»Wer für die Zukunft spart, hat kein Vertrauen in Gott …«
Chilenische Volksweisheit

© Malte Sieber

 

Chile
República de Chile
Republik Chile

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
17 465 000 (60)

Bevölkerungsdichte
23 pro km²

Fläche
756 626 km² (Weltrang 37)

Hauptstadt
Santiago de Chile

Staatsform
Präsidialrepublik

Hauptsprachen
Spanisch

Währung
Chilenischer Peso (CLP)

Nationalfeiertag
18.09.

Internationale Ankünfte/Touristen
3 500 000 (2012)

Flugdauer
12.090,48 km ≈ 10 Std.

Länge
4800 km

Breite
180 km

 

Außengebiet
Osterinsel
Rapa Nui

Höchster Berg
Nevado Ojos del Salado 6891 m

Bio-Anbaufläche
29 068 ha (2011)

Nationalgetränk
Pisco (Traubenschnaps)

Weinproduktion
8 Mio Hektoliter

Dies und Das

Osterinsel – Rapa Nui

Die Osterinsel – oder in der Sprache ihrer Bewohner Rapa Nui – liegt so isoliert wie kein anderer bewohnter Ort auf der Erde. Über ihre Besiedlung, Geschichte und Kultur streiten die Gelehrten, Einigkeit aber herrscht bei Wissenschaftlern wie Touristen in einem Punkt: Ein Besuch der winzigen Insel ist ein unvergessliches Erlebnis!

Wer heute die Osterinsel besucht, dem bietet sich ein Bild voller Kontraste. Auf der einen Seite präsentieren sich die Rapanui als stolze, selbstbewusste Ethnie mit einer starken Bindung an ihre Wurzeln und einer überaus lebendigen Kultur. Dies ist um so bemerkenswerter, als das Volk im 19. Jahrhundert stark dezimiert, ja fast ausgerottet worden war.

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Die Blumen im langen Haar der Frauen, die bunten Tücher als Kopfschmuck der Männer, die beschwörenden Gesänge, die ausgelassenen Tänze – dies alles ist nicht nur gern präsentierte Folklore, sondern Teil der gelebten Alltagskultur. In vielen Familien wird das wohltönende, vokalreiche Rapanui gesprochen. Die Bewohner der Osterinsel leben in einfachen Verhältnissen, aber Armut sieht man nicht. Sie zahlen keine Steuern und leben gern – wie andere Völker tropischer Breiten – in den Tag hinein: Das nächste Kreuzfahrtschiff kommt bestimmt.

Die große Mehrheit der Insulaner lebt vom Tourismus – die einen als Gastwirte, Tourveranstalter oder Kunsthandwerker, andere indirekt als Fischer, Landwirte oder Zimmerleute. Etwa 200 Menschen arbeiten bei der Inselverwaltung, der Post und der Polizei; bei der Marine sind vorwiegend Festlandchilenen.

Hoch qualifizierte Arbeitsplätze sind rar auf der Osterinsel, es gibt auch keine weiterführende Schule.

Das Verhältnis der meisten Rapanui zu Chile ist gespalten. Einerseits gehört man irgendwie dazu, andererseits ist man hier, fast 4000 Kilometer vom „Conti“, nicht nur geografisch weit weg. Die staatlichen Stellen in Santiago und der zuständigen Regionalhauptstadt Valparaíso reagieren mit bürokratischem Desinteresse, wenn es um die Belange der Rapanui geht. So verwundert es nicht, dass kaum einer der rund 3000 Rapanui auf der Osterinsel (weitere 1500 leben auf dem Festland oder im Ausland) sich als Chilene fühlt.

Natur

Als „Insel auf dem Festland“ und „Land mit einer verrückten Geografie“ wird Chile gern bezeichnet. Beides stimmt: Das Land im Südwesten des südamerikanischen Kontinents ist durch die Andengipfel von seinen Nachbarn getrennt, inselartig abgeschnitten. Verrückte Geografie sowieso: 4300 Kilometer lang und durchschnittlich nur 180 Kilometer breit, ein Querschnitt durch alle Klimazonen außer der tropischen. Doch besser als diese Zahlen verdeutlicht eine gern zitierte Legende die kontrastreiche Natur des Landes: „Als Gott seine in sieben Tagen erschaffene Welt betrachtete, stellte er fest, dass noch einiges übrig geblieben war: Vulkane, Urwälder, Wüsten, Fjorde, Flüsse und Eis. Er gab den Engeln den Auftrag, alles das hinter einem langen Gebirge aufzuschütten – den Anden. So entstand Chile, das vielgestaltigste Land der Erde.“

Reisezeit

Chile hat das ganze Jahr über Saison.

Im Großen Norden kann man ganzjährig unterwegs sein und sollte höchstens versuchen, die Sommermonate Januar und Februar (teilweise auch März) zu meiden, wenn der sog. Bolivianische Winter auf dem Altiplano für Unwetter und Straßenschä den sorgt.

