“A gente nunca se esquece de quem esquece da gente.”
“Die Leute vergessen den nie, der sie vergisst.”

Brasilien

Brasil

19:51 h | 26 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
201.032.714 (Weltrang 5)

Bevölkerungsdichte
24 pro km²

Fläche
8.511.996 km² (Weltrang 5)

Hauptstadt
Brasília

Staatsform
Föderative Republik

Hauptsprachen
Brasilianisch (Brasil-Portugiesisch), bei den Ureinwohnern Tupi-Guaraní

Währung
Real (R$)

Internationale Ankünfte/Touristen
Belém, Belo Horizonte, Brasília, Fortaleza, Manaus, Natal, Pto. Alegre, Recife, Rio de Janeiro, Salvador, São Paulo

Nationalfeiertag
7. September

Flugdauer
Rio de Janeiro 9.587 km ≈ 12 Std.; São Paulo 9.830 km ≈  12 Std.; Manaus 8.783 km ≈ 14 Std.; Natal 7.507 km ≈ 13 Std.; Pto. Alegre 10.681 km ≈ 17 Std.

Größe Amazonasgebiet
5,1 Mill. km² (Landfläche von Großbritannien, Niederlande, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Schweiz, Österreich, Deutschland, Tschechei, Slowakei, Bosnien- Herzegowina und Albanien)   

Größe Territorium der indígenen Ureinwohner
1 Mill km² (20% des Amazonasgebietes)

Anzahl der Nationalparks
62

Zuckerrohrschnapskonsum 2014
11 Liter/Person

Bierkonsum auf dem Oktoberfest in Blumenau
22.222 Liter/Tag 

Anzahl der Rinder
etwa 210 Mio. Rinder (Weltrang 1)

Anzahl der Kaimane (Jacarés)
11 Mio. Kaimane (Weltrang 1)

Höchste Temperatur 
45 Grad Celcius, Bom Jesus, Piauí

Tiefeste Temperatur
-14 Grad Celcisus, Caçador, Santa Catarina

Naturphänomen
Pororoca (krachendes Wasser). Eine meterhohe Flutwelle schiebt sich bei Voll- und Neumond den Amazonas hoch.

Anzahl Flugzeugträger
2  

Anzahl Raketenabschussbasen
2

 

Dies und Das

Natur

Brasilien ist ein Land mit kontinentalen Ausmaßen: Die Ost-West-Ausdehnung beträgt 4320 Kilometer, die Nord-Süd-Distanz ist mit 4400 Kilometer fast genau so groß. Annähernd die gesamte Landesfläche von 8,5 Quadratkilometern liegt zwischen Äquator und südlichem Wendekreis. Die Atlantik-Küstenlinie hat eine Länge von 7367 Kilometer. Drei natürliche Großräume prägen die Brasiliens Topografie: das Brasilianische Berg- und Tafelland (oder Planalto), das Amazonastiefland und das Bergland von Guayana.

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Südöstlich des Amazonasbeckens erhebt sich der Planalto bzw. das Brasilianische Berg- und Tafelland in Form eines flächenhaft abgetragenen Gebirgskörpers (Rumpfgebirge). Mit rund 6 Mio. qkm ist der Planalto der größte Landschaftsraum Brasiliens. Geologisch ist er ein äußerst altes Massiv aus metamorphen Gesteinen (Glimmerschiefer, Quarz, Gneis) des südamerikanischen Urkontinents. Seine durchschnittliche Höhe beträgt nur 500–1000 Meter, nach Süden und Osten steigt er auf über 2000 Meter an und bricht im Südosten als Serra do Mar (Küstengebirge) steil zum Atlantik ab. Einige Gebirgsabschnitte reichen dabei bis ans Meer, wie z.B. in São Francisco do Sul, entlang der Costa Verde oder in Rio de Janeiro. Im Westen geht der Planalto in das Tiefland der Pampa und des Chaco über. Im Zentrum erstrecken sich die Campos cerrados, Savannen mit lichtem Baumbestand, und im Nordosten die Caatingas, Trockengebiete mit Dorngewächsen, begrünt nur während der kurzen Regenzeit.

