Die Türkei – ein Land, das uns echt überrascht hat!

Türkei © Jana Schlägel

Die Türkei – ein Land, das uns echt überrascht hat!

Istanbul – eine wundervolle Stadt und ein Paradies für diejenigen, die Moscheen, Kulturen und Trubel lieben. Die Bewohner sind weltoffen und tolerant. Auf den zahlreichen Märkten herrscht ein buntes Treiben. Ich glaube, man kann hier Monate verbringen und jedes Mal etwas Neues entdecken. Wer genauer hinsieht, entdeckt viele kleine, farbenfrohe Straßen, die der Stadt ihren Charme verleihen.

Türkei, Istanbul © Jana Schlägel

Da ich in Istanbul circa 4 Wochen länger als geplant auf ein Paket warten musste, hatte ich genügend Zeit, um auf Entdeckungstour zu gehen. Ich nistete mich in einem günstigen Hostel ein, dessen Besitzer mir oft geholfen hat. Er bot mir sogar an, für Unterkunft und Frühstück zu arbeiten, da er meine Situation kannte. Rückblickend war die nicht geplante Auszeit eines der besten Dinge, die mir passieren konnte!

Während meines Aufenthaltes lernte ich unter anderem Robbe aus Belgien kennen. Er plante in dieselbe Richtung zu reisen und wir schmiedeten gemeinsam an einem Reiseplan für die Türkei. Joe, mit dem ich meine Reise begonnen hatte, war bereits alleine weiter gereist.

Türkei, Istanbul © Jana Schlägel

Robbe und ich beschlossen 3-4 Wochen auf einer Tabakfarm zu helfen, um das Leben auf dem Dorf kennen zu lernen. Den Kontakt zu einer Familie beschafften uns Bekannte aus der Heimat. So machten wir uns per Anhalter auf den Weg nach Balkica, einem kleinen Ort weiter südlich von Istanbul, circa 80km von Denizli entfernt.

Das es nicht einfach werden würde aus der Großstadt raus zu kommen, war uns bewusst. So benötigten wir einige Lifts, um die Stadt zu verlassen. Einer wird uns bestimmt ewig in Erinnerung bleiben: Ömer! Ein Mann, mittleren Alters, hielt an und wollte uns ein Stück mit seinem Auto mitnehmen. Er sprach kein einziges Wort English und wir nur wenige Worte Türkisch. Er fragte uns jedoch, ob wir hungrig seien und lud uns zum Essen ein.

Türkei, Instanbul © Jana Schlägel

Irgendwie wussten wir nicht so recht, was uns erwartet und wir verstanden auch nicht, warum wir an einem Supermarkt anhielten und erst Zutaten einkauften. Da alle Erklärungsversuche seinerseits scheiterten, entschieden Robbe und ich, es einfach auf uns zukommen zu lassen. So fuhren wir gemeinsam mit ihm immer weiter abseits der großen Straßen und erreichten irgendwann einen idyllischen Grillplatz mitten in einem kleinen Waldgebiet.

Hier fanden wir einen perfekten Barbecue vor. Ömer zeigte uns in kleinen Schritten wie wir alles zuzubereiten sollten und zauberte somit ein perfektes Mittagessen für uns drei.

Doch das war noch nicht alles! Anschließend führte er uns in einen Park, spendierte uns ein leckeres Eis und verbrachte den kompletten Tag mit uns. Wir hatten so viel Spaß gemeinsam, dass wir völlig die Zeit vergaßen. Aus irgendeinem Grund wollte Ömer uns nicht weiter trampen lassen und fuhr uns, ohne dass wir etwas ahnten, zu einem riesigen Busbahnhof. Dort schenkte er uns zwei Fahrkarten für den Bus, der uns etwa 600km weiter bis nach Denizli brachten. Wir waren überfordert von so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, um die wir nicht einmal gebeten hatten. Istanbul konnte sich nicht schöner von uns verabschieden!

 

Türkei © Jana Schlägel

In Denizli angekommen machten Robbe und ich uns auf den Weg zu unserer Gastfamilie nach Balkica.

Je näher wir den kleinen Ortschaften kamen, umso leichter wurde es, eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Najaaa und dann, dann ließ uns ein LKW-Fahrer auf einem Marktplatz raus, spendierte uns eine Limonade und fuhr davon.

