Die letzten beide Monate unserer Reise – und unsere Rückkehr

Ein Jahr mit dem Wohmobil unterwegs: Nila, Johann, Nino und Rosa Koppelmann © Rosa und Johann Koppelmann

Während ich dies schreibe, sind schon wieder sechs Wochen ins Land gegangen, seit wir wieder zurück sind – zurück von 12 Monaten auf Reisen! Zu viert haben wir ein Jahr lang auf 16 Quadratmetern gelebt und uns nun wieder auf 75 Quadratmeter vergrößert. Wie es uns in unseren letzten beiden Monaten ging und wie die Rückkehr in unsere Wohnung war, darum geht es heute in meinem letzten Artikel für BACK TO THE ROAD.

Den letzten Monat außerhalb Deutschlands haben wir in Frankreich verbracht. Frankreich im Hochsommer! Wir hatten gedacht – und gehofft – dass es auf Grund der Corona-Situation eher ruhig werden würde, aber Frankreich im Sommer ist und bleibt, was man sich unter Frankreich im Sommer vorstellt: ein sehr, sehr beliebtes Urlaubsziel! An die Küste haben wir uns nur ein einziges Mal gewagt und sind so schnell wie möglich wieder verschwunden; hier war es einfach zu voll! Also haben wir uns für die Rhone-Strecke Richtung Deutschland entschieden und haben nach abgelegenen Wohnmobil-Stellplätzen und Bauernhöfen gesucht, die Camper aufnehmen. So haben wir es die meiste Zeit doch geschafft, eine ruhige und schöne Zeit zu haben; aber ein paar Hotspots wollten wir uns trotzdem nicht entgehen lassen.

Pont du Gard © Rosa und Johann Koppelmann

Der Pont du Gard war definitiv ein Highlight, wenn auch wahnsinnig voll; zum Glück verlaufen sich die Massen entlang des Flusses, sodass wir auch mit Blick auf das alte Aquädukt schwimmen konnten, ohne den Sicherheitsabstand zu den anderen Besuchern zu verlieren. Anders aber am Pont d’Arc – hier gibt es nur einen winzigen Strand und die Menschen tummelten sich Handtuch an Handtuch. Ich war drauf und dran zu fragen, ob hier schon mal jemand von diesem Virus, Corona nennt man es, gehört hat. Stattdessen sind wir einfach eine halbe Stunde flussabwärts gewandert und haben irgendwo noch eine halbwegs ruhige Stelle gefunden.

Pont d'Arc © Rosa und Johann Koppelmann  

Nach diesen zwei touristischen Hotspots haben wir versucht nur noch so wenig Kontakt wie möglich zu anderen zu haben; wir wollten in Deutschland meine Schwiegereltern treffen und unnötige Risiken vermeiden. Dadurch hatten wir noch einige wirklich wunderschöne Tage entlang der Rhone, wo wir ganz für uns in der Natur standen und unser Bestes gegeben haben, die Hitze zu genießen, solange sie noch da war.

Ein besonders schönes Erlebnis hatten wir auf einem Bauernhof in der Nähe von Lyon; unser rechter Reifen knackte schon seit einer Weile verräterisch und es war klar, dass wir in die Werkstatt müssen. Wer die Franzosen kennt, der weiß, dass es Mitte August in Frankreich so ziemlich unmöglich ist, eine Werkstatt zu finden, die geöffnet hat: schließlich ist Urlaubszeit, und zwar für alle! Wir versuchten es daher gar nicht erst direkt bei einer Werkstatt, sondern fragten unseren Gastgeber, ob er uns weiterhelfen kann. Na klar, sein Bruder ist Auto-Mechaniker, er ruft ihn gleich an, bekamen wir sofort als Antwort! Tatsächlich kam wenig später der Bruder – er sei zwar im Urlaub, aber er kann ja mal gucken, meinte er. Schnell war klar, dass das Getriebebalg ausgetauscht werden musste … und ein paar Telefonate später war ein Ersatzteil gefunden! Wenig später wurde es vor Ort ausgetauscht und mit 150€ bar auf die Hand war auch diese kleine Panne problemlos überstanden. Ein Glück!

