Luisa & Kai entdecken Georgien

Im schönen Georgien möchten wir, nach den auf russischem Boden zurückgelegten Tausenden von Kilometern, etwas entschleunigen.

Dass das Land landschaftlich und kulturell sehr reizvoll ist, erfahren wir schon auf den ersten Metern hinter der Grenze. Die Einreise über die legendäre Heerstraße von der nordossetischen, zu Russland gehörenden Stadt Wladikawkas nach Tbilisi hat uns landschaftlich wahnsinnig beeindruckt. Nachdem in Russland auf unserer Route ein Gefühl der Ferne dominiert hat, rückt Deutschland kurz nach der georgischen Grenze näher, da wir einigen westeuropäischen Touristen begegnen. Es ist schön, sich nach langer Zeit mal wieder intensiv auf Englisch und Deutsch austauschen zu können – die Fremde schwindet damit allerdings ein Stück weit.

Wir machen einen Abstecher ins Sno-Tal, um entlang der hohen Nordflanke des Berges Tschauchi durch herrlich blühende Wiesen zu wandern.Etwas weiter südwärts – bei der Fahrt ins Truso-Tal – erfahren wir, in welch abenteuerlichem Zustand die Straßen in den Bergen Georgiens sein können. Mehrere Pfade führen parallel durch das Tal und man sollte sich vorher erkundigen, welcher davon bis zum Zielort passierbar ist. Die meisten Einheimischen sausen mit den ältesten Pkws über alle Bodenwellen und Schlaglöcher. Wir hingegen fahren im Schneckentempo über Stock und Stein und überlegen gelegentlich, an Engpässen trotz Allradantrieb umzudrehen. 

Wir folgen weiter der Heerstraße über den Kreuzpass südwärts in Richtung der Festung Ananuri am Stausee von Shinwali, an dem wir eine abenteuerliche Fahrt an die abgelegenere Uferseite erleben und am Strand bei Vollmond baden.

Die vorbeiziehenden Landschaften werden zunehmend trockener. Vom Sagurani-Berg beobachten wir ein spektakuläres Gewitter bei Panoramablick auf Mzcheta und dessen Umland. Das erste Mal auf unserer Reise geht es nun westwärts. Bei Gori besichtigen wir die Höhlenfestung Upliziche, eine in Fels gehauene Stadt, bevor wir bei Borjomi auf einer idyllischen Lichtung im grünen Wald drei Tage lang Ruhe genießen und die eindrückliche Natur des kleinen Kaukasus für uns entdecken. Den netten georgischen Stellplatzbesitzer schließen wir direkt in unser Herz. Er schenkt uns gesammelte Walnüsse und einen gepflückten Wildblumenstrauß. 

Beeindruckt von der sich ständig ändernden Landschaften treten wir in Achalziche die Fahrt über den Goderdzi-Pass entlang der Schlucht des Atscharis-Zqali-Flusses in Richtung Batumi an. Diese Schotterpiste stellt sich als wahre Herausforderung für Luka da. Das erste Mal auf dieser Reise wird uns der Kraftstoff zu heiß, nach längerem Warten können wir den beschwerlichen Weg fortsetzen. Man bekommt eine Vorahnung davon, warum der Pass mehr als sechs Monate im Jahr wegen Schlamm und Schneehöhen von bis zu sechs Metern unpassierbar bleibt. Leider bleibt uns die Aussicht auf dem Pass verwehrt, da wir tief im Nebel stecken, was selbst im Hochsommer nichts Ungewöhnliches sein soll.

Das touristisch kaum erschlossene Gebiet begeistert uns durch seine Ursprünglichkeit. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Männer sind häufig als Hirten unterwegs oder stehen auf der Straße und palavern, Frauen bewirtschaften Felder, Haus und Garten. Wir treffen auf einige westeuropäische Radreisende, die scheinbar diese Strecke für sich entdeckt haben.

