»Wir mögen mit verschiedenen Schiffen angekommen sein, doch wir sitzen alle im selben Boot.«
Sprichwort

Republik Cabo Verde
Kapverdische Inseln
República de Cabo Verde

16:08 h | 25 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
491.575 (Stand 2010)

Bevölkerungsdichte
124 pro km²

Fläche
4036 km2 (Weltrang: 167)

Hauptstadt
Praia

Staatsform
Parlamentarische Republik

Bewohnte Inseln
9

Hauptsprachen
Portugiesisch

Währung
Cabo-Verde-Escudo (CVE)

Nationalfeiertag
5.7.

Flugdauer
6 Std.

Die erste staatliche Universität Kap Verdes
gegründet 2006 in Praia

 

Entfernung zur Westküste Afrikas
460 Km

Kapverdianer
etwa 1,2 Millionen weltweit, davon leben 700.000 im Ausland.

Bevölkerung
Dreiviertel sind jünger als 15 Jahre

Altersdurchschnitt
17,4 Jahre (stand 2000)

Ärzte pro 100.000 Einwohner
49

Dies und Das

Natur

© Pitt Reitmaier

Cabo Verde ist ein reiches Land. Reich an faszinierenden Landschaften, an Bergen und Schluchten, Wüsten und grünen Tälern, weiten Stränden und kleinen Buchten. Auf und unter dem Meer setzt sich der Reiz des kleinen Landes ins Unendliche fort. Alle Pflanzen sind eingewandert. Bis zur Entdeckung waren es gut 250 Arten gewesen, und die Inseln besaßen viel Busch- und Strauchwerk. Auch wenn es keine botanischen Studien aus den ersten Zeiten gibt, so lassen die Beschreibungen in Christoph Kolumbus’ und anderer Reiseberichte schließen, dass es damals keine Hochwälder gab und einige Inseln wie Sal und São Vicente über weite Strecken trocken und vegetationsarm waren.

Tiere

Zwischen den Inseln und dem afrikanischen Festland gab es niemals eine Landbrücke. So konnten sich nur diejenigen Tierarten ansiedeln und entwickeln, die ihren Weg über das Wasser oder durch die Luft nach Cabo Verde fanden, insbesondere Vögel, Insekten, fliegende Säugetiere, aber auch Reptilien, die auf schwimmendem Pflanzenmaterial „anreisten“. Isolierte Inseln wie die kapverdischen sind insgesamt zwar artenarm, aber unglaublich reich an seltenen Spezialisten und besonderen Inselformen.

Essen

Die typischen Zutaten auf Cabo Verde sind gestampfter Mais, Maniok, Kichererbsen, Thunfisch, Yams und tropische Früchte wie Papayas und Mangos.

Das Gericht Cachupa gehört wie Musik zur Seele Cabo Verdes: Sie ist ein Stück Heimat, Tradition, Alltag und Lebensgefühl, Familie, Gemeinschaft und Gastfreundschaft. Es ist mehr als nur ein gemeinsames Essen, es ist ein sozialer Akt zum Austausch von Geschichten, Erinnerungen und gemeinsamer Kultur. Viele Kapverdianer beginnen und beenden ihren Tag mit Cachupa und werden ihrer nicht überdrüssig. Das Gericht aus Mais und Bohnen ist eine gesunde Vollwertkost mit Kohlehydraten, Eiweiß und Fett. Schon morgens hört man die großen Holzmörser pilão, in denen der Mais gestampft wird. Für Cachupa rica, die „reiche“ Version des Gerichtes, fügt man außerdem nach Geschmack Blutwurst, geräucherte Wurst (chourico, linguica), Hühnchen, Schweinefleisch oder Rind hinzu oder aber seine Lieblingssorte Fisch (Cachupa di peixe.)

Reisezeit

© Pitt Reitmaier

In Cabo Verde ist rund ums Jahr Reisezeit. Die Sonne scheint genauso häufig wie in der Wüste von Arizona. Von Oktober bis Juli weht der Passat, und das Wetter entspricht mit wenigen Ausnahmen einem schönen sonnigen Junitag in Europa. Im Sommer (Juli bis September) werden 30°C nur selten überschritten, doch da der Wind nachlässt, erscheint es einem heißer. Während der Sommer- und Weihnachtsferien nimmt der Strom der Reisenden deutlich zu, und Flüge müssen längerfristig reserviert werden. Am Karneval-Wochenende und zum Festival in Baía das Gatas im August gibt es einen Rush auf São Vicente. Fogo ist zum 1. Mai und Porto Novo zum 24. Juni ebenfalls ausgebucht.

