»Das Haus eines Albaners gehört Gott und dem Gast.«
Albanisches Sprichwort

Albanien
Republika e Shqipërisë
Republik Albanien

07:45 h | 0 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
2.894.000 (Weltrang 135)

Bevölkerungsdichte
101 EW pro km²

Fläche
28.748 km2 (145)

Hauptstadt
Tirana

Staatsform
Parlamentarische laizistische Republik

Hauptsprachen
Albanisch

Währung
Albanischer Lek (ALL)

Nationalfeiertag
28.11.

Internationale Ankünfte/Touristen
2.300.000 (Stand 2011)

Flugdauer
1300km ≈ 1 3/4 Std.

Entfernung über Land
1737 km

Küstenlänge
362km

Höchster Berg
Korab (2764 m)

Längster Fluss
Drin (282 km)

Urbanisierungsgrad
54%

Anzahl der Nationalparks
15

Landwirtschafliche Nutzfläche
24%

Anzahl der Autobahnen
3 (mit ≈ 290km Länge)

Anzahl der Bahnverbindungen
4 (auf ≈ 346km Schiene)

Fährverbindungen Italien
4 (Ancona, Bari, Brindisi, Triest)

Fährverbindung Griechenland
1 (Korfu)

Dies und Das

Geographie

Albanien liegt im Westen der Balkanhalbinsel an der Adriaküste und dem Ionischen Meer und hat eine Küstenlinie von 362 Kilometern Länge. Mit 28.748 km² Landesfläche ist es etwa so groß wie das Bundesland Brandenburg und gehört damit flächenmäßig zu den kleinsten Staaten Europas. Albanien grenzt mit den Albanischen Alpen im Norden und Nordwesten an Montenegro und im Nordosten an den Kosovo, im Osten liegen der Ohrid-See und der Große und Kleine Prespa-See an der Grenze zu Mazedonien, im Südosten bildet die mächtige Gramoz-Kette den albanisch-griechischen Grenzverlauf und auch nach Süden hin ist die Grenze zu Griechenland von Gebirgen geprägt. Das Land liegt auf der gleichen geografischen Breite wie Madrid, Mallorca, Cagliari, der Absatz des italienischen Stiefels, die griechische Insel Thasos und Istanbul. Zwei Drittel der Landesoberfläche des mediterranen Berglandes bestehen aus Gebirgslandschaften, ein Drittel aus flachem Küstenschwemmland.

© Meike Gutzweiler

Natur

Das Nördliche Bergland erstreckt sich von den Ufern des Drin mit seinen Stauseen bis zur montenegrinischen Grenze. Der größte Teil dieses Landesteils besteht aus den Nordalbanischen Alpen. In den Bergregionen des Dukagjin, des Malësia e Madhe und des Malësia e Gjakovës findet man zerklüftete karstige Hochgebirgslandschaften, deren bizarre mächtige Zinnen aus der Ferne stark an die Dolomitenketten erinnern. Von den Almwiesen und steilen Straßen schaut man in Schluchten, wo die Nebenflüsse des Drin in der Tiefe rauschen, die von zahlreichen wilden Gebirgsbächen gespeist werden. Imposante Wasserfälle stürzen zwischen Felsen in die Täler.
In der Region Dibra, im Grenzgebiet zu Mazedonien, erhebt sich der Korab (2.764 m), der höchste Berg Albaniens. Die höchste Erhebung der Nordalbanischen Alpen ist die Maja e Jezercës (2.694 m). Das übrige Gebiet wird Zentrales Bergland genannt und unterteilt sich noch einmal am Verlauf des Shkumbin in das Nördliche Bergland und das Südliche Zentrale Bergland, das bis zur griechischen Grenze reicht. Dieser Landesteil ist von großen Gebirgsketten geprägt, die das Land in nordwestlicher Richtung durchziehen.

