»Was mich am meisten an Argentinien überrascht, ist, wie ein dermaßen desorganisiertes Land es zu solchen Errungenschaften gebracht hat.« Albert Einstein

Republik Argentinien

República Argentina

03:48 h | 13 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
41.087.000

Bevölkerungsdichte
15 pro km²

Fläche
2.780.403 km² (8)

Hauptstadt
Buenos Aires

Staatsform
Präsidiale Bundesrepublik

Hauptsprachen
Spanisch

Währung
Argentinischer Peso (ARS)

Nationalfeiertag
25.5

Rinder pro Einwohner
1267

Südamerikas älteste Universität
Universidad Nacional de Córdoba (1613 gegründet)

Rekordweltmeister im Polo
Sieger in 4 von 9 Turnieren

Größter je entdeckter Dinosaurier 
Argentinosaurus huinculensis, 40m Länge auf 18m Höhe, gefunden in Neuquén

Länge von Norden bis Süden 
3800 km

Jährlicher Rindfleichkonsum
Ca. 63 kg pro Argentinier

Psychater- und Psychologendichte
Ca. 79.000 Therapeuten (in Buenos Aires 1 pro 79 Einwohner)

Bezahlte Feiertage
19 gesetzliche Feiertage (Associated Press im Jahr 2012)

Tangoveranstaltungen
300 Milongas an 120 Orten mit 35.000 Besuchern/Woche

Dies und Das

Natur

Das Reiseland Argentinien bietet eine Vielzahl unterschiedlichster und spektakulärer Eindrücke. Die Palette reicht von schneebedeckten Andengipfeln im Westen bis zu den weißen Sandstränden an der Atlantikküste und von wuchtigen Wasserfällen im Norden bis zu den weiten, sturmgepeitschten Ebenen Patagoniens oder Feuerlands. Menschliche Eingriffe haben in der Pampa darüber hinaus große Veränderungen bewirkt. Buschland und Wälder wurden gerodet, stattdessen säten die Einwanderer importierte Gräser; der Raubbau an bestimmten Holzsorten hat die Wälder artenärmer gemacht. Geografen unterscheiden in Argentinien neun unterschiedliche Naturräume: den subtropischen Regenwald im Nordosten, die Pampa, den Chaco, die Puna, den subtropischen Feuchtwald im Nordwesten, den so genannten Monte, die Strauch- und Wüstensteppe Patagoniens, die Regenwälder in der Südkordillere sowie Feuerland.

Tiere

Eine Besonderheit in Argentinien sind die Biber, die im Nationalpark auf Feuerland leben. Sie wurden 1947 aus Kanada geholt und in einer Farm gehalten, um sie als Pelztiere zu nutzen. Das Projekt scheiterte, die Biber entkamen, und da sie auf Feuerland keine natürlichen Feinde haben, konnten sie sich ungestört und zu schnell vermehren. Die Tierwelt in Patagonien ist erstaunlich vielfältig: Auf bzw. vor der Península Valdés leben Wale, See-Elefanten, Seelöwen, Robben und Pinguine. Im Nordosten und im subtropischen Regenwald findet man hingegen eher Tapire, Jaguare und Affen, aber auch Gürteltiere, Schlangen, großschnäblige Tukane, die winzigen Kolibris und bunte Schmetterlingsarten.

Essen

Foto: J. Vogt

Argentinien ist für Rindfleisch zu Recht weltberühmt. Rindfleisch in allen Variationen beherrscht die Speisenfolge, für die meisten Argentinier ist es undenkbar, nicht täglich Fleisch zu essen. Das größte Stück ist das Asado. Es ist mehr als nur ein gegrilltes Stück Fleisch – es ist ein Ritual, das am Wochenende von den meisten Familien praktiziert wird. Das Essen dauert mindestens drei Stunden und unter 500g Fleisch steht am Ende kein Teilnehmer vom Tisch auf.

Eine weitere argentinische Spezialität ist der puchero, ein Eintopf, der in der Regel Kartoffeln, Möhren, Süßkartoffeln, Kürbis, Maiskolben, Porree, Petersilie sowie verschiedene Fleischsorten enthält. Er wird ohne Brühe serviert.

 

weiter

Wer süße Nachtische liebt, kommt in Argentinien ebenfalls auf seine Kosten. Es gibt hervorragendes Gebäck (facturas),die überall beliebten alfajores, mit Karamell gefüllte und mit Schokolade überzogene Kekse, aber die Hauptsüßigkeit am Río de la Plata ist dulce de leche. Milch, Zucker und Vanilleschote werden eingekocht bis eine braune, klebrige, sehr süße Creme entsteht. Man kann sie pur löffeln, aufs Brot schmieren, als Beilage zu anderen Nachtischen reichen, sie wird auch in Teilchen gefüllt.

