Zurück zum Slow Life: Unser vierter Monat auf Reisen

Sonnenaufgang an Rosas Geburtstag © Rosa und Johann Koppelmann

Es ist vier Monate her, seit wir Deutschland mit unserem Wohnmobil verlassen haben! Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Das ist jetzt schon 1/3 Jahr! Und wie Johann neulich feststellte: Unser kleiner Nino verbringt jetzt schon mehr seiner Lebenszeit im Wohnmobil als in einer Wohnung!

Als wir in unseren vierten Monat auf Reisen starteten, hatten wir gerade unsere neuen Vanlife-Freunde wieder verlassen, weil Nila Fieber hatte und wir Ruhe brauchten. Wir fuhren weiter gen Süden, immer auf der Suche nach einem schönen Platz zum Verweilen und nach noch wärmerem Wetter – und noch schöneren Stränden. Bis dahin war es immer noch unser Ziel, immer weiter nach Süden zu kommen und wir hatten eigentlich keinen Plan, außer: immer weiter nach Süden.

Unser Lieblingsstrand unterhalb von Valencia © Rosa und Johann Koppelmann

Nach ein paar Tagen in der Umgebung von Valencia (wir sind nie nach Valencia reingefahren, wir machen um alle großen Städte einen Bogen) fanden wir einen Strand etwa 50 Kilometer südlich von Valencia, der sich zwischen zwei Dörfern befand, die beide etwa 1 Kilometer entfernt waren. Dieser Strand wurde für die nächsten zwei Wochen unser Zuhause. Wir parkten hinter der Düne und fuhren nur einmal für einen Tag weg, um Wasser nachzufüllen und die Toilette zu leeren. Da wir (die meiste Zeit) alleine in der Gegend waren, haben wir hier einfach in den Sand gepinkelt und dafür hat die Toilette viel länger gehalten als sonst. Wir liebten (und lieben) diesen Ort und hatten eine wirklich schöne Zeit dort!

An diesem Strand haben wir dann auch meinen 32. Geburtstag gefeiert. Ich bin soooo schön in dieses neue Lebensjahr gestartet: saß frühmorgens am Strand und beobachtete den Sonnenaufgang, meditierte später am Strand und saß ansonsten in meinem Badeanzug in der Sonne und telefonierte mit Familie und Freunden. Ich war an meinem Geburtstag auch schwimmen und das zusammen mit allem anderen war einfach ein wunderbarer Start in das neue Lebensjahr!

Geburtstag im Wohnmobil © Rosa und Johann Koppelmann

Zwei Tage nach meinem Geburtstag haben wir Weihnachten im Wohnmobil gefeiert: Wir haben unser Bestes gegeben, um ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen und sogar ein bisschen Last-Minute-Weihnachtsdekorationen gekauft. Hauptsächlich für Nila, die sich so auf Weihnachten gefreut hat. Wir haben es aber irgendwie nicht so richtig hingekriegt, in Weihnachtsstimmung zu kommen: Wir waren schwimmen (es waren 25°C an dem Tag) und die Sonne schien immer noch, als wir mit unserer Weihnachtsfeier loslegten (wir fangen normalerweise gegen 17 Uhr an und in Deutschland ist es immer schon dunkel zu der Zeit, aber hier in Spanien ist es immer noch hell).

Nila war trotzdem sehr glücklich und wir haben das Beste aus dem Abend gemacht: lecker gegessen, ein paar Geschenke ausgepackt, bis 22 Uhr Spiele gespielt und jede Menge Weihnachtssüßigkeiten genascht. Aber wir alle haben das „richtige“ Weihnachtsfest vermisst und wir haben unsere Familien an diesem Tag und den folgenden zwei Tagen vermisst. In meiner Familie feiern wir Weihnachten immer am 26. Dezember, während es bei Johanns der 24. Dezember ist. In diesen Tagen vermissten wir Deutschland, obwohl wir den absolut perfekten Ort hatten; warmes Wetter, das Meer, jeden Tag schwimmen …

Morgen im Wohnmobil © Rosa und Johann Koppelmann

Da wir eine gute Gesellschaft vermissten, beschlossen wir ziemlich spontan, 300 km nach Süden zu fahren, um über Neujahr ein paar Freunde zu treffen (und nicht wieder allein zu sein), und fuhren am 30. Dezember ab, um dann am 31. anzukommen. Wir hatten eine wirklich lustige Neujahrsparty am Strand und waren alle wieder richtig glücklich. Um Mitternacht schliefen die Kinder dann aber schon und Johann und ich saßen vor unserem Wohnmobil und sahen insgesamt sieben Sternschnuppen und wir wussten irgendwie, dass dieses neue Jahr wunderbar sein wird.

