Jana & Robbe im Iran

Von Georgien über Armenien, in den Iran

Strahlendes Weiß, mit Schnee bedeckte Landschaft, so startete unsere Armenien-Durchquerung. Es ist bereits Dezember und der Winter ist eingekehrt. Das macht unsere Reise schwieriger. Umso schöner ist die Landschaft fürs Auge und die Kamera.

Wir blieben immer wieder stecken, fahren uns fest und sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Hilfsbereite Menschen zu finden dauerte allerdings nie lange. Wie selbstverständlich hielten Fremde an und halfen uns.

Kaum hatten wir die Grenze zum Iran erreicht, gab es die nächsten Probleme mit Papieren (Carnet de Passage), die wir leider nicht vorliegen hatten. Die Botschaft in Georgien hatte uns gesagt, dass es kein Problem sei, ein Carnet de Passage am Grenzübergang zum Iran zu bekommen.

Das stimmte allerdings nicht so ganz. Zuerst wusste keiner, wo genau wir dieses Schriftstück erwerben könnten. Nach einer Weile und viele Telefonate später, handelten wir einen „Deal“ aus und bezahlten für 2 Monate über 700$ für das Carnet de Passage.

Trotz des nicht ganz so erfreulichen Starts freuten wir uns riesig darüber, den Iran nun endlich erkunden zu können.

Doch zuerst hieß es für mich: Kopftuch und lange Kleidung tragen!

Ein etwas ungewohntes Gefühl, an das ich mich jedoch rasch gewöhnte.

Robbe und ich waren noch etwas unbeholfen und wussten nicht so recht wie, wir uns Verhalten sollten, ob das Schlafen im Auto eine gute bzw. sichere Sache ist, wie die Iraner auf unseren Hund Dumdum reagieren würden und und und. Aber genau das macht ja das Reisen interessant und spannend.

Am ersten Tag parkten wir einfach neben einer Straße und schliefen dort. Am zweiten Tag besuchten wir die Stadt Tabriz. Wir schlenderten durch den Markt und wurden nach kurzer Zeit zu Jemandem nach Hause zum Tee eingeladen. Ein ausgiebiges Gespräch, bei dem wir jede Menge Informationen rund um den Iran bekamen :-). Die Einladung zur Übernachtung lehnten wir aufgrund von Dumdum dann jedoch ab.

Anschließend machten wir uns auf den Weg, ein Plätzchen für die Nacht zu suchen. Nach circa 10 km bogen wir in eine Nebenstraße, die uns ins kleine Dörfchen „Yengi Kand“ führte. Zwischen zwei Gebäuden wurden wir fündig und stellten unseren Bulli ab. Es war schon dunkel und wir sahen nicht wirklich, wo wir standen. Robbe ging noch schnell mit Dumdum raus und bekam währenddessen bereits zwei Einladungen, die er jedoch höflich ablehnte. Jeder von ihnen bot uns Essen und einen warmen Schlafplatz an. Um nicht noch mehr Verwirrung in dem kleinen Örtchen zu schaffen, beschlossen wir uns schlafen zu legen. Nach etwa zehn Minuten klopfte jedoch jemand ans Fenster, Robbe öffnete es vorsichtig. Ein älterer Mann wollte wissen, warum wir dort parkten. Auch er lud uns zum Essen ein und konnte, wie die anderen beiden, nicht verstehen, dass wir bei den Temperaturen im Auto schlafen wollten. Er verschwand wieder, ließ uns jedoch wissen, dass, wenn etwas sein sollte, er direkt nebenan wohnt.

Schnell wieder zurück unter die Decke.

Es dauerte keine 15 Minuten, da klopfte es erneut am Fenster. Polizei. – Ein junger Polizist, der sich für die Störung entschuldigte und ebenfalls wissen wollte, warum wir hier parkten. Nach kurzen Erklärungen wollte er unsere Ausweise sehen. Die Überprüfung könne etwas dauern, erklärte er uns. Nach einigen Gesprächen und viel hin und her, standen plötzlich über 10 Leute um uns herum und ein weiteres Polizeiauto. Unter anderem auch der Bürgermeister. Alle Beamten prüften unsere Ausweise. 45 Minuten später war dann alles geschafft. „Kein Problem“, meinte der junge Polizist und entschuldigte sich noch einmal für die Störung. Doch stehen bleiben konnten wir dort nicht. Der Polizist erklärte uns, dass der Bürgermeister uns freundlicherweise zum Essen und Übernachten in seinem Haus willkommen heißen wolle. Hier war jeglicher Widerspruch zwecklos. Ein Nein wurde nicht akzeptiert. So folgten wir also mitsamt der Polizei dem Auto des Bürgermeisters und wurden herzlich von Frau „Bürgermeister“ empfangen, die bereits das Abendessen für uns zubereitete. Man erklärte uns, dass wir uns ausruhen und Kraft für den nächsten Tag tanken sollen.

So endete der verrückte zweite Tag im Iran.

Erlebnisse dieser Art wiederholten sich ständig. Überall, wo wir Menschen auf den Straßen begegneten, lud man uns zum Essen, auf einen Tee oder für ein gemeinsames Wochenende ein.

