Jana & Robbe in Georgien — Ein kleines Land mit großem Herz

Georgien © Jana Schlägel/Robbe

Georgien – ein kleines Land mit großem Herz

Aus geplanten drei Wochen Aufenthalt in Georgien mit meinem Reisegefährten Robbe wurden 4 Monate. Aus der Freundschaft zu Robbe wurde Liebe. In dieser Zeit sind wir zu einem Team zusammen gewachsen,  das einen Hund adoptierte und einen Camper Van kaufte.

Aber beginnen wir am Anfang:

In Ankara beschlossen wir, gemeinsam weiter nach Tiflis/Georgien zu trampen in die Hauptstadt dieses wundervollen Landes. Rund 1300 km lagen vor uns, die wir in wenigen Tagen mit Hilfe diverser Mitfahrgelegenheiten zurücklegten.

Spät in der Nacht erreichten wir Tiflis und suchten uns ein nahe gelegenes Hostel. Zu diesem  Zeitpunkt konnten wir nicht ahnen, dass, sowohl die Besitzer als auch das Hostel im Laufe der Reise eine kleine Heimat für uns werden würden.

Welche Ecke in Georgien wir auch erkundeten, immer wieder führte es Robbe und mich wieder zurück ins Art Gate Hostel.

Wohin uns der Weg in Georgien auch führte, wir wurden immer herzlich willkommen geheißen. Wir waren erneut erstaunt über so viel Gastfreundlichkeit in einem für uns so fremden Land. Die meisten Bekanntschaften machten wir beim Trampen. Dies führte dann meistens zu unerwarteten Wendungen unserer eigentlichen „Pläne“.

Georgien © Jana Schlägel/Robbe

Eine der schönsten Begegnungen ist die Geschichte, die mit einem simplen Glas Wasser begann. Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit, die uns nach Racha bringen sollte, um dort einige Tage zu wandern. In Siktarva, einem kleinen Ort nahe Kutaisi, folgten wir der einzigen Straßen in diesem Ort und wurden nach kurzer Zeit von einem Mann namens Vitali angesprochen. Er und seine Frau boten uns mehrmals Wasser an. Die beiden wirkten so herzlich und sympathisch, dass wir die Einladung annahmen. Bei einem Glas Wasser blieb es nicht!

Die Enkelkinder kamen und begrüßten uns neugierig. Sie rannten zum kleinen Einkaufsladen, um uns mit kühlen Getränken zu versorgen. Vitalis Frau brachte Haselnüsse aus eigenem Anbau und servierte köstliche Wassermelone.  Da sie uns am späten Nachmittag nicht mehr weiterziehen lassen wollten, nahmen wir auch die Einladung zur Übernachtung an. Das freute die vier Enkelkinder riesig. Wir spielten mit ihnen die unterschiedlichsten Ballspiele und fühlten uns schnell heimisch.

Am Abend versammelte sich ein Großteil der Familie und wir aßen gemeinsam Hausmannskost. Übrigens die köstlichsten Gerichte in ganz Georgien.

Georgien © Jana Schlägel

Am nächsten Tag sollte uns Jemiko (ein Sohn) circa 100 km nach Racha bringen. Gemeinsam mit seinen Freunden verbrachten wir dann jedoch den Tag mit einem Barbecue, abseits der Straßen. Das war das erste Mal, dass wir Mzwadi, eine Art Schaschlik, probieren durften.

Georgien © Jana Schlägel

Zu dieser Zeit war uns noch nicht bewusst, dass wir diese Familie weitere drei Male besuchen würden! Jedes Mal mit einem kleinen neuen Erlebnis. So wurde aus einem Glas Wasser, eine hoffentlich endlose Freundschaft.

Beim Zelten am „Green Lake“ bekamen wir die einzigartige Gastfreundschaft der Georgier zu spüren. Wen immer wir auch trafen, jeder lud uns ein. So kam es, dass wir von Lasha und seiner Frau zu einer traditionellen Traubenlese eingeladen wurden. Zu viert machten wir uns auf den Weg zu seiner Familie, wo wir erst einmal mit deftigem Frühstück und dem Wein vom letzten Jahr verwöhnt wurden. Nach etwa einer guten Stunde, starteten wir dann gemeinsam mit der Traubenlese. Rebe für Rebe.

Georgien - Weinlese © Jana Schlägel/Robbe

Selbst die Kleinsten halfen mit, indem sie die vollen Eimer zum Auto brachten und dort in Säcke umfüllten. Trotz der vielen Arbeit hatte jeder von uns Spaß.

Der Vater der Familie zeigte uns das komplette Procedere seiner Weinherstellung. Er erklärte uns auch, dass die Familie einmal im Jahr für die zweitägige Traubenlese zusammenkommt. Das Wichtigste schien jedoch das große Fest danach zu sein! Die gesamte Familie half bei der Zubereitung des Abendessens. Einige kümmerten sich um die Schaschlikspieße draußen in der offenen Glut, andere wiederum halfen in der Küche.