Nach Neujahr machten wir uns wieder auf den Weg, weiter südlich, auf der Suche nach einem schönen Ort, an dem wir noch ein oder zwei Wochen bleiben konnten. Wir waren zu der Zeit sehr reisemüde und wollten einfach einen Ort finden, an dem wir bleiben und uns entspannen, unsere Arbeit genießen und andere Kinder zum Spielen haben können. Wir haben zwar ein paar schöne Plätze am Strand gefunden, aber überall waren so viele andere Wohnmobile und da die meisten Leute in diesen Wohnmobilen deutsche Rentner waren, die gerne den ganzen Tag andere Leute beobachten und blöde Kommentare über so ziemlich alles zu einem rüberrufen, hatten wir keine wirkliche Lust, irgendwo länger zu bleiben.

Unsere Aussicht in den Bergen der Sierra Nevada

Da es an der Küste überall so voll war, fuhren wir in die Berge und genossen für ein paar Tage die Stille eines kleinen Bergdorfes. Wir waren das einzige Wohnmobil in der Gegend, lernten die Locals kennen, genossen es, einfach vor unserem Wohnmobil in der Sonne zu sitzen und die umliegenden Berge anzuschauen, wir lernten die Schafe, Ziegen und Ponys des Dorfes kennen und wir hätten eigentlich für immer dort bleiben können ... aber es war einfach zu kalt da oben!

Nach drei Tagen fuhren wir wieder zurück ans Meer – und kaum, dass wir angekommen waren, wussten wir, dass wir nun endlich an dem Ort angekommen waren, den wir gesucht hatten: ein schöner Parkplatz mit Gras und Palmen vor unserem Wohnmobil, andere Familien in der Nähe, der Strand nah genug, um nachts das Rauschen der Wellen zu hören, und sogar eine sehr süße kleine Strandbar, in der man abhängen kann, wenn man ein bisschen Abwechslung braucht. Andere Familien zeigten uns, wo wir (so halb legal) die Toilette leeren und wo wir Wasser bekommen konnten.

Wanderung am 1. Januar

Und so blieben wir. Und hier sind wir immer noch. Seit einer Woche. Der kleine Nino kann endlich den ganzen Tag durch das Gras vor unserem Wohnmobil krabbeln, Nila hat andere Kinder zum Spielen, Rosa kann sich in die Strandbar zurückziehen, wenn sie mal Pause braucht, wir können mit dem Fahrrad einkaufen und das Leben ist einfach gut! Wir glauben nicht, dass wir bald wieder losfahren – und das ist auch in Ordnung. Der Strand ist nicht der schönste, der Ausblick vom Wohnmobil ist nicht der spektakulärste – aber wir sind gerade einfach glücklich. Sehr glücklich! Wir haben hier Freunde, die zu uns gekommen sind (Freunde aus Leipzig und Freunde, die wir unterwegs getroffen haben) und wir fühlen uns einfach wunderbar: umgeben von netten Leuten, mit dem „Garten“ vor der Tür, der Ruhe um uns herum und die kleine Strandbar. Das Leben ist einfach gut!

Aussicht bei der Wanderung am 1. Januar

Der vierte Monat auf Reisen hat uns wieder zurück zum Slow Life gebracht: Anstatt alle drei Tage von einem Ort zum anderen zu ziehen, haben wir einfach mal angehalten und das Leben genossen. Wir sind jetzt hier, wir wollen nicht weg, wir sind glücklich und wir sind absolut dankbar für das alles hier! Diesen Monat haben wir gelernt, dass wir das langsame Leben lieben. Ja, wir lieben auch all die Abenteuer, aber am Ende können wir sie nur dann so richtig genießen, wenn wir dazwischen Pause machen!

Wir werden hier noch etwas länger aufladen und dann –  zum ersten Mal – werden wir tatsächlich nach Norden fahren! Mitte Februar kommt Rosas Mutter nach Barcelona und wir werden den ganzen weiten Weg wieder nach oben fahren, um zwei Wochen mit ihr zu verbringen. Wir haben mittlerweile so ziemlich alle unsere Pläne für die Reise verworfen: Wir gehen jetzt einfach weiter mit dem Flow und wenn wir es in diesen 12 (oder 18 oder wieviel auch immer) Monaten nicht weiter als bis nach Portugal schaffen, dann ist das so. Es macht uns nichts aus. Wir sind glücklich und das ist alles, was im Moment zählt!