Lasterliebe — Hallo Mongolei!

Mongolei © Lasterliebe

Mongolei Berge, Steppe, Staub & Sand

Der Schlagbaum öffnet sich — wir haben unseren jahrelangen Traum erreicht  — die Welt der Pisten liegt vor uns. Hallo Mongolei! 

Neugierig besuchen wir den ersten Spielplatz direkt hinter der Grenze.  Endlich eine spannende Abwechslung, nach fast 5 Stunden Grenzabwicklung.

Mongolei - erster Spielplatz hinter der Grenze © Lasterliebe

Unsere Route führt uns erstmal nach Ölgij, um unsere Aufenthaltsgenehmigung von einem auf zwei Monate zu verlängern. Wir besuchen den Markt. Aber außer Kartoffeln, Kohl und Zwiebeln gibt es nur Eimer und einzelne Windeln zu kaufen.

Danach fahren wir durch das mongolische Altai. Flussdurchfahrten wechseln sich ab mit abenteuerlichen Holzbrücken. Wir durchqueren riesige grüne Täler, in denen unendlich viele Tiere grasen, treffen Jurtenumzüge und Hano staubt sich durch sandige Pisten. Tagelang verweilen wir an einem Flussplatz und genießen das Leben mit einem selbstgebauten Planschbecken, dutzenden Steinen, die in den Fluss geworfen werden und einem mongolischen Reiter, der dem Fuchsmädchen und dem Eichhörchen eine Runde auf seinem Pferd anbietet.

Mongolei © Lasterliebe

Wieder in Ölgij geht es Richtung Stadt Altai und Chowd. In den Bergen über Chowd stehen wir vor einem faszinierenden Ovo. Das Fuchsmädchen legt einen Stein auf den Haufen, läuft drei Runden herum und tippt die kleine Glocke an, die an einem der zahlreichen blauen Seidentüchern gebunden ist. Ab jetzt werden wir aufgefordert an jedem Ovo zu halten und sie besänftigt die Geister.

Mongolei - ein Ovo © Lasterliebe

In der Stadt Altai kaufen wir im Supermarkt ein. Wir nutzen generell jede Stadt, um unsere Vorräte aufzufüllen. Denn die Auswahl kann sehr begrenzt sein und wir müssen unsere Essgewohnheiten ein bisschen anpassen. Das Standardangebot umfasst Limonade, Cola und Kekse. Süssigkeiten und Wodka konkurrieren von der Menge her. Auch immer zu finden: der gute & günstige Apfelmus aus Deutschland. Wir merken schnell, dass die Nomanden sich mit viel Fleisch und Milch selbst versorgen und die örtlichen Supermärkte ihren Bedarf an deren Nachfrage angepasst haben. In den kleineren Orten ist der Begriff Supermarkt schlichtweg falsch, hier gibt es Lädchen. Wasser, Cola, Bier und Süßigkeiten. Nägel, Seile und Stoffe. Manchmal Karotten und Zwiebel, sowie Kartoffeln und mit Glück ein Brot. Ansonsten riesengroße Säcke mit Mehl.

Die Asphaltstraße bis zur Stadt Altai ist in Teilen neu ausgebaut. Die Chinesen legen einen wahren Marathon im zentralasiatischen Teil der Welt hin, wenn es darum geht, Straßen in die Welt zu setzen.

Mongolei © Lasterliebe

Ab jetzt geht es für uns in Richtung Süden. Die Wüste Gobi ruft. Es schlängeln sich vor uns in der Steppenwüste etliche Pisten dem Horizont entgegen.

Wir verlassen die Teerstraße, verlassen teilweise auch die bei OpenStreetMap noch bekannten Pisten und streckenweise werden wir auch jegliche Fahrstrecken und die Orientierung verlieren.

Das Abenteuer Gobi beginnt.

