Styros Weltreisen im Iran: Highlights West-Azerbeijan - Und langsam wird es leichter

© Christian Binder

Auf unserem weiteren Weg passieren wir Kandovan, ein Kunstwerk aus Tuff und Bims. Erst vor Kurzem haben wir Kappadokien in der Türkei gesehen, hier aber ist es wieder völlig anders. Vor rund 800 Jahren haben die Menschen möglichst unauffällige Behausungen in die Tuffkegel gegraben, um sich vor den Mongolen zu verstecken. Wie braune Zwergenhüte stehen die spitzen Kegel dicht gedrängt am Berghang und verschmelzen farblich vollkommen mit ihm.

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Heute ist Schutz nicht mehr nötig, daher gibt es Fenster, Türen und bunte Vorhänge. In der Nachmittagssonne strahlt das Dorf wie ein Gemälde mit bunten Farbtupfern auf beigem Hintergrund. Über steile Treppen und unzählige Stufen geht es den Hang hinauf. Am Fuße des Berges haben sich Steinhäuser harmonisch dazugesellt und machen die Idylle perfekt. Der Tourismus hat einen bedeutenden Platz eingenommen, aber dennoch führen die Menschen ihr von Landwirtschaft geprägtes Leben weiter. Europäische Touristen sind kaum anzutreffen, iranische sehr viele.

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Täbriz ist quasi unsere erste größere Stadt im Iran auf der weiteren Reise. Und wie groß! Vielleicht gut, dass uns zuvor gar nicht bewusst war, dass es sich um die drittgrößte im Iran handelt. Dementsprechend ist auch das Verkehrsaufkommen – ein Graus! Und heute ist auch noch ein Fußballmatch. Wir sind auf den Straßen also bald umzingelt von jolenden Fans in ihren Autos. Aus den Fenstern hängen rote Fan-Schals und dröhnen Siegesgesänge. Der ohnedies schon chaotische Verkehr erlebt eine Steigerung.

Wir sind erleichtert, als wir die Stadionabfahrt passiert haben und nur mehr mit dem normalen Wahnsinn im Straßenverkehr konfrontiert sind. Irgendwann kommen wir am Stadtparkplatz von Täbriz an – erleichtert und auch ziemlich fertig. Wir erkennen auch jetzt erst so wirklich, wie groß die Entfernungen in diesem Land sind. Iran ist nicht um sonst 20mal größer als Österreich! So müssen wir also auch tageweise wirklich Strecke machen.

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Das Highlight hier ist der lokale Bazar. Bei weitem nicht so bunt wie die Märkte in Marokko. Es ist ein im Grunde ein unspektakulärer Alltagsbazar, in dem man alles findet, was im normalen iranischen Leben gebraucht wird. Der Kuppelbau besticht, aber wir sind an diesem heutigen Tag noch immer nicht ganz „grün“ mit diesem Land, immer noch decken sich die Erwartungen nicht mit der Realität. Aber das mag durchaus an uns liegen. Der Stadt an sich können wir sonst nicht viel abgewinnen und sie „berauscht unsere Sinne“ nicht wirklich, so wie angekündigt. Aber das ist immer so eine Sache beim Reisen. Das Wohlgefühl hängt von vielen Faktoren ab und vor allem ist es eine ganz persönliche Momentaufnahme.

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Wirklich in Erinnerung bleiben wird uns Täbriz nur durch die Einladung eines Ehepaares. Die beiden haben uns aufgrund unseres österreichischen Autokennzeichens angesprochen. Karim hat lange Zeit in Österreich gelebt und - welch ein Zufall - seine erste Frau kommt aus Frohnleiten! So hat er auch viele Bekannte in Andritz, also dort, wo Christian aufgewachsen ist. Und plötzlich wird die Welt ganz klein. Die beiden laden uns zu sich nach Hause zum Abendessen ein. Ja, das ist es auch, was wir erleben – offene Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die bei uns Ihresgleichen sucht. Ein wirklich netter Abend, der uns ein bisschen Einblick in die gehobene iranische Gesellschaft verschafft hat. Ich bin wirklich dankbar für solche Erlebnisse. Und so enden manche Tage wieder mit großer Zufriedenheit und Dankbarkeit für alles, was wir hier erleben dürfen.

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Wir reisen weiter nach Süden und erreichen die Provinz Isfahan. Und hier erleben wir unsere wirklich erstes städtisches Highlight – die Stadt Kashan, am Rande der Wüste Dash de Kavier! Die Altstadt ist ohne Übertreibung eine orientalische Schönheit. Abends erfüllen die Gesänge des Muezins die beleuchteten Gassen und hüllen die Lehmstadt in einen wahren Zauber. Der Basar viel im 19. Jh. einem Erdbeben zum Opfer, wurde aber ganz wunderbar wieder aufgebaut. Die reich verzierten Kuppelbauten versetzen uns derart ins Staunen, dass wir uns gar nicht satt sehen können. Ich kann gut verstehen, dass er zu den schönsten des Landes zählt.

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Völlig untouristisch präsentiert der Basar iranisches Leben. Prächtige bürgerliche Kaufmanns- und Badehäuser haben ihre Tore geöffnet und bieten uns Einblicke. Die Symmetrie der Kuppelbauten ist beeindruckend und alles ist prächtig mit farbiger Ornamentstuckatur verziert. Eine Märchenkulisse – und im Moment fehlt uns wahrlich nichts zu unserem Wohlbefinden. Wir haben unser Reisetempo jetzt deutlich reduziert und dasselbe gilt für das Tageskilometerpensum. Das musste jetzt einfach sein. Ich spüre jetzt aber ganz deutlich an diesen letzten beiden Tagen: Wir kommen mehr und mehr an und langsam stellt sich mehr Leichtigkeit ein.

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