Lockdown und dann endlich wieder unterwegs: Unser siebter und achter Monat auf Reisen

Portugals Silver Coast © Rosa und Johann Koppelmann

Wow, die Monate sieben und acht unserer Wohnmobil-Reise waren mit Sicherheit die emotionalsten! Der siebte Monat begann nämlich damit, dass zwei freundliche spanische Polizisten uns mitteilten, dass die gesamte Küste Spaniens von nun an für Wohnmobile (und alle anderen) gesperrt wäre und wir bitte woanders parken sollen. Daraufhin mussten wir uns erstmal sortieren und überlegen, was wir machen wollten. Sollten wir während des Corona-Lockdowns in Spanien bleiben? Oder lieber nach Portugal fahren? Oder, wie einige andere Reisende, zurück nach Deutschland fahren? Wir diskutierten und telefonierten … Deutschland fiel als Option gleich wieder raus und Spanien ziemlich schnell auch. Da Spanien eine eher autoritäre Regierung hat, fühlten wir uns nicht wohl bei dem Gedanken, bei einer globalen Pandemie hier festzustecken. Also fuhren wir direkt am nächsten Morgen – dem ersten Tag unseres siebten Monats – aufgeregt nach Portugal.

Corona kommt nach Spanien © Rosa und Johann Koppelmann

Wir lieben Portugal und wir waren so glücklich, als wir dort ankamen. Sofort fühlte es sich an wie nach Hause zu kommen. Die kleinen weißen Häuser, die warme Luft, die entspannte Stimmung. Von Corona war hier noch nichts zu merken. Wir suchten uns einen schönen Platz am Strand, wo wir auch laut Polizei sicher parken durften und entschieden, erstmal hier zu bleiben und abzuwarten. Wir wollten uns aufgrund des Virus, welches sich jetzt auch in Portugal recht schnell verbreitete, nicht viel bewegen, um mit so wenig Menschen wie möglich in Kontakt zu kommen. So verbrachten wir eine wunderschöne, ruhige Zeit bei Altura und genossen unsere Freiheit – wir wussten ja nicht, wie lange wir so noch stehen durften! Nach zehn Tagen kam der Lockdown dann auch nach Portugal und wir wurden freundlich aber bestimmt gebeten, unseren Parkplatz zu räumen und auf ein Privatgrundstück zu fahren oder in unsere Heimatländer zurückzukehren.

So fuhren wir innerhalb von zwei Tagen sechs Stunden bis ins Zentrum von Portugal (11 Kilometer vom zentralsten Punkt des Landes entfernt) und kamen erschöpft aber glücklich bei einer britischen Familie an, bei der wir auf unbestimmte Zeit bleiben durften. Das war soweit erstmal gut, aber es war auch sehr schwer, unsere Freiheit so plötzlich abzugeben. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, in der wir das Meer und das Geräusch der Wellen beim Einschlafen SEHR vermissten, machten wir aber einfach das Beste aus unserer Quarantäne-Zeit. Hier auf dem Gelände gab es ein riesen Trampolin, sehr viel Platz und vor allem viel Werkzeug. So konnte Johann endlich die Trockentoilette bauen, die wir schon so lange haben wollten, ich hatte viel Zeit für ausgiebige Yogasessions im Grünen und die Kinder hatten das große Trampolin zum Spielen.

Unser Corona-Exil © Rosa und Johann Koppelmann

Am Ende war unsere Lockdown-Zeit dann auch doch kürzer als gedacht, denn wir konnten uns schon nach fünf Wochen wieder auf die Straße wagen. Obwohl uns die fünf Wochen sehr lang vorkamen, so taten sie rückblickend auch sehr gut; in der Zeit des Stillstands konnten wir die ganzen letzten Monate der Reise Revue passieren lassen, über vieles sprechen, was wir erlebt und gesehen haben und uns sortieren. Nach den fünf Wochen hatten wir das Gefühl, noch näher bei uns angekommen zu sein und waren tatsächlich in der Lage Entscheidungen zu treffen, die uns seit Jahren beschäftigten. Das war ein großartiges Gefühl!