Mongolei © Lasterliebe

Der Salzsee Boontsagaan Nuur ist unsere Richtung. Zunächst geht es über Wellblechpisten das hügelige Gelände rauf und runter. Staubwolken bei Gegenwind, in Staub gehüllt bei Rückenwind. Und immer wieder diese unglaublich weite Landschaft. Sicherlich nicht für jeden ein Traum, aber wer Stille und Einsamkeit erleben möchte, ist hier nicht verkehrt. Und auch Geschwindigkeit wird trotz Hano noch einmal neu definiert. Maximal 45 km/h sind möglich, aber nur sehr selten.

Mongolei - Stille und Einsamkeit © Lasterliebe

Nach einer Nacht im Nichts und weiteren kilometerfressenden Stunden nehmen wir die Abkürzung quer durch die Steppe. Erst jetzt bemerken wir, wie viele Fahrspuren eine Richtung haben kann. Immer wieder müssen wir stark abbremsen und eine Fahrspur nach Nord-Ost queren, während wir nach Süd-Ost unterwegs sind. Auf über 20 km verteilt, haben sich die unzähligen Fahrspuren in die Wüste gestampft.

Und dann geht’s mit freier Bahn voraus, direkt in das weiche Kiesfeld um den See herum. Man braucht auf Reisen kein Allrad? Richtig und falsch. Wir brauchen es. Hätten wir die 70 km Umweg über die vorhandenen Pisten genommen, hätten wir kein 4×4 benötigt, nur sehr viel Bodenfreiheit für die Trockenflussdurchquerung.

Nach dem Kiesfeld kommen wir auf den salzig, grasig, sandigen Untergrund, der einst mal See war. Das ursprüngliche Ufer ist 200 m vom jetzigen entfernt.

Am Ufer treffen wir auf eine Gruppe Frauen, die gerade ausgelassen speisen und trinken und uns einladen. Es wird gesungen und gelacht, getrunken und gegessen. Wir versuchen uns  miteinander zu verständigen. Aber manchmal ist verbale Kommunikation auch gar nicht so wichtig. Und als beim Gruppenfoto im See die Hälfe im knietiefen Schlamm versinkt und umkippt, ist kein Halten mehr. Über den See schallt nur noch lustiges und fröhliches Gegacker!

Mongolei - Gruppenfoto am See © Lasterliebe

Nach ein paar Tagen mit Baden im flachen Salzwasser geht es weiter nach Süd-Osten. Im Süden vom Boontsagaan Nuur verweilen wir an einigen Sanddünen. Im Sand, davor der See, im Hintergrund die Berge. Eine großartige Kulisse.

Mongolei - Schlafplätze sind überall © Lasterliebe

Durch Weichsandfelder geht es weiter. Dann wird es steiniger, einige Verwindungspassagen folgen und wir fahren durch eine atemberaubende Schlucht. Immer höher schraubt sich Hano, bis wir das Hochplateau erreichen. Schlafplätze finden wir ganz einfach. Wenn wir keine Lust mehr haben, bleiben wir einfach am Rand stehen. Bis zum nächsten größeren Ort am Orog Nuur See sind es ohnehin noch etliche Kilometer.

Mongolei © Lasterliebe

Unsere Karte zeigt zwar Orte und Seen, jedoch keine Straßen dazwischen. Unser Navi kennt vereinzelte Strecken, aber auch nicht alle. So fahren wir nach Gefühl und Kompass. Nur die Piste ist plötzlich verschwunden. Steile Hügel gilt es zu überfahren und am Ende versuchen wir unser Glück in einem ausgetrockneten Flusslauf. Große Felsbrocken und weicher Sand machen das Vorankommen nicht immer einfach. Aber unser Navigationssinn ist richtig. Nach zwei Tagen taucht ein kleiner Brunnen auf und bald darauf auch die ersten Jurten.

Am Orog Nuur stinkt es gewaltig. Auch dieser See ist salzhaltig. Die Rinder staken durch das morastige Ufer, was den faulen Geruch zu Tage fördert.