 

Tiere

Jaguar – Pantanal © Pedro Novak

Brasilien ist das artenreichste Land der Erde, vor allem der riesige Amazonaswald. Nirgendwo sonst auf unserem Planeten findet man eine größere Vielfalt an Tieren und Pflanzen wie in diesem außergewöhnlichen Lebensraum. Eine Schatztruhe, die noch viele ungeahnte Kostbarkeiten und Überraschungen birgt, die noch lange nicht alle entdeckt und erforscht sind. Für viele Tiere ist das Tarnen (Mimikry) durch unauffällige Farben und Formen Voraussetzung, um überleben zu können. Frösche sehen aus wie abgefallene, verrottete Blätter, andere Tiere wie ein Stück Baumrinde oder ein Ästchen. Die Synthese aus Wasser, Wald und Land ließ besondere Lebensformen, wie z.B. die Fliegenden Fische, entstehen. Im Regen- und Bergurwald leben Millionen Insektenarten, 1670 Vogel-, 100 Fledermaus- und über 420 Säugetierarten (darunter 95 Affenarten).

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Noch immer sind zahlreiche Spezies nicht klassifiziert oder unerforscht. Unlängst wurden im Amazonasgebiet mit Callicebus bernhardi und Calicebus stephannashi zwei neue Affenarten entdeckt. Die touristisch besten Gegenden, um Tiere zu erleben und zu beobachten, sind der Pantanal, die Ilha do Bananal und die Randzonen des Amazonasbeckens. Gute Möglichkeiten, beim Schnorcheln bunte Fische zu bestaunen, bieten die kristallklaren Flüsse um den Ort Bonito oder Nobres. Zur Beobachtung von Meerestieren (Delfine, Schildkröten, Fische) sind die Archipele von Fernando de Noronha und Abrolhos (Wale, Schildkröten, Fische) zu empfehlen. Die Waldgebiete um Alta Floresta (Mato Grosso) sind neben dem Pantanal unter Ornithologen ein beliebtes Beobachtungsgebiet.

Essen

Das Nationalgericht Brasiliens ist die Feijoada, ein deftiger Bohneneintopf, der aus der Kolonialzeit stammt. Schweine-, Rind-, Bauch- und Suppenfleisch, Rauchspeck und Calabresa (Würstchen) werden mit schwarzen Bohnen (feijão preto) und Gewürzen (Lorbeer, Zwiebel, Knoblauch und scharfer Pfeffer) mehrere Stunden lang gekocht. Serviert wird die Feijoada häufig mit Reis, Farofa (geröstetes Maniokmehl mit Butter), Couve à mineira (gedünstete Kohlblätter) und Orangenscheiben. Fleischliebhaber sollten sich den Besuch einer Churrascaria oder Rodíziaria nicht entgehen lassen. Rodízio ist Fleisch satt: pausenlos drehen die Kellner mit großen Fleischspießen ihre Runden zwischen Grill (churrasqueira) und Tischreihen (rodízio leitet sich ab von roda – „Runde, Rad“), um den Gast mit verschiedenen Fleischstücken vom Rind, Grillwürstchen (calabresa) oder Hühnerherzen zu bedienen. Die brasilianische Küste ist ein Eldorado für Liebhaber von Fisch- und Meeresfrüchten, und nirgendwo können so günstig Meeresfrüchte und Krustentiere gegessen werden wie an Brasiliens Atlantikküste. „Renner“ sind Camarão (Garnelen, Shrimps) in unzähligen Variationen, Caranguejos (Krebse), Ostras (Austern), Mexilhão (Muscheln) und Lagosta (Hummer). Neben Peixadas (gekochter Fisch) und Calderada (eine Art Fischsuppe) gehört die Moqueca de camarão (Krabben), de polvo bzw. lula (Tintenfisch) und Moqueca de lagosta (Langusten) zu den typischen Gerichten. Landestypisch sind docinhos (Süßgebäck) und salgadinhos (Salzgebäck), die als Zwischenmahlzeiten bei Festen, Geburtstagsfeiern und anderen Anlässen gereicht werden.