Reisezeit

Reisen in Argentinien ist heute erschwinglich und der Tourismus hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Es gibt ein dichtes Flugnetz und ein gut ausgebautes Bussystem. Wer mit dem eigenen oder geliehenen Auto unterwegs ist, wird aber mitunter angesichts der Entfernungen stöhnen. Argentinien hat das ganze Jahr über Saison. Je nach Lage der Reiseziele sollte man seinen Aufenthalt planen. Im Nordwesten ist beispielsweise der Spätherbst/ frühe Winter (April) eine der schönsten Reisezeiten. Dann ist es hier trockener, aber die Tage sind immer noch schön warm, die Nächte allerdings, je nach Höhenlage, sehr kalt. Für den Nordosten gilt dasselbe.

weiter

Nach Buenos Aires sollte man lieber im Frühjahr oder Herbst reisen, da die Sommermonate sehr heiß sein können. Allerdings ist die Stadt im Januar und Februar doch spürbar leerer als z.B. im Oktober oder März. Je weiter man südwärts kommt, desto eher sollte man den argentinischen Sommer als Reisezeit nehmen, denn in den Bergen Patagoniens oder auch Feuerlands hat man nur selten eine Wetter-Garantie. Dort kann es selbst im Sommer recht kühl werden.

Die Hochsaison ist in den Monaten Januar, Februar und Juli, in der Osterwoche und an langen Wochenenden.

Religion

Etwa 95 Prozent der Bevölkerung bekennt sich zur römisch-katholischen Kirche, die Staatsreligion ist. Die gesetzliche Glaubensfreiheit wird vom Staat durch das Verbot bestimmter Glaubensrichtungen eingeschränkt. Eine Minderheit bilden Protestanten und Juden, in einigen Provinzen auch Gruppen von Muslimen. Traditionell hat die katholische geistliche Hierarchie einen engen und guten Kontakt zur Regierung, sie ist konservativ und versteht sich auch als Hüterin der bestehenden Ordnung.

 

weiter

Wie sich der Glaube im Alltag auswirkt ist abhängig von der sozialen Schicht. Ober- und Mittelschicht haben viele Wurzeln in den katholischen Gemeinden, sei es auf konservativer Seite, wo auch katholische Geheimbünde wie Opus Dei aktiv sind, sei es auf der progressiven, wo karitatives Handeln oft der politischen Emanzipation vorangeht. Wieder andere Argentinier haben keine Verbindung zur Kirche, sie sind nur katholisch getauft. Besonders Angehörige der Mittel- und Unterschicht sind empfänglich für religiöse Mischformen. So haben sich regionale Mythen und Figuren oder andere Religionen mit katholischen Glaubensvorstellungen gemischt.

Tipps

Wörter die dir weiterhelfen

Ein paar Sprachkenntnisse – castellanio – sind nützlich, dann werden sich schnell Kontakte ergeben.

 

Eine Schlange hat mich gebissen – Una víbora me mordió

Das süße Mädchen – la chica dulce

Was machst du morgen? – Qué tenés de hacer ma?

Sollen wir die Nacht zusammen verbringen? - Pasmos la noche juntos?

Si – Ja

No- Nein

Ich bin schwanger – Estoy embarazada

Helfen Sie mir, bitte! – Ayúdeme, por favor!

Es schmeckt mir ausgezeichnet! – Me gusta muchísimo!

 

Kauderwelsch Spanisch für Argentinien Band 84

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: http://www.ealem.mrecic.gov.ar/

Deutsche Botschaft: www.buenos-aires.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Auch wenn es im Straßenverkehr nicht so wirkt: Argentinier sind zumeist sehr geduldige Menschen. Schlangestehen scheint niemanden zu stören, und für gewöhnlich gibt es auch nur wenige, die sich vordrängeln.

Selbstkritik ist hingegen nicht die Stärker der Südamerikaner. Und ganz empfindlich reagieren Argentinier, wenn nun etwa ein Gringo (Besucher aus dem hohen Norden) mit ins gleiche Horn stößt. Man hüte sich also vor lockerer Zunge. So wie ein Argentinier über sein Land herzieht, gehört es sich für den Fremden nicht. Gespräche über Politik, Parteien und die Nationalgeschichte, selbst über globale Weltereignisse wie über persönliche Probleme sollten nur mit Diskretion und Vorsicht angeschnitten werden.

Kein Mensch in Argentinien kommt auf die Idee, seine Mahlzeiten im Hotel einzunehmen. Man geht aus und sucht sich ein passendes Restaurant. Und mag es noch so gut besucht sein. Telefonisch einen Tisch zu bestellen würde ja nur Zwang bedeuten. In Argentinien ist es absolut unüblich, in einem Restaurant an einem besetzten Tisch, selbst wenn dort nur eine Person sitzt, Platz zu nehmen. Man wartet, bis ein Tisch frei wird, Stühle darf man aber umstellen. Trinkgelder werden häufig gegeben. Kellner erhalten 5 bis 10%. Das Trinkgeld lässt man einfach auf dem Tisch liegen. Man sollte sich nicht als Gringo outen, indem man die Rechnung getrennt bezahlt oder die Dame bezahlen lässt.

