»Vertraue auf Gott – aber binde zuerst dein Kamel fest.«
Ausspruch des Propheten Muhammad

Afghanistan

Islamische Republik Afghanistan

21:45 h | 21 °C

Das Land in Zahlen

Ländername in Landessprachen
Da Afġānistān Islāmī Dschomhoriyat (Paschtu)
Dschomhūrī-ye Eslāmī-ye Afġānistān (Dari)

Einwohnerzahl
29.825.000 (42)

Bevölkerungsdichte
46 km²

Fläche
652.225 km² (Weltrang 40)

Hauptstadt
Kabul

Hauptsprachen
Paschto, Dari

Staatsform
Islamische Republik

Währung
Afghani (Af)

Flugdauer
5.110,40 km ≈ 6,5 Std.

Entfernung über Land
6.748 km

Nationalfeiertag
19. August

Human Development Index (2012)
175

Bevölkerung Land/Stadt
80%/20%

Dies und Das

Essen

© Hirbod Aminlari

Das Khabilie-Palau wird oft als afghanisches Nationalgericht bezeichnet. Grundlage ist ein in Butterschmalz gedünsteter Langkornreis, mit Knoblauch, Zwiebeln und Gewürzen abgeschmeckt und mit Kurkuma gelb gefärbt.

Kebab ist eine Fleischspezialität, die in allen Gegenden Afghanistans sehr beliebt ist und in vielen Abwandlungen auf den Tisch kommt. Auch Suppen, Salat und mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen, Aschak und Bulanie, gehören zum Repertoire der afghanischen Küche. Zum Essen trinkt man Wasser oder Joghurtgetränke, Dough.

Wirtschaft

Der karge und Menschen abweisende Naturraum Afghanistans, die Wasserarmut und die knappen Ressourcen prägen die Wirtschaftsformen des Landes. Drei Viertel der Oberfläche des Landes sind von jeglicher Nutzung ausgeschlossen. Die starke Verminung des kultivierbaren Landes hemmt die Entwicklung der Landwirtschaft in vielen Regionen. Die mangelnde Stromversorgung und das Fehlen von qualifizierten Fachkräften bremst die Entfaltung im industriellen Sektor.

Reisezeit

Sehr kalte Winter von Dezember bis Februar und heiße, trockene Sommer zwischen Juni und September. Ideale Reisezeit sind im April und Mai sowie Oktober und November.

Informieren Sie sich über die aktuelle Sicherheitssituation und beachten Sie grundlegende Sicherheitsregeln:
Vermeidung von Fahrten durch unsichere Gebiete, von Reisen nach Einbruch der Dunkelheit und betreten Sie keine unbekannten Wege (Minengefahr).

Auswärtiges Amt

Religion

99% Muslime, 1% Sonstiges

Koran und das Brot

Zwei Dinge sind den Muslimen besonders heilig: der Koran und das Brot. Beide sind von Gott gegeben und dürfen auf keinen Fall beleidigt und beschmutzt werden. Das heilige Buch darf nicht den Boden berühren und um es vor Schmutz und grobem Zugriff zu schützen, wird es meistens in einem sauberen Tuch an einem geschützten Ort verwahrt. Man soll den Koran nur aufschlagen, um in frommer Absicht darin zu lesen und er darf nicht im Regal neben profanen Büchern stehen. Wenn man einen Koran im Gepäck mit sich führt, so darf man nicht auf dem Gepäckstück sitzen.

Gläubige dürfen niemals abfällig über ihr heiliges Buch sprechen und auch Fremde sollten ihm diesen Respekt erweisen. Sowohl der Koran als auch das Brot sollen mit der reinen, rechten Hand berührt und nicht auf den Boden gelegt oder fallen gelassen werden. Viele Afghanen heben Brot von der Straße auf, wenn sie dort welches finden und legen es auf eine Erhöhung.

Tipps

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.botschaft-afghanistan.de

Deutsche Botschaft: www.kabul.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de

Dos and Dont's

In Gesprächen werden folgende Themen von Afghanen gern gemieden: Homosexualität, Prostitution, Diskriminierung von Frauen und Minderheiten.

Halten Sie sich mit Kritik an religiösen Themen zurück, ebenso mit dem Bekenntnis, Sie seien „Atheist“.

Kritisieren Sie Menschen nicht direkt, sondern höflich und dezent.

Ziehen Sie vor dem Betreten einer Moschee die Schuhe aus; Frauen müssen den Kopf bedecken.

Steigen Sie nicht über einen Betenden hinweg oder laufen vor ihm her.

Es erwartet niemand, dass auch Ausländer die Fastengebote einhalten, aber der Gast sollte während des Ramadan seine Mahlzeiten in Abgeschiedenheit einnehmen, um eine Provokation zu vermeiden. Das gilt auch für das Rauchen, das den Fastenden ebenfalls verboten ist.

Tragen Sie lose, den ganzen Körper bedeckende Kleidung, besonders bei Aufenthalten auf dem Land; vermeiden Sie ärmellose Oberteile oder kurze Röcke.