Mittelchile um Santiago ist von September bis April gut zu erkunden, wobei es im Hochsommer recht heiß werden kann.

Für den Süden ist der Südsommer (November bis März) die beste Jahreszeit – je weiter südlich, desto kürzer der Sommer.

Die meisten Chilenen verbringen ihre Ferien in den Sommermonaten; die Schulferien dauern von Mitte Dezember bis Anfang März.

Religion

70 % Katholiken, 15,1 % Protestanten, 12 % religionslos, Anhänger indigener Religionen

Tiere

Der Süden ist die tierreichste Region des Landes. Hier leben die größten und die kleinsten Vögel – Kondore und Kolibris, letztere häufiger zu sehen. Kondore wurden im 19. Jahrhundert gnaden los von den Grundbesitzern gejagt und getötet. Andere Vogelarten sind Schwarzhalsschwäne, Flamingos, Adler, Papageien und, ganz im Süden, Albatrosse und Pinguine.

Kleintiere wie Hasen und Wildkatzen bevölkern die dichten Wälder, Füchse streifen durchs Gelände, ungiftige Schlangen- und andere Reptilienarten sind ebenso zu finden wie zahlreiche Insekten. Ganz selten ist der Pudu, ein Zwerghirsch, der vorwiegend in der Region zwischen Chillán und Chiloé vorkommt. Selten geworden ist auch der stattliche Andenhirsch Huemul, der am ehesten noch in Schutzgebieten südlich von Coyhaique zu beobachten ist.

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König der Tiere ist der Puma, auch león, Löwe, genannt. Er kommt im gesamten Andengebiet vor. Der Puma kann über einen Meter lang werden, in der Höhe bis zu 60 Zentimeter. Er ist dunkelgelb, am Bauch etwas rötlich, auf dem Rücken am hellsten. Menschen brauchen den Puma nicht zu fürchten, es sei denn, er wird in die Enge getrieben oder ist verletzt.

Vor der Küste leben nicht nur zahlreiche Fisch- und Krustentiere, darunter die centolla (Königskrabbe), sondern auch viele verschiedene Säugetierarten. Die Mähnenrobbe, lobo del mar, ist nicht so selten, viel seltener wird man einen See-Elefanten zu Gesicht bekommen. Delphine sieht man häufiger.Lama Lasttiere und Milch-und Wolllieferant) und Alpaka (Wolllieferant) gehören zu den beiden domestizierten Andenkamelen. Die beiden wildlebenden Arten heißen Vicuña (feine, sehr edle Wolle) und Guanaco.

Essen

Die chilenische Küche ist eher bodenständig, reich an Fleisch und arm an kulinarischen Glanzlichtern. Ein paar lokale oder regionale Gerichte sind dennoch zu nennen.

Ob als Vorspeise oder Hauptgericht:

Eine cazuela – würziger Eintopf aus Huhn- oder Rindfleisch, Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, Mais, Bohnen, Erbsen, Möhren, Kürbis und Reis – weckt die Lebensgeister! Zum Essen bzw. davor wird überall Brot gereicht, vom einfachen Weißbrot über das hausgemachte pan amasado bis hin zu sopaipillas, kleinen Kürbisküchlein, dazu ein leckerer pebre, eine Soße aus Chilipfeffer, Knoblauch und Koriander. Vollkornbrot findet man hingegen nur selten, am ehesten noch in den großen Supermärkten oder bei deutschstämmigen Bäckern in Südchile.

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Asado wird sowohl das Essen als auch das gesellige Beisammensein genannt – vielleicht passt das englische Wort Barbecue am besten. Fleisch vom Schaf, Rind oder Spanferkel gart auf dem Grill oder über dem offenen Feuer. Zum Fleisch reicht man verschiedene Saucen.

Immer eine willkommene Zwischenmahlzeit sind die zahlreich angebotenen empanadas. Die Teigtaschen gibt es mit diversen Füllungen: als empanadas de queso mit Käse gefüllt und dann frittiert, als empanadas de mariscos mit Meeresfrüchten und aus dem Ofen oder als empanadas de pino, ebenfalls gebacken und mit einer Mischung aus Rindfleisch, Rosinen, Oliven, Zwiebeln und gekochtem Ei gefüllt.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Por favor/Gracias                      Bitte/Danke

Buenos días!                            Guten Tag!

Hasta luego!                             Bis bald!

Qué es esto?                            Was ist das?

Cómo?                                     Wie bitte?

Cómo se dice (en español)?       Wie sagt man (auf Spanisch)?

Donde está …?                          Wo ist …?

Quiero …/Quisiera …                Ich will …/Ich möchte gern …

Cuánto es (cuesta, vale) …?      Wieviel kostet …?

