Auf nach Lombok!

Wiederaufbau Senggigi © Sakinah Nauderer

Die Menschen der Insel brauchen Urlauber mehr denn je

Die Bilder aus Lombok und den Gilis waren schlimm: Laut Experten gab es neben den vier Hauptbeben, die vom 29. Juli bis 20. August Nord-Lombok und die kleinen Inseln der Gilis erschütterten, mehr als 1.000 Nachbeben. 500.000 Menschen musste geholfen werden. Der Zugang zum Vulkan Rinjani wurde gesperrt und 500 Trekker mussten ausgeflogen werden. Urlauber flüchteten nach Bali oder in den Süden von Lombok. Bis heute fühlen sich Deutsche, die demnächst nach Bali und Lombok reisen wollen, verunsichert. Wir haben uns bei den Betroffenen vor Ort erkundigt: Bei allen Tragödien und aller Zerstörung ist der Wiederaufbau in vollem Gange und die Menschen der Inseln wünschen sich die Urlauber zurück – mehr denn je.

Bärbel Rink lebt mit ihrem Mann Gerhard auf Lombok und hat Freunden und Verwandten Rundmails geschickt, um sie auf dem Stand zu halten. Ihre Worte geben lebendig wieder, wie die Situation auf Lombok war: „Wir hatten vier schwere Erd- bzw. Seebeben. Das erste traf uns am 29. Juli Sonntagmorgens um 6:45 Uhr und hatte eine Stärke von 6.4 RS. Bei uns im Westen Lomboks oder gar im Süden und in Zentrallombok ist bei diesem Beben überhaupt nichts passiert. Schlimm hat es dagegen den Norden getroffen: die Touristenorte Senaru und Sembalun, wo die Rinjani-Touren starten. Das zweite und mit Abstand schlimmste Erdbeben ereilte uns am Sonntag drauf um 19:45 Uhr mit 7.0 RS, später korrigiert auf 6.8 RS. Donnerstag am 9. August waren wir mit dem Auto unterwegs, um u. a. Katzenfutter zu kaufen. Als wir gegen 13:30 Uhr beim Tierarzt vor das Geschäft fuhren, fing das Auto an hin und her zu wackeln, so dass ich nur noch zu Gerhard gebrüllt habe: Gib Gas! Das war das dritte heftige Erdbeben mit 6.2 RS. Diejenigen, deren Häuser bei den vorherigen Beben zwar beschädigt, aber noch nicht völlig zerstört worden waren, hatten jetzt alles verloren. Auf der ganzen Insel fiel der Strom aus. Insgesamt waren wir zwei Tage ohne Strom und hatten seitdem auch kein Wasser mehr, weil die Wasserleitungen, die uns versorgen, ebenfalls zerstört waren. (...) Als wir schon dachten, wir hätten die Beben überstanden, kam der dritte schlimme Sonntag, der 19. August! Mittags kurz nach 12:00 Uhr erschütterten kurz hintereinander zwei Beben die Erde mit zuerst 5.4 und dann 6.5 RS.“ 

Verwüstungen © Bärbel Rink

Bärbel und Gerhard hatten Glück: Ihr Haus wurde kaum in Mitleidenschaft gezogen. Vielmehr konnten sie Betroffenen beispielsweise mit Wasser und Hilfsgütern helfen. Etliche Dörfer der Sasaks, der Einheimischen im Norden Lomboks, waren besonders schwer betroffen. Bärbel und Gerhard machten sich selber ein Bild: „Wir sind bis Pemenang gefahren, wo es an der Kreuzung zum Hafen nach Bangsal, der Anlegestelle der Boote zu den Gilis Air, Meno und Trawangan, abgeht. Diese noch vor vier Wochen lebendige, geschäftige Kreuzung gibt es nicht mehr. Schweres Gerät ist dabei, den Schutt zu beseitigen und wegzufahren. Es sieht aus wie im Krieg. Die drei Gilis hat es auch ganz schlimm erwischt.“ Sie ließen sich jedoch nicht beeindrucken und halfen. So zum Beispiel Udin, einer ihrer Mitarbeiterin, deren Kampung (Dorf) und Haus total zerstört wurde. Die Betroffenen mussten in Zelten übernachten. Bärbel und Gerhard luden das Auto voll, fuhren los und gaben neben Lebensmitteln, Wasser und Kleidung auch Hoffnung weiter.