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Im Landesinneren gibt es nur wenige, weit auseinanderliegende, große Städte, die Straßen verlaufen entlang der langen Flusstäler, die einen mit ihren großen, unregulierten Flussläufen und wilden Flussschotterfeldern auf den meisten Erkundungen durch das Land begleiten. Typisch für das Bergland sind die weit verstreut liegenden kleinen Dörfer, in denen auf den kleineren und großen Hochflächen zwischen den Bergen und in den Tallandschaften eine einfache Landwirtschaft betrieben wird. Die großen Hochplateaus der Gebirge werden von den Menschen seit Urzeiten als Weideflächen für Ziegen- und Schafherden genutzt.
Die großen Gebirgsketten Albaniens werden von großen Flusssystemen durchbrochen, die in den Gebirgen entspringen und in die Adria abfließen. Sie bilden das andere Drittel der Landoberfläche, ein weites ebenes Küstenschwemmland, das sich südlich von Tirana bis zur großen Myzeqe-Ebene ausdehnt. An der südalbanischen Rivieraküste reicht die Küstengebirgskette des Ceraunischen Gebirges bis ans Meer und wird über den imposanten Llogara-Pass von Norden her erreicht. An der Spitze ihres südlichen Ausläufers, der Halbinsel Karaburun, liegt die Grenze zwischen Adria und Ionischem Meer.

Tiere

Im Verhältnis zu seiner geringen Fläche besitzt das Land aufgrund seiner Vielzahl verschiedener Ökosysteme eine überaus artenreiche Fauna. Am stärksten vertreten sind Insekten mit 3.850 Arten, davon allein 900 verschiedene Schmetterlinge. Gottesanbeterinnen und Nashornkäfer gehören zu den skurrilen Vertretern, auf die man häufiger treffen kann.
320 Vogelarten kommen vor. Im Herbst sieht man große Schwärme von Singvögeln, an den Küsten Watvögel, Rohrdommeln, Enten, Gänse und in den Lagunen seltene Seidenreiher. In der Macchia ist der Wiedehopf noch recht häufig anzutreffen. In Ostalbanien gibt es Steinadler, andere Greifvögel wie Falken und Milane sind in den felsigen Gebirgsregionen heimisch. Am bekanntesten sind die Krauskopfpelikan-Populationen an der Karavasta-Lagune und den Ufern des Großen Prespa-Sees.

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313 Fischarten zählt man in den Gewässern, vier sind endemisch, der Koran im Ohrid-See ist der bekannteste und kommt in den Restaurants immer häufiger aus Fischzuchtbetrieben. An den Küsten Südalbaniens leben Thunfische, Tümmler und auch wenig scheue Delfinverbände.
Die waldreichen Hochlagen sind Rückzugsgebiete für Braunbären, Wölfe und den seltenen Balkanluchs, den Goldschakal trifft man in den Küstenebenen an. Die uns vertrauten Waldbewohner wie Wildschwein und Fuchs gehören in Albanien zu den seltenen Vertretern der insgesamt 84 Säugetierarten.
Unter den 37 Reptilienarten stechen vor allem die bunten Eidechsen hervor, Karettschildkröten breiten sich neuerdings auch an den Flussmündungen Nordalbaniens aus, mit griechischen Landschildkröten wird man häufig überraschende Bekanntschaft machen. Amphibien gehören durch die Renaturierung der Lagunen zu den Gewinnern.
All diese Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in den letzten 20 Jahren in vielen Ökosystemen einen drastischen Artenrückgang gegeben hat, bei einigen reduzierten sich die Vorkommen durch menschlich bedingte Einflüsse bereits auf mehr als die Hälfte.

© Meike Gutzweiler

Essen

Die albanische Küche ist sehr vielfältig und verschiedene Einflüsse prägen sie bis heute. Sie wird offiziell als mediterran kategorisiert, doch auch die Küche des Balkans und des Orients ist immer wieder erkennbar. In den verschiedenen Landesteilen haben sich verschiedene Spezialitäten herausgebildet, die nacheinander vorgestellt werden.
In der Region um Shkodra ist die Küche vom gleichnamigen See geprägt, welcher tavë karpi (gebackener Karpfen) und qefull në tjegull (Meeräsche auf einem Dachziegel gebacken)vorzugsweise hergibt. Ferner sind jahni i Shkodres (Gemüseeintopf mit Fleisch), qofte me leng (Fleischbällchen mit Soße), fergez (Hackfleisch mit Innereien vom Lamm mit Käse), cacciamak (Fladenbrot aus Maisgries) und tespixhe (süßer Nudelpudding) zu probieren.