Im Schwarzwald © Rosa und Johann Koppelmann

Und dann war es soweit: Nach einem Jahr im Ausland überquerten wir die Grenze zu Deutschland! Es regnete zum ersten Mal seit Wochen an diesem Tag und es war grau und trüb; gefühlt kamen uns auf der Autobahn ausschließlich Wohnmobile entgegen, die raus wollten aus Deutschland und wir fragten uns, ob es wirklich eine gute Idee sei, jetzt zurückzukehren. Zum Glück waren wir mit Johanns Eltern verabredet, sonst wären wir womöglich direkt umgekehrt. Zwei Stunden später standen wir auf einem netten Stellplatz mitten im Schwarzwald und sahen „Oma und Opa“ wieder! Es tat gut nach der langen Zeit allein jemanden da zu haben, der unsere vielen Geschichten hören wollte, Fragen stellte und mit dem man sich austauschen konnte. Außerdem waren die Kinder ganz schnell mehr bei Oma und Opa im Wohnmobil als bei uns, und so konnten wir endlich mal wieder ein wenig Zeit zu zweit verbringen, in Ruhe arbeiten und die nächsten Wochen und Monate besprechen. Es tat sehr gut!

Nach einer wunderschönen gemeinsamen Woche wurde Abschied genommen und für uns ging es weiter durch Baden-Württemberg und Bayern. Wir trafen noch andere Freunde und es war wunderschön, geliebte Menschen nach so lange Zeit wieder in die Arme schließen zu können. Die Tage vergingen schnell und ehe wir uns versahen, waren wir nur noch drei Autostunden von Leipzig und unserer Wohnung entfernt.

Auf den letzten Tagen unserer Reise spürte ich plötzlich eine deutliche Erschöpfung und Müdigkeit. Morgens kam ich nicht mehr richtig aus dem Bett und eigentlich wollte ich den ganzen Tag nur schlafen. Mit einem Mal wurde mir körperlich bewusst, WIE anstrengend die letzten Monate waren. Trotz all der Schönheit, all der unglaublichen und unvergesslichen Momente, ist das Leben auf Reisen als Mutter und Geld-Verdienerin einfach auch sehr anstrengend. Und während ich die Anstrengung im Rausch der Reise kaum gespürt habe, so kam sie jetzt zum Vorschein. Ich fühlte mich so unendlich erschöpft und die letzten Tagen kämpfte ich mich mehr oder weniger durch.

© Rosa und Johann Koppelmann

Die letzte Nacht im Wohnmobil verbrachten wir in Leipzig am See. Wir wollten nicht direkt in die Wohnung, sondern erst noch erleben und erfahren, dass wir auch in unserer Stadt wunderschön in der Natur stehen können – das war ein wirklich schönes Zurückkommen und fühlte sich richtig gut an. Nachdem dann der Umzug in die Wohnung am nächsten Tag vollbracht war, kippte ich ins Bett und stand (mehr oder weniger) fünf Tage nicht wieder auf. Ich war so müde!

Die Erschöpfung hielt sich zwei Wochen und ich war jeden Tag einfach so unendlich dankbar wieder in unserer Wohnung zu sein und hier den Raum zu haben, diese Erschöpfung zuzulassen. Auf Reisen wäre es gar nicht möglich gewesen, mich so intensiv auszuruhen: Schließlich gab es immer so viel zu tun und meinen Mann konnte ich ja auch nicht ganz allein lassen mit den Kindern und all den Aufgaben rund ums Reise-Leben (Wasser holen, Wasch-Salon finden und Wäsche waschen, Route planen, Stellplätze finden, Einkaufsmöglichkeiten finden und einkaufen …). Nun kam meine Mutter vorbei, um mit den Kindern zu spielen, und unsere gewohnten Strukturen mit Bioladen um die Ecke, Waschmaschine im Bad, Geschirrspüler und Co erlaubten es, mir Zeit zum Ausruhen zu nehmen. Unsere Wohnung und unsere Dinge fühlten sich jetzt wie purer Luxus an und machten das Leben sofort so viel leichter.