Das subtropisch feuchtheiße Klima am Schwarzmeer lädt nicht länger zum verweilen ein. Wir ziehen nach zwei regnerischen Tagen am Strand wieder in Richtung Osten. Kutaisi erleben wir als sehr angenehme Stadt mit herausragender Architektur und einem tollen Basar. Allgemein ist das Einkaufen auf dem Basar und das Kochen mit frischem lokalem Gemüse und Kräutern aus den Gärten ein alltägliches Highlight.

Es geht weiter, nun wieder Richtung Osten. In Kachetien genießen wir den guten georgischen Wein, lassen in Telavi nach einigen strapaziösen Kilometern auf georgischen Straßen die Reifen des Busses neu aufziehen, bevor wir über den nächsten Pass nach Tbilisi düsen. Die Stadt hält uns – trotz anfänglicher kaum erträglicher Hitze – mit ihrem südlichen Flair für ein paar Tage gefesselt. Nach diesen Tagen zieht es uns wieder zurück auf die Straße, weiter südwärts Richtung Armenien. 

Fazit

Dass der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, spürt man überall.Es wird investiert, Straßen werden in Stand gesetzt, Wanderwege werden mindestens zweisprachig markiert. Man ist westlich orientiert und die europäische Flagge weht allerorts.

Die unterschiedlichsten Landschaften und Kulturgüter auf engstem Raum begeisterten uns ebenso wie die warmherzigen Georgier und die georgische Küche. Eile kennt man hier eher weniger und und für ein Schwätzchen am Straßenrand haben die Leute immer Zeit. Obwohl das Land recht klein ist, haben wir einen Monat in Georgien verbracht. Und es gibt natürlich noch viel mehr zu entdecken!

Verkehr

Die Straßenverhältnisse ähneln der schon in Russland beschriebenen Zustände. Allerdings herrschen in den Bergen besondere Bedingungen. Es ist oft nur vier bis sechs Monate möglich zu fahren - da in der übrigen Zeit Schnee liegt und unbefestigte Wege von Lawinen oder Erdrutschen überschüttet sein können. Eine weitere Herausforderung sind Tiere, die auf den Straßen herumspazieren oder liegen. In der Regel umfährt man sie. Bei der geringen Geschwindigkeit, die wir auf unbefestigten Wegen hatten, stellen sie auch keine große Gefahr dar. Anderseits kann es auch einfach mal passieren, dass ein parkendes Fahrzeug die uneingeschränkte Weiterfahrt verhindert. Momentan sind einige Bergregionen mit eigenem Campervan nur mühselig bereisbar und die Straßen nicht immer bis zum eigentlichen Zielort passierbar. Man sollte also in der Regel Zeit für die Fahrt in die Berge einplanen und sich vorher über die Straßenverhältnisse informieren! Jedoch kommt man immer irgendwie am gewünschten Zielort an. Spätestens, wenn die Einheimischen an kritisch eingeschätzten Straßenabschnitten mit ihrem Opel Corsa vorbei düsen, sammelt man neuen Mut für die Weiterfahrt. Im Zweifel trifft man auf hilfsbereite Georgier. Das Autofahren bleibt allzeit spannend!

Camping

Wildcampen mit eigenem Campervan stellt in Georgien kein Problem dar, niemand scheint sich daran zu stören. Gelegentlich besuchen uns neugierige, aber zurückhaltende Einheimische. An touristisch wichtigen Punkten gibt es vereinzelt sehr einfache Zeltplätze, wo auch mal mit dem ausgewiesenen WC der nahegelegene Wald gemeint sein kann. Preislich liegen solche Stellplätze zwischen 5 bis 20 georgischen Lari pro Nacht. Die Versorgung mit Frischwasser ist im ganzen Land sehr gut. Oft findet man öffentliche Wasserhähne mit Trinkwasserqualität direkt am Straßenrand, sodass wir regelmäßig unseren Wassertank füllen konnten.

BACK TO THE ROAD - Abenteuer Eurasien mit Luisa und Kai