Aber noch großartiger war das Gefühl, als wir dann am 4. Mai wieder losfahren konnten! Wir fuhren zuerst nur zu einem See um die Ecke und dann zu einem Fluss, der ebenfalls in der Nähe lag. Wir wollten uns erstmal reinfühlen in das neue Reise-Gefühl und die Möglichkeit haben, jederzeit zurück zu können, wenn uns danach war. Aber uns war nicht danach. Wir waren so unglaublich glücklich, als wir wieder unterwegs waren! Ja, wir waren so glücklich und enthusiastisch wie ganz zu Beginn unserer Reise – vielleicht sogar noch mehr, weil wir jetzt ja schon wussten, wie toll dieses Leben auf Reisen ist und Sorgen, die wir vielleicht zu Beginn der Reise noch hatten, längst abgelegt hatten.

Der Rio Zezere © Rosa und Johann Koppelmann

Nach ein paar Tagen im Landesinneren (und wunderschönen Wanderungen rund um den Rio Zezere) fuhren wir dann wieder ans Meer und wir alle strahlten über das ganze Gesicht, als wir endlich die letzte Düne erklommen hatten und auf den riesigen Ozean blickten, der sich an diesem Tag stürmisch und grau präsentierte. Ach was waren wir froh! Und was uns zusätzliche Freudesprünge machen ließ, war, dass hier an der Küste plötzlich auch wieder andere Wohnmobile waren! Es waren zwar ausschließlich portugiesische Mobile, aber das hieß ja ganz offensichtlich, dass wir hier nicht die einzigen waren, die sich in die Corona-Welt hinauswagten.

Am Pedrogao Grande © Rosa und Johann Koppelmann

Die Tatsache, dass wir nicht ganz allein unterwegs waren, gab uns genug Vertrauen, um langsam die Küste hinunter in den Süden zu fahren. Wir blieben immer zwei Nächte an einem Strand und fuhren dann weiter. Ich nahm mir für die erste Woche auf Reisen sogar zum ersten Mal seit Jahren eine Woche arbeitsfrei und wir hatten eine unglaublich schöne Zeit; so viel wunderschöne Familienzeit mit Wanderungen, Radtouren, endlosen Spaziergängen am Strand und in den Dünen hatten wir schon lange nicht mehr gehabt. Es fühlte sich einfach rundum wunderbar an.

Endlich wieder am Meer © Rosa und Johann Koppelmann

Nach knapp zwei Wochen unterwegs hatten wir es dann tatsächlich bis kurz vor Lissabon geschafft und waren mittlerweile auch wieder im Sommer angekommen. Während wir in Zentralportugal häufig durch Nieselregen spazierten, gab es jetzt wieder strahlenden Sonnenschein und Temperaturen um die 25°C. Wir hatten am Ende unseres achten Monats alles in einem das Gefühl, dass das Leben eigentlich gerade gar nicht schöner sein könnte!

Diese letzten beiden Monate waren für uns persönlich und als Familie irgendwie wahnsinnig wichtig und gut, denn wir waren plötzlich ganz deutlich in der Lage zu sagen, wo wir in drei Monaten und wo in drei Jahren sein möchten. Die Monate davor waren noch sehr durch Orientierung geprägt; wir sprachen mit sehr vielen Menschen, die wir unterwegs kennenlernten und lauschten den verschiedenen Lebenskonzepten; wir trafen Familien, die seit 13 Jahren im Wohnmobil leben, andere die jedes Jahr fünf Monate reisen und sonst in Deutschland sind, wieder andere, die sich in Spanien Land gekauft hatten … so viele Eindrücke, so viele Möglichkeiten hatten sich vor uns ausgebreitet.

Die Westküste Portugals © Rosa und Johann Koppelmann

Wir nahmen alles auf und fühlten uns rein, aber so richtig entscheiden, wo es für uns mal hingehen sollte, konnten wir noch nicht. Manchmal waren wir überzeugt, für immer im Wohnmobil zu bleiben, dann wollten wir wieder unbedingt nach Portugal ziehen, dann wieder ein 50-50-Modell fahren. Aber nichts fühlte sich so ganz stimmig an. Und dann war Mitte unseres achten Reisemonats auf einmal alles klar; und das war ein wunderschönes Gefühl!

Mit diesem Gefühl im Gepäck genießen wir unsere Reise jetzt gerade doppelt und dreifach, denn plötzlich sind wir nicht mehr auf der Suche nach der Antwort auf die große Lebensfrage, sondern reisen mit einer ganz neuen Leichtigkeit, einem ganz neuen Vertrauen. Das fühlt sich gut an!

Der beste Spielplatz der Welt © Rosa und Johann Koppelmann