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In der Küche des mittelalbanischen Berglands mischen sich türkische, griechische und italienische Einflüsse. Typisch für Berat sind: Weinblätter gefüllt mit Reis und Fleisch (dolma), Gemüseaufläufe mit und ohne Fleisch in großen, runden Formen (byrekët e pregatitur me perime ose me mish), mit Walnüssen gefüllte Steaks (bifteki i mbushur me arra), kokorrec, ein aus eingelegten Gedärmen zubereitetes (sehr leckeres) Pfannengericht, gefülltes Huhn (oder Singvögel) im irdenen Topf geröstet (zogjitë e fushes te pjekur ne saç), kaposh deti me verë rrushi (Truthahn gefüllt mit Weintrauben), mish me kumbulla të thata (Fleisch gefüllt mit Backpflaumen), specat te mbushura (gefüllte Paprika in verschiedenen Varianten), und Desserts wie shëndetlija (Kuchen aus Zucker und Stärke), bakllavaja, krem karamel, zupa, monmblani (alles Süßspeisen) oder süßer Reisbrei (kabunia me rrush të thatë).
Die italienisch geprägte Küche von Vlora ist bekannt für üppige Fischplatten und frische Meeresfrüchte. In traditionellen albanischen Restaurants wird gegrilltes Lamm serviert, in Narta nördlich von Vlora sollte man den schweren Rotwein, Traubenraki und gegrillten jungen Aal probieren, eine echte Delikatesse.
In der muslimisch geprägten Küche Elbasans, in Ostalbanien, dominieren Fleischgerichte mit Lamm, Zicklein oder Geflügel wie Truthahn oder Huhn: Gegrillt oder als Auflauf mit Ei, Mehl und Joghurt überbacken als tavë kosi oder mit verschiedenen Gemüsen, z.B. tavë me pestil. Typisch sind auch süße Kuchen zum Frühstück wie bugaçet, Süßspeisen aus Weizenmehl und Zucker wie ballokume oder Haferbrei mit Truthahn, Nüssen und Butter, der qulli me arra heißt.

Getränke

Bei den Getränken sei an allerersten Stelle der Raki, der meist aus Trauben oder Maulbeeren gebrannt ist und wesentlich hochprozentiger sein kann, als unsere einheimischen Schnäpse, erwähnt. Auf dem Land – und nicht nur dort – gehört er zu jedem geselligen Essen, er kann aber auch mit verschiedenen Kräutern versetzt sein und wird so zu einem weit verbreiteten naturheilkundlichen Mittel. In Nordalbanien trifft man auch auf Raki, der mit Likör versetzt und sehr süffig ist. Weniger hochprozentig ist der Konjak, der in der Marke „Skanderbeg“ die kommunistischen Zeiten überdauert hat und in ganz Albanien erhältlich ist.

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Albanisches Bier (birra) ist mild, würzig und in der großen Sommerhitze ein beliebtes Getränk. Man sollte auf jeden Fall nach einheimischen Biersorten wie „Korça“, „Tirana“ und „Kaon“ fragen. Manchmal wird auch Bier aus Peja im Kosovo angeboten, das ebenfalls sehr gut schmeckt. Eine Flasche deutsches Bier im Koffer sorgt bei entsprechender Gelegenheit für eine nette Überraschung und ist auch als kleines Gastgeschenk gut geeignet. Wein wird in Albanien verhältnismä - ßig wenig getrunken. Er wird im Land angebaut, aber selten professionell. Das Ergebnis ist oft essigsauer und ungenießbar, aber es gibt Ausnahmen (z.B. Weine aus Shkodra und Përmet).

Albanien ist ein Bergland und reich an Wasser – auch an sehr schmackhaftem Mineralwasser – das sehr günstig ist und auf jeden Fall ausländischen Importen vorzuziehen ist.

© Meike Gutzweiler

Reisezeit

Die schönste Reisezeit liegt in Albanien zwischen Mitte Mai und Mitte Juli. Im Mai kann noch der letzte Regen fallen, es kann aber auch schon so heiß wie im Sommer sein, die Landschaften sind aber noch saftig und grün. Die Öffnungszeiten von Restaurants, Hotels und Strandbars richten sich im Mai noch nach dem Wetter, aber spätestens Ende des Monats wird die Saison eröffnet. Dann konzentriert sich der Tourismus auf die Küste und wenige Städte im Landesinneren. Wenn in Europa nach und nach die Sommerferien beginnen, füllt sich das Land mit Auslandsalbanern, die ihren Urlaub in der Heimat verbringen. Im August sind die (guten) Hotels und Privatunterkünfte in touristischen Zentren oft ausgebucht. In Ost- und Nordalbanien ist es zwar nicht ganz so heiß wie an der Küste und im Süden, Wanderungen sollte man aber trotzdem nicht in den Hochsommer legen. Die regenfreie Zeit dauert bis mindestens Ende September und zieht sich oft bis in den Oktober hinein.