Circa zehn ältere Männer schauten uns sehr neugierig, aber auch verwundert an. Wir hatten die letzte Zeit in der Metropole Istanbul verbracht und waren nicht gerade angemessen gekleidet. Nur mit kurzer Hose und T-Shirt bekleidet schämten wir uns …

Mehmet Ali, der Vater unserer neuen Gastfamilie, brachte uns mit seinem Auto nach Balkica. Die Familie empfing uns sehr herzlich!! Robbe und ich waren von Anfang an begeistert von ihnen. Die Familie bestand aus 3 Kindern (5, 11, 18 Jahren), den Eltern, den Großeltern, einer Urgroßmutter, einem Huhn und einigen Ziegen.

Nach einer kurzer Führung gab es erst einmal türkischen Tee, von dem wir jede Menge während unserer Zeit in Balkica tranken.

Am Anfrang war die Sprache ein kleines Hindernis. Wir hatten so viele Fragen und so viel zu erzählen, mussten es aber auf ein Minimum begrenzen.

Uns hätte echt nichts besser passieren können, als mit dieser Familie einen Monat zusammen leben zu dürfen. Wir lernten so unglaublich viel von ihnen.

Türkei, Balkica © Jana Schlägel

Die Arbeit auf dem Tabakfeld war zwar wirklich hart, auf jeden Fall aber eine Erfahrung wert. Morgens um 5:00 ging es bereits auf das Feld, um Tabakblätter zu pflücken oder das Unkraut zu entfernen und mittags wurden die gesammelten Tabakblätter sortiert, zusammengelegt und getrocknet. Jedes Familienmitglied hatte seine Aufgaben und half mit, ausgenommen vom Jüngsten.

Türkei, Balikica © Jana Schlägel

Wir wurden schnell warm mit allen, passten uns den Gegebenheiten gut an und fühlten uns sehr willkommen.

Immer mehr Menschen im Familien- und Bekanntenkreis wurden uns vorgestellt, so dass uns fast jeder im Dorf kannte. Selbst der Bürgermeister schloss uns ins Herz, lud uns zum Übernachten bei seiner Familie ein und verbrachte einen ganzen Tag mit uns, um uns in der Region herumzuführen. Wir erhielten häufig Einladungen zum Essen, so dass wir eigentlich schon fast einen Terminkalender hätten anlegen müssen.

Türkei, Balikica © Jana Schlägel

Robbe und ich grüßten jeden, der uns auf der Straße begegnete und wir versuchten, so gut es ging, mit den Menschen zu kommunizieren. Wir hatten Glück, dass einige Einwohner Französisch sprachen und sich Robbe mit ihnen unterhalten konnte. So wurden wir schnell ein kleines Teil vom Ganzen. Wir wurden zu einer türkischen Hochzeit eingeladen, feierten die Beschneidung eines Jungen und trauerten mit den Dorfbewohnern um einen Verstorbenen. Überall hieß man uns ganz selbstverständlich willkommen.

Die Familie teilte ihre Kleidung mit uns, so dass wir nicht mehr wie typische Touristen aussahen. Mir wurde sogar ein traditionelles Kleid besorgt, dass ich für die dreitägige Hochzeit tragen durfte.

Türkei, Balikica © Jana Schlägel

Am Schönsten fanden Robbe und ich die gemeinsamen Mahlzeiten. Alle saßen um einen großen Bodentisch, einer Art Tablett. Teller für den Einzelnen gab es nicht. Lediglich einen Löffel und Brot für jeden, um das Essen aus den vielen verschiedenen Schalen, die mit jeder Menge guter Sachen gefüllt waren, zu sich zu nehmen.

„Das macht viel mehr Sinn!“, dachten wir uns schnell. Viel weniger Reste, viel mehr Gemeinschaft und Respekt gegenüber den anderen und jede Menge Auswahl. Was nicht leer gegessen wurde, kam am Abend oder am nächsten Tag noch mal auf den Tisch.

Türkei, Balikica © Jana Schlägel

Robbe und ich hatten eine super schöne Zeit in Balkici.

Das Trampen in der Türkei wurde meist durch eine Einladung zum Essen begleitet oder zumindest gab es eine Cola oder einen Kaffee. Einige Male sammelte man uns einfach ein, fuhr uns zum Busbahnhof und kaufte uns eine Busfahrkarte. UNGLAUBLICH! Die Menschen waren sehr herzlich und hilfsbereit, egal in welcher Situation wir uns gerade befanden.

Türkei © Jana Schlägel

Außerdem hat die Türkei wundervolle und sehr abwechslungsreiche Landschaften zu bieten, wie zum Beispiel Kappadokien.

Wir werden auf jeden Fall noch einmal zurück kommen, um den Süden der Türkei näher unter die Lupe zu nehmen und vor allem, um die neu gewonnenen Freunde zu besuchen!

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Türkei, Kappadokien © Jana Schlägel