Reise-Splitter: Please Mister Postman, look and see.

Poste Restante – damals, als man bei Reisen noch auf Luftpostpapier schrieb und im Postamt am Schalter "poste restante" die erhaltenen Briefe abholte.

Hier waren sie oft, aber nicht immer. Die Wörter aus der anderen Welt von Freunden und Familie. Geschrieben auf hauchdünnem, zartblauem, fast durchsichtigem Papier, meist beidseitig. Das Blatt gefasst in eine kräftig blau-rot-schräg gestreifte Umrandung. Umhüllt von einem Umschlag gleicher Farbe und Umrandung. Briefmarken, rechts oben in die Ecke geklebt, manche ausgerichtet wie die Soldaten, andere freiheitsliebend aus dem Raster gefallen und ohne Halt. Farbige Blumen, exotische Vögel, fremde Gesichter und Porträts, unbekannte Gebäude und Landschaften zieren diese winzigen Gemälde in einem weißen Rahmen aus Zacken. Die Kosten sind angegeben in Pence, Pfund, Dollar, Franken, Rupie, abhängig vom Absenderland. Der Wert eines einzelnen Briefes für den Empfänger nicht zu berechnen, unbezahlbar. Luftpostbriefe, aufbewahrt in einem unscheinbaren Holzkasten.

"Please Mister Postman, look and see. Is there a letter in your bag for me?" Ich habe ihn zelebriert, diesen kribbelnden Augenblick der Suche, die Namen, alphabetisch sortiert. Briefe für: John Darling, der Filmer aus Australien; Louis Stevens, der aus Amerika, seit Wochen sehe ich seine Briefe; Sarah Klingenberg, Schweiz, muss neu sein; Soedjono, kenne ich nicht… Nachrichten aus Amerika, Frankreich, Sulawesi, England, Australien, Deutschland und vielen anderen, vertraut oder fremd klingenden Orten. Beschriftet mit Mister oder Madame, Herr oder Señorita, Bapak oder Ibu, Señor oder Monsieur. Diese rechteckige Kiste aus Holz mit so vielen Geschichten, Nachrichten und Gefühlen.

"I've been standin' here waitin' Mister Postman. So, so patiently." Ungläubigkeit, wenn unter meinem Namensbuchstaben kein Brief zu finden war. Wahrscheinlich falsch einsortiert der erste Gedanke, noch mal durchschauen, vielleicht unter dem Vornamen abgelegt. Wenn auch das ergebnislos verlief wurde die Suche intensiviert und auf alle Buchstaben erweitert.

"Please, please Mister Postman. Please check and see just one more time for me." Ja, Glück gehabt, genau das passierte immer wieder, irgendwie in einen anderen Buchstaben gerutscht. Da waren sie, meine Briefe, durch unendliche viele Hände gegangen, gestempelt, in Postsäcke gestopft, mit dem Zug, Bus und Flugzeug transportiert und – oh Wunder – in diesem kleinen Postamt 14.000 km von Deutschland entfernt in diese schlichte Holzkiste gesteckt. Nach diesem langen Weg ist die falsche Einsortierung geradezu ein lächerlicher Fehler.

Yes, Mister Postman, there are some words for me.

Gunda, 58 Jahre, seit 1982 immer wieder auf Bali

 

Der Song Mr.Postman wurde mit den Carpenters 1975 ein Hit. Die ursprüngliche Version sangen die Marvelettes 1961, die Beatles veröffentlichten ihre Version von diesem Song 1963. Den ganzen Song hören: The Marvelettes - Please Mr. Postman