 

 

Kauderwelsch Spanisch für Chile – Wort für Wort Band 101/produkte/kauderwelsch-wort-fuer-wort/spanisch-fuer-chile-wort-fuer-wort-5630

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.de | www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Fremdenverkehrsamt: www.chileinfo.de

Deutsche Botschaft: www.santiago-de-chile.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen:http://www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Englischsprachige Online-Zeitung: http://www.santiagotimes.cl

Dos and Don’ts

Chilenen legen normalerweise viel Wert auf ein gepflegtes Aussehen. Man achtet auf seine Kleidung, trägt in den Städten keine Shorts, lediglich an den Badeorten der Pazifikküste. Angesagt ist gepflegte, aber nicht topmodische Kleidung. Kleidung. Extravaganzen sind selten, Geschäftsleute tragen die international üblichen grauen Anzüge. Kleider machen Leute, und für Chile gilt das besonders. Frau ist oft gut gestylt, Frisur und Make- Up sind wichtig, als hässlich gelten Achsel- und Beinbehaarung.

Die normalen Anredeformen sind Señor und Señora, unverheiratete Frauen werden gern mit Señorita angesprochen. Man duzt sich schnell und ohne Absprache, im Zweifel ist das förmlichere „Sie“ – „usted“ nicht falsch. Zur Begrüßung heißt es bis 12 Uhr mittags „buenos días“, danach „buenas tardes“, nach Einbruch der Dunkelheit sagt man „buenas noches“.

Selbst wenn man sich nicht kennt, begrüßen sich Mann und Frau mit einem Wangenkuss, Frauen untereinander auch, Männer wiederum mit Handschlag oder mit einem herzlichen Schulterklopfen. Männer grüßen immer erst die Frauen.

Pünktlichkeit ist keine lateinamerikanische Tugend, und obwohl die Chilenen als die Preußen des Kontinents gelten, hinkt der Vergleich doch gewaltig.

Exkurs Die Entdeckung von Rapa Nui

Als die kleine, aus drei Schiffen bestehende Flotte Jacob Roggeveens am Ostermontag des Jahres 1722 im Mar del Sud, der Südsee, auf eine Insel stieß, waren die Niederländer wohl ziemlich überrascht: Wochen für Wochen waren sie über den Pazifik gesegelt, an Land war fast nicht mehr zu denken. 3800 Kilometer waren sie von der chilenischen Küste entfernt, und dann, dann kam diese Insel in Sicht – und was für eine merkwürdige Insel: ein winziges Eiland, nicht mehr als ein Flecken auf dem riesigen Tischtuch des Pazifik, geformt wie ein Dreieck. Mit nur wenigen Einwohnern, die mühsam von der Fischerei und ein paar Früchten lebten. Keine Bäume, keine großen Sträucher, dafür aber Steinfiguren, kolossale Steinfiguren, drei Meter, vier Meter, manche gar über zehn Meter hoch, mit riesigen Köpfen, manche auch mit roten Kopfbedeckungen, mit spöttischem Blick, energischem Kinn und zusammengekniffenen Mündern. Die meisten waren umgestürzt, andere ragten drohend in den Himmel.

Weil gerade Ostern war, nannte Roggeveen die Insel „Paasch-Eiland“, Osterinsel. Er hätte auch die Bewohner nach ihrem Namen für das Eiland fragen können, wahrscheinlich wäre die Insel dann als Rapa Nui bekannt geworden. Ein passender Name wäre das gewesen, denn wie ein großer, weit entfernter, heller Flecken war dem Mann im Ausguck der Holländer das Land am Horizont erschienen – und genau das bedeutet der polynesische Name der Insel. Vielleicht hätten die Inselbewohner in ihrer Sprache

Rapanui aber auch „Te Pito o Te Henua“ geantwortet: „Nabel der Welt“ bedeutet das und bezeichnet ebenfalls die geografische Lage, denn keiner der Insulaner hatte geglaubt, dass außerhalb ihrer Insel und ihres Horizontes Land existierte. Auch wenn die alten Mythen davon erzählten, dass die Väter einst mit Hotu Matua über das Meer gekommen waren, sie selbst hatten nicht einmal genug Holz, um seetaugliche Kanus zu bauen.

 

Outdoor

Wilde, vielseitige Landschaften machen Chile zu einem Paradies für Out - door-Freunde.

Einsame Bergszenerien und riesige Seen, naturbelassene Flüsse, Thermen und Wasserfälle, endlose Pazifikstrände, enorme Gletscher und die endlose Wüste bieten traumhafte Möglichkeiten für Aktivurlauber. Viele fahren gar ausschließlich aus diesem Grund nach Chile, zumal man den meisten Outdoor-Aktivitäten frönen kann, wenn in europäischen Gefilden grauer Winter herrscht. Die Anden locken zum Bergsteigen, Trekking, Mountain-Biking und Reiten. Auch Skifahren kann man hier gut, allerdings wäh rend der europäischen Sommermonate. Glasklare Wildwasserflüsse laden zum Kajakfahren und Rafting ein. Surfer und Windsurfer tummeln sich in den Pazifikwellen, Gleitschirmflieger suchen die Aufwinde der Kordilleren, Sportangler den dicken Fang in patagonischen Flüssen.

Alle Texte aus: Chile und die Osterinsel von Malte Sieber

Titelfoto: Malte Sieber