Beachten Sie, dass in Afghanistan deutlich zwischen öffentlichen und privaten Räumen unterschieden wird: Betreten Sie fremde Häuser oder Höfe nicht unaufgefordert, besuchen Sie Dörfer möglichst nur mit Einladung.

Halten Sie stets Distanz zum anderen Geschlecht, um Missverständnisse zu vermeiden.

Behandeln Sie ältere Menschen respektvoll und höflich.

Lassen Sie sich auf das ausführliche Begrüßungsritual ein und fallen Sie nicht mit „der Tür ins Haus“.

Lehnen Sie nicht die freundliche Geste der obligatorischen Tasse Tee zu Beginn eines Gespräches oder eines Treffens ab.

Versuchen Sie nicht, für erwiesene Gastfreundschaft zu „bezahlen“.

Sollte Sie Afghanistan mit Ihrem Partner bereisen, halten Sie sich mit dem Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit zurück.

Exkurs: Eine ganz alltägliche Geschichte aus Kabul

6.30 Uhr, der Wecker klingelt – ein unangenehmes, aufdringliches Geräusch, aber mit Musik kann man sich in Kabul mangels Strom selten wecken lassen. Ein kalter Dezembertag, draußen ist es noch dunkel. Das Aufstehen macht keinen Spaß, die Hand tastet nach der Taschenlampe, um den Weg ins Bad zu beleuchten. Das Wasser ist eiskalt, denn der Boiler hatte am Vortag keine Gelegenheit sich aufzuheizen. Aber immerhin, es gibt Wasser! Beim Kollegen in der Nachbarschaft ist der Wassertank auf dem Dach eingefroren – er sitzt seit Tagen auf dem Trockenen. Die Küche wird mit einer Petroleumlampe erhellt und auf dem Gasherd eine Tasse Pulverkaffee zubereitet. Draußen liegt Schnee, der sich schnell in grauen Matsch verwandelt. Auf dem Weg ins Büro ein besorgter Blick gen Himmel: Dicke Wolken hängen über Kabul und scheinen zwischen den die Stadt einrahmenden Bergen eingekeilt zu sein. Kein gutes Flugwetter! Morgen früh soll eigentlich der Flug nach Dubai starten, von da aus geht es dann weiter nach Deutschland – ob das klappen wird?

Im Büro wartet der Projektalltag mit all seinen kleinen Tücken. Der eilige Bericht an die Zentrale in Deutschland kann nicht versandt werden, weil die Internetverbindung abgebrochen ist. Der verzweifelte Versuch mit dem Faxgerät wird gleich wieder eingestellt, denn es fehlt ein Ersatzteil, das momentan in Afghanistan nicht erhältlich ist. Also die Kollegen in Deutschland vertrösten: Sie müssen Geduld mit den Mitarbeitern in Afghanistan haben! Das Meeting um 11 Uhr fällt aus, denn die Gesprächsteilnehmer stecken in einem der endlosen zähen Staus in der Kabuler Innenstadt – drei Kilometer in anderthalb Stunden sind keine Seltenheit! Am Nachmittag stehen unerfreuliche Verhandlungen über aufgedeckte Unterschlagungen in einem der laufenden Projekte auf dem Programm. Es sind Gelder veruntreut worden, die für Ausbildungsmaßnahmen vorgesehen waren.

Inzwischen läuft das Internet wieder und eine dringende Sicherheitsmeldung flackert auf: Es drohen mehrere Selbstmordanschläge in diesen Tagen in Kabul. „Vermeiden Sie unnötige Fahrten durch die Stadt und halten Sie sich von folgenden Stadtteilen fern …“

Das war’s dann also mit dem Treffen und dem Abendessen im libanesischen Restaurant – es liegt im falschen Stadtviertel. Auf dem Weg nach Hause noch schnell die Gasflaschen auffüllen lassen, denn sonst bleiben Zimmer und Küche kalt. Vielleicht haben wir ja heute Abend ein paar Stunden lang Strom?! Die Wetterlage ist unverändert, sanft und friedlich fallen kleine Schneeflocken vom Himmel. Soll ich überhaupt packen? Unter ähnlichen Bedingungen habe ich beim letzten Mal acht Stunden in dem ungeheizten Kabuler Flughafen verbracht und auf den Abflug gewartet.

Dann, fast schon an der Torzufahrt, steht er unvermittelt vor mir, der zerlumpte kleine Junge. Mit rauen, schmutzigen Händen hält er Streichhölzer und Kaugummis hoch: „One Dollar, Mister!“ Sein Anblick und der Gedanke an die vielen Menschen in Kabul ohne feste, schützende Häuser, Strom und Öfen beschämen mich und lassen die kleinen Unbilden des Alltags plötzlich unbedeutend erscheinen.

Alle Texte: KulturSchock Afghanistan von Susanne Thiel
Titelbild: Hirbod Aminlari