Bahiana - Salvador © Kai Ferreira Schmidt

Rodízio - Churrasco-Spieß © Kai Ferreira Schmidt

Caranguejos © Kai Ferreira Schmidt

Reisezeit

Der Großteil Brasiliens liegt in den Tropen, nur der Süden in der subtropischen Klimazone. Die Jahreszeiten sind denen in Europa entgegengesetzt. Im brasilianischen Sommer, das heißt in der Zeit von Mitte Dezember bis Mitte März, steigen die Temperaturen und es regnet häufiger. Im brasilianischen Winter, vor allem im Juni und Juli, kann es im Süden empfindlich kalt werden. Touristische Hochsaison herrscht zwischen Dezember (Weihnachten) und Karneval, in abgeschwächter Form auch im Juli und August. Preiswerter ist es in den Nebensaisonmonaten März–Mai und September–November.

Religion

Etwa 75% der Bevölkerung sind nach offiziellen Angaben Katholiken, was Brasilien zum größten katholischen Land der Welt macht. Die katholische Amtskirche verliert zunehmend Gläubige an die unterschiedlichsten Glaubensrichtungen, an Sekten (US-protestantische) und an afrobrasilianische Kultreligionen. Die wichtigsten afrobrasilianischen Kulte sind Candomblé (Xango), Umbanda und Macumba. An Stränden, auf Straßen und an Straßenkreuzungen wird jeder Tourist früher oder später die Opfergaben, Blumen und Kerzenlichter der Kultreligion Macumba entdecken. Nach Umfragen glaubt jeder zweiter Brasilianer an die Macht des Macumba, auch wenn er davon kein Anhänger ist. Die Wurzeln des Umbanda („weißer Zauber“), reichen zu den Bantus Angolas zurück und sind oft mit Okkultismus, Spiritismus und schwarzer Magie durchsetzt. Nur die verbotene Quimbanda ist unheilvoll.

Tipps

Wörter die dir weiterhelfen

sim – ja

não – nein

Obrigado! – Danke! (sagt Mann)

Obrigada! – Danke! (sagt Frau)

por favor – bitte (um etw. bitten)

Não há de que. – Nichts zu danken.

Bom dia! – Guten Morgen!

Boa noite! – Guten Abend!

Tchau! – Tschüss!

Até logo. – Auf Wiedersehen.

Tudo legal! – Alles prima!

Kauderwelsch Brasilianisch, Band 21

Links die dir weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Visum: http://berlim.itamaraty.com.br

Fremdenverkehrsamt: www.visitbrasil.com  | www.braziltour.com

Deutsche Botschaft: www.brasil.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Vergess den Stress, Hektik und Eile. Die Mentalität der Brasilianer ist gelassen, entspannt und tranqüilo. Lass dich anstecken, hetze nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, sonst verpasst du den brasilianischen Alltag.

Nicht ärgern, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt. In Brasilien gehen die Uhren langsamer und ungenau, die Menschen haben Zeit für einen bate-papo (Tratsch). Das brasilianische Lebensmotto heißt: „Pra tudo se dá um jeito! – Es gibt für alles eine Lösung“ (in Sinne von Ausweg)!

Die wichtigsten Höflichkeitsformeln sind com licença (mit Erlaubnis), wenn man beispielsweise in einer Menschenmenge oder im Bus durchgelassen werden möchte, oder me dê licença (ist es mir gestattet?), um sich auf einen freien Platz im Bus, Restaurant usw. setzen zu dürfen.

Brasilianer sind extrem gastfreundlich, allerdings werden oft auch Einladungen ausgesprochen, die nicht allzu ernst gemeint sind. Eine seriöse Einladung erfolgt meist erst nach Klärung der sozialen Stellung. Der Eingeladene bestätigt (confirmação) diese dann telefonisch oder mündlich.

