Luisa & Kai - Russland ist ein schönes Land!

Die letzten EU-Meter vor der russischen Grenze. © luka.fernab

Abenteuer Eurasien - 1. Reiseabschnitt: Polen, Baltikum & Russland

Reiseantritt

Anfang Juni brausen wir mit ein paar Tagen Verspätung in Darmstadt los, ohne einen konkreten Plan vor Augen, nur mit einem Termin im Hinterkopf: In einer Woche läuft für 30 Tage unser Russland Visum. Auf der Hinreise durch Polen, Litauen und Lettland erhalten wir eine Vorahnung der Straßenverhältnisse. Uns wird schnell klar, dass wir auf dieser Reise nicht alle Länder, die wir durchqueren, intensiv bereisen können. Somit legen wir in den nächsten Monaten unser Hauptaugenmerk auf Russland, Transkaukasien und die Türkei.

Zwei VW Busse - Der eine auf großer Reise, der andere in seiner neuen Heimat als Coffee Bar. © luka.fernab

Dass wir ohne Russischkenntnisse in Russland nicht weit kommen werden, haben wir schon vor Reiseantritt geahnt. An der Grenze verläuft deshalb die Verständigung schleppend – es wird kontinuierlich mit ernstem Blick auf uns in Russisch eingeredet. Spricht man einen Beamten auf Englisch an, wirkt er erstmal mürrisch. Er antwortet dann knapp auf Russisch. Schließlich nimmt sich ein hilfsbereiter Grenzbeamter unserer Papiere an und erledigt die notwendigen Formalitäten auf Kyrillisch.

Der eine oder andere wartende Russe, gesellt sich interessiert zu uns und hilft beim Übersetzen. Lächeln tun sie in der Regel kaum, da man sich nicht kennt. Wer lächelt ist entweder Ausländer oder hat böse Absichten, heißt es.

Russland ist ein schönes Land!

Als wir kurz nach der Grenze die ersten russischen Datschas eingebettet in Blumenwiesen erblicken und die ersten UAZ (Uljanowski Awtomobilny Sawod, russischer Automobilhersteller) an uns vorbeiziehen, wird uns klar, wir sind in einer anderen Welt angekommen.

Wir folgen einfach den Landkarten. Aufgrund der teils schlechten Straßenverhältnisse und weiten Distanzen in Russland bleiben wir größtenteils auf den Hauptverkehrsstraßen. Wir suchen uns vorwiegend Stellplätze wo es schön ist und stoppen für eine Rast wann immer wir wollen. Bei dieser Art zu Reisen bevorzugen wir es, vorwiegend in der Natur unterwegs zu sein. Da es für uns beide aber der erste Aufenthalt in Russland ist, beschließen wir die eindrucksvollen Metropolen St. Petersburg und Moskau, trotz Großstadthektik, für mehrere Tage zu besichtigen.

Russland ist ein Land der Kontraste. Im Nordwesten besichtigen wir Großstädte mit eindrucksvoller Architektur und Kunst im Stadtzentrum, sowie alte russische Städtchen mit herrschaftlichen Kreml, passieren aber auch unzählige heruntergekommenen Vorstädte, zugemüllte Parkplätze und Baracken entlang der Landstraße.

Orte der Kontraste © luka.fernab

In den Städten sind Rempeleien und Berührungen gewöhnungsbedürftig, man hält wenig Abstand und hat einen anderen Bezug zu Lautstärke. Türen werden nicht aufgehalten und eine gewisse Rücksichtslosigkeit erstaunt uns. Zudem spielt das äußere Erscheinungsbild eine große Rolle. Ohne sichtbare Statussymbole wie Smartphone oder Tablet geht niemand vor die Tür.Gefühlt sieht man keine russische Dame ungeschminkt und ohne Pumps. Man selber sollte sich das angesichts der vielen Schlaglöcher und Stolperfallen gut überlegen…

Wenn wir länger an einem Ort bleiben, müssen wir anschließend ein bisschen aufholen, schließlich haben wir noch ein großes Stück Richtung Süden vor uns. Nach Nischnij Nowgorod erleben wir die unglaublich weiten russischen Landschaften und Flüsse. Mit Luka fahren wir die ewig langen Straßen entlang, durch weites fast menschenleeres Land. Wir haben die Reise nicht schon vorher durchgetaktet, sondern lassen uns treiben und so verbringen wir in einem kleinen russischen Dörfchen einen Abend bei einer sehr gastfreundlichen russischen Dame, die uns mit Köstlichkeiten aus ihrem eigenem Gartenanbau vor ihrem Haus bewirtet.

