Styros Weltreisen im Iran: Isfahan - reich und schön

© Christian Binder

"Esfahan nesf-e Dschahan – Isfahan ist die halbe Welt“, besagt ein altes persisches Sprichwort. Und die Erbauer des Naksch-e Dschahan Ende des 16. Jhd. bezeichneten ihren riesigen Platz im Zentrum gleich als „Abbild der Menschheit“. Daraus spricht nicht gerade Bescheidenheit. Muss es eigentlich aber auch nicht. Wenn man auf diesen fast 90.000 m² nämlich einmal den Blick rundum schweifen lässt, bleibt einem fast die Luft weg. Dieser zweitgrößte Platz der Welt bietet beides – Größe und Schönheit. Heute heißt der Platz offiziell „Meidan e- Emam“, also Platz des Imam, in Gedenken an Ajatollah Khomeini, dem Gründer der Islamischen Republik.

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In der Mitte bestechen große Grünflächen und Springbrunnen, eingerahmt von zwei Moscheen, einem Palast mit Thronsaal und alles verbunden über doppelstöckige Arkadenbauten. Monumentale Architektur, die trotzdem eine belebte Szenerie vermittelt.  Die Rasenflächen dürfen betreten werden, es wird sogar gepicknickt. Und dort, wo Pferdekutschen Touristen, denen der Weg rundum zu weit ist, hofieren, also am Asphalt, wird Frisbee gespielt.

Wir haben uns für die Tage hier in der Stadt ins Hotel einquartiert. Die einzige Möglichkeit, mit dem LKW im Stadtzentrum zu parken. Also genießen wir für zwei Tage das Abasi Hotel, das angeblich älteste Hotel der Welt. Auch das besticht mit Glanz und Glorie. Wir alle sind sehr glücklich und zufrieden in unseren LKWs, aber zugegeben,  einen Vorzug bietet das Hotel ohne Zweifel: eine unendlich lange heiße Dusche! Es spricht jetzt nicht für mein sonst durchaus evidentes Umweltbewusstsein, aber diesen Luxus ließ ich mir nicht nehmen. Und so gab es jetzt die längste und heißeste Dusche seit 65 Tagen.

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Auch sonst bietet das Abasi Hotel für uns ideale Bedingungen, die Stadt zu erkunden. Die vielen Parks laden geradezu ein, hier zu verweilen. Früh morgens spazieren wir vorbei an vollbesetzten Parkbänken – gefühlte 1000 Jahre sitzen dort vereint. Über zehn Männer stattlichen Alters begrüßen uns freundlich und erzählen, dass sie sich hier  täglich treffen, um gemeinsam zu singen und auch zu tanzen.

Wir sind berührt ob der spontanen Einlage und schon hat uns die Stadt gefangen genommen. Den Rest erledigt die Pracht der monumentalen Gebäude. Fassaden aus Lapislazuli und Türkis strahlen hoch in den Himmel, lassen uns daneben ganz klein erscheinen. Im Basar spielt sich wie überall im Iran normales Alltagsleben ab.  Nichts ist „für uns Touristen“ gemacht, alles nur für die Menschen vor Ort. Daneben gibt es moderne Geschäfte, Boutiquen und Restaurants. So treffen sich Historie und Moderne in dieser 1,9-Millionen-Stadt.

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Aber die Stadt hat auch ein anderes Gesicht: Sie ist zentrale Waffenschmiede des Landes, was ganz offensichtlich wird, wenn man die Stadt nach Osten hin verlässt. Dort werden ballistischen Raketen gebaut, die womöglich irgendwann  mit Atomsprengköpfen bestückt werden könnten. Wenige Kilometer östlich des Zentrums, umrahmt von Bergen, stehen militärische Anlagen, alle versehen mit dem Zeichen „Kernkraft“. Die Berge, prädisponiert dafür, sie auch auszuhöhlen, lassen vieles vermuten.

Natürlich wissen wir nichts. Aber die militärische Präsenz und Abschottung ist unübersehbar. Angeblich kann hier Uran angereichert werden. Reisebekannte, die etwas außerhalb der Stadt in ihrem LKW nächtigten, haben diese Präsenz zu spüren bekommen und wurden des Nächtens mit gleich 10 Mann überprüft – höflich aber bestimmt. Da wird der LKW gleich mal ganz gründlich durchsucht. Das Land ist ein wunderbares Reiseland, aber gewisse Regeln gilt es zu beachten – und wir sind wachsam und achtsam.