Und wir, wir konnten unseren Augen nicht trauen, als wir den Raum betraten.

Georgien - Weinlese © Jana Schlägel

Eine Tafel voll mit Köstlichkeiten!!

Am Tisch wurde gesungen, gelacht und vor allem einer wichtigen Tradition nachgegangen … der georgischen Trinkkultur.

Ein von der Gesellschaft gewählter Tischmeister, der Tamada, wurde mit der Aufgabe der Tischführung betraut. Seiner wichtigste Aufgabe ist das Ausbringen von Trinksprüchen. Diese sind wohl durchdacht, tiefsinnig und haben meist eine bestimmte Reihenfolge. So wird im Laufe des Abends auf die Familie, das Land, Gott, die Verstorbenen, die Gäste und die Frauen getrunken. Stehend und mit erhobenem Glas spricht der Tamada seinen Trinkspruch. Im Anschluss daran erhebt sich dann jeder weitere männliche Gast und hebt sein Glas in die Mitte. Frauen bleiben sitzen. Mit einem kräftigem „Gaumardschoss“ von jedermann wird der Toast besiegelt und das Glas komplett geleert!

Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass keiner nüchtern nach Hause geht! Was für eine wahnsinnig schöne Erfahrung, an der wir teilhaben durften. Solche und viele weitere Erlebnisse machten Georgien für uns zu einer Art zu Hause.

Es gab dann allerdings noch einen weiteren Grund.

Unser eigentlicher Plan war, dass doch recht kleine Land in circa drei Wochen zu erkunden und dann nach Aserbaidschan weiter zu ziehen. Das Visum hatten wir bereits online erworben.

Georgien - Dumdum © Jana Schlägel

Doch dann kam alles anders als gedacht.

In Telavi campten wir für mehrere Tage im Garten eines sehr chilligen Hostels und verliebten uns in einen Straßenhund. DumDum war in der ganzen Gegend bekannt wie ein bunter Hund, weil er sich nicht durch besondere Cleverniss auszeichnete. Egal wo Robbe und ich hinliefen, Dumdum folgte uns, schlief sogar nachts im Vorzelt.

Doch wir waren uns ziemlich einig. Ein Hund auf Reisen bringt jede Menge Sorgen und Probleme mit sich und wir beschlossen, uns nach einer Woche schweren Herzens von ihm zu verabschieden. Eigentlich war der Rucksack schon gepackt und wir waren kurz davor, uns an die Straße zu begeben, mit dem Ziel Georgien, zu verlassen. Wir konnten es nicht. Unsere Gedanken waren weiterhin bei diesem Straßenhund. Robbe und ich schauten uns an und dachten genau das Gleiche: Zurück nach Telavi zu Dumdum.

Georgien © Jana Schlägel

Also kümmerten wir uns um die Papiere für die Weiterreise. Dumdum benötigte Impfungen und vor allem den Antikörperbluttest gegen Tollwut, damit er später auf jeden Fall nach Deutschland einreisen könnte.

Dies nahm ganze drei Monate in Anspruch! Währenddessen versuchten Robbe und ich Lösungen für all die kleinen und großen Probleme zu finden, die ein Hund so mit sich bringt. Eine Unterkunft mit einem Vierbeiner zu finden, in einem Land, in dem es von Straßenhunden nur so wimmelt, war nicht gerade einfach, aber auch nicht unmöglich. So campten wir im Vorgarten eines Hostels, das von einer Familie geführt wurde, dessen Kinder Dumdum liebten.

Dumdum vertrug das Autofahren anfangs gar nicht gut und wir waren dadurch jedes Mal angespannt, wenn es darum ging eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Und wir dachten an die anstehenden Länder, die wir zusammen bereisen wollten, vor allem an die immer schwerer werdende Problematik, dass die Menschen dort nicht besonders hundefreundlich reagieren würden. So beschlossen wir nach langem hin und her, einen Campervan anzuschaffen.

Die Wahl fiel am Ende auf einen Volkswagen T3 von 1986. Weder Robbe noch ich hatten auch nur ansatzsweise eine Ahnung von Autos. Wir mussten uns auf die Google-Übersetzer-Erklärungen verlassen. Bei Problemen bekamen wir jedoch Hilfe von den Besitzer beider Hostels, die mittlerweile zu Freunden geworden waren.

Georgien - unsere "neue" Reisegesellschaft © Jana Schlägel

Lange Rede, kurzer Sinn: Aus geplanten drei Wochen Georgien wurden vier Monate und aus Freundschaft Liebe, aus unserer Reisegemeinschaft ein gutes Team mit unserem Hund Dumdum und einem Plan, der uns in den Iran führen sollte.

Doch dazu mehr im nächsten Bericht …

Jana und ihre Reise bei BACK TO THE ROAD