»Die Ecuadorianer sind seltsame und einmalige Wesen: sie schlafen ganz ruhig mitten unter knisternden Vulkanen, sie leben arm inmitten von unermesslichen Reichtümern und sie freuen sich über traurige Musik.«
Alexander von Humboldt

Ecuador
República del Ecuador
Republik Ecuador

17:47 h | 14 °C

Das Land in Zahlen

Einwohnerzahl
15.738.000 (66)

Bevölkerungsdichte
61 pro km²

Fläche
256.370 km2 (Weltrang 76)

Hauptstadt
Quito

Staatsform
Präsidiale Republik

Hauptsprachen
Spanisch (offiz. Landessprache),
Quechua (wichtigste indianische Sprache)

Währung
US-Dollar ($)

Nationalfeiertag
10. August

Flugdauer
9.827,38 km ≈ 12 Std.

Höchster aktiver Vulkan
Cotopaxi, 5.897 m

Höchster Berg
Chimborazo, 6310 m

Endemische Pflanzen auf Galápagos
Rund 50 %

Pflanzenarten Ecuador
Über 20.000 bekannte Pflanzen

Kolibriarten
über 130

Export von Schnittblumen
114.000 Tonnen Blumen (2006) (Weltrang 4)

Dies und Das

Natur

Das Relief von Ecuador lässt sich in drei topografische Großräume einteilen: westliches Küstentiefland (Costa), zentrales Andenhochland (Sierra) und östliches Tiefland (Oriente), das Teil des großen Amazonasbeckens ist. Hinzu kommen die  Galápagos-Inseln, die vulkanischen Ursprungs sind.

In Ecuador durchziehen die Anden zentral das Land von Norden nach Süden und nehmen dabei ein Viertel der Landesfläche ein. Das nördliche Hochland ist der junge, geologisch aktive Abschnitt der ecuadorianischen Anden 

Östlich der ecuadorianischen Andenkette breitet sich das Gebiet des Oriente (span. = Osten) aus. Der offizielle Name des Oriente lautet Región Amazónica (Amazonien). Auf die größte Region Ecuadors entfällt beinahe die Hälfte der Landesfläche, die sich räumlich in einen nördlichen und einen südlichen Teil gliedern lässt, wobei die natürliche Trennungslinie durch den Río Pastaza gebildet wird.

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mit explosivem Vulkanismus, regelmäßigen Erdstößen (temblores) und gelegentlichen Erdbeben (terremotos). Das südliche Hochland ist der alte, geologisch nicht-aktive Abschnitt der ecuadorianischen Anden, der bei weitem nicht die Höhen des nördlichen Hochlandes erreicht. Stattdessen befinden sich hier große Wassereinzugsgebiete wie z.B. der Río Paute, der wasserreichste Fluss der gesamten ecuadorianischen Sierra.

Das im Durchschnitt 100 km breite westliche Küstentiefland nimmt ein weiteres Viertel der Landfläche ein und wird von einem durchschnittlich 300 bis 600 m hohen Küstengebirge durchzogen, das die Ebene in zwei Bereiche teilt: den maritimen Bereich westlich der Bergkette mit flachen Küsten und ausgedehnten Stränden und das zentrale Tiefland zwischen dem Mittelgebirge und der westlichen Andenkordillere.

Galápagos-Inseln

Der Archipel liegt beinahe 1000 km vor der Westküste Südamerikas direkt am Äquator auf ungefähr 90 Grad westlicher Länge und umfasst 13 Inseln, die größer als fünf Quadratkilometer sind, sechs kleinere Inseln (bis 5 km2) sowie mehr als 40 Eilande. Die Inselwelt insgesamt bedeckt eine Landfläche von 7882 km2. Das gesamte Marinereservat ist mehr als 45.000 km2groß.

Als vor einigen Millionen Jahren die Vulkaninseln von Galápagos aus dem Meer auftauchten, gab es auf ihnen noch kein Leben. Zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass Tiere und Pflanzen vom südamerikanischen Festland auf die Inseln gelangten. Doch stellt sich die Frage: Wie konnten sich, bei einem relativ jungen geologischen Alter der Inseln, so viele Unterarten von Pflanzen und Tieren auf Galápagos entwickeln, die es in diesem Artenreichtum auf dem benachbarten Kontinent nicht gibt? Aus diesem Phänomen resultiert eine hohe Anziehungskraft der Galápagos-Inseln für Evolutionsforscher.

Tiere

Die Tierwelt Ecuadors ist aufgrund des vielfältigen Klima- und Landschaftsgefüges ausgesprochen artenreich.