Unpünktlichkeit gehört in Brasilien zur Höflichkeit: Verspätungen bis zu zwei Stunden sind normal, nur bei einer Einladung zum Essen sollte die Grenze enger gesetzt werden. Pünktlich starten dagegen die Flugzeuge und die Fernbusse. Aber auch der Geschäftspartner erwartet Sie zur hora fixa.

Brasilianer lieben dröhnende Musik und Lärm. Es ist üblich, überdimensionierte Musikboxen zur Beschallung aufzustellen. Auch ein laut plärrender Fernseher stört in vielen Restaurants keineswegs. Brasilianerinnen und Brasilianer flirten viel und gerne. Das macht Spaß und bereitet Freude, doch niemand betrachtet das als allzu ernsthafte Aufforderung.

Viele Brasilianer lieben es, sich gegenseitig auf den Arm zu nehmen, zu frotzeln und über den anderen herzuziehen. Beleidigt sein würde bedeuten, die lockere Stimmung zu verderben.

Im Restaurant wird der Kellner oder die Bedienung je nach Geschlecht mit Garçon (m) oder Moço bzw. Garçonette (f) oder Moça gerufen. Oft hört man in Kneipen auch ein gezischtes „psiu“, um die Aufmerksamkeit der Bedienung auf sich zu lenken, dies gilt jedoch als unhöflich.

An Stadtstränden ist Nacktbaden oder Oben-ohne tabu. Für FKK-Anhänger sind besondere Strände ausgewiesen.

Übe keine Kritik an Brasilien und seinen Menschen, wenn du dir Freunde machen möchtest. Spreche lieber über das, was dir an Brasilien gefällt: z.B. die schöne Landschaft, die Freundlichkeit der Menschen und das schmackhafte Essen

Exkurs : Capoeira

Capoeira wurde einst von Sklaven aus dem Gebiet des heutigen Angola als Teil ihrer Volkskultur nach Brasilien mitgebracht. Ursprünglich Kampfritual und Kampfkunst, die aber von den Sklavenhaltern nicht geduldet wurde. So begannen die Schwarzen, Capoeira als harmlose Tanzdarbietung zu kaschieren und spielten Musik dazu. Zu einer Aufführung mit akrobatischen und blitzschnellen Dreh- und Luftsprüngen, Duckbewegungen, Scheinfußtritten, Faustschlägen, Überschlägen und Salti treten zwei Kämpfer aus einer Kreisgruppe ins Zentrum und messen ihre Kunst. Getanzt wird zum Klang der Berimbau, einem Holzbogen mit nur einer Metallsaite und einem Kalabassenresonator. Mit der Baqueta, einem Holzstab, schlägt der Berimbau-Spieler auf den längeren Saitenabschnitt, den er mit einem Dobrão, einem Kieselstein oder einer großen Münze, verkürzen kann, um einen höheren Ton zu erzeugen. Die Capoeiristas unterliegen einem Ehrenkodex, der bestimmte Kleidung, charaktervolles Verhalten und Regeln vorschreibt. Reine Angriffs-Capoeiras sind verboten. Das Herz des Capoeira-Sports schlägt in Bahia, aber mittlerweile finden sich in jeder brasilianischen Großstadt Capoeira-Schulen. So entstand ein regelrechter Capoeira-Boom, mit Anhängern und Aktiven in vielen Ländern der Welt.

Alle Texte aus: CityTrip Rio de Janeiro von Kai Ferreira Schmidt; Handbuch Brasilien von Kai und Edilma Ferreira Schmidt; Brasilien Kompakt von Kai Ferreira Schmidt und Helmut Hermann

Titelbild: Kai Feirrera Schmidt (Corcovado mit der Christus-Statue, rechts den Zuckerhut Pão de Açúcar und darunter die Lagoa  Rodrigo de Freitas)