Mit dem Linienbus ins Jenseits

Ghana: Mit dem Linienbus ins Jenseits © Gunda Urban

Fantastische Särge aus Ghana sowie die Särge und Urnen des Künstlers Martin Wenzel.

Eine Doppelausstellung im Sepulkralmuseum Kassel vom 10. August bis 27. Oktober 2019

Mit lebensfrohen bunten Farben und liebevollen Details ausgestattet, werden die „Vehikel“ für den Weg ins Jenseits von ghanaischen Sargkünstlern hergestellt. Das Motto des persönlichen Sarges ist entweder die Berufung des Toten oder kann aber auch ein unerfüllter Lebenstraum sein. Wenn die Oma ihre Sehnsucht einmal zu fliegen nicht verwirklichen konnte, kann man ihren Lebenstraum bei der letzten Reise erfüllen. Sie tritt ihren letzten Abschnitt auf der Erde in einem menschengroßen Flugzeug an, das eigentlich ein Sarg ist.

Ghana: verschiedene Transportmöglichkeiten für die letzte Reise © Gunda Urban

»In den afrikanischen Kulturen nimmt der Tod einen zentralen Platz ein. Besonders in Ghana wird er als ein herausragendes Ereignis begriffen. Ausdruck findet dies in einer opulenten, meist mehrere Tage umfassenden Begräbnisfeier, wie es sie kaum woanders auf der Welt gibt. Oftmals ist sogar der Sarg – farblich und formensprachlich – herausragend. Einer Chilischote, einem Tiger, einem Hobel oder einem Bus nachempfunden, ist er ein wahrer „Hingucker“! Er spiegelt wider, was im Leben des Einzelnen wichtig war und was ihn ausmachte.

Zugleich bildet er ein wichtiges materielles Bindeglied zwischen der Welt der Lebenden und der Welt Toten; denn obwohl viele Ghanaer Christen sind, ist ihre Frömmigkeit stark von einem archaisch geprägten Ahnenkult durchdrungen. Sie glauben, dass die Verstorbenen eine Verbindung zwischen den Lebenden und den "Ahnengeistern" herstellen. Die Ahnengeister gelten als wirkmächtig und können Einfluss auf die diesseitige Welt ausüben. Deshalb ist die Ausrichtung eines glanzvollen Begräbnisses, bei dem der Sarg bisweilen nicht minder imposant ausfällt, auch an die Intention geknüpft, bei ihnen nicht in Ungnade zu fallen. Sich die Gunst der Ahnen immer wieder aufs Neue zu sichern, soll sie davon abhalten, Unheil auszusenden. «

Der Künstler Martin Wenzel zeigt Särge und Urnen, die von einem Arbeitsaufenthalt in Ghana 2017 im Atelier des Sargbauers Kudjoe Affutu inspiriert wurden. In den zwei Monaten seines Aufenthaltes konnte er die Besonderheiten der Sargkultur kennen lernen und hat auch eigene gebaut.

Die Fotos stammen von Fotografin und Ethnologin Regula Tschumi.

Die Ausstellung: Mit dem Linienbus ins Jenseits

Text (gu)