Religion

Etwa 80 % der Bevölkerung sind katholisch und 10 % Protestanten, von denen gut die Hälfte zu den Nazarenern gehören. Die übrigen Menschen bekennen sich zu anderen Religionen (Anglikaner, Mormonen, Zeugen Jehovas, Baha’i etc.). Erst nach 1910 konnten sich andere Religionsgruppen neben den Katholizismus ungestraft etablieren, und die Kirche gab administrative Aufgaben an den Staat ab. Der konservative Ernst der katholischen Kirche verbindet sich mit kreolischer Fröhlichkeit und Lebenslust, die Kirchweihen (festas de romaria) werden feucht-fröhlich gefeiert. Für den sonntäglichen Kirchgang nimmt die Landbevölkerung stundenlange Fußmärsche auf sich.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Alles, was geschrieben steht, wie Plakate, Straßenschilder, Zeitungen usw. ist ausnahmslos auf Portugiesisch, während man auf der Straße unter Umständen über viele Tage kaum ein Wort Portugiesisch hört, sondern nur Kiriolu. Wer wirklich mit den Einheimischen, ihrer Kultur und ihrer einzigartigen Lebensart in Kontakt treten will, sollte einige Wörter Kiriolu lernen.

 

Aiam / sim   –   Ja

Nau   –   Nein

D’akordu   –   Einverstanden

M-ka kré   –   Ich möchte nicht.

Sta bom / dretu!   –   Das ist gut!  / Das kann gehen!

Ka ta da!  –   Das geht nicht! / Das ist unmöglich!

Kudádu!   –   Achtung!

Sakor!   –   Hilfe!

Fabor / favor   –   Bitte

(Mutu) obrigádu   –   Danke (sehr)

Diós ta pagâ-u!   –   Gott möge es dir vergelten!

Ke-li é ka náda   –   Gern geschehen.

Diskulpâ-m!   –   Entschuldigung!

Purdom!   –   Verzeihung!

Da-m lisénsa.   –   Mit deiner Erlaubnis.

Bu podi djudâ-m, fabor? – Kannst du mir bitte helfen?

Tem…?   –   Gibt es…?

Tem sim!   –   Ja, es gibt!

Ka tem.   –   Nein, gibt es nicht.

M-gosta di …   –   Ich mag …

M-ka gosta di …–   Ich mag … nicht

M-mesti … –   Ich brauche …

M-sata buska … –  Ich suche…

Da-m … fabor!  –  Geben sie mir bitte …!

… é kántu?  –  Was kostet …?

Ta da pa-m odja … ?   –   Kann ich … sehen?

M-kré bai …   –   Ich möchte nach … fahren/ gehen.

M-gosta di bo.   –   Ich liebe dich!

Kauderwelsch Wort für Wort Kapverdisch /produkte/kauderwelsch-wort-fuer-wort/kapverdisch-kiriolu-wort-fuer-wort-2203

Kauderwelsch Wort für Wort Portugiesisch /produkte/kauderwelsch-wort-fuer-wort/portugiesisch-wort-fuer-wort-374

Dos and Don’ts

Kreolische Gesellschaften zeichnen sich aus durch die vielfältigen Formen des Zusammenlebens der Geschlechter.

Der besuchende Vater (pai de visita) ist vermutlich den historischen Urformen am nächsten. Auch heute leben viele Frauen im Haus der Eltern oder alleine, und ihr Partner kommt mehr oder weniger regelmäßig und bleibt über Nacht. Es sind nicht nur die Umstände wie in der Beziehung mit einem Seemann, sondern es ist eine anerkannte Form. Solange die Partner nicht in der Lage sind, eigenen Wohnraum zu finanzieren, bleibt kaum eine andere Wahl. Unverändert häufig haben Mädchen ihr erstes Kind sehr früh. Stammt es aus einer dauerhaften Beziehung, dann folgen Jahre der Freundschaft und Partnerschaft vom Typ „besuchender Vater“, bis beide ihre Ausbildung abgeschlossen und sich ökonomisch vollwertige Positionen erarbeit haben.

Eine besondere Form des besuchenden Vaters ist die „Tio-Beziehung“, in der Karibik als „sugardaddy“ bekannt. Sie verbindet junge Frauen mit meist sehr viel älteren Herren. Die Übergänge zur Prostitution mögen fließend sein, doch macht man es sich zu einfach, es nur so verstehen zu wollen. Wir beobachten in unserer Nachbarschaft Tio-Beziehungen in Familien ohne jede Nähe zum Milieu. Der alte Herr kommt auf Besuch oder holt seine Partnerin ab, unterhält sich mit deren Eltern, grüßt weitere Nachbarn, und jeder weiß Bescheid. Wie in afrikanischen Beziehungsgeflechten fließen etwas Geld oder Geschenke, die die junge Frau für ihre Schulbildung und den kleinen Luxus verwendet. Für sie ist es eine ausschließliche Beziehung und für manchen „Tio“ auch.

