Lasterliebe — Sibirien ist speziell

Sibirien © Lasterliebe

Jekaterinburg: Wir stehen in Asien auf dem Parkplatz eines super-duper-riesen Supermarktes und werden früh morgens um halb 6 vom Securitymann geweckt, da LKWs hier nicht stehen dürfen.

Ok, aber wir haben ja nur einen kleinen Laster, also schlafen wir weiter, kaufen am nächsten Tag ein und werden danach auch schon von der Security erwartet. Der Herr ist etwas verwirrt, dass wir mit vollem Einkaufwagen ankommen. Und noch unsicherer wird er, als ihn ein Mann neben uns im Auto fragt, warum wir nicht einkaufen dürfen inklusive Parken. Wir tun ihm den Gefallen und verlassen die Stadt. Es bleibt dabei, dass große Städte für uns schnell reizüberflutend sind. 

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Und weiter geht’s nach Osten. Auf uns warten nun Sibirische Mücken, Straßen bis zum Horizont und ein interessanter Verkehr. Auf dem Weg nach Omsk nimmt die Anzahl der rechtsgelenkten Fahrzeuge immer mehr zu. Das kann schon mal für Verwirrung sorgen, wenn der vermeintliche Fahrer im entgegenkommenden Auto schläft. Auch an die Überholmanöver von diesen Autos muss man sich erst gewöhnen, da sie sehr weit ausscheren müssen, um den Gegenverkehr überblicken zu können. Im besten Fall.

Alles ist sehr platt seit dem Ural Gebirge. Fast Norddeutsche Ebene, so dass wir schnell voran kommen.  

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Um die Städte wie Omsk und Nowosibirsk anzugucken, suchen wir uns einen Schlafplatz ca. 50 km vor der Stadt und fahren dann am nächsten Vormittag in das Großstadtgetümmel.

Der Verkehr in Nowosibirsk ist krass. Durch die leichten Hügel in der Stadt bietet sich ein Stau-Schauspiel vom Feinsten. Die eigentlich 3-spurige Straße wird zu 5 bis 6 Spuren ausgeweitet, bis der Bus links vorbeifährt, halb auf dem Gehweg, und die siebte Spur eröffnet.

Einige riesige Kreisel ohne Markierungen sind nicht ganz ungefährlich, wenn plötzlich ein schneller Kleinwagen links vorbeizieht und blitzschnell den Kreisel noch vor dem Hano nach rechts verlassen will. Vollbremsungen sind, trotz neuer Bremsen, leider nicht die Stärke eines Hanomags. 

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Bei unseren Schlafplätzen stellen wir immer wieder fest, wieviel illegaler Müll in den Wälder abgeladen wird. Die dabei liegenden Tierkadaver treiben den Geruch bis ins Unerträgliche. Und Mücken! Groß, nicht mehr so schnell wie bei St. Petersburg, dafür brennen und jucken deren Stiche wesentlich mehr. Und alle erdenklichen Anti-Mücken-Sprays helfen rein gar nichts. Zumal wir unseren 1-jährigen auch nicht in DEET baden wollen. 

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Doch Besserung ist in Sicht. Ab Nowosibirsk geht es nach Süden. An Barnaul vorbei, bis kurz vor Gorno-Altaisk die ersten Berge des Altai-Gebirges auftauchen. Schnee auf den Gipfeln, während wir bei 36 Grad schwitzen.

Auf einer kleinen Wiese am Bergrand in der Nähe zu einem Friedhof halten wir an und stellen fest: Keine Mücken! Das Fuchsmädchen findet beim Spazierengehen neben dem Friedhof einen Haufen voll mit alten Plastikblumen und ist ganz entzückt von Orchideen, Rosen, und unmöglich, kitschigen bunten Blumengestalten. 

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Wir können es kaum erwarten endlich in die Berge zu gelangen, nach soviel Plattland.

Am Katun Fluss entlang fahren wir durch ein fliegendes Meer von Schmetterlingen über mehrere Kilometer lang. 

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Und es wird prompt touristischer. Rafftingtouren, Pferdetrekking und allerhand Souveniershops tauchen am Straßenrand auf. 

Der Katun selbst strömt mit einer Menge Wasser milchig, türkis an uns vorbei. Eiskalt erfrischen wir unsere Füße am Ufer des reißenden Flusses und finden wenig später an einem kleineren Zufluss einen tollen Platz direkt am Wasser. Diesen teilen wir uns mit einigen russischen Touristen und Anglern. Wobei wir noch nie jemanden etwas haben fangen sehen. Liegt vielleicht auch an der Ungeduld aller Beobachteten, da sie alle fünf Minuten ihre Angelplätze wechseln. 

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Jetzt tauchen wir richtig ein in das russische Altai. Immer höher werden die Berge, immer spektakulärer die Aussichten auf die weißen Berggipfel, teils wie eine Perlenkette aneinander gereiht. 

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Wir treffen noch Jürgen und Gerda mit ihrem Steyr und verbringen mit ihnen, den Kühen und einigen Altai-Wieseln einen gemütlichen Abend am plätschernden Nebenbach.

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Wir kommen der Mongolei immer näher.

Wer im russischen Straßenbau tätig ist, wird theoretisch nie arbeitslos werden können. Immer wieder gedulden wir uns vor Baustellenampeln, welche von im Schatten hockenden Mitarbeitern gesteuert werden. Das letzte Auto wird per Funkgerät durchgegeben. Fährt man jedoch als Vorletztes und wird dann in der Baustelle vom letzten überholt, bekommt man irgendwann einen ziemlich ungemütlichen und eng werdenden Gegenverkehr.

Eine letzte Nacht in Russland. Auf der Hochebene vor Taschanta, der Grenzstadt Russlands.

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Und dann geht es über die Grenze. Zusammen mit zwei mongolischen Familien fahren wir an der langen LKW-Schlange vorbei auf das Grenzgelände.

Nach zweieinhalb Stunden sind wir auf der russischen Seite fertig. Fahren noch etwa 20km durchs Niemandsland bis zur eigentlichen Grenze.

Mongolia - sagt uns das Schild an der rechten Straßenseite. Eine letzte Passkontrolle und der Schlagbaum öffnet sich. Die Teerstraße hört abrupt auf und wir rollen auf der Schotterpiste zur Mongolischen Grenzstation. 

BACK TO THE ROAD mit Lasterliebe

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