Saddlestories: Navigieren auf Radreisen

Angelika und Reinhard von Saddlestories berichten aus ihren Erfahrungen: So findet man die ideale Route!

Eine Route von A nach B mit dem Navi abzufahren, kann mittlerweile jeder. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, möchte allerdings nicht zwingend die kürzeste Route nehmen. Landschaft, Verkehr, Straßenverhältnisse, Höhenmeter oder Versorgungsmöglichkeiten stehen bei längeren Radreisen dann ganz oben auf der Kriterien-Liste, wenn es darum geht, die für sich passende Route in einer unbekannten Gegend zu finden. Wie wir das machen? Hier unsere besten Tipps: 

APPS

Wer mit Smartphone reist, dem stehen eine Fülle an Informationen zur Verfügung. Für uns hat sich eine Kombination aus den folgenden vier Apps als hervorragende Navigationshilfe bewährt: 

Maps.me

✔ Android und iOS

✔ Kostenlos

✔ Offline navigieren – alle Karten als Download

✔ basiert auf OSM (Open Street Map) 

Maps.me bietet keine Vielzahl an Funktionen, das macht die Nutzung dafür umso einfacher. Zu jedem Land stehen offline Karten als Download zur Verfügung, wodurch die App auch ohne Internetverbindung einwandfrei nutzbar wird. Im Handumdrehen kann man sich Stecknadeln mit einer Notiz in die Landkarte setzen. Bekommt man zum Beispiel einen Tipp für einen besonders schönen Campingplatz von anderen Reisenden, markiert man sich die Stelle und fügt die Notiz „schöner Campingplatz“ hinzu. 

Vorsicht ist bei der direkten Navigation mit Maps.me geboten. Wählt man die Option „Fahrrad“ aus, meidet Maps.me bei der Berechnung der Route jede größere und oft auch steile Straßen. In großen Städten kann das sehr hilfreich sein, in ländlicheren Gebieten hingegen führt das oft zu unsinnigen und horrenden Umwegen. Aber keine Sorge, mit ein bisschen Hausverstand findet man den richtigen Weg ;)

Zusätzlich enthält Maps.me etliche praktische Informationen wie Trinkwasserstellen, Supermärkte, Unterkünfte, Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Banken, Tankstellen, etc.

OsmAnd+

✔ nur für Android brauchbar!

✔ nicht kostenlos (2018 haben wir einmalige 8 Euro bezahlt)

✔ Offline navigieren

✔ Höhenprofil inkl. Angaben der Höhenmeter

✔ Viele Zusatzinformationen: Steigungen in %, Topographie, Straßentypen, Oberflächenbeschaffenheit

✔ basiert auf OSM (Open Street Map)           

OsmAnd+ in der Android Version bietet alles, was das Radfahrer-Informations-Herz begehrt. Zu Beginn scheint die App etwas undurchsichtig: zu viele Informationen und Möglichkeiten, die nicht sofort selbsterklärend sind. Mit etwas Geduld wird man jedoch bald feststellen – diese App bringt´s! Für jede geplante Strecke bietet OsmAnd+ Angaben zu den Höhenmetern, zeigt ein Höhenprofil, das man auf der Karte auswerten kann, gibt genaue Angaben zu den Steigungen, um welchen Straßentyp es sich handelt und wie die Oberfläche dieser Straße beschaffen ist. Für die kurz- und langfristige Planung ist diese App dadurch zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel geworden. Die App erlaubt uns genauere Schätzungen über die voraussichtlich benötigte Zeit zu machen und lässt uns Alternativrouten vergleichen. 

Ein aktuelles Beispiel aus Kirgistan: es gibt zwei Möglichkeiten, an die Grenze zu Kasachstan zu gelangen. Entlang der Hauptstraße auf Asphalt mit wenigen, kaum erwähnenswerten Steigungen, oder auf Schotterwegen mitten durch die Berge mit Pässen, die auf über 4000 Meter führen. Mit OsmAnd+ können wir beide Routen planen und vergleichen, wie lange wir für jede Route benötigen würden. Mit der Berücksichtigung von anderen Faktoren, wie Visum, Wetter oder einfach nur Lust & Laune, können wir dann eine Entscheidung treffen!

