Corona-Tagebuch: Max aus Arizona (USA)

© Max Knaus

Wie erleben Menschen weltweit die Corona-Lage? Wir haben unseren ehemaligen Autor Max aus Arizona gefragt, wie es ihm geht und wie er die Situation vor Ort erlebt:

Wie in vielen anderen Ländern haben wir hier in den USA die Entwicklung der Pandemie zuerst wie ein Zugunglück in Zeitlupe und aus weiter Entfernung betrachtet. Erst vor zehn Tagen ist die Realität schnell näher gerückt und immer noch wird diese verleugnet oder verniedlicht.

Gerade erst vorgestern, Mitte März, sind nationale Notfallsmaßnahmen getroffen worden, um die Infektionskurve flach zu halten. “Social distancing", Panikkäufe und so weiter haben eingesetzt und das Klischee, welches viele in anderen Teilen der Welt von Amerika haben, hat sich wieder einmal bestätigt und die Waffenverkäufe sind um 400% angestiegen. Amerika ist ein großes Land und die Auswirkungen in verschiedenen Regionen variieren. Hier in Arizona ist die Bevölkerungsdichte äußerst gering und “der nächste Cowboy ist immer drei Kilometer entfernt” ... Okay, das war ein Witz, aber irgendwie ist die Laune in diese Richtung für manche. Für andere ist es totale Panik. Gestern hatte ich eine Geschäftsbesitzerin hinter mir her mit einem Antiviral-Spray. Die Türschnalle, der Stuhl in welchem ich saß ... alles wurde abgesprüht.

Amerika, wie jeder weiß, ist ein hochkapitalistisches Land mit von Staat zu Staat variierenden Arbeiterschutzgesetzen. Hier in Arizona we “work at will”, soll heißen, wenn ich als Arbeitgeber mit deiner Arbeit nicht zufrieden bin oder ich dich nicht mehr brauche, kriegst du dein Geld für deine gearbeitete Zeit und zwei Minuten später gehst du durch die Türe und kommst nie mehr zurück. Wie man sich vorstellen kann, in Zeiten wie diesen, wo ein Geschäft nach dem anderen schließt, reagieren die Arbeitnehmer panisch. Noch dazu haben 50% der Bevölkerung nicht mehr als 500$ Ersparnisse. Auch wenn es nicht so klingt, ist Amerika natürlich eines der reichsten Länder der Welt und es wird in der Regierung diskutiert, eine halbe Trillion $ frei zu machen und jedem Amerikaner einen Scheck zu schicken ... na, mal sehen.

Persönlich haben wir halt zwei Wochen Essen aufgestockt (keinen Revolver). Mein 27-jähriger Sohn ist für mindestens 15 Tagen in Quarantäne in Cusco, Peru, wo er sich als Traveler zum Zeitpunkt, als sich das Land abgeschottet hat, aufgehalten hat. Mein 20-Jähriger ist letzten Samstag mit Freunden nach Kalifornien gefahren. Sonntags hat er geschrieben “Dad, I am flying home”. Nun ist er wieder hier, das ist für Eltern in unsicheren Zeiten eine Erleichterung.

Mit lieben Grüßen aus Sedona, Arizona

Max Knaus

Lieber Max, liebe Melati, danke für euren Bericht. Bleibt gesund und gut gelaunt.

Unser ehemaliger Autor Max mit seiner Frau Melati © Max Knaus

P.S.: Heute haben wir gemischte Nachrichten. Unsere Region hat den nationalen Notstand ausgerufen und unsere Kleinstadt hat alle Geschäftsbesitzer aufgerufen, die Geschäfte geschlossen zu halten. Unser lokales Lebensmittelgeschäft hat wieder relativ volle Regale.