Reise-Splitter: Eine Hommage an die Ferne

Eine Hommage an die Ferne

Ich sitze auf dem Fensterbrett unserer Wohnung und genieße die warmen Sonnenstrahlen, die mir ins Gesicht scheinen. Meine Füße stehen auf dem Heizkörper und werden von diesem wohlwollend gewärmt. Neben mir steigen zarte Dampfwolken aus einer duftenden Tasse Kaffee auf und als ich beim Lesen über die autonome Mönchsrepublik Athos die Seite meiner Lieblingszeitschrift umblättere, schweife ich ab in die Ferne.

Ich spüre den Geschmack von frischem Chili, Koriander und Zitronengras, nehme den Duft von Jasminblüten in meiner Nase wahr, als würde ich durch einen südostasiatischen Garten streifen, höre die Kuhglocken der Allgäu-Kühe durch das Tal läuten und sehe mich an einem weißen Sandstrand rumlungernd eine Kokosnuss schlürfen.

© Wanda Löffler Ja, es ist schön, zu Hause zu sein, in meiner persönlichen Wohlfühloase, trotzdem überkommt mich immer wieder der Drang nach Abenteuern. Die Lust, Neues zu entdecken, fremde Plätze zu erkunden, Geschichten von anderen Menschen zu hören, will einfach nicht aufhören. Düfte zu riechen, die man sich in Deutschland nicht vorstellen kann und Farben zu sehen, die es hier einfach nicht gibt. Ungeduldig und voller Vorfreude aus dem Flugzeug zu steigen und arabischen Klängen im Taxi zu lauschen. In den frühen Morgenstunden von den Gesängen des Muezzins geweckt zu werden, die durch Straßen hallen. Einen Berg hinaufzustapfen und dieses einzigartige Gefühl von Erfüllung und Stolz zu haben, wenn man den Gipfel erreicht.

Die Ungewissheit und Spannung, wie ein Ort aussehen und duften mag, wenn man ihn zum ersten Mal besucht, lässt meine Neugier einfach nicht satt werden. Es entzückt mich, mir vorzustellen, stundenlang in Cafès zu sitzen, die Zeit zu vergessen und das bunte, alltägliche Treiben in einem fremden Land zu bestaunen. Das Salz des Meeres auf den Lippen zu schmecken, weg zu sein von allem, was stresst oder Last ist. Das Smartphone zu verbannen und in eine völlige andere Welt abzutauchen. Wen interessiert die Steuer, wenn man die Sonne hinter einem schroffen Bergmassiv aufgehen sieht oder der Sand unter den Füßen kitzelt.

© Wanda Löffler Ich liebe es durch die Straßen eines unbekannten Ortes zu spazieren, noch nie gesehenes, exotisch riechendes Essen zu probieren oder um Waren zu feilschen. Solche Eindrücke faszinieren mich so sehr, dass ich die Empfindungen immer wieder neu erleben möchte. Der erste Gedanke am Morgen ist nicht die To-Do-Liste, sondern die Frage, ob man einen Oreo- oder Mango-Shake zum Frühstück möchte. Das Geräusch der hupenden Tuk-Tuks, die wild durcheinander brausen, der Geruch von orientalisch gewürzten Spießen auf einem Holzkohlegrill und das absolute Freiheitsgefühl, wenn man auf einem Scooter durch die Reisterrassen düst, machen mich glücklich. Am Schreibtisch vor dem Computer schwelge ich in Erinnerungen an den unwiderstehlichen Geschmack einer Kugel italienischen Basilikumeises, rufe mir den betörenden Geruch der Räucherstäbchen an den kleinen balinesischen Tempeln ins Gedächtnis und zaubere mir selbst ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich an den laut „Chai, Chai“ rufenden Mann im indischen Zug denke.

© Wanda Löffler

Das Reisen, in die Ferne zu ziehen, andere Lebensräume und Kulturen zu sehen, erweitert den Blick auf das Selbst und die Dinge. Für mich sind meine Reisen Oasen und Ziele im monotonen Alltag. Sie machen mich glücklich und zeigen mir, was wirklich wichtig ist. Inspirieren und bringen Licht in graue Wintertage zu Hause. Wahrscheinlich kriege ich deswegen auch nicht genug davon.

Wanda, 25 Jahre, immer wieder auf Reisen

Mehr Texte von Wanda findet Ihr auf ihrem Blog.