Google Maps Satellitenansicht      

✔ Android und iOS

✔ Internetverbindung notwendig 

Die Satellitenansicht von Google Maps ist, sofern man eine Internetverbindung hat, von großer Hilfe. In einsamen Gegenden kann man nachsehen, ob es nicht doch kleine Siedlungen gibt, wo man vielleicht Wasser bekommt oder auf Menschen trifft. In stark besiedelten Gebieten kann man sehen, ab wann man wieder campingfreundlichere Areale findet. Zum Beispiel hat uns die Satellitenansicht bei der Durchquerung der Dasht-e Kavir Wüste im Iran sehr geholfen, um einschätzen zu können, für wie viele Tage wir Wasser mitnehmen müssen. 

 iOverlander

✔ Android und iOS

✔ kostenlos

✔ die besten Tipps von Reisenden für Reisende

iOverlander ist zwar keine App zur Navigation, ist allerdings immens hilfreich, wenn es darum geht, den besten Platz zum Campen, Trinkwasserquellen oder die schönste Straße zu finden. Hier kann jeder Reisende kommentieren, neue Plätze hinzufügen und Passstraßen beschreiben. Hat man die Wahl zwischen verschiedenen Straßen, können die Kommentare für unsere Planung ausschlaggebend sein. Besonders in bergigen, schwierigen Gebieten sind Kommentare wie „auf dieser Route erwarten dich viele Flussüberquerungen“ unbezahlbar ;) 

iOverlander ist auch mit Maps.me kompatibel: hast du einen Zeltplatz auf iOverlander in Betracht gezogen, brauchst du nur auf die Option „Maps.me“ klicken, und schon wird dir dank GPS Koordinaten der genaue Standort auf Maps.me gezeigt. Sehr praktisch!

KARTENMATERIAL

Neben den digitalen Hilfen lieben wir die guten alten Papierkarten. Sie bieten einen guten Überblick eines Landes, Alternativrouten sind schnell auszumachen und am Ende kann man ganz stolz den Zeigefinger über die gefahrene Route führen und mit einem Grinsen zufrieden feststellen, dass man den ganzen Weg geradelt ist! 

Auf was sollte man beim Kauf von Kartenmaterial achten? 

✔ Der Maßstab: natürlich gilt, je kleiner der Maßstab, desto detaillierter die Informationen. 1:500 000 ist spitze, 1:1,2 Mio. bietet dann nur mehr eine grobe Übersicht. 

✔ Datum der Auflage: wann wurde die Karte zum letzten Mal aktualisiert? Für die Verlässlichkeit der Informationen ein wichtiger Punkt. Es tut sich viel im Straßenbau!

✔ Material: bist du länger als eine Woche unterwegs, wird die Karte so einiges mitmachen. Aus der Tasche raus, in die Tasche rein, Regen, Wind. Das ist einer von vielen Gründen, warum wir immer mit den Karten des Reise Know-How Verlags reisen. Sie sind reiß- und wasserfest. Genial!

✔ Legende: wirf einen Blick auf die Legende. Für Radfahrer sind besonders die kleinen Nebenwege und Pfade wichtig. Auch die Höhenlinien sollten vorhanden sein.

TIPPS VON ANDEREN

Und zu guter Letzt: frag dich schlau! Einheimische, andere Radfahrer oder Overlander. Man trifft so viele Menschen auf der Straße, die vielleicht genau aus der entgegengesetzten Richtung kommen und dir über aktuelle Straßenverhältnisse Bescheid geben können. Tipps unterwegs einzuholen ist mindestens genauso wichtig wie die Planung mit den oben genannten Hilfsmitteln. Unzählige Male haben wir aufgrund Empfehlungen Anderer unsere Route spontan geändert und wurden nie enttäuscht. Das war zum Beispiel ein Grund dafür, warum wir so viele „Umwege“ am Balkan gefahren sind: Den Durmitor Nationalpark in Montenegro hätten wir nie durchradelt, hätte uns im letzten Moment nicht ein Passant davon erzählt!

Und vergiss nicht: manchmal landet man eben doch auf Straßen, die weniger Genuss bereiten. Manchmal gibt es keine Alternativen, keine Unwege, keine Nebenstraßen. Und dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: sie zu fahren, oder per Autostopp/öffentliche Verkehrsmittel zu überbrücken. Die nächste schöne Straße kommt bestimmt!