Reise-Splitter: Beim marokkanischen Metzger

Es hat geklappt! Unsere lose Verabredung mit Graham und Angela und ihrem Unimog Mowgli im Ziz-Tal hat super funktioniert: Einen Tag nach uns kam Mowgli auf den wunderschönen Platz direkt in einer Palmeraie gerollt und gesellte sich zu unserem Reisegefährt – dem 50 Jahre alten Feuerwehrlaster Mercur. Zur Feier des Tages soll es heute Chili con carne aus dem Dutch Oven geben. Mais, Kidneybohnen, Paprika, Tomaten und Chili haben wir an Bord. Für ein richtiges Chili con carne brauchen wir aber Fleisch, genauer gesagt Rinderhackfleisch. Auf Französisch: “viande hachée”. Von Graham lernen wir noch, dass das auf Englisch “minced beef” heißt. Auf Arabisch und Berberisch - keine Ahnung, aber das bekommen wir schon hin. Vom netten Campingplatzangestellten lassen wir uns noch den Weg zum Ortsmetzger beschreiben und machen uns dann auf den Weg. Toni, unser Sohn sitzt im Buggy und unsere Tochter Mathilda fährt mit dem Laufrad.

© Mercurs Reise

Wir laufen auf einem Schotterweg an dem bewirtschafteten Palmenhain entlang, vorbei an der Schule, wo die Kinder darauf warten, dass der Unterricht beginnt. Der Weg wird gesäumt von einfachen Lehmhäusern, ab und zu sehen wir eine Frau bei der Hausarbeit, immer wieder kommen uns Esel entgegen, mit denen die Datteln aus der Palmeraie transportiert werden. Schließlich sind wir im “Zentrum” des Mini-Ortes angekommen. Es gibt einen kleinen Laden für Brot, Gemüse, Obst und andere Lebensmittel. Ein zweiter Laden verkauft Haushaltswaren, wie Eimer, Besen, Schüsseln usw. Wir kaufen Brot, eine Cola für Dom, Clementinen (die guten, teuren für 5 Dirham = 0,50 €/kg) und “des petits pains”, süße Gebäckteilchen mit Kokosstreuseln. Nebenbei erkundigen wir uns nach dem Metzger. Wir erfahren, dass das Geschäft ca. 200 m weiter die Straße runter ist. Aber damit wir nicht umsonst hinlaufen, fährt erst mal ein Typ mit seinem Mofa hin und schaut, ob offen ist. Wir haben Pech: Es ist zu. Aber zu ist nicht zu. Der nette Mann vom Lebensmittelladen holt sein Handy raus und telefoniert. Ergebnis: Der Metzger kommt demnächst. Super, aber hat er auch Rindfleisch? Wir sind schließlich in einer Gegend, wo es relativ wenig Kühe gibt und eher Kamelfleisch verbreitet ist. Erste Auskunft: Nur Hühnchen (“gack gack”), kein Rind (“muh”). Chili con carne mit Hühnchen? Das geht doch nicht! Nur ein Telefonat später können wir uns freuen: Der Metzger kommt in 30 Minuten und es gibt Rindfleisch!

Wir nutzen die Zeit, setzen uns erst mal auf ein paar Stühle, die neben dem Laden stehen, beobachten die Leute und machen Brotzeit. Zum Glück haben wir uns gerade die petits pains gekauft! Toni soll eigentlich schlafen, aber bei so leckerem Süßkram kann er natürlich nicht widerstehen. Kaum ist alles verputzt, heißt es auch schon, wir sollen los laufen: Der Metzger hat jetzt offen. Wir kommen an ein paar weiteren Lehmhäusern und einem Hühnerstall vorbei, dann kommt uns auch schon ein netter Berber in traditionellem Gewand entgegen und begrüßt uns mit offenen Armen: der Metzger! Der Laden ist ein winziger Raum in einem Lehmhaus hinter einer einfachen Metalltür, weiß gekachelt, von der Decke hängen zwei Stück Fleisch, eine Waage steht auf der Theke. Ob es hier tatsächlich Hackfleisch gibt? Der freundliche Mann versteht zum Glück Französisch und wir können ihm mit den Begriffen “petites pièces” und “kefta” (Hackfleischbällchen) klarmachen, was wir wollen. Aber: Er hat keinen Fleischwolf! In Deutschland wäre der Einkauf und der Chili-Versuch damit beendet. Aber wir sind ja zum Glück in Marokko. Während wir uns wieder auf den Rückweg machen und einen gemütlichen Vormittag in der Sonne mit Angela und Graham und der weiteren Reiseplanung verbringen, ruft der nette Metzger seinen Bruder in der nächstgrößeren Stadt an, der organsiert ein halbes Kilogramm Rinderhackfleisch, bringt es in seinem Auto in unseren kleinen Ort und der Metzger bringt es mit seinem Moped direkt zu uns auf den Campingplatz. Unser Chili ist gerettet!

Nach dem gemeinsamen Schnipseln und Feuer machen, köchelt den ganzen Nachmittag unser Chili con carne im Dutch Oven vor sich hin und verbreitet einen herrlichen Duft auf dem Campingplatz. Um 17 Uhr heißt es dann: “Dinner is ready!” Mmmmh - schmeckt das gut! Zum Abschluss gibt es noch Bananen gefüllt mit Schokolade vom Grill und ein entspannter Tag endet. Es ist inzwischen schon dunkel und wir haben mal wieder einen fantastischen Sternenhimmel über uns. Die Milchstraße ist vor lauter Sternen kaum zu erkennen. Es könnte uns nicht besser gehen!

© Mercurs Reise

Christina (29) und Dominic (39) reisten in der Elternzeit mit ihren Kindern Mathilda (am Ende der Reise 3) und Toni (am Ende der Reise 1) mit ihrem Feuerwehrlaster Mercur (51) insgesamt 6 Monate durch Griechenland, die Türkei, den Iran, Italien und Marokko (http://mercursreise.tumblr.com/). Übrigens haben Angela und Graham einen kleinen Film des anschließenden Wüstenkonvois gedreht...