Nachdem wir Wolgograd besichtigt haben, fahren wir täglich viele Kilometer in der Hitze, aber die russische Steppe hat auch nicht viel zu bieten. Felder ziehen vorbei, mal sieht man einen Traktor, mal einen verlassenen Hof. Für eine Rast sucht man lange nach einem schattigen Plätzchen, um dann umgeben von Müll im Nichts zu stehen.Wir bleiben nach einem anstrengenden Fahrtag am Seeufer im Schlamm stecken, unternehmen in der Abenddämmerung erfolglos mehrere Versuche uns freizuschaufeln, bis wir von einem russischen UAZ in der Dunkelheit rausgezogen werden. Es sind solche Momente in denen man begreift ob man als Reiseteam funktioniert oder nicht. Und es funktioniert.

Ein Ausflug auf den Elbrus - Den höchsten Berg Russlands sowie des Kaukasus. © luka.fernab

Immer weiter südwärts geht es. Wir nähern uns dem Kaukasus und besteigen den Fuß des Elbrus. Plötzlich sind es bis zu georgischen Grenze nur noch drei Tage, die wir in den autonomen Republiken im Nordkaukasus verbringen.

Der Weg nach Georgien führt über die imposante und geschichtsträchtige Heerstraße durch das Terek-Tal. © luka.fernab

Was wartet hinter der Grenze?Wahrscheinlich mehr Tourismus, abwechslungsreichere Landschaften und märchenhafte Täler…wir lassen uns einfach überraschen.

Verkehr

Wer nach Russland mit dem Auto fahren möchte, sollte ein guter Fahrer sein und über entsprechende Erfahrungen in anderen Ländern verfügen. Nicht nur unterscheidet sich der Straßenzustand von dem in Mitteleuropa, wirklich gewöhnungsbedürftig ist der russische Fahrstil. Zwei Fahrspuren werden mindestens zu dreien erklärt, man überholt von allen Seiten und sollte dauerhaft auf ungekennzeichnete Schlaglöcher und Fahrbahnversätze gefasst sein. Mittellinien, Straßenbegrenzungslinien oder Leitplanken sucht man in weiten Teilen des Landes vergeblich. Generell sollte man Nachtfahrten vermeiden. Die Versorgung mit Kraftstoff stellt kein Problem dar, zahlreiche Tankstellen verschiedenster Anbieter findet man entlang der Hauptverkehrsstraßen. Ein Auto ist wichtiges Statussymbol, auch wenn das Geld oft auch nur für ein klappriges Gebrauchtfahrzeug reicht. So viele Unfälle und Reparaturen direkt auf der Straße haben wir bisher nur hier gesehen.

Camping

Camping – in der Form wie wir sie kennen – gibt es in Russland nicht. Vereinzelt findet man ganz einfache Zeltplätze, die oft nur mit geländegängigem Fahrzeug erreicht werden können. Mit Wildcampen haben wir in Russland leider unsere ersten negativen Erfahrungen gesammelt.Abgesehen von dem freien Stehen in der Natur ist es ist nicht immer empfehlenswert an schönen Plätzen oder Sehenswürdigkeiten ortsnah zu stehen, da am späten Abend dort häufig Autonarren ihre Gerätschaften präsentieren und ihr Können unter Beweis stellen. Aufgrund dieser Erfahrungen haben wir im südlichen Teil Russlands, in Stadtnähe ab und an bewachte Parkplätze, sogenannte „Stoyankas“, genutzt.

Fazit

Unsere knapp 30 Tage Reisezeit hat uns Russland – das größte Land der Welt – einen deutlichen Schritt näher gebracht. Auf einer Strecke von über 5000 km durch das Land sind wir kaum einem gleichgesinnten Reisenden begegnet. Wir konnten einen Einblick in einen Vielvölkerstaat erhalten, der uns mit interessierten und freundlichen Händen empfangen hat.

Unsere gewählte Route von Norden nach Süden zeigte uns ein recht vielseitiges Russland.

Luisa & Kai von luka.fernab

BACK TO THE ROAD - Abenteuer Eurasien mit Luisa und Kai