Mongolei - Rinder am morastigen Ufer © Lasterliebe

In der Nähe von Bogd stehen wir am Fluss. Füllen Wasser- und Getränkevorräte auf und machen uns dann auf zur nächsten Etappe. Ziel sind die Dünen Kongoreyn Els. Dafür müssen wir jedoch noch einige hunderte Kilometer durch die Gobi. Steinwüste und Gebirgszüge mit tiefen Schluchten könnte man jetzt beschreiben, doch diese Magie muss man selbst erfahren.

Geier und Adler kreisen am Himmel und hinterlassen auf dem Boden riesige Schatten, die einen urplötzlich zum Himmel blicken lassen.

Mongolei - Adler kreisen am Himmel © Lasterliebe

So geht es von Bodg wieder nach Süden am Orog Nuur vorbei über eine lehmige Piste und Berge nach Bajanlig.

Mongolei - lehmige Pisten © Lasterliebe

Mongolei - lehmige Pisten © Lasterliebe

Sechs Mongolen scheuen sich nicht, uns nachts um halb vier wach zu hupen, um nach dem Weg zu fragen. Geht es links oder rechts lang? Geradeaus? Nein, da … Sie diskutieren und fahren dann doch einstimmig weiter in die richtige Richtung.

Wir durchfahren eine endlose Steinwüstenebene mit Kamelen und Eidechsen sowie einem einzigen Berg genau in der Mitte.

Vom nächsten Bogd aus geht es nach Süden. Endlich kommen wir den Sanddünen näher.

Doch bei einer Pause stellen wir fest, dass unter dem Motor etwas tropft. Der Kühler verliert Wasser. Denkbar ungünstig in der Wüste, weit entfernt von der nächsten Stadt auf dem Weg zu Sanddünen. Da war doch noch etwas auf der Besorgungsliste … achja, Kühlerdicht. Nicht besorgt. Also: Wasser nachfüllen und weiter geht’s. Immer wieder kontrollieren wir den Wasserstand. Es sind schon einige Liter, die wir in einer Stunde verlieren.

Und dann tauchen sie am Horizont auf. Rot-gelb leuchtende Sanddünen ziehen sich einmal von links nach rechts wie eine Wand aus Sand. Noch einmal kippen wir Wasser nach und dann geht’s rein in den Sand. Trotz der Panne haben wir jede Menge Spaß. Skateboard, Laufrad und dazu ein Gewitter in den Dünen bieten so ziemlich jede Facette, die das Reiseleben so mit sich bringen kann.

Mongolei - Skateboard, Laufrad und dazu ein Gewitter in den Dünen © Lasterliebe

Nach dem Sturm folgt die Ruhe und wir schlafen herrlich, umgeben von der großartigen Kulisse.

Mongolei - großartige Kulisse © Lasterliebe

Die komplette Durchfahrt ersparen wir dem tropfenden Kühler und wir machen uns auf den Weg über die bislang schlechteste Piste unserer Reise. Wellblechpiste von der miestesten Art, zum Erbrechen. Lässt sich über die kleinen Hügelchen noch hinwegfliegen, gehen die Wellen hier richtig hoch und tief und sind dazu auch noch in einem ungünstigen Abstand für unsere Reifen.

Wir brauchen einige Stunden für die letzten 100km bis plötzlich die Teerstraße aus Ulan Bator kommend auftaucht. Das Kühlwasser dürfte inzwischen komplett aus mongolischem Bachwasser bestehen, aber alles läuft noch.

Und manche Reisebekanntschaften kommen genau im richtigen Moment. Wir überlegen gerade, wie weit wir noch kommen können, bis der Kühler geflickt werden muss, da fährt von der Straße ein großer MAN ab und kommt auf uns zu. Rita und Jörgen, sie spendieren uns Kühlerdichtmittel und wir tauschen uns kurz über unsere gegenläufigen Routen aus. Herzlichen Dank dafür!

Für uns geht es nun Richtung Hauptstadt – Ulan Bator.

BACK TO THE ROAD mit Lasterliebe