Unter den Säugetieren ist der Berg- Tapir (Tapirus pinchaque) das größte und gleichzeitig eines der seltensten Tiere Südamerikas. Neben wilden Pferden und Rindern begegnet man während einer Hochlandtour sehr wahrscheinlich Hasen und vielleicht dem Anden-Pudu, der zum seltensten Hochwild der Welt gehört. Ebenso selten trifft man auf den Brillenbären.

 

 

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Mit etwas Glück hat man Gelegenheit, den größten aller Flugvögel, den Anden-Kondor (Wappentier Ecuadors) zu bestaunen. Dazu gesellen sich Tukane, Papageien, Kolibris, Kormorane, Pelikane und weitere knapp 1500 Vogelarten.

In den Regenwäldern Ecuadors leben unzählige Insekten, Amphibien und Reptilen wie auch die 10 m lange Anaconda und die Boa constrictor.

Die Galápagos-Inseln sind ein faszinierender Naturraum mit ganz besonderen Umweltbedingungen, die einzigartige Tier- und Pflanzenarten hervorbrachten, die zum großen Teil nur auf diesen Inseln vorkommen (endemisch sind). Neben bizarren Landschaften gehören die Galápagos-Schildkröten, der flugunfähige Kormoran, der Blaufußtölpel, der Fregattvogel, der Galápagos-Albatros, die landlebenden Drusenköpfe und ihr maritimes Pendant, die Meerechsen, sowie die verspielten Seelöwen zu den Attraktionen der Inseln.

Alle Tiere leben in freier Natur und sind dabei so zahm, dass man sofort den Wunsch verspürt, sie zu berühren – was jedoch zu Recht nicht erlaubt ist.

 

Essen

Die ecuadorianische Küche ist eine Symbiose aus andinen und spanischen Esstraditionen und den lokalen  Grundnahrungsmitteln. Die vorspanische Ernährungsweise im Andenraum war weitgehend vegetarisch bis auf Fisch an der Küste und im Hochland gelegentlich Lama, Meerschweinchen oder Wild. Die lokalen Grundnahrungsmittel werden seit Tausenden von Jahren im Andenraum angebaut: Mais, Kartoffel, Bohne, yuca (Maniok), ají (Chili), Tomate, Avocado, Erdnuss, achiote. Andere einheimische Lebensmittel, die die tägliche Ernährung bereichern sind: Lupinen (chochos), quinua und zahlreiche weitere Hülsenfrüchte,

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Getreide und Kartoffelarten, die in Mitteleuropa noch immer unbekannt sind. Außerdem gibt es eine große Bandbreite von einheimischen Früchten.

Die Spanier brachten Schafe, Ziegen, Hühner, Rinder und Schweine ins Land – heute ist Fleisch wichtiger Bestandteil der Nahrung. Außerdem  kultivierten sie den Weizenanbau. Weitere durch die Spanier etablierte Lebensmittel sind Reis, Banane, Zuckerrohr, Zwiebeln und Knoblauch. Die eingeführten Tiere, die Gemüse- und Fruchtsorten passten sich optimal an die neue Umgebung an.

Trotz des riesigen Angebots an frischen Waren sind die meisten Ecuadorianer an feste Essensriten gewöhnt und nicht besonders experimentierfreudig. Die Essgewohnheiten variieren von Region zu Region.

Reisezeit

Das landschaftlich-klimatische Spektrum Ecuadors ist sehr groß. Dadurch kann keine auf das gesamte Land anwendbare ideale Reisezeit vorgeschlagen werden. Prinzipiell kann Ecuador das ganze Jahr über bereist werden.

Wie der Name schon verrät, liegt die Republik direkt am Äquator, also im Bereich der inneren Tropen. Das heißt in erster Linie: Es kommt im Jahresverlauf nicht zu großen Temperaturschwankungen, und damit existieren auch keine Jahreszeiten wie in Europa.

An der Küste und auf Galápagos herrscht von Januar bis April Regenzeit. Zum Reisen angenehmer ist an der Küste die Trockenzeit, auf Galápagos die Regenzeit.

Volksgruppen

Hinsichtlich der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung Ecuadors gibt es differierende Zahlen, je nachdem, wie zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen unterschieden wird. Im Allgemeinen aber lässt sich sagen, dass etwa 36 % der Bevölkerung Indígenas sind, 42 % Mestizen, also Nachfahren von Indígenas und Weißen, ca. 10 % sind Weiße, 10 % Schwarze und Mulatten und 2 % asiatischer Herkunft.

Ecuador ist eines der Länder Lateinamerikas mit dem höchsten Anteil indigener Bevölkerung bei gleichzeitig niedrigstem Anteil Weißer an der Gesamtbevölkerung. Die meisten Indígenas leben nicht mehr traditionell: Die starke Verstädterung, die spanische Amtssprache, ein anderes Wirtschaftsmodell und ausländische Einflüsse führten zur Anpassung an die Welt der Mestizen.