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Fahrten ins Gebirge sind im Herbst besonders reizvoll, wenn die Sicht wieder klar wird und in den Wäldern eine intensive Herbstfärbung einsetzt. Tirana hat im Sommer ein besonderes Flair, denn dann ist das Leben öffentlich, die Cafés und Straßen werden zu Schaubühnen, die groß zügigen Plätze und Grünanlagen in der Stadt entfalten ihren Reiz.

Im Winter ist Albanien ein sehr ruhiges Land. Die im Ausland arbeitenden Albaner sind außer Landes, viele Familien nutzen die Zeit, um ihre Kinder und Enkel im Ausland zu besuchen. In den Dörfern und Städten spielt sich das Leben nicht wie im Sommer auf der Straße ab, sondern in den Häusern. Von November bis April kann es ausgiebig regnen. In den Bergen fällt von Dezember bis März regelmäßig Schnee, Pässe sind dann nicht passierbar und manche Regionen für Wochen oder gar Monate von der Außenwelt abgeschnitten. An der Küste sinken die Temperaturen zwar selten unter den Gefrierpunkt, aber wenn man mitteleuropäische Standards und beheizte Räume gewohnt ist, wird man den gewohnten Komfort schnell vermissen. Hotels sind häufig geöffnet, weil ihre Besitzer selbst dort wohnen, aber die Heizsysteme sind nicht immer perfekt. Öffentliche Gebäude werden meist gar nicht beheizt, und auch in Restaurants und Cafés kann es kalt sein. Museen sind geöffnet, aber mit leicht eingeschränkten Öffnungszeiten.

Religion

In Albanien gibt es keine offizielle Statistik zur Religionszugehörigkeit, doch ist davon auszugehen, dass 60 Prozent der Bevölkerung Muslime sind. Sie verteilen sich auf zwei Glaubensgemeinschaften, den sunnitischen Islam (40%) und den schiitischen Bektashi-Orden (20%). Seit 1991 wird die in der kommunistischen Zeit völlig zerstörte Orthodoxe Autokephale Kirche von Albanien wieder aufgebaut, die heute mit etwa 20 Prozent der Gläubigen die zweitgrößte Religionsgemeinschaft ist. Der Römisch- Katholischen Kirche gehören etwa 500.000 Gläubige in zwei Kirchenprovinzen und sechs eigenständigen Diözesen an. Der Baptistenbund zählt acht Gemeinden, Protestanten unbekannter Zahl leben in einigen Städten.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Po – Ja

Jo – Nein

Faleminderit/ Ju Faleminderit (höflich) – Danke

Ju lutem (formal) /Ti lutem (persönlich) – Bitte

Mirëmengjes(i) – Guten Morgen (bis 11 Uhr)

Mirëdita – Guten Tag (bis 18 Uhr)

Mirëbrëma – Guten Abend (ab 18 Uhr)

Si jeni?/Si je?/Mirë jeni?/Mirë je? – Wie geht es Ihnen/dir?

Përshëndetje! – Hallo!

Mirupafshim – Auf Wiedersehen (tagsüber)

Natën e Mirë – Gute Nacht oder Auf Wiedersehen (zur Nacht)

Gezúar! – Prost!

Rrugë të mbarë! – Gute Reise!

Diten e mirë! – Einen schönen Tag!

Punë të mbarë! Sukses! – Alles Gute!

Sa kushton?/Sa ështe? – Was kostet?

Me falni (formal), me fal (persönlich) – Entschuldigung!

Unë jam nga/ne jemi nga … – Ich komme/wir kommen aus (der) …

Gjermania – Deutschland

Austria – Österreich

Svizer – Schweiz

Ku është … – Wo ist …?/Wo befindet sich …?

