Thomas Schenker: Fragen zu seiner Reise nach China

© Thomas Schenker

Thomas Schenkers Reise führte mit einem selbstgebauten Bambus-Fatbike über die Seitenstraßen der Seidenstraße Richtung China. Im Oktober 2017 startete Thomas seine Tour. Nach anfänglichen technischen Problemen und dem Umbau seines Bambus-Bikes ist er in seiner Reise angekommen und konnte seinen Weg Richtung Osten fortsetzen. Seit Juli ist Thomas wieder zurück in Deutschland und arbeitet an einer Diashow über seine Reise.

Eine Fahrt mit Höhen und Tiefen und damit sind nicht nur die überquerten Berge und durchfahrenen Täler gemeint:

Wie viele Tage warst du unterwegs und wie viele Kilometer hast du zurückgelegt?

Ich hab nicht so genau gezählt, aber insgesamt war ich länger als ein halbes Jahr unterwegs und habe wahrscheinlich so an die 5000 km mit dem Fahrrad zurückgelegt und mindestens noch mal so viel mit Trampen oder auch mal Bus und Bahn.

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Welche Schwierigkeiten sind unterwegs größer: die Technik, die sportliche Herausforderung oder das Alleinsein? 

Das ist pauschal schwer zu beantworten, da es auch stark darauf ankommt, was für ein Typ man ist, wo man sich gerade befindet, auf was man selbst Wert legt und was so alles Unvorhergesehenes passiert. Das Alleinsein war vor der Reise mental eine der größten Herausforderungen. Ich hatte riesige Angst davor. Ich war mir sicher, dass die an mir nagende Einsamkeit eins der sehr wenigen Dinge hätte sein können, die mich dazu gebracht hätten, die Reise abzubrechen. Auf der Reise war ich dann aber recht erstaunt, wie gut ich mit mir klarkam ;-) Außerdem hat es der Mensch irgendwie doch schon in die meisten Ecken der Welt geschafft, man muss nur anhalten und sich Zeit für die Menschen am Straßenrand nehmen, dann verfliegt die Einsamkeit meist recht schnell …

Die Technik war in der Türkei ein Problem, als ich mein selbstgebautes Bambus-Fatbike zum ersten Mal voll bepackt über längere Strecken über kleine Trails jagte. Die Ausfallenden haben sich verbogen, was ein großes Problem war. Ab dem Einbau stärkerer Ausfallenden lief dann aber technisch alles wie am Schnürchen.

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In sportlicher Hinsicht war die Herausforderung für mich recht gut zu meistern, vor allem deshalb, weil sich mein Ehrgeiz in dem Bereich in Grenzen hält. Wenn es zu anstrengend ist, fahre ich langsamer, wenn ich nicht mehr kann, mache ich Pause, wenn ich müde bin, baue ich mein Zelt auf und schlafe … Und wenn ein Abschnitt gänzlich unspannend ist, strecke ich den Daumen raus und schau, ob mich jemand Nettes mitnimmt …

Auf der Reise selbst stellte sich für mich persönlich vielmehr die Unsicherheit von Dingen als eine der größten Herausforderungen dar. So zum Beispiel als mein Knie auf einmal Probleme machte und es unsicher war, ob ich meine Reise wie bisher fortsetzen kann. Oder als Turkmenistan mein Visum wochenlang weder zu- noch absagte. Oder als ich in der Wüste Gobi, beladen mit Wasser und Proviant für 4 bis 5 Tage, in ein Dünenfeld radelte, ohne zu wissen, ob die Durchquerung einer solchen Sandwüste mit einem Fat-Bike überhaupt möglich ist. Oder als ich in China mehr als 2000 Kilometer Trampen vor mir hatte, ohne zu wissen, ob ich mit dem Fahrrad überhaupt mitgenommen werden würde. Die Auflösung solcher Unsicherheiten haben oft zu ganz großen Gefühlen und Glücksmomenten geführt …

Wie motiviert man sich, um aus emotionalen Tälern, wie z.B. Erschöpfung, wieder hoch zu kommen? 

Viel Schoki ;-) Nein, im Ernst, ich habe versucht, erst gar nicht zu sehr erschöpft zu sein. Anfangs war ich oft ziemlich fertig, da ich beim Biken mehr Energie verbraucht habe, als ich meinem Körper zugeführt habe. Nach drei Stunden Strampeln fiel ich regelmäßig in ein Loch. Also habe ich angefangen mehr zu essen, oft fünf Mal am Tag in regelmäßigen Abständen, auch wenn ich keinen Hunger hatte. So beugte ich körperlicher Erschöpfung vor. Die grandiosen Landschaften und der Kontakt mit netten Einheimischen waren außerdem immer guter Balsam für die Seele ….

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Was machst du bei Hochs? Schreien, singen, lachen, tanzen? Du bist ja alleine, keiner sieht dich.

Lachen immer, schreien nicht so, aber wenn man wild Umherspringen als Tanzen bezeichnen will, dann auch mal das. Am liebsten aber kommentiere ich immer alles mit wahllosen Aneinanderreihungen von Ausdrücken in einem Stil, der meine frühere Deutschlehrerin nicht glücklich machen würde, wie zum Beispiel „Whaat!? Oh Mann, das ist ja mal übelst geil! Check das, echt Hammer!“ Das mach ich aber auch, wenn ich nicht allein bin, und bemerke es dann immer erst, wenn mein Gegenüber das dann genauso macht um mich nachzuahmen und mich damit auf den Arm zu nehmen. Die Lieblingsbeschäftigung meiner Frau und einiger meiner Freunde …. 

Bist du einmal krank geworden? 

Ich hatte echt Glück, denn krank war ich nie. Ich hatte in den ersten Wochen meiner Tour Knieprobleme, die ich aber zum Glück in den Griff bekommen habe. Dann hatte ich in Serbien einen etwas heftigeren Sturz, aber auch da hielten sich die Verletzungen in Grenzen. Alle anderen Stürze hab ich ohne Blessuren überstanden. Aber am Ende der Reise, nachdem ich meine Ziele, die Verbotene Stadt und den Tianmen Square, erreicht hatte, habe ich in einem Restaurant leider zum falschen Essen gegriffen. Das war aber auch das einzige Mal, dass ich etwas auf der Reise nicht vertragen habe.

Wie verständigst du dich unterwegs? 

Mit Händen und Füßen, denn das ist die Fremdsprache, die ich am besten beherrsche. Dabei fasle ich meistens noch etwas auf Englisch, oder ein paar Brocken in der Landessprache, mit der Hoffnung, dass mich mein Gegenüber versteht. Wenn ich damit nicht weiter komme, zeige ich Fotos oder benutze Übersetzungs-Apps.

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Hat diese Art von Reisen nicht auch einen Suchtfaktor? Einmal infiziert, für immer „krank“?

Mich hat es auf jeden Fall gepackt. Ich plane schon die nächsten Reisen im Kopf, aber jetzt werde ich mich erstmal über Tonnen von Film- und Bildmaterial hermachen, um die Geschichte meiner Reise auf den Seitenstraßen der Seidenstraße in einer Diashow zu erzählen. Bist du neugierig? Auf meiner Homepage gibt es bald Infos zu Terminen!

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Thomas Schenker bei BACK TO THE ROAD

www.seitenstrassen-der-seidenstrasse.de