Religion

Offizielle Statistiken machen es sich einfach: Sie sprechen von einer katholischen Mehrheit in Ecuador:

ca. 85 % römisch-katholisch, die Übrigen Protestanten, Juden, Anhänger von Naturreligionen.

Die Wirklichkeit stellt sich aber komplizierter dar. Traditionelle Vorstellungen mischen sich seit der spanischen Conquista mit katholischem Gedankengut.

Um die katholischen Feiern begehen zu können, ohne die eigene Religion vollständig aufzugeben, wurden Darstellungsformen gesucht und gefunden, die zum größten Teil der traditionellen Kultur entnommen wurden. So wird z.B. im Otavalo-Tal das Fest des Heiligen Johannes des Täufers (24. Juni) auf ganz eigene Art gefeiert. Vermutlich wurde einem alten Sonnenwendfest aus vorchristlicher Zeit ein christlicher Inhalt gegeben. Eine Woche lang ziehen die verkleideten Männer tanzend und musizierend durch die Dörfer. Ähnlich wie auch zu anderen Anlässen hat der Schutzheilige des Tages nur wenig oder gar nichts mit dem Fest an sich zu tun.

Tipps

Wörter die weiterhelfen

Die Landessprache Ecuadors ist Spanisch oder genauer gesagt das caste l lano. Es gibt keine Dialekte, doch bestehen Unterschiede in der Sprachmelodie zwischen der Küste und der Sierra. In der Sierra wird sehr langsam und deutlich, an der Küste schnell und undeutlich gesprochen, Wortendungen werden teilweise verschluckt.

Viele Indianer im Hochland der Sierra sind zweisprachig. Neben dem castellano sprechen sie das von den Inkas aufgezwungene Quechua, heute die zweite Landessprache.

 

Estoy buscando … / Ich suche
Estoy buscando un banco. Ich suche eine Bank.

¿Hay …? / Gibt es …?
¿Hay algo para comer? Gibt es etwas zu essen?

¿Dónde hay …? / Wo gibt es …?
¿Donde hay un médico?Wo gibt es einen Arzt?

¿Dónde está …? / Wo ist …?
¿Donde está la librería? Wo ist die Buchhandlung?

¿Tiene (usted) …? / Haben Sie …?
¿Tiene usted sueltos? Haben Sie Kleingeld?

¿Puedo tener …? / Kann ich … haben?Quiero … / Quisiera
Ich will … / Ich möchte gern …

¿Cuánto es (cuesta, vale) …?
Wie viel kostet…?

Por favor / Gracias – Bitte / Danke

Buenos días – Guten Tag

Hasta luego – Bis bald

¿Qué es esto? – Was ist das?

¿Cómo? – Wie bitte?

¿Cómo se dice (en español)?
Wie sagt man (auf Spanisch)?

Kauderwelsch Spanisch für Ecuador Wort für Wort Band 96

Links die weiterhelfen

Einreisebedingungen: www.auswaertiges-amt.dehttp://www.bmaa.gv.at | www.eda.admin.ch

Botschaft: http://www.ecuadorembassy.de

Deutsche Botschaft: www.quito.diplo.de

Reise- und Gesundheitsinformationen: http://www.crm.de

Einführ- und Ausfuhrbestimmungen: www.zoll.de | www.bmf.gv.at | www.ezv.admin.ch

Dos and Don’ts

Die üblichen Höflichkeitsfloskeln sollten von jedem Reisenden beherrscht werden, freundlich vorgebracht wird einem die gleiche Freundlichkeit zurückgegeben, sie dienen als Türöffner für alle weiteren Kontakte: por favor (bitte), gracias (danke), buenos dias (Guten Tag), buenas tardes (Guten Nachmittag/Abend), hasta luego/adiós (Auf Wiedersehen). Eine(n)  Unbekannte(n) spricht man mit Señor, Señora oder Señorita an.

Der normale Gruß in informellen Situationen ist Hola, como estás? oder Hola, qué tal? (Hallo, wie geht es dir?). Die Frage nach dem Befinden ist mehr eine Floskel und wird meistens mit gracias beantwortet. Allerdings kann man ruhig ehrlich antworten, so dient die Antwort als Gesprächseröffnung.

Die Ess-Sitten sind im Umgangsbereich der Ausländer ganz ähnlich wie in Europa. Man isst mit Messer, Löffel und Gabel. Man wünscht vor dem Essen „buen provecho“ (Guten Appetit), nach dem Essen sagt man der Köchin oder dem Koch „muchas gracias“. An Garküchen oder auf Märkten essen die Leute unabhängig von ihrer sozialen Schicht auch mit den Fingern.

Auf dem Land und unter den Indígenas gibt es viele Familien, die als Besteck nur große Löffel verwenden.