Die häufigste Form ist die De-facto-Beziehung. Ein Paar lebt ohne Trauschein unter einem Dach, und wenn alles gut geht, dann hält dies für ein Leben. Die Gesetzgebung in Cabo Verde hat sich diesem Brauch angeschlossen und stellt die Defacto-Beziehung nach drei Jahren der Ehe gleich.

Die bürgerliche und kirchliche Ehe ist die seltenste aller Formen. Nur 16 % der Erwachsenen sind verheiratet. Mit Ausnahme sehr religiöser Familien von Santiago und der reichen Oberschicht, deren Töchter und Söhne auch in jungen Jahren heiraten, ist die Ehe in Cabo Verde eher etwas für die reiferen Jahrgänge. Erst wird in harter Eigenleistung ein Häuschen gebaut, die Kinder aufs Gymnasium geschickt, ein Laden eröffnet oder der Traum von der Emigration verwirklicht, bevor man zum Traualtar schreitet.

In einer Zeit, als nur die Freien und Reichen heiraten konnten, entstand an der breiten Basis der sozialen Pyramide neben der Ehekonvention, die weitaus häufigere Companheira-Konvention. Sie kennt keine Zeremonie, sondern basiert auf Schwangerschaft und gemeinsamen Kindern. Die Armen sprechen über ihre Partner als „pai de fijdi“ und „mãe de fidji“, was so viel bedeutet wie Kindesvater und -mutter.

Polygamie wie in Westafrika gibt es in Cabo Verde nicht. Auch wenn der eine oder andere Mann in einer Familie de facto und in einer anderen als pai de visita auftritt, so ist doch keine Situation gegeben, wo er unter einem Dach mit mehreren Frauen rechtmäßig zusammenleben würde.

Die traditionellen Kompetenzen von Mann und Frau auf dem Land sind klar: Die Frau ist allein verantwortlich für den Haushalt, für Kochen, Waschen, Wasserholen und für die Erziehung der Kinder. Die Hauptlast dieser Arbeiten im Haus und deren Delegation liegt bei ihr. Sie entscheidet über die Gestaltung des Wohnbereichs. Der Mann dagegen muss die finanzielle Versorgung gewährleisten. Er arbeitet auf dem Feld, in der Fischerei, beim Bau oder in anderen Bereichen. Wenn die Möglichkeit besteht, wird die Frau durch Tätigkeiten außerhalb des Hauses den Erwerb ergänzen, sei es durch Lohnarbeit, Handarbeiten, Straßenverkauf etc. In armen wie in reichen Familien sind beide Geschlechter gewohnt, voll zu arbeiten.

Die Gleichstellung von Frau und Mann ist in der Verfassung verankert, und auch im Alltag werden Frauen geachtet

Exkurs Tabanka

Im portugiesischsprachigen Afrika wird ein Dorf, seine Dorfgemeinschaft sowie ihr Gefühl von Zusammengehörigkeit als Tabanka bezeichnet. Über Kap Verde ist Tabanka, den Pfaden des Sklavenhandels folgend, in die kreolische Welt, in die Karibik und nach Brasilien gelangt. In Kap Verde wird Tabanka weiter als Fest, als Schauspiel, prozessionsartiger Umzug und als Tanz zelebriert. Tabanka ist keine eigene Musikgattung, sondern beginnt und endet immer mit Batuko und integriert ihn. Wie andere Elemente des Brauchtums – so meinen einige Autoren –, sei auch die Tabanka auf den meisten Inseln verbreitet gewesen, doch unter den Verboten der Kolonialherren konnte sie sich nur auf Santiago als Teil der Badio-Kultur behaupten. Die aktivsten Tabanka-Gruppen im Inselinneren finden sich heute in den an steilen Hängen angesiedelten Dörfern, in denen früher Sklaven und Freigelassene lebten, am Rande der Gesellschaft und der Achadas, auf denen die Wohlhabenden und Mächtigen ihren Sitz hatten. Der Zeit feudaler Herrschaft und einer weniger durch Barmherzigkeit als durch ihren Alleinvertretungsanspruch auffallenden Kirche sind Rahmenhandlung und die Figuren der sozialen Spitze und herrschenden Norm entliehen, während sich in Detailhandlungen und insbesondere der Musik, den Sprechgesängen und Tänzen auch afrikanische Traditionen erhalten haben.

Ablauf

- Am Tag des Heiligen des Kirchsprengels wird die Heiligenfigur gestohlen, wobei die Diebe (ladrões) arbeitsteilig vorgehen – einer späht aus, der andere klaut.