Wie es sich anfühlt nach so langer Zeit im Wohnmobil wieder in einer Wohnung zu sein? Erstmal erschien uns die Wohnung riesig! So viel Platz! Dadurch, dass so viel Platz ist, muss man nicht ständig aufräumen und der Haushalt wurde mit einem Mal viel leichter: im Wohnmobil mussten wir ständig aufräumen, denn sobald etwas irgendwo liegt, ist zu wenig Platz da, und man ist daher ständig damit beschäftigt, irgendwas zu räumen, um Platz zum Sitzen, Kochen, Arbeiten, Spielen, Malen etc. zu haben. Und dadurch, dass wir nun weniger mit Reise-Orga und Aufräumen zu tun hatten, war viel mehr Zeit da. Auch jetzt, sechs Wochen später, genießen wir es sehr, so viel mehr Zeit zu haben. Wir haben jetzt die Zeit und den Raum, wieder mehr als Paar zu machen, berufliche Projekte voranzubringen, für die während der Reise kein Raum war, Freunde zu treffen und Zeit mit der Familie zu verbringen. All das fühlt sich gerade herrlich an – und auch immer noch sehr besonders (nachdem wir es so lange nicht hatten).

In der Camargue © Rosa und Johann Koppelmann

Unser Wohnmobil wird nun gerade generalüberholt und bekommt neuen TÜV. Wenn es wieder fit ist, freuen wir uns auf kleine Reisen innerhalb Deutschlands; Kurztrips zu Freunden und Familie und unbedingt bald wieder ans Meer. Außerdem möchten wir es an andere Familien vermieten und auch unsere Freunde und Verwandten dürfen es natürlich mitbenutzen. Es ist schön, diese mobile Wohnung nun mit anderen teilen zu können und Freunden und Familie auch etwas vom Geschmack der Freiheit einer Wohnmobil-Reise schenken zu können.

Würden wir so eine Reise wieder machen? Ja und nein! Wenn wir die Reise nicht gemacht hätten, würden wir definitiv sofort losfahren! Jetzt, wo wir die Erfahrung gemacht haben, 12 Monate mit zwei kleinen Kindern auf 16 Quadratmetern zu leben, würden wir es nicht nochmal machen. Nicht so lange, nicht mit den zwei Kindern. Wenn die Kinder etwas größer sind: ja. Wenn wir allein reisen würden: ja. Wenn es nur zwei oder drei Monate wären: ja. Aber ein ganzes Jahr mit einer Fünfjährigen und einem Einjährigen, das wäre uns jetzt gerade zu viel. Dazu genießen wir auch gerade einfach die Bequemlichkeiten unseres neuen Alltags viel zu sehr.

Und was war das Schönste an dieser Reise? Auch das ist eine Frage, die uns sehr oft gestellt wird, und meine Antwort ist eigentlich immer die gleiche: Das Schönste ist, wie sehr man auf so einer Reise wächst! Auf Reisen wird man fast täglich aus der Komfortzone geholt, fast täglich darf man sich neuen Herausforderungen stellen – und daran wächst man. Noch nie sind wir alle so stark in so kurzer Zeit gewachsen, wie in den letzten zwölf Monaten, und dafür bin ich unglaublich dankbar! Dankbar dafür, dass wir heute die sind, die wir sind, mit den unvergesslichen Erfahrungen, die wir machen durften!

© Rosa und Johann Koppelmann

 

Danke, dass wir eure Reise mitverfolgen durften, Rosa und Johann!