immer, die Vielfalt der Welt kennenzulernen und auf Reisen einmal über den Tellerrand (der Mehrheitssprache) zu schauen: man wird dabei deutlich mehr Erfahrungen machen, Überraschungen erleben und ein völlig anderes Land kennenlernen, als es sonst der Fall gewesen wäre.

Indigene Sprachen bei Kauderwelsch sind z. B.

Fidschianisch

Grönländisch

Guaraní

Lakota (Sioux)

Maori

Maya

Quechua

Samisch

Tamaschek (Tuareg)

Außerdem gibt es in der Reihe Kauderwelsch noch viele andere Regional- und Minderheitensprachen, z.B.

Aztekisch (Nahuatl)

Baskisch

Bretonisch

Friaulisch

Galicisch

Irisch-Gälisch

Katalanisch

Kornisch

Korsisch

Mallorquinisch

Neapolitanisch

Rätoromanisch

Romani

Sardisch

Schottisch-Gälisch

Sizilianisch

Sorbisch

Walisisch

Text: Christine Schönfeld (Kauderwelsch Redaktion)