Argentinier trifft man auf der Straße, im Café oder im Kino, aber nicht zu Hause! Das Heim ist dem Blick der Fremden entzogen, es sei denn, man gehört schon quasi zur Familie. Wem dieses Glück zu Teil wird, der sollte bei Einladungen ein paar Dinge beachten. Bei Adressen sollte man sich unbedingt Hausnummer, Geschoss und Wohnung merken. Denn nur in absoluten Ausnahmefällen steht neben der Klingel ein Name. Nicht zu früh erscheinen. Pünktlich ist in Argentinien fast niemand. Wer bei einer Einladung für 21 Uhr wirklich um 21 Uhr erscheint, stürzt wahrscheinlich selbst den Gastgeber in große Verlegenheit. Denn der beginnt gerade mal mit den Vorbereitungen für den Abend. Eine Stunde später ist immer noch im Rahmen, wer mit einer halben Stunde Verspätung erscheint, ist superpünktlich. Ein kleines Gastgeschenk ist gern gesehen, am besten etwas aus dem Heimatland oder Blumen. Man sollte immer mit einer guten Ausrede kommen, um die Rückkehr ins Hotel zu schaffen. Denn wer die Mauern der Privatsphäre durchbrechen darf, der wird wie einer Perle in der Muschel eingeschlossen. Dafür sorgt schon die Mama, die den Gast wie eine lang vermisste Tochter oder Sohn aufnimmt.

 

Exkurs: Gauchos

„Der Gaucho hat in seinem Charakter die wilde Entschlossenheit und den unabhängigen Sinn der Ureinwohner und zeigt dabei den Anstand, den Stolz, die edle Freimütigkeit und das vornehme, gewandte Betragen des spanischen Caballero. Seine Neigungen ziehen ihn zum Nomadenleben und zu abenteuerlichen Fahrten. Ein Feind jeden Zwanges, ein Verächter des Eigentumes, welches er als eine unnütze Last betrachtet, ist er ein Freund glänzender Kleinigkeiten, welche er sich mit großem Eifer verschafft, aber auch ohne Bedauern wieder verliert.“ So schreibt Karl May über die Gauchos in Uruguay, die er allerdings selbst nie zu Gesicht bekommen hatte. Aber er stellt geschickt alle romantischen Klischees zusammen. Zeitgenossen und besonders die Estanzieros, die Eigentümer der großen Landgüter, urteilen da anders: „Er ist ein Faulenzer, verdreckt aus Lust am Dreck und grausam von Natur aus. Wir kannten ihn trübsinnig, um nicht zu sagen, er wäre mürrisch und schlecht gelaunt. Auch meinten wir, er wäre lakonisch und introvertiert, aber er war nur ein alberner Ignorant. Nie in seinem Leben hat er gearbeitet, nicht einmal, um sich zu ernähren. Denn reiten, Strauße jagen und Pferde zähmen war für ihn nur ein Vergnügen.“ Wo liegt die Wahrheit zwischen den beiden Urteilen? Wahrscheinlich in der Mitte. Der Gaucho war unabhängig, er war Nachfahre von Weißen

und den Ureinwohnern, er streifte umher, lebte auch mit den Indianern zusammen, kleidete sich mit Silbergürtel und Silbersporen, war schlecht ausgebildet und ignorierte – und das störte vor allem die Es tanzieros – alle Eigentumsbegriffe. Für ihn galten die Zäune auf der Pampa nicht, er nahm sich die Rinder, um zu überleben. Für ihn war das kein Diebstahl: Schon immer hatte er, wenn er hungrig war, Vieh gejagt. Bloß behinderte er so Ende des 19. Jahrhunderts den Aufbau der geregelten Viehzucht auf den Estanzias. Der argentinische Schriftsteller José Hernández (1834–86) setzte dem Gaucho in seinem zweibändigen Werk „El Gaucho Martín Fierro“ (1872) und „La vuelta de Martín Fierro“ (1879)

das bekannteste Denkmal. Sein Held Martín Fierro lehnt sich gegen die bürgerliche Ordnung, die Reichen und die Stadtbewohner auf. Eine kurze Textstelle:

 

„Ich bin ein Gaucho,

und man verstehe doch meine Sprache!

Für mich ist die Welt ja so klein,

könnte sie denn größer sein?

Es beißt mich keine Viper,

und die Sonne verbrennt mir nicht die

Stirn.

Ehre ist mir, in Freiheit zu leben,

so wie der Vogel am Himmel.

Ich bau’ mir kein Nest auf diesem Boden,

wo es sich nicht lohnt zu leben.

Und so braucht’s mir keiner nachzutun,

wenn ich mich wieder erhebe.“

 

Gauchos heute? Eigentlich Fehlanzeige. Stattdessen arbeiten schlecht bezahlte Peones (Knechte) festangestellt auf den großen Estanzias. Sieht man die aber über das weite Land galoppieren,  fest im Sattel, den Zigarettenstummel genauso fest im Mundwinkel, vor sich die Rinder und neben sich zwei Hunde, kommen einem doch wieder alle romantischen Gauchoträume in den Sinn.

Alle Texte aus: Reiseführer Argentinien mit Patagonien und Feuerland von Jürgen Vogt,  KulturSchock Argentinien von Carl D.Gordeler und Kauderwelsch Spanisch für Argentinien Band 84

Titelbild: Günther Wessel