Der „Rinjani Mountain Garden“, ein beliebtes Guesthouse im Norden Lomboks, hatte mehr Glück, wie die Gründerin Toni berichtet: „Der Rinjani Mountain Garden ist während des Erdbebens unversehrt geblieben. Dank der traditionellen Holzbauweise. Es hat kräftig geschaukelt, aber es sind keine Schäden entstanden. Die Gäste, die während des Bebens bei uns zu Gast waren, sind auch nicht gleich abgereist. Sie haben sich sicher gefühlt und sogar noch einige Tage verlängert, um nicht in das Chaos der allgemeinen Fluchtsituation zu geraten. Da wir während dieser Zeit auch keine Staff zur Verfügung hatten, haben alle mitgeholfen, die Tiere zu versorgen und den Gastbetrieb zu aufrechtzuerhalten.“

Das Restaurant „Asmara“ in Senggigi ist seit Jahren eines der bekanntesten und meist besuchtesten Restaurants in Lombok. Nach dem ersten Schock hieß es „anpacken“. Die Chefin Sakinah berichtet: „In Senggigi und den Gilis wird fleißig aufgebaut, und auf den Gilis belebt es sich langsam wieder. Senggigi ist leider noch ziemlich leer, aber auch hier sind die meisten Geschäfte/Restaurants/Hotels wieder geöffnet. Ich hoffe, dass es bis Weihnachten wieder mehr Gäste gibt.“ Die Schäden, die am eigenen Kunsthandwerksladen entstanden sind, konnte das Team des Asmara schnell beheben. 

© Sakinah Nauderer

Mit ihrer Hoffnung steht Sakinah nicht allein da. Denn genauso wie auf Bali leben unzählige Menschen und Familien auf Lombok und den Gilis vom Tourismus. Bärbel Rink bringt es auf den Punkt: „Lombok steht unter Schock, keine Frage, aber neben den psychischen Problemen, die die allermeisten haben, kommen jetzt auch noch die existenziellen Sorgen hinzu, weil Touristen ausblieben und die damit verbundenen Arbeitsplätze wegfallen. Die meisten von ihnen arbeiten im Tourismusbereich bzw. sind direkt davon abhängig. Angefangen bei den Strandverkäufern, Massagefrauen, Guides, Fahrern, Angestellten in Hotels und Restaurants, Tauchschulen, Souvenirläden, Taxifahrern – niemand verdient mehr Geld, um sich und seine Familie ernähren zu können, geschweige denn, den Wiederaufbau voranzutreiben oder die Betroffenen im Norden zu unterstützen. Deshalb braucht Lombok mehr denn je jeden einzelnen Touristen! In und um Senggigi ist zwar einiges kaputt, (...) aber nach und nach öffnen die Betriebe wieder. Einige Betriebe brauchten jedoch nicht geschlossen werden. Als Tourist hat man auch in Senggigi keine Einschränkungen, wenn man von den optischen Beschädigungen absieht. Wenn der Wiederaufbau so erfolgt, wie derzeit die Aufräumarbeiten vorangehen, dann ist die touristische Infrastruktur im nächsten Jahr hoffentlich komplett wiederhergestellt. Den geplanten Lombok-Urlaub in diesem Jahr jetzt nicht anzutreten oder gar bereits für 2019 zu stornieren, ist totaler Quatsch und schadet nur der lokalen Bevölkerung!“ 

Info

Wer helfen will, findet hier aktuelle Infos:

https://indojunkie.com/tsunami-sulawesi-so-kannst-du-helfen/?fbclid=IwAR...

https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/hilfseinsaetze/erdbeben-tsuna...

 

Text: Stefan Blank

Fotos: Sakinah Nauderer und Bärbel Rink