Von Spanien nach Portugal: Unser fünfter und sechster Monat auf Reisen

El Chorro © Rosa und Johann Koppelmann

Wow, da sind wir tatsächlich schon sechs Monate auf Reisen! Die letzten beide Monate sind so schnell vergangen, dass ich nach dem fünften Monat nicht mal einen rückblickenden Beitrag geschrieben habe, weil es einfach alles so schnell ging. Und nun sitzen wir gerade in Portugal, etwas unsicher, wie es mit der Corona-Krise weitergeht und für den Moment erstmal glücklich, nicht mehr in Spanien zu sein. Ich fange den Bericht heute mal rückwärts an, weil sich die Ereignisse in den letzten Tagen einfach etwas überschlagen haben und alles andere gerade so irrelevant vorkommt.

Vor fünf Tagen waren wir nämlich noch in Spanien und alles war gut und dann kamen die Corona-News gefühlt im Minuten-Takt auf uns heruntergeprasselt. Erst wurden die Strände abgesperrt; mit Absperrband. Dann kam die Polizei zu uns und sagte, dass wir wegmüssen; die gesamte Küste sei nun Sperrgebiet, sagten sie. Später hörten wir in der Pressekonferenz des Ministerpräsidenten, dass Menschen in Spanien ab Montag den 16. März nicht mehr ihre Häuser verlassen dürfen (außer zum Einkaufen und dann dürfen immer nur zwei Personen gleichzeitig im Supermarkt sein) und Wohnmobile sich nicht mehr bewegen sollen und man drinbleiben soll. Puh. Die Polizei erlaubte uns letztendlich noch eine Nacht zu bleiben, sodass wir uns erstmal sortieren konnten, aber es stand doch ziemlich schnell fest, dass wir nach Portugal müssen. Da sind wir jetzt. Erstmal ruhig und entspannt. Mal sehen, wie es weitergeht.

El Chorro © Rosa und Johann Koppelmann Bis unserem Corona-Abenteuer haben wir aber noch eine ganze Menge wunderschöner anderer Abenteuer in den letzten zwei Monaten erlebt! Wir haben an wunderschönen Orten in Spanien gestanden, einen Abstecher nach Gibraltar gemacht und hatten Besuch von Familie und Freunden. Zu Beginn unserer Reise hatten wir geplant, vier Wochen in Spanien zu bleiben – am Ende sind wir vier Monate geblieben. Niemand von uns hätte das im Vorhinein erwartet und doch sind wir sehr froh, jetzt gerade in Portugal zu sein und nicht – wie ursprünglich geplant – irgendwo zwischen Kroatien und Albanien (denn eigentlich war der Plan, dort den Frühling zu verbringen). Gerade sind wir einfach nur so froh, dass die Nachrichten der Ausgangssperre uns erreichten, als wir nur 20 Minuten von der Portugiesischen Grenze entfernt standen und wir so – zwar in letzter Sekunde, aber dennoch entspannt – noch rüber nach Portugal konnten.

Aber wieder zurück zu den letzten beiden Monaten! Obwohl wir schon so lange in Spanien sind, haben wir immer noch das Gefühl, längst nicht genug gesehen zu haben. Dieses Land ist so vielseitig, das war uns im Vorhinein gar nicht bewusst: Wir waren in unserem fünften Monat auf Reisen unter anderem in der Gegend um El Chorro, im Inland über Malaga, wo es wunderschöne Berglandschaften gibt. Wir haben Adler und Gämsen gesehen und Wanderungen unternommen, bei denen uns der Atem gestockt ist, weil die Landschaft so unwirklich schön ist. Wir haben ganz allein in den Bergen gestanden, abends Lagerfeuer gemacht und die Sterne angeschaut, die hier so hell strahlen, wie wir es sonst nur aus Afrika kennen.

El Chorro © Rosa und Johann Koppelmann Außerdem haben wir neue Freunde gefunden – einige davon mit Sicherheit Freunde für’s Leben. Wir haben uns nochmal ganz neu in unser Leben auf Reisen verliebt. Wir haben aufgehört uns zu fragen, wie wir weitermachen wollen, wie wir weiterleben wollen, wir waren einfach so im Moment, so glücklich im Moment, dass für solche Fragen kein Platz war. Wir hatten Besuch von Familie und haben ein paar schöne Tage zusammen in Malaga verbracht, in denen wir vor allem gemerkt haben, dass wir das Großstadt-Leben nicht mehr gewöhnt sind und dass auch schöne Restaurants und veganes Eis uns nicht so wertvoll erscheinen, wie der Blick in die Natur.

Nerja Beach © Rosa und Johann Koppelmann Wir haben das Mittelmeer hinter uns gelassen und uns in Tarifa den Wind um die Ohren sausen lassen, während wir am südlichsten Punkt Europas standen und zugucken konnten, wie der Atlantik auf das Mittelmeer trifft. Wir haben uns das wunderschöne kleine Cadiz zu Johanns Geburtstag angeschaut und eine Woche in der Nähe von Cadiz an einem der schönsten Strände verbracht, an denen wir jemals waren. Johann hatte seine erste Surfstunde und Nila hat ihre Angst vor dem Wasser verloren und ewig in den Wellen gespielt. Während wir all diese wunderschönen Sachen erleben durften, hat Nino seine zwei ersten Zähne bekommen und hat angefangen, mit Festhalten im Wohnmobil herumzulaufen.

Punto Paloma Beach © Rosa und Johann Koppelmann Rückblickend ist wirklich viel passiert und trotzdem fühlt sich alles von dem, was wir erlebt haben, an, als wäre es erst gestern gewesen: der Tag in Gibraltar bei den Affen, an dem wir so geschwitzt haben, weil es einfach viel heißer war als gedacht, das Restaurant in Cadiz wo wir vegane Fleischbällchen in veganer Gorgonzola-Soße gegessen haben (ja, sowas gibt es, wussten wir auch nicht), der See in den Bergen, wo wir umringt von Schafen vor dem Wohnmobil saßen und man stundenlang nichts hörte, außer das leise Bimmeln der Schafsglocken, oder der abenteuerliche Spaziergang von Tarifa zurück zu unserem Stellplatz, wo wir unterwegs auf der Brüstung einer kaputten Brücke über einen Fluss balancieren mussten und uns fast komplett verlaufen hätten.

Affen in Gibraltar © Rosa und Johann Koppelmann Es waren zwei wunderschöne Monate und besonders jetzt, wo gerade alles so in der Schwebe ist, wo niemand weiß, ob wir in ein paar Wochen noch draußen frei herumlaufen dürfen oder nicht, besonders jetzt, bin ich umso dankbarer für all die wunderschönen Erfahrungen! Und für all die wunderbaren Menschen, denen wir unterwegs begegnet sind und die auf dieser Reise unser Herz berührt haben.

Nun sind wir sehr gespannt darauf, was der siebte Monat auf Reisen für uns bereithält: Werden wir weiterfahren? Werden wir uns einfach irgendwo hinstellen und erstmal dortbleiben? Werden wir uns auf das Privatgrundstück von Bekannten zurückziehen müssen? Werden wir unser Wohnmobil verlassen dürfen? Das alles sind Fragen, die uns derzeit immer mal wieder im Kopf hin und her gehen. Die Antworten weiß wahrscheinlich noch niemand so genau. Jetzt sind wir erstmal hier und das ist gut so. Wir sind nicht allein, wir haben Freunde um uns herum und es geht uns gut.

Gerade sind wir vor allem sehr glücklich und sehr dankbar!

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Motril Beach © Rosa und Johann Koppelmann