Restoranti – Restaurant

Hoteli – Hotel

Minimarket – Einkaufsladen

Kisha – Kirche

Stacioni i trenit – Bahnhof

Vend/qëndrim taksish – Taxistand

Autobusi (minibusi/furgoni)/ rruga për ne – Bus/Straße nach

Bankomat – Geldautomat

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: www.tirana.diplo.de/Visabestimmungen

Fremdenverkehrsamt: www.albanian-tourism.com | www.albanien.ch

Deutsche Botschaft: www.tirana.diplo.de | www.mein-visum.de/albanien

Albanische Botschaft in Deutschland: ambasadat.gov.al/de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Das Ausziehen der Schuhe an der Haustür, wie es bei Muslimen üblich ist, ist in ganz Albanien, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, und bei allen Konfessionen wichtig; man schlüpfe in die bereitgestellten Pantoffeln. Auf dem Land werden dem Gast meist türkischer Kaffee mit einem Glas Wasser, Bonbons und Obst angeboten.
Ein einfaches Gespräch bereitet große Freude. Ist man zu Gast bei einer Hirtenfamilie, werden sich in der (beheizten) Stube zu Beginn nur die Männer aufhalten, denn die Frauen sorgen in der Küche für das Essen. Traditionelle Familien empfangen ihren Gast am Kamin, rechts sitzt der Gast, links der Hausherr. Wird zu Ehren des Gastes ein Zicklein geschlachtet, gebührt ihm der Vorzug, das kurz in der Glut gegrillte Herz zu essen. Auch die Leber wird angeboten, denn Innereien gelten als das Beste vom Tier. Die Speisen werden auf einer Vielzahl von Tellern rund um den Kamin auf einer Decke serviert. Dabei ist ersichtlich, dass die besten Stücke dem Gast zustehen oder zugereicht werden. Die Portionen sind üppig bemessen, damit nicht der Eindruck entsteht, der Gast müsse Mangel leiden. Es muss also nicht aufgegessen werden, denn die Reste sind für die Frauen und Kinder gedacht, die entweder in der Küche bleiben oder sich gegen Ende des Essens in gewissem Abstand auf dem Boden niederlassen. Zu jedem Essen gehört starker Raki und am Ende eine Süßspeise mit einem türkischen Kaffee. Danach wird man sich zur Nachtruhe begeben, denn auf dem Land steht man in der frühen Morgendämmerung auf.

Herzliche Gastfreundschaft sollte honoriert werden, aber bitte nicht mit Geld, einem „Overkill“ an Mitbringseln oder (gut gemeinten) Hilfeleistungen – das kann die Ehre der Familie verletzen. Hier eignet sich alles Alkoholische – auch in kleinen Flaschen, denn es geht um die Geste.
Eine Flasche Rotwein ist ein großes Geschenk und kommt auch bei der Hausfrau gut an. Eine Postkarte aus dem Heimatort oder Fotos sind eine gute Kommunikationshilfe. Besonders auf dem Land freuen sich Kinder über Gummibärchen oder einen Luftballon. Es darf auch eine Tüte mit Kleinigkeiten sein, zum Beispiel Saft, Kekse oder Schokolade.
In der Regel wird ein Gastgeschenk entgegengenommen und nicht groß besprochen. Das darf man auf keinen Fall persönlich nehmen. Seinen Ursprung dürfte dieses Verhalten in der Zeit haben, als es üblich war, bei einem Verwandtenbesuch einen Beitrag oder Ausgleich zu dem zu leisten, was man verzehrte. Denn dem Gast wird in Albanien traditionell alles gegeben, auch wenn einem selbst kaum mehr etwas bleibt. Das ist eine Frage des Gastrechts und schlicht der Ehre.

Exkurs Mutter Teresa (Nënë Tereza)