- Mit Trommelwirbeln wird Kontakt mit dem Schutzheiligen aufgenommen, ergänzt durch Gebete und Gesänge am heiligen Ort der Tabanka, der Capela oder auch Corte (dt.: Hof, Hofstatt). Dort werden alle Utensilien aufbewahrt, und dorthin kehren die Akteure immer wieder zurück. Trommelspiel und Gesänge scheinen auf den ersten Blick urafrikanische Tradition, doch sie beachten die Folge eines Rosenkranzes, wobei die Trommelklänge den Ave Marias und Glorias

entsprechen (Semedo e Tu rano, 1997).

- Die Dorfgemeinschaft organisiert sich und sucht die Figur fieberhaft (Busca de Santo).

-Die Diebe (ladrões) werden von der Dorfgemeinschaft gestellt und gestehen in einem hochnotpeinlichen Verhör (interrogatório do ladrões), die Figur gestohlen und verkauft zu haben. Sie zeigen der Gemeinschaft den Weg zum Ort des Verkaufs im Hause der Königin (Raínha de Agasalho) bzw. des Königs (Rei de Bandeira).

-In einem triumphalen Umzug (cortejo) – begleitet von Trommelwirbeln, Trillerpfeifen und Schellen – wird der Erfolg der Dorfgemeinschaft der Öffentlichkeit gezeigt. Die Wechselgesänge der Finassom feuern den Batuko an, mit frenetischem Trommeln auf die zwischen die Oberschenkel gepressten Stoffbeutel und mit dem Hüftschwung der Tänzerinnen. Paare tanzen eleganten Funaná. Märsche und Tanzschritte im Marschrhythmus entsprechen denen von Zunftumzügen (irmandades) im Portugal des 18. Jahrhunderts. Der prozessionsartige Umzug sollte nach der reinen Tabanka-Lehre am siebten Tage nach dem Tag des Schutzheiligen stattfinden, doch in der Praxis zieht sich das Schauspiel über Wochen hin, da nur an den Wochenenden Zeit dafür bleibt.

                                                         

 

 

 

Kleine Kunstwerke

Correios de Cabo Verde, die Post des Landes, legt meist mehrere neue Briefmarkenserien im Jahr auf. Motive aus Fauna, Flora, Geschichte, Kunst und Sport folgen den herausragenden Ereignissen und Diskussionen im Land. Die Masse der Briefe und Postkarten läuft durch Freistempelmaschinen, doch auf jeder Post und an den Kiosken der Touristeninformation gibt es Marken.  Briefmarkenfreunde finden die beliebten Sondermarken an den Schaltern „Filatelia“ auf den Hauptpostämtern in Praia (Plateau) und in São Vicente in der Av. Christiano Sena Barcelos. Die erste Marke der Republik Cabo Verde entstand durch Überdruck des Wertes 1 Escudo der Serie „500. Geburtstag von Pedro Álvarez Cabral“, ausgegeben in der portugiesischen Überseeprovinz Cabo Verde am 22. April 1968, als Ausgabe „Independência“ am 19. Dezember 1975.

Der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser, beeindruckt nach einem Besuch in Cabo Verde 1973, schuf das Motiv „Vapor“ (Dampfschiff) mit Nennwerten von 10 bis 50 Escudos, wobei das Original von 1982 nie in Umlauf kam, sondern 1985 erstmals im Überdruck mit 30 Escudos Nennwert erschien, ergänzt um einen Block zu 4 x 50 Escudos in mehreren Farbvariationen. Diese und andere Marken wurden damals auch in Österreich gedruckt und stehen bei Sammlern hoch im Kurs.

Vorsicht vor dem Seeigel

Als kleine Inselökologie kann Cabo Verde keine Schlangen haben. Skorpione (lagrão) gibt es auf Santiago. Physalis physalis (engl.: Portuguese Man of War oder Bluebottle, kreol.: água viva), ein stark nesselndes Meerestier, kann die Badenden im Frühjahr ärgern. Auch die Begegnung mit einem Hundertfüßler (centopeia) an Land kann durchaus schmerzhaft sein. Letztlich ist nach der Häufigkeit der Verletzungen, die man als Arzt zu sehen bekommt, der Seeigel das gefährlichste Tier. Es gibt nur wenige davon, dafür umso mehr Menschen, die barfuß in den Pfützen am Meer herumstrauchen.

Reiseführer Cabo Verde – Kapverdische Inseln von Pitt Reitmaier und Lucete Fortes

Kapverdisch (Kiriolu) – Wort für Wort von Nicolas Quint

Titelfoto: Pitt Reitmaier