Robbe und ich waren uns bewusst, dass es zur Kultur gehört, ein derartiges Angebot erst einige Male abzulehnen, bevor man es dann annimmt. Wir bekamen eine Einladung nach der anderen. Ein „Nein“ wollten viele einfach nicht akzeptieren. Die Fragen, die man uns stellte, waren machmal verwirrend und ungewohnt direkt. Auf die Frage: „Haben Sie eine Waffe bei sich?“, antworteten wir verdutzt: „Nein! Ühm, brauchen wir denn eine?“

Die beiden Frager machten einen freundlichen Eindruck, sprachen Englisch und führten uns ein wenig in die Kräuterlehre ein. Dennoch waren wir anfangs etwas skeptisch aufgrund ihrer merkwürdigen Fragen und zögerten manchmal mit unseren Antworten. Besser nicht zu viel erzählen, dachten wir uns. Schließlich befanden wir uns zu der Zeit irgendwo abseits der Straße, wo keine andere Menschenseele weit und breit zu sehen war. Nach kurzer Unterhaltung luden uns die beiden zu sich nach Hause ein. Da wir misstrauisch waren, lehnten wir die Einladung mehrere Male freundlich ab. Die beiden ließen jedoch nicht locker und wir vereinbarten ein Treffen für den nächsten Tag.

Es ging nach Busher, dort lebte die Familie. An einem Kreisel trafen wir auf einen der beiden Männer, der uns gemeinsam mit seinem kleinen Sohn zu ihrem Haus brachte. Unsere restlichen Bedenken waren ab wie weggeblasen und wir freuten uns, den Rest der Familie kennenzulernen. Wir trauten unseren Augen kaum, als wir ins Haus hinein gingen, überwältigt von der Größe. Wir fuhren mit dem Aufzug in den ersten Stock und lernten dort die anderen Familienmitglieder kennen. Auch der Bruder mit seinen beiden Kindern war extra gekommen. Diese sprachen sehr gutes Englisch, hatten sehr schöne Träume und Ziele für die Zukunft und wirkten unglaublich weltoffen.

Nach längeren Gesprächen und einem Kaffee bot man uns eine Dusche an, die wir nach einer Woche in der Wüste auch wirklich nötig hatten. Wir bekamen frische Kleidung von der Familie und gingen frisch geduscht an den voll gedeckten Tisch. Zur Vorspeise gab es „Kurma changoli“, gefolgt von frischem Fisch und saftigem Reis. Wirklich köstlich! Da es jedoch anschließend Zeit für uns war, aufzubrechen, mussten wir die Einladung zur Übernachtung ablehnen.

Wir hatten einen so schönen Tag mit dieser Familie verbracht, dass wir diesen wohl nie vergessen werden. Im Auto schauten Robbe und ich uns nur an und hatten wohl beide denselben Gedanken: Wie konnten wir auch nur eine Sekunde die Ehrlichkeit dieser Menschen anzweifeln?

Robbe, Dumdum und ich hatten eine wunderschöne, wenn auch anstrengende Zeit im Iran. Viele neue Eindrücke, Regeln und Gewohnheiten, die man sich bei uns so gar nicht vorstellen kann. Wir lernten, dass gerade die jüngere Generation viel lockerer mit den Gesetzen umgeht als man eigentlich von ihnen erwarten würde. Auch auf den Hund wurde nicht immer mit Abneigung reagiert. Die Hälfte der Menschen waren freundlich mit Dumdum und wollten ihn gleich streicheln. Viele hatten aber auch einfach nur Angst, waren angeekelt oder irritiert, da das Halten der Hunde dort immer noch nicht gern gesehen wird. Das Gassi-Gehen bzw. Mitführen des Hundes im Auto ist sogar verboten.

Eine Reise ohne den Van, aber mit Hund wäre sehr, sehr schwierig geworden bzw. mit jeder Menge Einschränkungen verbunden gewesen. Eine Unterkunft zu finden und zudem außerhalb der Hauptreisezeit, kaum möglich.

Auch wenn wir die Gastfreundlichkeit im Iran wirklich sehr schätzten, waren wir manchmal froh, uns im Van zurückziehen zu können und eine Pause zu haben. Und selbst dort wurde oftmals einfach an die Fensterscheibe oder Tür geklopft, um zu fragen, woher wir kommen und was wir über den Iran denken oder einfach nur, um ein Selfie zu machen. Fast jeder war interessiert daran, dass die Menschen außerhalb des Landes erfahren, wie gastfreundlich und herzlich die Iraner sind, da sie wissen, wie viele über ihr Land denken. Wer viel Zeit für sich braucht und eher weniger den Kontakt zu Einheimischen sucht, ist hier wahrscheinlich nicht gut aufgehoben. Wer jedoch am traditionellen Leben der Iraner interessiert ist, tief in die Kultur eintauchen möchte und für die Zeit des Aufenthaltes auf Alkohol verzichten kann, für den ist das Land nach unserer Meinung das perfekte Reiseziel.

Fast hätte ich es vergessen!

Eigentlich hatten wir geplant, unsere Reise mit dem Van weiter nach Osten fortzusetzen, allerdings bekamen wir kein Transitvisum für Pakistan. Also mussten wir umdenken und eine neue grundsätzliche Entscheidung treffen. Auf dem Landweg kamen wir erstmal nicht weiter, das bedeutete, dass wir ohne den Van weiterziehen müssten. Dann hätte Dumdum aber kein zu Hause mehr gehabt und die Weiterreise sich als wirklich schwierig gestaltet.

Wir überlegten hin und her und mussten wohl oder übel einen Kompromiss eingehen. Robbe und ich beschlossen, das Auto zurück nach Georgien zu bringen, wo es bei einem Freund für die Dauer der Reise zwischen geparkt werden konnte. Wir würden dann mit Dumdum zusammen nach Deutschland fliegen und ihn dort bei meinem Vater eingewöhnen. Mein Vater will sich, so lange wir unterwegs sind, um ihn kümmern und uns auf dem Laufenden halten.

So schwer uns diese Entscheidung auch gefallen ist und so sehr wir Dumdum vermissen werden, es wird sicherlich für alle das Beste sein.

Also dann … zurück nach Georgien!

Mehr zu Jana und Robbe beim BACK TO THE ROAD Projekt