Corona-Tagebuch: Sakinah aus Lombok (Indonesien)

Diese Atemschutzmasken werden wir zukünftig in Massen im Meer und am Strand finden © Lombok Ocean Care

Wie erleben Menschen weltweit die Corona-Lage? Wir haben Sakinah vom Asmara Restaurant in Sengiggi auf Lombok gefragt. Sakinah lebt seit den 90er Jahren auf Lombok, führt dort ein Restaurant und treibt das Projekt Lombok Ocean Care sehr intensiv voran. Hier ist ihr Beitrag zur derzeitigen Lage auf der Insel Lombok: 

Nachdem es inzwischen einen bestätigten Fall in Ost-Lombok gibt, der fast zwei Wochen unentdeckt geblieben ist, habe ich beschlossen, mein Restaurant, das Asmara, vorläufig zu schließen. 

Die 50-jährige Frau hat sich vermutlich in Jakarta angesteckt, dort besuchte sie mehrere Seminare. Sie hatte inzwischen (erwiesenen) engeren Kontakt zu 44 Leuten, die Flugzeugpassagiere nicht mitgerechnet, denn die wurden noch nicht ausfindig gemacht. Die Frau ging zuerst zu ihrem Hausarzt, der gar nicht erst auf die Idee kam, sie auf Covid-19 zu prüfen (das geht auch nur im Provinzkrankenhaus in Mataram, und der Test muss zur Auswertung nach Surabaya geschickt werden), sie wurde also wieder nach Hause geschickt. Da sie keine starken Symptome hatte, ging sie weiterhin zur Arbeit, zum Markt und ihrem Alltag nach. 

Viele Gruppen aller Religionszugehörigkeiten weigern sich, bei den Gebeten sozialen Abstand zu halten, die Moscheen, Kirchen und Tempel sind weiterhin gut gefüllt. 

Der Virus wird sich hier in Windeseile verbreiten. Leider sind die Krankenhäuser schlecht vorbereitet. Es wird also ein absolutes Chaos werden, aus dem wir hoffentlich am Ende heil herauskommen werden. Danach kann man sich um die finanzielle Lage Gedanken machen, die ganz sicher nicht gut aussehen wird. Die meisten hier haben sich ja noch gar nicht von den Erdbeben 2018 erholen können! 

Wir machen also dicht, aber es werden immer zwei Leute im Asmara Restaurant sein, um alles instand zu halten und aufzupassen, dass nichts geklaut wird.

Die Mehrheit der vom Tourismus abhängigen Leute in Lombok haben keine Geldrücklagen und kein Einkommen, die Armut wird sich sehr schnell ausbreiten. Unser Präsident hat verkündet, dass Bankkredite ein Jahr lang auf Eis gelegt werden, das ist ja schon mal was, speziell für die kleinen Transportunternehmen, die schon vor dem Erdbeben in Fahrzeuge investiert hatten. Aber was passiert mit all den anderen? Verglichen zu diesen Menschen leide ich hier auf hohem Niveau ... 

Meine Angestellten können sich weiterhin im Asmara treffen, sich untereinander austauschen und Musik hören, sind aber verpflichtet, mindestens 1,5 Meter Abstand voneinander zu halten. Wer gegen die Vorschrift verstößt, muss zu Hause bleiben.

Diesen Monat gibt es noch volles Gehalt, ab April bekommt dann jeder die Hälfte. Auf diese Weise können wir die nächsten Monate erstmal überbrücken.

Ich werde mit den Mitgliedern meiner NGO‚ Lombok Ocean Care, weiterhin Beach-Cleanups machen, denn wir brauchen eine Aufgabe, Sonne, Meer und soziale Kontakte, um den Mut nicht zu verlieren. Bald werden wir wohl auch keine Pampers mehr im Meer finden, alles hat doch eine positive Seite.

Liebe Grüße aus Lombok,

Sakinah

 

Foto: Diese werden wir zukünftig überall in Massen im Meer finden, wenn es wieder Nachschub gibt. Derzeit sind sie ja leider (oder Gott sei Dank?) ausverkauft, genauso wie Hand-Desinfektionsmittel