Gastfreundschaft wird groß geschrieben und eine Einladung ist schnell ausgesprochen. Wird man von flüchtigen Bekannten oder neuen Arbeitskollegen eingeladen, dann ist das so lange nicht wirklich ernst zu nehmen, bis ein konkretes Datum vereinbart wird.

Auf Kleidung wird sehr viel Wert gelegt, repräsentiert sie doch den sozialen Status. Auch die ärmeren Leute sind bemüht, korrekt und sauber gekleidet zu sein. Zu besonderen Anlässen wird ein Anzug oder ein Kostüm angezogen.

Die Ecuadorianer sind gegenüber der oft lässigen Kleidung der europäischen Touristen tolerant. Unverständnis wird allerdings gegenüber kaputter und schmutziger Kleidung gezeigt, schließlich müssten es sich die Europäer doch leisten können. Für besondere Gelegenheiten sollte auf jeden Fall etwas Schickes parat sein.

 

Kriminalität ist deutlich weiter verbreitet als in Europa. Dies gilt insbesondere für Diebstahldelikte und Überfälle. Man sollte seine Wertgegenstände nicht offen zur Schau stellen und im Dunkeln nicht alleine unterwegs sein, sondern das Taxi nehmen. Auf keinen Fall sollte man im Falle eines Überfalls den Helden spielen!

Exkurs: Pünktlichkeit

Wie man sieht, ist Zeit ein nicht so kostbares Gut wie in Deutschland und es wird großzügiger mit ihr umgegangen. Gegenüber  verschwendeter Zeit herrscht ein gewisser Gleichmut. Der Ärger ist geringer, wenn jemand umsonst irgendwo hingegangen ist; überhaupt geht man eher persönlich irgendwo vorbei als anzurufen. In Schlangen wird vergleichsweise geduldig gewartet. Bekannte werden bei Erledigungen begleitet, einfach um ein bisschen zu reden. Positiv betrachtet bedeutet dies, dass Ecuadorianer ihre Zeit eher den anderen widmen, als es in der deutschen Gesellschaft verbreitet ist. Die negative Seite ist das leidige Thema Pünktlichkeit. Durchschnittlich sind Ecuadorianer wesentlich unpünktlicher als Deutsche. Wie der Rest Lateinamerikas gilt Ecuador als Land des Mañanas (Morgen). Mañana steht hier für die Antwort auf eine Frage. Man sagt diesen Ländern nach, dass grundsätzlich alles auf Morgen verschoben wird. Morgen bedeutet in diesem Fall irgendwann in der Zukunft, nur nicht jetzt. Das Leben wird locker angegangen, ohne Hektik, man lässt sich nicht so vom Zeitdruck der Industrieländer vereinnahmen. Das beinhaltet auch die mangelnde Pünktlichkeit bei Verabredungen, Öffnungszeiten, Fahrplänen etc. Zeitangaben sind mit einer gesunden Skepsis zu genießen. Auch die ecuadorianischen Wörter für „sofort“ und „gleich“ (ya mismo, ahora mismo) dürfen nicht wörtlich genommen werden.

Als Reisender sollte man Toleranz walten lassen. Zeitliche Unzuverlässigkeit ist anders als in Deutschland keine direkte Kränkung gegenüber den Mitmenschen. Pläne und Verabredungen sind in Deutschland verbindlich, weil sonst das ganze System zusammenbricht. Im  ecuadorianischen System spielen ja andere Faktoren eine wichtigere Rolle.

Trotzdem erwacht auch in Ecuador langsam ein Bewusstsein dafür, dass mangelnde Pünktlichkeit gegenüber den Mitmenschen unhöflich ist – und außerdem nicht wirtschaftlich. Inzwischen gibt es Kampagnen von Regierungsseite gegen die Unpünktlichkeit. Im Jahr 2003 wurde ein Gedenktag der Pünktlichkeit eingeführt. Bezeichnenderweise kam der Präsident zu einer dieser Regierungsansprachen für die Pünktlichkeit 20 Minuten zu spät.

Eine Ausnahme bildet die Stadt Ambato. Hier wird Pünktlichkeit groß geschrieben. So bedeutet der Ausdruck hora ambateña, dass Pünktlichkeit erwünscht ist. Dasselbe signalisieren folgende Zusätze: puntualidad alemana (deutsche Pünktlichkeit), puntualidad suiza (schweizerische Pünktlichkeit), hora inglesa (englische Uhrzeit). Hora ecuatoriana dagegen bedeutet eine gewisse Unpünktlichkeit

Alle Texte aus dem Reiseführer Ecuador, Galapagos von Wolfgang Falkenberg

Uhrzeit und Temperatur: Quito

©Titelfoto: Julia Paffenholz