Das Wirken Mutter Teresas in den Slums von Kalkutta/ Indien wurde Anfang der 1970er Jahre in Europa durch einen Film der BBC bekannt, in einer Zeit, als der kommunistisch regierte albanische Staat durch seine Isolationspolitik bereits völlig von der Bildfläche Europas verschwunden war. Als die Ordensschwester 1979 für ihre Arbeit den Friedensnobelpreis erhielt, war sie wahrscheinlich die einzige weltweit bekannte Albanerin.
Mutter Teresa (Nenë Tereza) wurde am 27. August 1910 als Anjezë Gonxhe Bojaxhiu und Tochter eines wohlhabenden Bauunternehmers in Skopje geboren, das damals noch im mazedonischen Teil des Osmanischen Reiches lag. Die katholische Familie stammte ursprünglich aus Nordalbanien und zählte sich zum albanischstämmigen Teil der Bevölkerung. Nach einem zielstrebigen Weg in die Missionstätigkeit er - öffnete sie mit ihrem Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“ in Kalkutta ein Kranken- und Sterbehaus für ausgesetzte Säuglinge, Kranke und Hungernde, in dem Zehntausende Menschen, die in schlimmstem Elend lebten, einfache Hilfe und Zuwendung fanden. Als Mutter Teresa 1997 starb, erhielt sie in Kalkutta ein Staatsbegräbnis.
Nach ihrem Tod gerieten die mangelnde Transparenz ihrer Ordensarbeit, die fehlende medizinische Ausbildung in ihrem Orden und vor allem ihre konservative Haltung zu Empfängnisverhütung und Abtreibung, in der sie immer die Linie des Vatikans unterstützte, in die Kritik. Jahrzehntelange Zweifel an der Existenz Gottes, die sie während ihrer Arbeit in den Slums plagten, machten die zierliche Frau, die zeitlebens mit fast überirdischen Kräften ausgestattet zu sein schien, nach ihrem Tod ein Stück menschlicher.
Heute gehören den „Missionarinnen der Nächstenliebe“ über 3.000 Ordensschwestern und über 500 Brüder in mehr als 700 Ordensgemeinschaften in 133 Ländern an. Noch Jahre nach der Wende konnten die meisten Albaner, vor allem die muslimischstämmige Bevölkerung, mit der Person Mutter Teresas nicht viel anfangen, denn ihr Wirken war im atheistischen Staat nicht zur Bevölkerung vorgedrungen. Heute trägt das größte staatliche Krankenhaus in Tirana ihren Namen und auch am Sheshi i Nenë Tereza vor der Alten Universität der Hauptstadt findet man eine Mutter-Teresa-Statue. In Shkodra, der Stadt, in der sie ihre Schulausbildung erhalten hatte, wurde einer der zentralen Plätze im Zentrum nach ihr umbenannt. Man wird kaum einen Andenkenladen finden, in dem es keine Statuen, Büsten oder Bilder von ihr gibt.
Die im Kommunismus völlig verwüstete Katholische Stadtkirche in Tirana wurde nach ihrer Restaurierung im Jahr 1991 während Mutter Teresas Albanien-Besuch von ihr eingeweiht. Als die Ordensschwester fünf Jahre nach ihrem Tod 2003 durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde, erhielt der internationale Flughafen in Rinas/ Tirana den Namen Nënë Tereza Airport. Und im Frühjahr 2012, als im Historischen Nationalmuseum eine Ausstellung über die Massaker und die Vernichtung der Intellektuellen gezeigt wurde, war zu Beginn der Ausstellung eine Foto-Dokumentation über ihre Bedeutung für Albanien aufgebaut, die sie auf einem großformatigen Foto von einer völlig neuen Seite zeigte: als junges Mädchen in einer albanischen Volkstracht, betitelt mit einem Originalzitat in albanischer Sprache: Me origjinë dhe me gjak jam shqiptare (Von Geburt und vom Blut her bin ich Albanerin).

