Piotr: Alpenüberquerung | Tag 31

© Piotr Nogal

Unser Reise-Gefährte Piotr ist mit seinem Rad Shui unterwegs von Wien nach Palermo über die Alpen: 61 Tage – 3500 Kilometer – 1 Mann – 1 Fahrrad.

Tag 31 – von Grenoble bis Nizza

Heute schreibe ich euch aus Nizza...

Einen wunderschönen relaxten Tag verbrachte ich in Grenoble – der Hauptstadt der Alpen. Leckeres Gebäck, guter Kaffee, herzhaft-vitales Essen und gute Gesellschaft von meinem Gastgeber Jean. Einen Tag Pause also, bevor es gestärkt gemeinsam mit Shui in Richtung Französischer Alpen ging.

Das Wetter sollte die Tage mitspielen, auch wenn die Temperaturen am Morgen sehr frisch waren und nur bissi über Null anstiegen. Dafür die Faaaarben der Bäume! Oh Mann! Welch ein Spektakel und Farbenspiel.

Durch farbenreiche Gegenden fuhr ich zunächst nach Vizille, La Mure und schließlich zum Übernachten auf einen geschlossenen Campingplatz in Corps. Sooo schöne Wege, Aussichten und Topographie hier und dann die Faaaarben! Ich konnte nicht genug davon bekommen. Immer wieder hielt ich an und bewunderte das naturelle Schauspiel. Dabei sammelte ich frisch vom Baum gefallene Maronis. Die gab es dann am Abend als Stärkung, erhitzt in der Pfanne. LECKER!

Am nächsten Tag verwöhnte ich mich erstmal mit Kaffee und leckerem Mandel-Croissant in einer kleinen Bäckerei. Danach fuhr ich über malerisches Gefilde und ruhige Wege nach Gap. Viele Spuren der Tour de France waren noch zu erkennen.

In Gap, bei Sonnenschein und Temperaturen von über 20 Grad, legte ich eine lange Mittagspause zum Essen, Schlafen und Aufwärmen in der Sonne ein. Auf dem weiteren Weg Richtung Barcelonnette kam ich an Dörfchen und Gegenden vorbei, die mich immer wieder zum Anhalten brachten, um die Ausblicke förmlich aufzusaugen. Nach einer Übernachtung auf einem Hügel mit Ausblick ins Tal und die Berge rundherum, ging es bei Traumwetter den Pass Cayolle (2326m) hinauf. Eine wahre Schönheit eines Passes. Zusätzlich die Herbstfarben, kaum Verkehr, Shui in Bestform und meine Pumpe tat auch ihr bestes.

© Piotr Nogal

Voller Euphorie überlegte ich oben zu bleiben und das Zelt aufzustellen, weil es sooooo schön war. Dann rollte ich paar Meter die Straße hinab und campierte schön gelegen mit Aussicht auf Berge und bunte Wälder – frische Maronis inklusive. :)

Weiter ging es die atemberaubende »Dalius«-Schlucht bergab. Es war und ist wirklich sehenswert und mit jedem Meter anders und neu. Selten habe ich so lange für so wenige Kilometer gebraucht. Mit Augen voller Staunen und Bewunderung, fuhr ich immer weiter. Plötzlich ein Schild, das bereits Nizza anzeigte. Verlockend, schließlich sollte die Hafenstadt das Ende meiner ersten Etappe sein. Aber ich war noch nicht soweit. Die Karte zeigte noch paar geheimnisvolle Ecken die es zu erkunden galt. Also bog ich rechts ab und fuhr weiterhin an märchenhaften Landschaften, auf schönen Straßen weiter bis zum OH-MEIN-GOTT-IST-DAS-SCHÖN-Regionaler-Naturpark-Verdon. Jetzt könnte ich eigentlich aufhören zu schreiben, denn es ist einfach nicht zu beschreiben. Vielleicht wird es so klar: 18 km in fünf Stunden.

OH-MEIN-GOTT-IST-DAS-SCHÖN-Regionaler-Naturpark-Verdon © Piotr Nogal

Ich verbrachte 2,5 Tage in dem Park, davon einen halben Tag im Zelt bei strömendem Regen. Trotzdem – es war wunderschön! Ein Meisterwerk der Natur. Der Grand Canyon von Europa. Der türkisfarbene Fluss Verson fließt etwa 21 km durch eine bis zu 700 Meter tiefe Schlucht. Ich habe, glaube ich, mehr Bremsen verschliessen als Reifen. Ständig anhalten und staunen. Die Höhen und Tiefen, die Farben des Wassers und der Bäume, die Luft und das Beben in mir. WAHNSINN! :)

Ungelogen, auf dem weiteren Weg nach Nizza kam ich wieder an soooo hübschen Orten vorbei... Bargemon, Seillans und Fayence. Plötzlich wurde die Umgebung nämlich mediteran, für mich schon fast tropisch. Hunderte Vogelstimmen, Büsche, Palmen, meterhohe Zypressen, Bananenpflanzen usw... OH MANN!

Es wurde viel wärmer und die letzte Nacht vor Nizza verbrachte ich am See St.Cassien. Von dort aus ging es auf einsamen Wegen rauf und runter, wieder rauf und schließlich komplett bergab bis auf 30 Höhenmeter über Cannes und Antibes nach Nizza. Und das entlang der Küste – sprich direkt am MEEEEER bei warmen Temperaturen und Sonnenschein. Ach, ich lächelte vor mich hin. :)

Am Flughafen holte Freunde ab, mit denen ich in Nizza verabredet war. Gemeinsam radelten wir in die Stadt und verbrachten vier sommerliche Tage mit Bummeln, Schlemmen, Essen, BADEN!!, Sonnen, Wandern und bewusst Leben. HERRLICHST!

Ab Morgen, wieder Radl-Time. Monaco und bella Italia...

Derzeitiger Stand:

  • 31 Tage (1+1+4 Tage Pause)
  • 2356 Kilometer
  • 29148 Höhenmeter

Herzlichst, braun und heiter,

Piotr

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