Mit Piotr in Neuseeland. Teil 2

Zuletzt berichtete ich von der Nordinsel Neuseelands und über den Besuch meines iranischen Freundes Mehdi und einer deutschen Bäckerei bei Wellington. Für meine Weiterreise auf die Südinsel nahm ich gleich zwei Laib Brot mit ins Gepäck. Der Baden-Württembergische Besitzer freute sich über ein Gespräch unter Brotfreunden, aber vor allem, weil es auf Deutsch war.

Die dreistündige Fahrt mit der Fähre von Wellington nach Picton führt durch die Cook-Street. Berühmt berüchtigt für das unberechenbare Wetter. Hier trifft die Tasmanische See auf den Südpazifik oder auch umgekehrt. Knapp eine Stunde vor der Ankunft kam Land in Sicht. Und was für eines! Die sog. "Sounds" von Marlborough. So etwa wie Fjorde, nur nicht so steil und hoch wie in Norwegen oder im südlichen Teil der Südinsel Neuseelands.

Bis die Fähre angelegt hatte, verbrachte ich die Zeit oben an Deck und bewunderte die natürlichen Bauwerke. Sobald ich wieder Land unter den Füßen hatte, fuhr ich mit Shui in Richtung „Blenheim“ los. Übernachtet habe ich irgendwo dazwischen in den Büschen: vollkommen ausreichend! Morgens ging es dann weiter in die Stadt hinein: Taschen vollmachen mit Proviant für bis zu fünf Tage. Ich hatte eine kleine Exkursion ins Ungewisse geplant. Hinunter zu "Hanmer Springs" auf Schotter. Knapp 150 km Distanz war meine Info, mehr nicht. Ich fragte noch verschiedene Leute, ob die "Straße" offen wäre und in welchem Zustand sie sich befindet. Als Antwort bekam ich stets zu hören: "Das schaffst du schon", oder "Ooooh, ich weiß nicht, ob das so´ne gute Idee ist …“.

Nun ja, ich wollte diese Strecke auf jeden Fall fahren. Es ging los, der Verkehr wurde immer weniger bis letztendlich gar nichts mehr los war. Nur noch Schotter, auf dem es sich sehr gut rollen lies. Ungefähr nach 30 km kam bereits das erstes "Straße-gesperrt-Schild". „Ach, das heißt noch lange nichts!“ dachte ich mir. In Italien gibt es auch  viele Baustellenschilder, obwohl keine einzige Baustelle zu sehen ist. Also fuhr ich weiter. Ein kleiner Pass, dann fing es an zu regnen und schon bald kam ich an einem weiteres Schild mit der gleichen Aufschrift vorbei. Dennoch fuhr ich weiter, fragte aber den ersten Autofahrer, der mir entgegen kam, nach dem Status. Er meinte, dass 30 km weiter beim großen Erdbeben im November ein Erdrutsch abgegangen sei und die Straße blockiert hätte, mehr wisse er aber nicht. „Hmmmm … in Indien im Himalaya heißt das noch lange nichts!“. Also fuhr ich weiter und fragte nach weiteren zehn Kilometern ein Pärchen, das dort wohnte. Sie meinten, ich könne evtl. oben drüber klettern, schließlich arbeite dort ja auch die "Aufräum"-Firma. Guter Hoffnung und mit Himalaya-Bildern aus dem Jahr 2005 vor Augen, als unzählige Menschen und ich über solche Verschüttungen klettern mussten, fuhr ich weiter. Schon bald hörte ich zwei Hubschrauber und es kamen noch mehr Schilder in Sicht mit der eindeutigen Aufforderung, sich nicht der Stelle zu nähern. Doch ich wollte wissen, ob ich trotzdem rüber konnte!

Deswegen durchfuhr ich die Absperrung und schaute mich mal ganz um. Oooops, das war etwas mehr als nur eine Verschüttung. Ca. 100 m „Straße“ fehlte vollkommen!!! Ich schaute mich nach möglichen Trage-/Schiebepassagen um, aber es war nichts als steile Wand zu sehen. Die Helikopter kreisten um die Stelle herum und flogen Wasser hin und her, wohl um die Verschüttung mittels Wasser "wegzuspülen". Einer der Piloten hatte mich bereits über Funk bei den Bauarbeitern „angekündigt“. Noch während ich mich umschaute, kam ein Gebrüll von oben, was "zur Hölle" ich denn da mache! Kommentarlos ging ich zurück zu Shui und radelte den gleichen Weg zurück. Der Regen hatte kurz vor Abend aufgehört, was das Campen in den Weinfeldern vereinfachte. Nächsten Tag kam ich mit vollen Taschen in „Blenheim“ zurück und organisierte mich neu. Routenänderung!

Also doch schon früher entlang der Nordküste fahren. Am Weg Richtung Nelson begrüßte mich ein starker Regenschauer, dem ich aber ausweichen konnte, indem ich mich auf einer überdachten Terrasse versteckte. Das Wasser von oben wollte nicht aufhören und so fragte ich dann bei den Hauseigentümern nach, ob ich evtl. mein Zelt auf der Terrasse aufbauen und die Nacht dort verbringen dürfe. Ohne Zweifel kam ein "Ja" mit dem Angebot, auch ihre Dusche benutzen zu können, zurück. Wir unterhielten uns anschließend noch ein wenig über den Verkehr, ihre Farm und ihren wunderschönen Italien-Urlaub vor ein paar Jahren. Eine Nacht später rollte ich weiter nach Nelson, dann weiter auf dem supertollen Tasman´s Great Taste Trail und über den Takaka Hill-Pass mit immerhin 791 m auf die andere Seite, mit all seinem vielen Wasser.

Schön ruhig entlang des Meeres, mit wenig Verkehr und farbenreicher Landschaft, kurbelte ich so dahin. Dann wurde es Zeit, einen Spot zum Campen zu finden und prompt bekam ich beim Wasserauffüllen einen Tipp von einem netten Herrn. Ich möge doch ein paar hundert Meter weiter- und vor der Brücke die Schotterstraße hinunterfahren. Also gut. Ich kam dort an und es begrüßte mich ein Verbotsschild für „Zelt-Camper“ obwohl eine Toilette vorhanden war. Ich fragte einen Toyota-Camper, ob er kontrolliert wurde oder ähnliches mitbekommen habe. Ein klares „Nein“ zur Antwort ließ auch mich für heute mein Zelt dort aufschlagen. Ich ging hinunter zum Wasser: Baden und Wäschewaschen war angesagt. Da kam „Karl“ (der Toyota-Camper) und bot mir an, mit in seinem Wohnmobil zu übernachten. „Ja klar! - Danke!“. Frisch geduscht ging es zum Bus und so verbrachten wir den frühen Abend bei leckerem Campingessen, Rotwein, Sonnenuntergang und netten Gesprächen.