Exkurs Guesthouse-Projekt Theth

Es ist gerade zehn Jahre her, dass in Tirana Postkarten von Theth verkauft wurden und kaum jemand wusste, ob und wie es möglich war, dorthin zu kommen. Inzwischen ist für den Tourismus im Norden eine neue Zeit angebrochen. Die Zufahrten in die abgelegenen Hochtäler werden jedes Jahr verbreitert und instand gesetzt. Bisher halten die schwierigen Straßenverbindungen aber noch größere Besucherströme ab. Seit dem Jahr 2005 fördert die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zusammen mit dem Fond für Kleinstprojekte (GEF) der Vereinten Nationen die Entwicklung des sanften Tourismus in dieser Region, um den Bewohnern eine langfristige Einkommensmöglichkeit zu geben und eine weitere Abwanderung in die Städte zu verhindern. Es war ein großer Glücksfall, auf eine Bevölkerung zu treffen, die trotz relativ großer Armut erkannte, dass nur durch eine langsame und bewusst nachhaltige Entwicklung des Tourismus das Potenzial ihrer einzigartigen Heimat erhalten werden kann. Die GIZ fördert den Ausbau traditioneller Wohnhäuser zu Gästehäusern; das geschieht, indem die Häuser einen zusätzlichen Trakt mit ein oder zwei Mehrbettzimmern mit bis zu vier Betten erhalten. Die Zimmer sind einfach, aber komfortabel und immer liebevoll nach den Möglichkeiten der jeweiligen Familie eingerichtet. Die zusätzlichen Badezimmer sind nach europäischem Vorbild renoviert.
Der Preis pro Bett mit Vollpension liegt bei etwa 20–25 Euro, natürlich kann man auch nur Halbpension vereinbaren. Selbst gebackenes Brot, frische Eier, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, Fleisch und Geflügel vom Hof und natürlich auch Raki oder selbst gemachter Landwein gehören immer dazu.
Als das Projekt 2007 startete, standen den Besuchern sechs Gästehäuser mit insgesamt 63 Betten zur Verfügung, 2013 gab es schon mehr als 120 Übernachtungsplätze. Viele Familien bieten dazu die Möglichkeit an, auf dem Gelände mit vereinbarter Verpflegung zu campen und die sanitären Anlagen zu benutzen. Traditionelle Gästehäuser gibt es auch in Tamara, Lepusha, Vermosh und Valbona. Das Projekt in Theth ist bewusst so angelegt, dass Idee und Konzept überall im Bergland kopiert werden können.

Exkurs Çaj i Malit

Der eher als griechischer Bergtee oder griechisches Eisenkraut bekannte Tee wird im Llogara- Gebiet an vielen Ständen zum Verkauf angeboten. Dabei handelt es sich um eine der über 80 Sideritis-Arten, die im Mittelmeerraum heimisch sind. Çaj i Malit ist in Albanien der traditionelle Haustee, der bei sehr vielen Beschwerden erfolgreich eingesetzt wird. Der von Natur aus blumig-süß schmeckende Tee enthält natürliche Flavone, ätherische Öle und antibiotische Substanzen und ist die erste Wahl bei allen Erkältungskrankheiten. Er wird meist mit Honig gesüßt oder mit Zitrone verfeinert. Çaj i Malit hat auch eine sehr gute Wirkung auf das Herz- und Kapillarsystem und soll auch positiv bei Arteriosklerose, Diabetes und Osteoporose wirken. In den Bergen führen die alten Leute ihre eiserne Gesundheit auch darauf zurück, dass sie jeden Morgen eine Tasse Çaj i Malit trinken.
In der griechischen Antike wurde Bergtee als Mittel gerühmt, sich seine Geisteskraft bis ins hohe Alter zu erhalten. Dazu passt, dass Forscher der Universität Rostock bei Versuchen mit Eisenkraut Stoffe entdeckten, die die für Alzheimer verantwortlichen Ablagerungen durch Eiweißstoffe deutlich verringern konnten. In Albanien kocht man eine Hand voll Çaj i Malit in einem Liter Wasser auf und lässt ihn ca. 15 Minuten ziehen. Der Tee ist so stark, dass ein zweiter Aufguss gemacht werden kann.
In den großen Gebäuden links oberhalb der Nationalstraße vor Dhërmi wurden schon im Kommunismus die getrockneten Heilpflanzen und Kräuter der Wildsammlungen gesammelt und getrocknet. Bergeisenkraut kommt erst auf einer Höhe ab 800 Meter in karstigen Gebieten vor. Die Bestände werden schon seit Generationen durch Wildsammlungen genutzt. Durch schonendes Pflücken der Blütenstände soll es keine Schäden an den Beständen geben.
Die Pflückerinnen sind von März bis November unterwegs und sammeln etwa 20 Kilogramm frische Kräuter am Tag, das sind getrocknet sieben Kilogramm Çaj i Malit, Sherbelë (Salbei), Thymian und Oregano. Albanien ist Europas größter Salbeilieferant. Für ein Kilogramm trockenen Sherbelë zahlt der Händler aus Tirana 1 Euro, für albanische Verhältnisse ein durchaus einträglicher Nebenverdienst.

Alle Texte aus: Reiseführer Albanien von Meike Gutzweiler

Uhrzeit und Temperatur: Tirana

Titelbild: © Meike Gutzweiler