Reise-Splitter: Zwischen Tradition und Secondhand

Karatu in Tansania: Hier tobt das pralle Leben. Wir parken unser Auto oberhalb des Marktes und benötigen einige Minuten, um das ganze Ausmaß dieses Marktes zu erfassen! Hier kommen all unsere Sinne auf volle Touren. Der Wind bläst bereits dicke Rauchwolken vom nahen Grillstand herüber, wo riesige Fleischstücke auf Holzspießen über der Glut gebraten werden. Das Ganze vermischt mit einer zünftigen Dieselwolke eines Landrovers, der nach einigem Georgel wieder zum Leben erwacht ist. „Welcome to Karatu, how are you?“, fragt uns ein Busfahrer, der noch auf seine Fahrgäste wartet. Nach einem kleinen Small Talk stürzen wir uns hinein ins bunte Treiben.

Einmal im Monat findet in Karatu ein riesiger, überregionaler Markt statt. Die Menschen strömen zu Hunderten aus allen Himmelsrichtungen herbei. Viele zu Fuß. Andere mit dem Fahrrad. Beladen mit Hühnern, handgewebten Körben oder frischem Gemüse. Der Markt ist unterteilt in einzelne Bereiche, also fast ein »Supermarkt«. Hier gibt’s die Gemüseabteilung, nebenan offene Gewürze, aber auch Küchengeräte, Töpfe und Pfannen. Klar, auch China ist hier vertreten mit all seinem Plastik-Kitsch. Was uns jedoch besonders ins Auge sticht, ist das immense Angebot an Secondhandklamotten. Die  Kleiderspenden aus der sogenannten Ersten Welt überfluten die Märkte Afrikas. Hier landen also die Ladungen aus den heimischen Sammelcontainern an der Ecke. Keine Ahnung, wer vorher noch alles daran mitverdient hat? Für meinen Teil nutze ich das üppige Sortiment und erstehe einige Markenprodukte zu einem Top-Preis. Vielleicht zuvor getragen von einem Nachbarn aus der fernen Heimat? Das traditionelle Schneiderhandwerk zieht hier logischerweise den Kürzeren. So ist es nur wenig verwunderlich, dass viele junge Leute die stylishen und billigen Designerklamotten bevorzugen.

© Ralf Kürner

Der penetrante Tiergestank erweckt mich unsanft aus meinen Gedanken. Wir sind bei der Viehversteigerung. Potenzielle Käufer ziehen umher und begutachten kritisch einzelne Tiere. Sofort kommt sein Besitzer auf Hochtouren und lobt die Vorteile dieses prächtigen Exemplars. Lautstark wird überall verhandelt. Dank theatralischer Einlagen kann man auch ohne Suaheli-Kenntnisse dem Geschehen folgen.

Weltweit lieben es die Menschen ganz traditionell einen Markt zu besuchen. Dort kann man die Produkte noch riechen, probieren oder einfach mit dem Produzenten selbst ein paar Worte plaudern.

Neben all den Besorgungen steht der gesellige Teil auch hier weit oben auf dem Tagesplan. Überall wird geschnattert und gelacht, was das Zeug hält! Vielleicht könnte das auch an den vergorenen Getränken in den riesigen Eimern liegen? Ich kam bereits öfter in die Verlegenheit die lokalen Brauspezialitäten zu kosten und verzichte an dieser Stelle lieber auf die Details ... So vergeht die Zeit wie im Flug und nach einer ausgiebigen Runde stehen auch wir mit gefüllten Taschen vor unserem gelben Feuerwehrmobil »Fatma«. Nachdem alles sicher verstaut ist, machen wir uns auf den Weg. Natürlich zum Grillstand, die lokalen Köstlichkeiten testen!

 

Ralf reist seit 2008 mit seiner Freundin Laila in dem alten 4x4 Feuerwehrmobil »Fatma« durch Afrika. Im Allradler Magazin berichten die Beiden regelmäßig über ihre spannenden Reiseerlebnisse. Dieser Text aus Tansania kann in vollständiger Fassung im Allradler 3/15 gelesen werden. Aktuell sind die Beiden im Iran - auch auf facebook könnt ihr die weitere Reise verfolgen.